Manifest für eine bürgerliche
Revolution
Wie wir aus der Finanznot eine Tugend machen. Oder: Neoliberal heißt
noch lange nicht indiskutabel!
Aufstand der Mittelschichten
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"Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern
zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe"
(Matthäus
7,15)

Einführung
18. August 2006
Auf der Terrasse des Schlosscafés mit Blick auf den Karlsruher
Schlosspark schreibe ich den Kern des Manifests für eine bürgerliche
Revolution. In den Herrnhuter Losungen
steht unter dem 18. August 2006: "Ich bin der Herr, der das Recht
liebt und Raub und Unrecht hasst" (Jesaja 61,8). Genau! Ich sehne
mich nach Gerechtigkeit und brandmarke die Ausbeutung der Jungen durch
die Alten, der Familien durch die Kinderlosen, der Arbeitslosen durch
die Arbeitsplatzbesitzer. Ich meine diejenigen Arbeitsplatzbesitzer, die
von der Kartellmacht der Gewerkschaften und vom Kündigungsschutz
profitieren und auf Kosten der Allgemeinheit nicht nur überhöhte
Löhne einstreichen, sondern weitere Privilegien genießen -
genannt soziale Sicherheit. Auch wollen sich die wirklichen Leistungsträger
dieser Gesellschaft nicht länger durch "Lebenskünstler"
übervorteilen lassen, die es als ihr Recht ansehen, die üppig
mit Steuergeldern ausgestatteten Sozialsysteme auszunutzen. Immer mehr
Menschen in unserem Land werden auskömmlich versorgt obwohl sie bestenfalls
teilweise für die Kosten aufkommen oder aufgekommen sind.
Es sind ja nicht nur die Hartz-IV-Empfänger, die sich nicht selten
nur deswegen Kinder zulegen, weil der Sozialstaat erst dann so richtig
spendabel wird. Da ist in erster Linie das wachsende Heer der "jungen
Alten", sprich der Pensionäre, Rentner und Frührentner
- allen voran die aus Ostdeutschland. Zu nennen sind ferner die vielen
kinderlosen Frauen, die oft nicht einmal halbtags berufstätig sind
und sich ansonsten von ihrem Partner oder von ihrem Verflossenen aushalten
lassen. Tagsüber sieht man im öffentlichen Raum, von den Rentnern,
Schülern und von der Mittagspause einmal abgesehen, praktisch nur
Frauen - beim Shoppen, beim Kaffeetrinken mit einer Freundin, beim Walken,
beim Spazierengehen mit dem Hund. Wenn das alles mehrfache Mütter
aus der Mittelschicht wären, bräuchten wir uns um den Fortbestand
der abendländischen Kultur schon weniger Sorgen zu machen. Bis auf
diejenigen, die vom Versorgungsstaat korrumpiert wurden und resigniert
haben, sind die
Männer untertags fast alle bei der Arbeit. Weiter vorne sieht
man sie zum Beispiel auf einem Baugerüst und auf dem Dach herum klettern.
Dass es die meisten Frauen spielerischer und ruhiger angehen lassen können,
liegt natürlich vor allem auch an den tief verwurzelten Rollenerwartungen
von Mann und Frau. Diese kann und will ich nicht ändern. Da die
Gesellschaft wie eh und je erwartet, dass der Mann der Familienversorger
ist, darf der Staat aber nicht länger die Berufstätigkeit von
Müttern fördern. Vor allem junge Mütter sollten im Zweifel
für ihre Kinder da sein und nicht den Männern zusätzliche
Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt machen! Aus diesem Grund fordere ich die
Einstellung
jeglicher Frauenförderung und die Abschaffung der offiziellen
und inoffiziellen Frauenquoten (z.B. im Öffentlichen Dienst). Insbesondere
darf das Doppelverdienertum nicht mehr
per Ehegatten-Splitting steuerlich gesponsert werden. Kein weiterer Ausbau
staatlicher Verwahranstalten von unter Dreijährigen, genannt Kinderkrippen.
Nein
zum Elterngeld, das auf berufstätige Mütter abzielt und
kinderreiche Familien aus der Mittelschicht benachteiligt! Die Einstiegshürden
ins Berufsleben müssen verschwinden, vor allem damit wieder mehr
Männer in die Lage versetzt werden, eine Familie zu ernähren.
Nur so können wir das Problem der Überalterung in den Griff
bekommen. Aber auch damit junge Frauen nicht mehr so schnell auf die Idee
kommen, Kinder in die Welt zu setzen, um Sozialhilfe beanspruchen zu können!
Abbauen können wir die Barrieren für den Berufseinstieg, -wiedereinstieg
und -umstieg in dem Maße, wie wir die sozialen Besitzstände
der Arbeitsplatzinhaber abbauen. Tear Down
The Wall!
Ich brandmarke die Ausbeutung durch so manchen Schnarchsack, der im Überfluss
lebt, weil er von Marktverzerrungen profitiert, welche Folge des Gestrüpps
von Steuergesetzen, der Bürokratie und Regelungswut des Staates sowie
staatlicher Umverteilungsmaßnahmen sind. Unser korporatistisches
System "Soziale Marktwirtschaft" ist inzwischen weder sozial
noch eine Marktwirtschaft, es ist eine Oligarchie (eine Herrschaft einiger
Weniger) mit Hang zur Vetternwirtschaft: Ein Geklüngel von Unternehmern,
staatlichen und halbstaatlichen Banken, Beamten, Gewerkschaftlern und
anderen Lobbyisten, linksintellektuellen Experten, Journalisten, Künstlern
und Kulturschaffenden, Kirchenvertretern und Politikern, dessen tieferer
Sinn vor allem die Wahrung von Besitzständen ist (--> Hörbücher
von Wolfgang
Münchau ,
Olaf
Baale
und Hans
Herbert von Arnim ).
Vordergründig handelt man im Interesse der Schaffung von Arbeitsplätzen
und des sozialen Ausgleichs. In Wirklichkeit bewirken verkrustete Strukturen
und ein strukturkonservativer Finanzmarkt in Deutschland die Fehlleitung
von Kapital zum Beispiel zugunsten unrentabler Industriebetriebe, die
oftmals künstlich über Wasser gehalten werden. Staatliche Subventionen
führen zur Beibehaltung alter Zöpfe wie dem Kohlebergbau und
der staatlich geförderten Überproduktion in der Landwirtschaft.
In anderen Fällen ermöglichen sie die bloß vorübergehende
Ansiedlung von modernen Produktionsstätten wie im Falle Nokia in
Bochum.
1993 sagte Kanzler Helmut Kohl in einer Regierungserklärung: "Wir
können die Zukunft nicht dadurch sichern, dass wir unser Land als
einen kollektiven Freizeitpark organisieren". Er trat damit Forderungen
nach kürzeren Arbeitszeiten entgegen - und hatte Recht! Doch entgegen
den Lippenbekenntnissen hat sich Kohls CDU wie auch die anderen etablierten
Parteien nach Kräften daran beteiligt, Deutschland in eine Art DDR
2.0 zu verwandeln. Die Dominanz der Sozialheinis in der politischen Klasse
hat zu einer dramatischen Prioritäten-Verschiebung im kulturellen
Gefüge der europäischen Gesellschaften geführt. Unter anderem
mit der Folge, dass die Arbeitsmoral genauso rapide abnimmt wie die Erlebnisparks,
der Medienkonsum und die Leibesfülle zunehmen. Man kann den Flurschaden
für die gesellschaftlichen Anreizsysteme auch etwas differenzierter
und punktgenauer ausdrücken, wie etwa der Philosoph und Unternehmensberater
Wolfang Berger: "Unsere besten Köpfe werden mit den größten
Auszeichnungen dazu motiviert, die kleinsten Details zu erforschen. Unsere
besten Unternehmer werden mit den höchsten Gewinnen dazu motiviert,
die niedrigsten Bedürfnisse zu befriedigen. Unsere besten Politiker
werden mit den eindrucksvollsten Wahlergebnissen dazu motiviert, die kurzfristigsten
Partikularinteressen durchzusetzen. All das bereitet unseren kollektiven
Selbstmord vor." (Business
Reframing :
Erfolg durch Resonanz; S. 48).
Eine überhöhte Staatsquote sowie Eingriffe von Seiten des Staates
an der falschen Stelle verursachen Wettbewerbsverzerrungen, durch die
innovative Unternehmen und motivierte Arbeitskräfte ausgebremst werden,
und dies zum Schaden der gesamten Wirtschaft und Gesellschaft. Verschleiert
mit der politischen Formel von der "sozialen Gerechtigkeit"
produziert unsere sogenannte "Soziale Marktwirtschaft" massive
Ungerechtigkeiten. In erster Linie werden die jüngeren Generationen
übervorteilt. So wird durch den Kündigungsschutz für altgediente
Mitarbeiter, durch hohe Ausbildungsvergütungen, festgezurrte Gehälter
und Mindestlöhne der Einstieg ins Berufsleben für junge Menschen
und für Wiedereinsteiger (bzw. Wiedereinsteigerinnen) systematisch
erschwert.
Welt-Redakteur Clemens Wergin beklagt, dass die Arbeitslosigkeit junger
Menschen vor allem in den Südländern Europas dramatische Ausmaße
angenommen hat: "Besonders deutlich wird das bei einigen der Problemstaaten,
die auch bei der Jugendarbeitslosigkeit am schlechtesten abschneiden.
Spanien (45,7 Prozent), Griechenland (38,5) und Italien (27,8). Diese
Länder haben besonders verknöcherte Strukturen und eine Politik,
die seit Jahren darin versagt, Arbeitsverhältnisse zu liberalisieren,
Berufsgilden zu öffnen und die Ausbildung an die Bedürfnisse
des Arbeitsmarktes anzupassen. Da das System so nicht mehr wettbewerbsfähig
war, verschlankten sich die Unternehmen in den Vorkrisenjahren, indem
sie den Jungen oft nur befristete Arbeitsverhältnisse anboten oder
schlecht bezahlte. Die Jungen mussten also die goldenen Privilegien der
älteren Generationen mitbezahlen. In der Krise sind die Zeitarbeitsverträge
der Jungen dann die, die am einfachsten auflösbar sind. Die hohe
Jugendarbeitslosigkeit in manchen EU-Ländern ist in erster Linie
ein Versagen der politischen Eliten. Und zwar nicht weil der Staat'
für Jobs zu sorgen hätte, wie viele der etatistisch gestimmten
Demonstranten in Spanien meinen. Sondern weil die Politik Verkrustungen
nicht aufgelöst hat und so verhindert, dass die Wirtschaft ihre Potenziale
entfaltet. Und durch die Globalisierung werden die Folgen schlechter Regierungsführung
in den alten Industriestaaten deutlicher spürbar als früher"
(Welt
vom 11.08.2011: Was die EU mit ihrer Jugend macht, ist Kamikaze).
Die vom Staat verordnete soziale Sicherheit für die Besitzer einer
sozialversicherungspflichtigen Arbeitsstelle bedeutet die Verdrängung
aus dem Arbeitsleben für Berufseinsteiger! Betroffen sind außerdem
Inhaber von prekären Arbeitsverhältnissen und Arbeitssuchende
nach einer Phase der Selbstständigkeit. Darüber hinaus bewirken
die üppigen Sozialleistungen für Rentner, Pensionäre und
Langzeitarbeitslose die Ausgrenzung von immer mehr Menschen aus der Erwerbsarbeit,
da sie hohe Steuern, Gebühren und Sozialabgaben (Lohnnebenkosten)
nach sich ziehen, welche die Arbeitskosten erhöhen und damit die
Wirtschaftstätigkeit bremsen.
Unter anderem hieraus ist zu erklären, warum junge Leute immer seltener
eine Familie gründen und immer weniger Kinder bekommen. Spätestens
wenn die Sozialsysteme zusammengebrochen sind, wird es landauf landab
heißen: "Politisch korrekt ist, was ohne staatliche Hilfe funktioniert".
Von einer selbsttragenden Wirtschaft, einem nachhaltigen Arbeitsmarkt
kann erst gesprochen werden, wenn es keine Langzeitarbeitslosen mehr gibt
und nur noch eine geringfügige friktionelle Arbeitslosigkeit. Sozial
ist, was Arbeit schafft! Der Arbeitsmarkt soll
wieder zum Markt werden, denn ein Arbeitsverhältnis ist keine
Ehe.
Das Argument, man könne von niedrigeren Löhnen nicht leben,
greift nicht. Zum einen ist das Leben auch lebenswert, wenn man sich einschränken
muss. Zum anderen würde das Preisniveau sinken, wenn die Einkommen
sinken würden. Insbesondere der Mietpreis für günstigen
Wohnraum würde fallen, wie er umgekehrt dort steigt, wo das Einkommensniveau
steigt, z.B. weil junge Mütter noch unbedingt dazuverdienen wollen.
Außerdem erhöhen Niedriglöhne den Anreiz, sich weiterzubilden
und Karriere zu machen. Friedrich Nietzsche ließ seinen Zarathustra
sagen: "Wahrlich, wer wenig besitzt, wird um so weniger besessen:
gelobt sei die kleine Armut! Dort, wo der Staat aufhört, da beginnt
erst der Mensch, der nicht überflüssig ist: da beginnt das Lied
des Notwendigen, die einmalige und unersetzliche Weise."
Der Staat im Kollektivismus-Rausch schröpft die Produktiven und
die noch im Lande verbliebenen Reichen, um mit staatlichen Geldern seine
"armen" Schützlinge von sich abhängig zu machen. Der
Aderlass durch Zwangsabgaben, angeblich legitimiert durch die Begriffe
"Gleichheit" und "soziale Gerechtigkeit": Damit saugt
sich der Staat voll. Die sozialstaatliche Entmündigung, die mit der
Gewährung von Staatsknete verbunden ist: Damit erweitert er seine
Macht und wird zum Platzhirsch par Excellence. Vom Erfindungsreichtum
der Sozialpolitiker beim Abschöpfen und beim Anpeilen weiterer Zielgruppen
für die staatliche Fürsorge profitieren alle, die den Staat
anzapfen bzw. direkt oder indirekt von ihm leben. Das betrifft mindestens
die Hälfte der Bevölkerung! Wenn man die Rentner und pensionierten
Beamten, das Gesundheitswesen und die vom Staat gesponserten kirchlichen
und karitativen Einrichtungen einbezieht, dürften es gut 60 Prozent
sein.
Hans-Werner Sinn hat darauf hingewiesen, dass der Anteil der Staatsausgaben
an der Wirtschaftsleistung bei uns höher ist, als allgemein angenommen.
Bezogen auf das Netto-Inlandsprodukt hatte Deutschland 2003 eine Staatsquote
von 57,4 Prozent, bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt (wie meistens zitiert)
von 48,9 Prozent. Im Brutto-Inlandsprodukt sind jedoch die gesamtwirtschaftlichen
Abschreibungen enthalten, die laut Sinn nicht als Leistung einer Volkswirtschaft
bezeichnet werden können. Daher sei das Nettoinlandsprodukt die "theoretisch
richtige Größe, auf die es ankommt". Der Präsident
des ifo-Instituts in München schließt daraus: "Im Lichte
der auf das Nettoinlandsprodukt bezogenen Staatsquote von 57,4 Prozent
gehört Deutschland offenkundig zu den Ländern, die dem Kommunismus
bereits deutlich näher stehen als der Marktwirtschaft. So gesehen
trifft der Jurist Arnulf
Baring den Punkt, wenn der das bundesdeutsche Wirtschaftssystem als
"DDR light" kennzeichnet." (Hans-Werner Sinn 2005: Ist
Deutschland noch zu retten? Seite 320).
Durch den Umverteilungsstaat ist ein undurchschaubarer Wirrwarr von Geldflüssen
und Privilegien entstanden, welcher der Effizienz des optimalen Faktoreinsatzes
durch die Marktkräfte entgegenwirkt. Unsere Sozialsysteme und der
ganze Wohlfahrtsstaat produzieren Fehlanreize ohne Ende. Aber das ist
nicht das Schlimmste. Die wahnwitzige Staatsverschuldung
Deutschlands in Höhe von mittlerweile rund 2 000 000 000 000 Euro
(zwei Billionen Stand Frühjahr 2011) lässt erahnen, dass diese
kollektivistische Misswirtschaft wegen mangelnder Nachhaltigkeit in nicht
mehr allzu langer Zeit den Offenbarungseid leisten muss. In Griechenland,
Irland und Portugal ist es bereits so weit - und Deutschland soll jetzt
auch noch das Sozial-Klimbim
anderer europäischer Pleitegeier-Staaten finanzieren?!
Die Berufseinstiegsbarrieren müssen weg, sonst werden vor allem
junge Männer aus der Unterschicht (mit oder ohne Migrationshintergrund)
immer aggressiver und gewalttätiger auftreten. Tear-Down-The-Wall!
Die Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal der Jüngeren
und der kommenden Generationen beklagt zum Beispiel Hans-Werner Sinn,
der angeblich der sozialen Kälte das Wort redet: "Die
Väter und Mütter, die sich in ihren sicheren Arbeitsplätzen
eingerichtet haben, votieren für hohe Tarifforderungen, die ihren
Kindern den Zutritt in die Arbeitswelt verwehren. Wenn sie nur verstünden,
was sie damit ihren Kindern antun! (Hans-Werner Sinn: Ist
Deutschland noch zu retten?)

Bürgerliches Manifest
"Sammelt euch Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost
fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen" (Matthäus
6,20), so lautet der heutige Lehrtext passend zur Losung für
den 18. August 2006. Dieser Bibelvers ist zum einen eine Mahnung an mich,
die Erlösung, die Vergebung, die mir Christus mit seinem Tod am Kreuz
erkauft hat, im Blick zu behalten. Zum anderen ist es ein Hinweis für
die Materialisten jeglicher Couleur, vor allem der Gewerkschafter und
der Linken, die denken, sie wären keine. In Wahrheit ist die politische
Linke wie kaum eine andere Gruppierung aufs Geld fixiert, vor allem auf
staatliche und halbstaatliche Gelder, die im Wege der Umverteilung von
oben nach unten fließen (zuweilen aber auch von unten nach oben!).
Die Gewerkschaftsvertreter, die Guten unter den Politikern, die Feministinnen
und ihre Pudel, sie alle fordern höhere Löhne, Mindestlöhne,
Angleichung der Einkommensunterschiede. Die Arbeit an sich scheint keinen
Wert zu haben.
In Europa ist die grassierende Geldgier vor allem die Folge des Vakuums,
das der sich im Rückzug befindliche christliche Glaube hinterlassen
hat. Eng verknüpft ist diese Entwicklung mit dem Verfall
der bürgerlichen Familie. Dass auch viele Christen links orientiert
sind, ist im Grunde ein Widerspruch in sich. Darauf zielt auch der Bibelvers
Matthäus
6,24, vier Verse nach dem obigen Bibelzitat: "Niemand kann zwei
Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben,
oder er wird dem einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnt
nicht Gott dienen und dem Mammon". Die Linkspopulisten setzen ihre
Hoffnung ja gerade nicht auf Gott sondern auf den Mammon, sprich die Verbesserung
der materiellen Verhältnisse der weniger gut betuchten durch Sozialhilfe
bzw. Hartz IV, Wohngeld, Kinderzuschlag, Ausbildungsförderung (Bafög)
und andere staatliche Transferleistungen sowie staatlich erzwungene Unterhaltszahlungen.
Ein Christ, der dieses Namens würdig ist, glaubt hingegen weder
an den Sozialismus noch an die Marktwirtschaft, sondern an Christus! Für
ihn ist der Kapitalismus nur Mittel zum Zweck des Lebensunterhalts, die
flexibelste und dem menschlichen Maß optimal anpassbare Wirtschaftsform.
Als Unterbau ist die Marktwirtschaft jedoch auf eine intakte Gesellschaft,
einen rationalen Staat und eine auf Recht und Gesetz basierende Rechtsprechung
angewiesen. Eine Heimat, Geborgenheit und soziale Sicherheit bekommen
wir Menschen am ehesten durch stabile Ehen und Familien, eine konsequente
Erziehung, die Aufrechterhaltung verwandtschaftlicher und nachbarschaftlicher
Beziehungen sowie durch Kontakte z.B. in Kindergärten, Schulen, Gemeinden
und Vereinen. Im Sozialismus und im Wohlfahrtsstaat jedoch verkümmern
die grundlegenden Institutionen Ehe, Familie und Verwandtschaft nach und
nach, weil sie von einer zentralistischen Sozialpolitik nach dem Gießkannenprinzip
destabilisiert und überflüssig gemacht werden.
Der Apostel Paulus appellierte an die Christen in Rom, Zivilcourage an
den Tag zu legen und nicht alles, was man vorfindet, einfach so hinzunehmen
(hier in der modernen Übertragung der Volxbibel):
"Weil Gott euch so total und ohne Ende liebt, sage ich euch das jetzt:
Setzt euch radikal für Gottes Sache ein! Es sollte so laufen, dass
ihr euch total Gott zur Verfügung stellt, dass ihr so lebt, dass
Gott sich darüber freut! ... Orientiert euch nicht an dem, wie die
Welt drauf ist, und daran, was die für richtig und falsch hält,
sondern lasst euch von Gott eine neue Denke geben. Dann könnt ihr
auch kapieren, was er von euch will, was gut ist und worauf er Bock hat"
(Römer 12, Verse 1 und 2).
Unser Umverteilungsstaat hat die Dinge dermaßen kompliziert gemacht,
dass es schwer ist, die Probleme auf den Punkt zu bringen. Ich versuche
es trotzdem:
Der Materialismus treibt seine Blüten vor allem auf dem, was man
Arbeitsmarkt bezeichnet, obwohl die Marktwirtschaft hier seit Jahrzehnten
außer Kraft gesetzt ist. Mit ihrer Kartellpolitik erkämpfen
die Gewerkschaften für ihre Klientel, die Arbeitsplatzbesitzer, seit
Jahrzehnten höhere Löhne als der Markt von alleine hervorbringen
würde. Das angeblich verwerfliche Gewinnstreben von Anteilseignern
und Managern, der Shareholder
Value, ist für Gewerkschafter in dem Augenblick kein Problem
mehr, wenn Sie hohe Gewinne zum Anlass nehmen, kräftige Tariflohnsteigerungen
einzufordern. Mit Zähnen und Klauen verteidigen sie den Kündigungsschutz
und setzen über ihren überproportionalen Einfluss im Bundestag
Gesetze durch, die es entlassenen Mitarbeitern erlauben, vor dem Arbeitsgericht
satte Abfindungen einzuklagen. Der Schuss geht jedoch nach hinten los,
denn durch die vordergründig soziale Gesetzgebung werden Neueinstellungen
erschwert, weil sie für Unternehmen zu einem schwer kalkulierbaren
Risiko geworden sind.
Überhöhte Lohnsteigerungen haben seit den 1970er Jahren den
Faktor Arbeit über das vernünftige Maß verteuert, insbesondere
bei den unteren Einkommensgruppen. Der rasante Anstieg der Arbeitskosten
hat sich erst nach dem Jahr 2000 (vorübergehend?) abgeflacht. Hohe
Lohnansprüche und hohe Tariflöhne wirken aber wie eine Rationalisierungspeitsche.
Berufseinsteiger, weniger leistungsfähige Menschen oder am spezifischen
Bedarf vorbei ausgebildete werden in vielen Fällen nicht mehr eingestellt
oder sie werden entlassen weil ihre Beschäftigung zu dem geforderten
Lohn nicht mehr gewinnbringend ist. Deutschland hat sich seit den Zeiten
des Wirtschaftswunders von einem profitablen Niedriglohnkonkurrenten und
Globalisierungsgewinner zu einem Hochlohnland entwickelt. Die daraus resultierende
Massenarbeitslosigkeit scheinen Gewerkschafter und Arbeitsplatzbesitzer
in Kauf zu nehmen. Die Gefahr, selbst betroffen zu sein, hält sich
noch in Grenzen. Und zur Not gibt es ja den Vater Staat, der bereitsteht,
um mit überdimensionierten Almosen einzuspringen.
Das Publikum ist in weiten Teilen von rückwärtsgewandtem Klassenkampf-Bewusstsein
geprägt. Als Folge der Arbeitslosigkeit und der steigenden Zahl prekärer
Arbeitsverhältnisse (Zeitarbeit, befristete Arbeitsverträge,
Minijobs, Praktika) lässt sich das Volk immer zahlreicher in die
Arme der Linkspopulisten einschließlich der Grünen treiben.
Dabei sind gerade sie es, die uns den Schlamassel eingebrockt haben! Für
ihre Schutzbefohlenen fordern die Linken noch höhere staatliche Transfers,
obwohl die Arbeitslosigkeit unter anderem Folge der ineffizienten Sozialpolitik
und der übertriebenen Umverteilung von den Leistungsträgern
zu den Leistungsempfängern ist!
Neben einem naiven Menschenbild scheint sich in den meisten europäischen
Ländern die linke Bevölkerungsmehrheit dadurch auszuzeichnen,
dass sie noch weniger als Konservative oder Liberale das Ganze im Blick
hat und die langfristigen und unsichtbaren Konsequenzen eines Tuns oder
Unterlassens noch weniger in Betracht zieht. Mit diesem Mangel an Integrität
hat sich auch der amerikanische Philosoph Nassim
Nicholas Taleb in seinem Buch "Der
Schwarze Schwan; die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse "
auseinandergesetzt.
Er macht darauf aufmerksam, dass politische Entscheidungen in vielen
Fällen von Populismus geprägt sind, dass demokratisch gewählte
Politiker gerne vordergründig, oberflächlich und zu wenig ganzheitlich
argumentieren: "Oft sind die positiven Konsequenzen aber nur für
den Handelnden selbst von Vorteil, da sie sichtbar sind, während
die negativen Konsequenzen unsichtbar sind und andere treffen, auf Kosten
der Gesellschaft. Nehmen wir die Maßnahmen zur Sicherung von Arbeitsplätzen
als Beispiel. Wir bemerken diejenigen, deren Jobs gesichert werden und
schreiben derartigen Schutzmaßnahmen soziale Vorteile zu. Die Auswirkungen
auf die Menschen, die dadurch keine Arbeit finden, da diese Maßnahmen
die Zahl der offenen Stellen verringern, bemerken wir nicht. In manchen
Fällen ... werden die positiven Konsequenzen einer Handlung den Politikern
und falschen Menschenfreunden sofort zugutekommen, während die negativen
sich, wenn überhaupt, erst nach langer Zeit zeigen." Über
den Umgang mit Gutmenschen rät Taleb: "Bringen
Sie den Mut auf, an die stummen Konsequenzen zu denken, wenn Sie vor dem
nächsten quacksalberischen Menschenfreund stehen" (Audiobook
"Der
Schwarze Schwan "
Track 71).

Zur Psychologie des Antikapitalismus
Dass sich ein immer größerer Teil der Bevölkerung linken
Ideen zuwendet, hat wohl auch viel mit der subjektiven Wahrnehmung zu
tun. Taleb spricht vom Bestätigungsfehler, von narrativer Verzerrung,
von Tunneln, von epistemischer Arroganz, von Geschichtsklitterung durch
das Außerachtlassen der stummen Zeugnisse der Geschichte (z.B. der
Opfer
des arabischen Kolonialismus ),
und von unserer generellen Abneigung gegen das Abstrakte, gegen dialektisches
bzw. differenzierendes Denken in größeren Zusammenhängen.
In den säkularisierten westlichen Industriegesellschaften sind die
Menschen froh, wenn sie eine griffige Theorie zur Verfügung haben,
die ihnen hilft, sich einen Reim auf die sich beschleunigenden Geschehensabläufe
zu machen. Diese Theorie haben sie in der Kapitalismuskritik gefunden,
in der dumpfen Neigung für so ziemlich alle Fehlentwicklungen die
Kräfte des Marktes verantwortlich zu machen.
Neben der Einfachheit hat der Antikapitalismus den Vorteil der Bequemlichkeit:
Seine Genossen können sich auf elegante Weise die Hände in Unschuld
waschen, indem sie die Schuld für alle Übel in der Welt auf
andere schieben - auf die Banker, die Manager, die Reichen und die vom
Kapitalismus korrumpierten Politiker. Alle Menschen werden Brüder,
denn sie haben einen Feind! (Konstantin
Wecker). Wer auf den Mythos von der Unmoral des Wettbewerbs reinfällt,
kann sich selbst obendrein als Opfer des Systems betrachten und profitiert
von dem Status höherer Sittlichkeit, die Volkes Meinung beinahe allen
Unterdrückten und Entrechteten zuschreibt. "Es gibt kein richtiges
Leben im falschen", zitiert das das Kapitalismusopfer den linken
Philosophen Theodor Adorno und erklettert seufzend sein Vehikel, das man
noch vor zwanzig Jahren als Monstertruck bezeichnet hätte. Dann legt
er den Blumenstrauß auf den Beifahrersitz und braust davon.
Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Denn die Schuldenkrise in den USA und
in Europa zeigt deutlich, dass die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit
unter der Bedingung der Globalisierung das Problem ist. Vor allem die
sozialen Besitzstände ließen nicht nur die Staatsverschuldung
ausufern, sondern bewirkten auch, dass mehr und mehr Produzenten zu bloßen
Konsumenten degradiert wurden. Fußballfans kann man es so verdeutlichen:
Wenn der Ansatz, die Verlierer massiv zu unterstützen, so erfolgversprechend
wäre, sollte man ihn dann nicht auch in der Fußball-Bundesliga
einführen? Dann werden wir bestimmt wieder Weltmeister (von hinten!).
Und weil die Linksintellektuellen sich so gerne über Verschwörungstheorien
lustig machen: Die Kapitalismuskritik ist die Mutter aller Verschwörungstheorien,
und der Mythos
von der Unterdrückung der Frau ist ihr erstes Kind.
Der libertäre Ökonom und Sozialphilosoph Roland Baader hat
einmal sehr anschaulich die weit verbreitete Ansicht, wonach in deutschen
Landen angeblich der Kapitalismus herrsche, als Ammenmärchen entlarvt:
"Deutschland hat ein staatliches - sprich: sozialistisches Rentensystem,
ein staatliches Gesundheitswesen, ein staatliches Bildungswesen, staatlich
und gewerkschaftlich gefesselte Arbeitsmärkte, ein konfiskatorisches
Steuersystem, eine Staatsquote am Sozialprodukt von 50 Prozent, mindestens
Hunderttausend Betriebe in 'kommunalem Eigentum' (Camouflage-Wort für
Verstaatlichung) und ein staatliches Papiergeldmonopol, ja sogar ein Staatsfernsehen
mit Zwangsgebühren. Wer diesen 80-Prozent-Sozialismus als 'Kapitalismus'
bezeichnet, muss mit ideologischer Blindheit geschlagen sein. Und wer
gar von 'Turbo-' oder 'Raubtierkapitalismus' redet, den muss der Verstand
ganz verlassen haben" (ef-magazin
Juni/Juli 2005, Nr. 53).
Die freie Marktwirtschaft, gepaart mit einem rationalen effizienten Staat
und einer intakten Gesellschaft, ist das beste weil flexibelste aller
Wirtschaftssysteme. Der Staat soll sich auf seine Kernkompetenzen beschränken,
z.B. Monopole bzw. Kartelle verhindern und die Finanzmärkte regulieren.
Der Kapitalismus ist alternativlos! Das wird sich gerade bei der Bewährung
von Nationen bezüglich der Herausforderung durch die Globalisierung
zeigen. Seit Adam Smith wissen wir, dass der freie Markt die Wirtschaftform
ist, die den Egoismus und das Gewinnstreben des Einzelnen nicht bekämpft
sondern sich für das Gemeinwohl zunutze macht. Der Mechanismus von
Angebot, Nachfrage und frei schwankenden Preisen und Löhnen führt
zu einem optimalen Einsatz der knappen Ressourcen wie Kapital, Boden,
Rohstoffe, Arbeit und Bildung (bzw. Humankapital), so dass die Egoismen
der einzelnen Menschen wie mit einer unsichtbaren
Hand in konstruktive Bahnen gelenkt werden und zum Wohl der gesamten
Gesellschaft beitragen.
Die Verteufelung des Marktes durch die Mehrheit der europäischen
Bevölkerung, der Politiker und Intellektuellen kann man nur als krasse
Fehldiagnose bezeichnen. Wenn aber die Diagnose falsch ist, dann ist auch
die Therapie falsch: Die drängendsten Probleme der modernen Industriestaaten
vor allem in Europa sind auf den übertriebenen Ausbau des Staats
zurückzuführen, nicht auf den Kapitalismus. Merke: Das Gegenteil
von "gut" ist nicht "böse", sondern "gut
gemeint". Es ist insbesondere der exzessive Wohlfahrtsstaat und die
daraus resultierende Überschuldung, die Europa, Japan und teilweise
selbst die USA in die tiefste Krise seit dem zweiten Weltkrieg gestürzt
hat. Die schlimmsten Menschenschlächter, Mao, Stalin und Hitler,
waren weder Kapitalisten noch Amerikaner noch Christen, sondern Kommunisten
bzw. Sozialisten. Unterdrückung, Krieg und Massenmord war Sache des
Saatsapparats und nicht etwa der Marktwirtschaft. Hitler hatte nur insoweit
Interesse am Kapitalismus, als er das Großkapital und die Industrie
zur Aufrüstung benutzte.
Gefahren für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte gingen in der
Geschichte des 20. Jahrhunderts am ehesten von den linken unter den Staatsgläubigen
aus, und weniger von Konservativen oder Hegelianern, denen etwa der Preußische
Obrigkeitsstaat als erstrebenswert erschien. Noch weniger bedrohen Christen
die Freiheit, ganz im Gegensatz zu den Anhängern
des Islams. Auch Liberale sind eine Stütze der Demokratie, gerade
dann, wenn sie die freie Marktwirtschaft befürworten. Ein Facebook-Freund
(Martin
Schmidt-Schweflinghaus) schrieb am 24.12.11, dass es die Definitionsmacht
der von den Linken dominierten Medien war, die Hitler und Konsorten das
Label 'rechts' anheftete, um die rechte Hälfte des Meinungsspektrums
zu diskreditieren: "Die Nationalsozialisten waren nicht 'rechts',
sondern eine Spielart des linken Totalitarismus. Die Bezeichnung als 'rechts'
stammt von der politischen Linken, um von der eigenen Verantwortung abzulenken
und Konservative wie Liberale in die Enge zu treiben, was ja hervorragend
gelungen ist. Im Egalitarismus der Linken ist der Keim dafür angelegt,
Menschen zu unterdrücken und letztlich auch auszulöschen. Linke
können kaum anders, als mit Gewalt auf eine materielle und umfassende
Gleichheit hinzuwirken, die es freilich nicht geben kann und noch nie
gegeben hat. Sie behandeln Menschen dann als verstaatlichtes Säugetier".
Heute gehören neben den Juden die Christen zu den am meisten verfolgten
Religionsgruppen. Besonders gefährlich leben sie nach Angaben der
Hilfsorganisation Open
Doors in kommunistischen, sozialistischen und/oder islamischen Staaten
wie Nordkorea, Iran, Afghanistan, Saudi-Arabien, Somalia (Index
der verfolgten Christen). Open Doors schätzt, dass die Zahl der
bedrängten Christen bei 100 Millionen liegt (Junge
Freiheit vom 05.01.2012 und Welt
vom 25.12.2010: Bomben gegen Christen in der Heiligen Nacht). Laut
dem katholischen Hilfswerk Kirche
in Not "hat sich die Lage christlicher Minderheiten vor allem
in den moslemischen Ländern in den vergangenen drei Jahren sehr verschlechtert.
Rund 200 Millionen Christen würden drangsaliert, fast 100.000 sterben
jährlich für ihren Glauben" (Welt
vom 20.12.2008). In Europa pflegt man solche Meldungen mit einem Achselzucken
abzutun. Wenn überhaupt. Wegen der Politischen Korrektheit und aus
Angst vor den Moslems!
Als Christ, Soziologe und an Wahrheit und Geschichte Interessierter halte
ich es für weit plausibler, nicht die Marktwirtschaft, sondern fehlgeleiteten
Egoismus, die Gedankenlosigkeit und die Ignoranz der Menschen für
ungute Entwicklungen verantwortlich zu machen. Dass der Mensch von Natur
aus böse sei, weisen Linke unter dem Einfluss von Denkern wie Jean-Jacques
Rousseau (1712 bis 1778) und Karl Marx normalerweise jedoch weit von
sich. Nur so ist zu erklären, dass DM-Gründer Götz Werner
mit seinem bedingungslosen
Grundeinkommen (BGE) so breite Zustimmung erfährt (FAZ
vom 08.11.2010). Seinem Konzept liegt ein naives, von Rousseau beeinflusstes,
Menschenbild zugrunde, wonach der Mensch im Naturzustand "edel, hilfreich
und gut" ist (und nicht nur sein sollte, wie es Goethe forderte).
Unter dem Einfluss des französischen Philosophen werden bis heute
die Gehirne der Mehrheit aller Intellektuellen vernebelt. José
Ortega y Gasset schildert in dem Buch Vom
Menschen als utopischem Wesen ,
welch katastrophale Folgen dieser Irrglaube hatte. Der spanische Soziologe
kritisierte die weit verbreitete Haltung "zu glauben, dass das Wünschenswerte
wie eine wild wachsende Frucht der Wirklichkeit schon da sei. Dies hat
uns den Weg zum Verständnis der menschlichen Angelegenheiten a limine
versperrt. So wünschen zum Beispiel alle, dass der Mensch gut sei,
aber Rousseau glaubte, dass dieser Wunsch ohne Weiteres schon verwirklicht
sei, dass der Mensch von sich aus und von Natur gut sei. Das hat uns anderthalb
Jahrhunderte europäischer Geschichte verkrüppelt, die herrlich
hätten sein können, und wir haben unendliche Nöte, ungeheure
Katastrophen und diejenigen, die noch kommen werden, gebraucht, um die
einfache Wahrheit wiederzuentdecken, die fast allen vorausgegangenen Jahrhunderten
bekannt war, nach der der Mensch von sich aus nichts anderes als eine
üble Bestie ist." (Track 34 Ende bzw. Seite 107). Ohne Rousseaus
geschöntes Bild vom Menschen hätten Kommunismus, Sozialismus
und das Gutmenschentum keine so weite Verbreitung erlebt. Es wäre
uns viel erspart geblieben.
Kommen die von uns geforderten marktwirtschaftlichen Reformen, dann wird
die Zukunft uns und unseren Kindern bald wieder als das Reich der Chancen
und Möglichkeiten entgegentreten und nicht länger als Bedrohung,
weil den Bürgern möglicherweise ein paar Brosamen in Form der
einen oder anderen staatlichen Leistung genommen werden. Wenn ich von
wir spreche meine ich alle klar denkenden Menschen, denen Pragmatismus
wichtiger ist als die Ideale von Sozialromantikern wie Götz Werner.
Als logische Folge ihrer antikapitalistischen Grundeinstellung suchen
die Wohlmeinenden das Heil im Staat und in der längst nicht mehr
hinterfragten zentralistischen gesamtgesellschaftlichen Solidarität
(Soziale Gerechtigkeit). Den Schlüssel für ein menschenwürdiges
Leben findet man in Wahrheit jedoch in der Selbstverantwortlichkeit des
Einzelnen - verbunden mit der dezentralen Solidarität der Familie,
der Verwandtschaft, der Nachbarschaft, des Vereins, der Gemeinde oder
der Dorfgemeinschaft.
Ich halte es mit John F. Kennedy, der einmal sagte: "Frage nicht
danach, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für
dein Land tun kannst". Damit die Dinge wieder vom Kopf auf die Füße
gestellt werden, bedarf es einer Kurskorrektur in der Wirtschaftspolitik
und Sozialpolitik, die geeignet ist Deutschland und Europa materiell und
ideell wieder nach vorne zu bringen. Wir fordern einen Staat, der stark
ist, weil er schlank ist und flexibel auf die sich schnell verändernde
Welt reagiert. Der Staat soll sich auf seine hauptsächlichen Aufgaben
konzentrieren: auf die Rechtsprechung, die innere und die äußere
Sicherheit, die Verhinderung von Monopolen und Kartellen, die Bankenaufsicht,
die Kontrolle von Börsen und Versicherungsgesellschaften, die Entwicklung
internationaler Regeln für den Kapitalverkehr sowie ganz allgemein
die Schaffung von Rahmenbedingungen, innerhalb derer sich Bürger
und Unternehmen so weit wie möglich frei entfalten können.
Wir fordern, dass dieser Staat sich zurücknimmt, weil er nach dem
Prinzip der Subsidiarität, der christlichen bzw. katholischen Soziallehre
organisiert wird. Der Staat soll den Menschen die Eigenverantwortung belassen
und nur denjenigen helfen, die sich nicht selbst helfen können, und
die niemanden haben, der ihnen helfen kann. Staatliche Leistungen sollen
grundsätzlich als Hilfe zur Selbsthilfe angelegt sein und durchgängig
sowie in jeder Situation Anreize setzen, wieder auf eigenen Beinen zu
stehen. Wo es nur irgendwie geht soll der Staat den Kräften des Marktes
freien Lauf lassen, denn Bürokraten
sind heillos überfordert, vor allem wenn es um die Organisation von
Industriegesellschaften und überhaupt von komplexen Systemen geht.
Schon im China des 6. Jahrhunderts vor Christus hat der Philosoph Laotse
eine ganz ähnliche Feststellungen gemacht: "Dass das Volk hungert,
kommt davon her, dass seine Oberen zu viele Steuern fressen; darum hungert
es. Dass das Volk schwer zu leiten ist, kommt davon her, dass seine Oberen
zu viel machen, darum ist es schwer zu leiten." (Lao
Tse: Tao Te King, Kapitel 75)

Kulturimperialismus der Linken und der Frauenbewegung
In allen westlichen Demokratien haben sich seit der industriellen Revolution
frauenzentrierte Gesellschaften entwickelt. Die öffentliche Meinung
steht hier so gut wie immer auf der Seite des "schwachen Geschlechts",
weil die Frauen ja die Schutzbedürftigen sind, weil sie angeblich
machtlos, unterdrückt und entrechtet sind. Doch genau dieser Opferstatus
verleiht den Frauen eine subtile und unheimliche Macht im Kampf der Geschlechter,
die auszunutzen sie sich häufig nicht enthalten können.
Ein Lehrstück über die Auswüchse des Gutmenschentums dokumentiert
das Buch der Zeit-Redakteurin Sabine Rückert: "Unrecht
im Namen des Volkes
- Ein Justizirrtum und seine Folgen". Hier gibt es große Ähnlichkeiten
zum Kachelmann-Prozess,
wo sich eine angeblich Vergewaltigte ebenfalls blaue Flecken und Hautkratzer,
die als Beweis dienen sollten, selbst zugefügt hatte: Eine psychisch
schwer gestörte Jugendliche (sie leidet am Borderline-Syndrom) hat
seit Mitte der 90er Jahre fast ihr ganzes Umfeld und vor allem Psychiater(innen),
Gutachter(innen) und Richter(innen) für ihre Zwecke instrumentalisiert,
indem sie sich bewusst und nachhaltig in die Opferrolle begab. Sie hasste
ihren Vater, der autoritär auftrat und jähzornig war. Um ihn
loszuwerden behauptete sie, mehrmals von ihm brutal vergewaltigt worden
zu sein. Später fiel ihr ein, dass ihr Onkel sie ebenfalls des Öfteren
vergewaltigt habe. Ein haarsträubender Dilettantismus von Ärzt(innen),
dem Pflegepersonal, Polizist(innen), Verteidigern und Staatsanwälten
tat sein Übriges, dass zwei unschuldige Männer für sieben
und viereinhalb Jahre hinter Gittern verschwanden. Als vermeintliche Kinderschänder
landeten sie dort ganz unten in der Hackordnung. Selbst dass sie auf ihrer
Unschuld beharrten, hat man ihnen zur Last gelegt, wodurch eine vorzeitige
Entlassung vereitelt wurde. Die beiden Angeklagten wurden gleich mehrfach
in die Pfanne gehauen. Die Psychiatrie unterschlug sogar einen Brief,
in dem die junge Frau bekannte, dass es gar keine Vergewaltigungen gegeben
hatte.
Im Laufe der beiden Prozesse wurde ein gynäkologisches Gutachten
herangezogen, wonach das Mädchen noch Jungfrau war. Doch fast alle
Prozessbeteiligten hatten sich innerlich solchermaßen mit dem vermeintlichen
Opfer solidarisiert, dass selbst dieser und andere handfeste Widersprüche
den Justizirrtum nicht aufhalten konnten. Auch sonst war die Beweislage
mehr als dürftig. Die Aussagen der jungen Frau waren voller Ungereimtheiten,
die auch ein Laie bei näherem Hinsehen bemerkt hätte. Doch Richter
und Schöffen vertrauten nicht ihrem gesunden Menschenverstand, sondern
einer feministischen Psychologin, die als Gutachterin die Glaubwürdigkeit
der Belastungszeugin überprüfen sollte. Diese versäumte
es aber weitgehend, auch einmal kritische Fragen zu stellen, und gab sich
stattdessen ihrem Mitgefühl mit der vorgeblich Vergewaltigten hin.
Der Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten" wurde umgekehrt,
es herrschte eine kollektive Voreingenommenheit. Die Autorin des Sachbuchs
mit der Spannung eines Krimis schreibt: "Eine Solidarisierungswelle
überschwemmt die kinderpsychiatrische Station und treibt das labile
und angeschlagene Mädchen tiefer und tiefer hinein in die Falschaussage.
Bei ihren Betreuern rennt sie mit der Geschichte vom vergewaltigenden
Vater offene Türen ein. Die haben das hier irgendwie geahnt',
spricht Amelie in das Mikrofon der Glaubwürdigkeitsgutachterin. Und
sie hatten dann dauernd versucht, das rauszukriegen'" (CD2, Track
10).
"Vor Gericht und auf hoher See sind wir in Gottes Hand." Diese
römische Juristenweisheit kommt dem Leser in den Sinn. Unschuldige
geraden auf die Falschaussage einer jungen Frau in die Mühlen der
Justiz. Das Mauern der Richter, Staatsanwälte und Verteidiger, die
sich später mit Händen und Füßen gegen eine Wiederaufnahme
des Prozesses (2005 und 2006) wehrten. Ein Buch auch über Political
Correctness und die enormen Kollateralschäden übertriebener
Sozialstaatlichkeit. Denn erst die Überbetreuung durch die professionellen
Helfer und die vordergründlichen Annehmlichkeiten des Lebens als
Vergewaltigungsopfer hatten die junge Frau zu den falschen Bezichtigungen
verführt. Das Buch behandelt auch die Vergewaltigungs-Hysteriewelle
in Deutschland ab den 90er Jahren. Immer mehr Frauen glauben, missbraucht
worden zu sein, obwohl sie keine Erinnerung an das Geschehen haben. Sie
werden sehr oft von berufsmäßigen Aufdeckerinnen, vom Psychiatrie-Klinikpersonal
und sogar von Polizei und Staatsanwaltschaft darin unterstützt. Die
Privilegien und Vorteile, die der Opferstatus für die Frauen wie
für die Helfer auf Kosten der Versichertengemeinschaft mit sich bringt,
sind einfach unwiderstehlich.
Der Dichter-Philosoph Friedrich Nietzsche hatte immer wieder vor solchem
Gutmenschentum gewarnt: O meine Brüder!
Bei welchen liegt doch die größte Gefahr aller Menschen-Zukunft?
Ist es nicht bei den Guten und Gerechten? Als bei denen, die sprechen
und im Herzen fühlen: Wir wissen schon, was gut ist und gerecht,
wir haben es auch; wehe denen, die hier noch suchen! Und was für
Schaden auch die Bösen tun mögen: der Schaden der Guten ist
der schädlichste Schaden! Und was für Schaden auch die Welt-Verleumder
tun mögen: der Schaden der Guten ist der schädlichste Schaden.
O meine Brüder, den Guten und Gerechten sah einer einmal ins Herz,
der da sprach: es sind die Pharisäer. Aber man verstand
ihn nicht. Die Guten und Gerechten selber durften ihn nicht verstehen:
ihr Geist ist eingefangen in ihr gutes Gewissen. Die Dummheit der Guten
ist unergründlich klug (Also
sprach Zarathustra; Von alten und neuen Tafeln; Ziffer 26)
Wer ist mit den Guten und Gerechten gemeint? Für Nietzsche waren
es in erster Linie die christlichen Moralisten, die Scheinheiligen. Für
mich sind es vor allem Menschen, die auf immer umfangreichere staatliche
Leistungen setzen. Beispielsweise ist es eigentlich nicht die Aufgabe
des Staates, an den Geschlechterrollen herum zu pfuschen. Er tut es neuerdings
trotzdem, und zwar mit den sogenannten Gender-Mainstreaming-Programmen.
Dabei handelt es sich von der Frauenbewegung initiierte staatliche Initiativen
zur Umerziehung von (männlichen und weiblichen) Beamten und Angestellten
im öffentlichen Dienst im Interesse der "Geschlechtergerechtigkeit".
Der FAZ-Redakteur Volker Zastrow hat zu dem Thema ein kleines Büchlein
geschrieben: Gender
- Politische Geschlechtsumwandlung .
Zitat daraus: "Das Ziel greift hoch hinaus: Es will nicht weniger
als den neuen Menschen schaffen, und zwar durch die Zerstörung der
'traditionellen Geschlechtsrollen'. Schon aus diesem Grunde muß
das als Zwangsbegriff verneinte 'Geschlecht' durch 'Gender' ersetzt werden.
Und möglichst schon in der Krippenerziehung soll mit der geistigen
Geschlechtsumwandlung begonnen werden" (Seite 19).
Das grenzt an Gehirnwäsche und erinnert fatal an den utopischen
Roman "1984 "
von George Orwell. Darin erklärt der für das "Liebesministerium"
tätige Spion O'Brien dem gescheiterten Helden Winston Smith die Vorzüge
der Herrschaft der Partei des Großen Bruders: "Wir haben die
Bande zwischen Eltern und Kindern, zwischen Mann und Frau durchschnitten.
Niemand wagt es mehr, einer Gattin, einem Kind, einem Freund zu trauen.
Aber das ist erst der Anfang. In Zukunft wird es keine Ehegatten und keine
Freunde mehr geben! Die Kinder werden ihrer Mutter gleich nach der Geburt
weggenommen, die Zeugung wird eine von den Behörden überwachte
Formalität sein, genau wie die Erneuerung einer Lebensmittelkarte".
Für männliche Kinder und Jugendliche ist die Dominanz der Frauen
im öffentlichen Raum und vor allem im Kindergarten, in der Grundschule
und im Hort ein Problem. Die Lernangebote und der Schulunterricht kommen
eher den Bedürfnissen der Mädchen entgegen. Den Jungs wird eingetrichtert,
dass sie sich nicht wie Jungs verhalten dürfen. Die ehemalige Gleichstellungsbeauftragte
der Stadt Goslar schrieb im Focus
vom 25.07.11: "Nicht mal vor männlichen Kindern machen die
Männerfeindinnen halt. Politisch Verantwortliche und pädagogische
Fachkräfte kaschieren nur unzureichend ihre mangelnde Jungenkompetenz.
Hier manifestiert sich eine Kinderfeindlichkeit der ganz besonderen Art,
weil gepaart mit einer feindseligen Haltung gegenüber dem Männlichsein.
Jungen soll es schwerer gemacht werden, damit es Mädchen leichter
haben, lautet die Devise." Monika Ebeling wurde am 17. Mai 2011 entlassen,
weil sie sich angeblich zu sehr um die Gleichstellung von Männern
gesorgt habe (ZEIT
vom 30.05.11).
Es sei eingestanden, dass die Rollen von Frau und Mann in einer sich
ständig verändernden Gesellschaft Anpassungsprozessen unterliegen.
Wir sollten uns aber davor hüten, die männliche und weibliche
Rolle grundsätzlich in Frage zu stellen. Auf ihnen basiert das sozioökonomische
Gleichgewicht, das durch die Ehe, durch Familienbande und Verwandtschaftsbeziehungen
aufrechterhalten wird. Nicht zuletzt hat die Frage, ob man Männlein
oder Weiblein ist, für die Identität eines Menschen grundlegende
Bedeutung, mehr noch als die Zugehörigkeit zu einer Familie, einer
Stadt, eines Kulturkreises oder einer Nation.
Da der Mensch nur in geringem Maße von Instinkten gesteuert wird
und an die Natur nur unzureichend angepasst ist, braucht er eine Kultur,
um zu überleben. Das haben wir von Arnold
Gehlen gelernt, das sagte aber auch der Spanier José Ortega
y Gasset. In der Einführung zu dem (Hör)buch Vom
Menschen als utopischem Wesen
stellt Eberhard Straub das ernüchternde Menschenbild des Philosophen
und seine Theorie der Gesellschaft vor: "Von Natur aus sei der Mensch
gerade kein geselliges Wesen. Gesellig werde der Einzelne erst durch das
Zusammenleben. Seiner radikalen Einsamkeit, der Grundbedingung seines
Daseins, werde er sich bewusst im Zusammenstoß mit den anderen.
Dadurch gelange er zu einem Selbstbewusstsein, entdecke sein Eigentum,
dass er gegen die selbstbewussten Energien der anderen verteidigen müsse,
um seine Freiheit zu behaupten. Damit beginne das Drama, das sich im Zusammenleben
entwickle, ohne dass dessen Ausgang oder nur Fortgang sicher zu kalkulieren
sei. Denn die Menschen blieben einander fremd. Sie könnten nur Brücken
zueinander bauen, die ihnen aber nicht dazu verhelfen könnten, den
anderen zu durchdringen und zu verstehen. Der Mensch lebe in einer ihm
auferlegten Einsamkeit. Sie werde gemildert durch Bräuche, Sitten
oder Übereinkünfte, deren ursprünglicher Sinn den Menschen
in der Regel nicht mehr vertraut sei. Er folge und gehorche ihnen dennoch,
weil diese sozialen Mechanismen, durch die die Menschen überhaupt
erst zu einer Gesellschaft zusammenfänden, den Umgang erleichterten,
Gemeinsames entstehen ließen, und das ermöglichten, was die
einsamen Einzelnen einander annähere: Liebe und Freundschaft."
Die Bräuche, Sitten und Übereinkünfte unserer Kultur stellen
ein komplexes System, ein soziokulturelles Gleichgewicht dar. Dieses Gefüge
bewahrt uns vor Überforderung durch die viel größere Komplexität
einer unstrukturieren Umwelt, also vor Anarchie und Chaos, indem das Gesellschaftssystem
laut der Systemtheorie
Niklas Luhmanns eine gewisse "Reduktion von Komplexität"
vornimmt.
Die Kampagnen der Frauenbewegung gegen die Reduktion von Komplexität
haben eine ähnliche Qualität wie das, was man als Kulturimperialismus
der entwickelten Gesellschaften gegenüber den weniger entwickelten
bezeichnet. Eine relativ dünne Schicht von Linksintellektuellen versucht
mit Hilfe ihrer Lufthoheit über die veröffentlichte Meinung
der Bevölkerung ihren Lebensstil und ihre Werte nahezubringen. Von
ihren Elfenbeintürmen aus proklamieren die (weiblichen und männlichen)
Feministen die Selbstbestimmung und behaupten (wie z.B. Ingeborg Stahr
1986), die Frauen würden bislang "an der Realisierung zentraler
Bedürfnisse gehindert", sofern ihnen ihre "eigentlichen
Bedürfnisse" überhaupt bewusst seien. Dieses Denken wird
aus folgendem Zitat von Ingeborg Stahr noch deutlicher: "Um beurteilen
zu können, ob eine 'gelungene' Identitätsentwicklung vorliegt,
ist zu untersuchen, inwieweit Frauen tatsächlich den objektiv vorhandenen
Handlungsrahmen im Kontext ihrer eigenen Lebensgeschichte ausschöpfen
und sich nicht durch internalisierte Weiblichkeitsideologien eine Selbstbeschränkung
auferlegen, wie sie ihrer je momentanen Lebenswirklichkeit nicht entspricht
und nicht notwendig wäre" (Ingeborg Stahr, 1986: Auf
der Suche nach einer eigenen Identität S 199 bzw. S 8).
Hier zeigt sich die für marxistische und feministische Theoretiker
typische Bevormundung des Menschen. Zu dem Argument, dass Frauen nicht
den objektiven Handlungsrahmen ausschöpfen, verweise ich auf den
Soziologen Horst-Jürgen Helle, der von der Geschlechtsrolle als einer
"notwendigen Vereinseitigung" des Menschen spricht. Er schreibt,
dass "der Grad der Polarisierung der Rollen der Geschlechter (...)
geradezu als ein Maß für die Höhe des kulturellen Niveaus
einer Gesellschaft angesehen werden" kann (Horst-Jürgen Helle
1974: Familie - zwischen Bibel und Kinsey-Report, S 24).
Welche Früchte die Dominanz der Linken und Feministinnen in den
Medien hervorbringt, kann man in einem Leserbrief
nachlesen, den ich am 1. Juni 2010 zu einer Rezension
einer Welt-Redakteurin über Eva Hermans Buch Die
Wahrheit und ihr Preis
geschrieben habe. Ich hatte übrigens versucht, meinen Protest in
Welt-online im Kommentarbereich am Fuß des Artikels zu posten. Wie
schon öfter bei Redakteurin Antje Hildebrandt hieß es jedoch:
"Liebe Leser, WELT ONLINE hat die Kommentarfunktion für diesen
Artikel geschlossen. Wir bitten um Ihr Verständnis". Die Progressiven
wähnen sich unter dem Einfluss des Historischem Materialismus auf
der Seite der Guten, auf der Seite der von Karl Marx und Friedrich Engels
behaupteten Gesetzmäßigkeit, wonach das an Zahl und Klassenbewusstsein
zunehmende Proletariat mittels einer Revolution den Kapitalismus abschaffen
und durch Sozialismus bzw. Kommunismus ersetzen wird. Wer sich auf der
Seite der Vorsehung weiß, lässt sich die Deutungshoheit nur
höchst ungern streitig machen, das muss man verstehen! Es geschieht
nach Meinung der Progressiven ja im Interesse des Fortschritts und zu
unserem Besten. Amen.
Auch der Dramatiker Botho Strauss kritisiert den Kulturimperialismus
der professionellen Besserwisser und verweist ebenfalls auf den systemischen
Charakter unserer Gesellschaft. In seinem Essay Anschwellender
Bocksgesang hofft er auf das Ende "eines nun hundertjährigen
'devotionsfeindlichen Kulturbegriffs' (Hugo Ball), der im Gefolge Nietzsches
unseren geistigen Lebensraum mit unzähligen Spöttern, Atheisten
und frivolen Insurgenten übervölkert und eine eigene bigotte
Frömmigkeit des Politischen, des Kritischen und All-Bestreitbaren
geschaffen hat. Dass es so nicht weitergehen kann, haben zuerst die Ökologen
eindrucksvoll herausgerufen und es mit einigem Erfolg uns ins Bewußtsein
geschärft. Das Limit-Diktum ließe sich übersetzen ins
Politische, Sittliche und gewiß auch Sozialökonomische. Die
Grenzen der Freiheit und der Erlaubnis scheinen im Angerichteten deutlich
hervorzutreten".
Unbegreiflich ist, dass meist diejenigen, welche die Auflösung grundlegender
traditioneller Strukturen unserer Gesellschaft fordern, dann wenn es um
andere Kulturkreise und Stammeskulturen geht, für die Beibehaltung
von deren kultureller Identität eintreten. Im Unterschied zum klassischen
Kulturimperialismus handelt es sich beim feministischen Werteimperialismus
jedoch um einen Vorgang, bei dem eine weniger entwickelte Lebensform auf
eine komplexe und hochentwickelte Kultur Einfluss zu nehmen versucht.
Darauf, dass eine Annäherung der Geschlechtsrollen mit einer Degenerierung
der Kultur einhergeht, macht auch der Soziologe Helmut Schelsky aufmerksam.
Er unterstreicht die Verflechtung der Rollen von Mann und Frau mit allen
Ebenen der Kultur und meint, dass "alle kulturellen Verhaltenskonstanten
sich eben nur in der Form der jeweiligen Geschlechtskonformität erwerben
lassen". Schelsky fügt hinzu: "Wird
die Gesamtheit kultureller Lebensformen unwirksam gegenüber dem geschlechtlichen
Verhalten und dieses autonom, so führt das hier wie da zu einem Abbau
von Geformtheiten, also zu Reprimitivisierungen" (Helmut Schelsky
1955: Soziologie der Sexualität, S 18).

Der Kulturimperialismus des Islam
Seit einiger Zeit kommt zu allem Überfluss auch noch der Kulturimperialismus
des Islams hinzu. Am 9. Juni 2010 forderte Arif Ünal, türkischstämmige
Abgeordneter der Grünen, im nordrheinwestfälischen Landtag die
Eidesformel für Parlamentarier zu neutralisieren. Er nahm Anstoß
an der Verpflichtung, sich 'dem Wohl des deutschen Volkes' zu widmen,
und sagte wörtlich: "Dieser Wortlaut spiegelt nicht die Lebensrealität
in NRW mit zwei Millionen Menschen wider, die keinen deutschen Pass haben.
Die Fraktion Bündnis 90/die Grünen setzt sich dafür ein,
diese Textfassung sinngemäß dahingehend zu ändern, dass
sich die Abgeordneten verpflichten, dem Wohle der Bevölkerung in
NRW zu widmen". Dem Antrag wurde einstimmig stattgegeben - ohne Aussprache
und mit Abstimmung per Handzeichen. (siehe Youtube-Video).
Würden sich die Amerikaner das gefallen lassen? Oder die Türken?
Bei uns haben viele dagegen protestiert, in einem Beitrag der Deutschen
Welle vom 13.07.2010 werden sie pauschal als Rechtsextreme bezeichnet,
die "dumpfen Hass trommeln". Dabei hat der Landtag von Nordrhein-Westfalen
nicht nur dem Volksempfinden vor den Kopf gestoßen, sondern auch
das demokratische Prinzip der Volkssouveränität ad absurdum
geführt. "Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus", heißt
es im Artikel
20, Absatz 2 des Grundgesetzes. Die politische Willensbildung soll
laut unserer Verfassung vom Wahlvolk ausgehen und nicht von der Bevölkerung!
Auch die Abgeordneten mit ausländischen Wurzeln sind ihren Wählern
verpflichtet und eben nicht allen hier lebenden Landsleuten ihres Heimatlandes
oder sämtlichen Eingewanderten.
2005 wurde auf Druck der Türkei ein Halbsatz aus einem Geschichtsbuch
für 15-Jährige Schüler in Brandenburg gestrichen, in dem
der Völkermord an der armenischen Bevölkerung in Anatolien erwähnt
wurde (siehe Artikel
von kreuz.net). Brandenburg war bis dato das einzige Bundesland, das
den türkischen Massenmord an 600.000 bis 1.5 Millionen christlichen
Armeniern (1915 bis 1916) im Lehrplan vorsah. 2006 demonstrierten hunderte
aus der ganzen Bundesrepublik angereiste Türken in Berlin gegen
die Behandlung dieses Genozids an deutschen Schulen. Anfang November
2011 demonstrierten in Seligenstadt 40 Moslems gegen die Veröffentlichung
des Buches "Die Verbrechen des Propheten Mohammed" von Zahid
Khan (siehe Youtube-Video
und Offenbach
Post vom 05.11.11).
Dafür durften sich Niedersachsens Deutschlehrer und Schüler
im Schuljahr 2010/2011 mit dem Debütroman "Selam
Berlin" der türkischstämmigen Autorin Yadé
Karas befassen, da es zur Pflichtlektüre der zehnten Klassen
für die Gesamtschule wurde. Zitat aus dem preisgekrönten Werk:
"Adem hatte die Schöpfung alles gegeben, um Frauen flachzulegen.
... Ihm stand eine Karriere bevor - der Ficker von Berlin. ... Es war
eine Frage der Zeit, wann sie (die Mädels) ... ihm ihre Telefonnummer
zustecken würden, während der Parties aufs Klo gingen - einen
Quickie, einen blasen - Adem versprühte Sex ... er hatte auch den
Geruch dafür." Ein betroffener Deutschlehrer meinte: "Platter
geht es nicht. In diesem Buch reiht sich Klischee an Klischee. Und es
werden Grenzen zur Pornografie überschritten". Die Autorin bekam
2004 den Deutschen Bücherpreis für das beste Debüt (Neue
Osnabrücker Zeitung vom 15. August 2010).
Im Frühjahr 2009 empörten sich türkische und arabische
Demonstranten in Duisburg über eine Israel-Flagge, die aus einem
Fenster hing. Wie Udo Ulfkotte dokumentierte, ließ die Polizei die
Fahne vorsichtshalber entfernen (DVD 2009: SOS
Abendland
- die schleichende Islamisierung Europas; Track 6). Henryk M. Broder berichtet,
eine muslimische Initiative verlangte im Oktober 2011 bei einer OECD-Konferenz
in Wien die Einführung von "Richtlinien gegen Islamophobie im
öffentlichen Diskurs". Angeblich gebe es in Europa Einschränkungen
der Redefreiheit auch in puncto Homosexualität und Antisemitismus.
Eine islamische Organisation in Dänemark forderte die Einführung
der Scharia (des islamischen Rechts) in von Muslimen bewohnten Gebieten
(Welt
vom 30.10.2011). Übrigens legte Dänemarks neue sozialdemokratische
Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmid daraufhin den
islamischen Fundamentalisten nahe, das Land zu verlassen.
Die drohende Unterwanderung der europäischen Gesellschaften durch
den Islam hat Thilo Sarrazin in seinem von Kanzlerin Merkel unbesehen
als "nicht hilfreich" empfundenen Buch an verschiedenen Stellen
zum Thema gemacht. Er warnt unter anderem vor dem türkischen Kulturimperialismus.
Sarrazin zitiert aus der Rede Recep Tayyip Erdogans vor 20.000 begeisterten
Zuhörern am 10.02.2008 in Köln, in welcher der türkische
Ministerpräsident nicht nur Assimilation als "Verbrechen gegen
die Menschlichkeit" bezeichnete, sondern auch eine Einschränkung
der Pressefreiheit in Deutschland forderte, um türkische Migranten
zu schützen! Sarrazin schreibt: "Erdogan strebt also die dauerhafte
Konservierung einer türkischen Minderheit in Deutschland an, die
sich primär am Herkunftsland ausrichten soll. Auch das ist chauvinistisch.
Erdogan droht in Bezug auf den EU-Beitritt: 'Ja, Sie sind bereits in der
Europäischen Union ... Wir haben sowieso im Moment fast fünf
Millionen Staatsbürger, die sich in der Europäischen Union befinden.'
Man möchte hinzufügen: Alle 5 Millionen hören auf Erdogan
und nicht auf ihre Gaststaaten. Wäre es anders, so wäre es Assimilation
und damit 'ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit'. ... Sagen wir es
zurückhaltend: Die Türkei Erdogans passt kulturell nicht nach
Europa, und ein Land, das seine Migranten dafür lobt, dass sie sich
nicht in den Gastländern assimiliert haben, ist ein Störenfried
im friedlichen Zusammenleben. Wenn wir annehmen, und wir müssen dies
wohl tun, dass Erdogans Rede ein Spiegel der türkischen Seele ist,
dann dürfen wir uns über die mangelhaften Integrationserfolge
der türkischen Migranten nicht wundern. Türken in Deutschland,
die Erdogans Wunsch folgen, Türken zu bleiben, und sich noch dazu
überdurchschnittlich vermehren, würden mit der Zeit die kulturelle
Identität Deutschlands gefährden, weil sie die Gesetzmäßigkeit
einer wirklichen Integration außer Kraft setzen" (Thilo
Sarrazin: Deutschland schafft sich ab ;
Seite 311 f).
Am 27. Februar 2011 hatte der türkische Premierminister seinen nächsten
großen Auftritt in Deutschland. Er sprach im Düsseldorfer ISS
Dome vor 10.000 Anhängern und wandte sich erneut gegen die Assimilierung
der Türken in Europa. Die türkischstämmigen Kinder in Deutschland
sollten zuerst Türkisch lernen, meinte er. Erdogan forderte überdies,
die Bundesrepublik solle der türkischen Regierung ein Mitspracherecht
in Fragen der Integration einräumen (Welt
vom 27.02.2011). Der Bayrische Rundfunk sendete im Frühjahr 2010
eine TV-Reportage über das Großmachtstreben des türkischen
Ministerpräsidenten: Türken
aller Länder vereinigt Euch! Im österreichischen Parlament
hielt der Nationalratsabgeordnete Ewald
Stadler (BZÖ) eine engagierte Rede zur Ermordung eines katholischen
Bischofs und mehrerer Priester in der Türkei.
Dann die Aussage von Bundespräsident Christian Wulff hatte bei der
Rede zum Tag der Deutschen Einheit 2010: "Der Islam gehört inzwischen
auch zu Deutschland". Keiner der politisch korrekten Pauschalumarmer
kann begründen, wieso der Islam schon vor der in den 1960er Jahren
begonnenen Masseneinwanderung zu unserem Land gehört haben soll (Spiegelredakteur
Matthias Matussek: Warum
der Minister recht hat). Der CDU-Politiker
Wolfgang Bosbach formulierte es salomonisch: "Der Islam ist Teil
der Realität in Deutschland, aber nicht Teil der Identität".
Ich sehe die Gefahr eines Bürgerkriegs. Spätestens dann, wenn
die Exportindustrien einbrechen, etwa weil Chinesen und Inder die benötigten
Autos und Maschinen nicht nur selbst bauen, sondern auch selbst konstruieren,
wird der Niedergang Europas mit Händen zu greifen sein. Es sei denn,
wir steuern rechtzeitig um und stutzen den Staat mitsamt seinen Profiteuren
und Vasallen auf Normalmaß zurecht. Man kann durchaus wie Deniz
Yücel in der taz vom 04.08.11 der Meinung sein, dass der Verlust
der deutschen Kultur global gesehen zu verschmerzen ist (Super,
Deutschland schafft sich ab!). An ihre Stelle wird kaum etwas Besseres
treten, und schon gar nicht locker und schmerzfrei. Es ist blauäugig
zu glauben, dass Bevölkerungsschwund bei horrender Staatsverschuldung,
dass Verarmung bei der zu erwartenden Hyperinflation ein sonniger Herbstspaziergang
zu mehr Bescheidenheit sein wird.
Es drohen blutige Verteilungskämpfe, sogar Völkerwanderungen,
die so gut wie immer mit Krieg und Zerstörung einhergingen. Am Ende
des Römischen Reichs fielen gegnerische Heere wie z.B. die Vandalen
ein, die 455 nach Christus Rom plünderten. 45 Jahre zuvor eroberten
Germanen bzw. Westgoten unter König
Alarich die Hauptstadt und raubten sie ebenfalls aus. Unsere Vandalen
und Westgoten könnten die Türken und Araber mit ihrem starken
Bevölkerungswachstum sein. Weil sich die europäischen Demokratien
auf Grund des Fürsorgestaats
derzeit von einer christlichen Kultur um zwei Stufen zu einer matrilinealen
Kultur zurückentwickeln, kann es sogar gut sein, dass die Muslime
bald leichtes Spiel bei der Machtübernahme haben. Zumindest haben
sich in der Frühgeschichte diejenigen Gesellschaften als überlegen
erwiesen, die die patrilineale
oder bilaterale Familienform bzw. Abstammungsordnung lebten. Der "Clash
of Civilizations" (Kampf der Kulturen) könnte also weniger
spektakulär verlaufen und schneller entschieden sein als gedacht.
Noch ist es nur eine dunkle Vorahnung, die Friedrich Nietzsche seinen
Zarathustra
sprechen ließ: "Ihr werdet immer kleiner, ihr kleinen Leute!
Ihr bröckelt ab, ihr Behaglichen! Ihr geht mir noch zugrunde - an
euren vielen kleinen Tugenden, an eurem vielen kleinen Unterlassen, an
eurer vielen kleinen Ergebung! Zu viel schonend, zu viel nachgebend: so
ist euer Erdreich! Aber daß ein Baum groß werde, dazu will
er um harte Felsen harte Wurzeln schlagen! Auch was ihr unterlaßt,
webt am Gewebe aller Menschen-Zukunft; auch euer Nichts ist ein Spinnennetz
und eine Spinne, die von der Zukunft Blute lebt.
'Es gibt sich'-
das ist auch eine Lehre der Ergebung. Aber ich sage euch, ihr Behaglichen:
es nimmt sich und wird immer mehr noch von euch nehmen!
Mein eigner
Vorläufer bin ich unter diesem Volke, mein eigner Hahnen-Ruf durch
dunkle Gassen. Aber ihre Stunde kommt! Und es kommt auch die meine! Stündlich
werden sie kleiner, ärmer, unfruchtbarer - armes Kraut! armes Erdreich!
Und bald sollen sie mir dastehn wie dürres Gras und Steppe, und wahrlich!
ihrer selber müde - und mehr, als nach Wasser, nach Feuer lechzend!"
In Griechenland, Frankreich und Großbritannien haben wir bereits
bürgerkriegsähnliche Zustände gesehen und auch in Deutschland
häufen sich die Berichte über Gewalttaten, bei denen moslemische
Jugendliche eine überproportionale Rolle spielen. Auch wenn nicht
immer Gewalt im Spiel ist, so ist doch unübersehbar, dass vor allem
die deutschen Großstädte zusehends von allerlei Gesindel bevölkert
werden. Der kulturelle Zerfall Europas erinnert mich an Ernst Jüngers
Erzählung Auf
den Marmorklippen
aus dem Jahr 1939, wo eine freiheitliche Ordnung von einem Tyrannen (dem
"Oberförster") und seinen Räuberbanden infiltriert
und am Ende vernichtet wird. Im Kapitel 8 schreibt Jünger: "Zunächst
vernahm man nur Gerüchte, wie eine Seuche, die in fernen Häfen
wütet, sich dunkel anzukündigen pflegt. Sodann verbreiteten
sich Meldungen von nahen Übergriffen und Gewaltsamkeiten, die von
Munde zu Munde gingen, und endlich geschahen solche Taten ganz unverhüllt
und offenbar. Wie im Gebirge ein dichter Nebel die Wetter kündet,
ging dem Oberförster eine Wolke von Furcht voraus. Die Furcht verhüllte
ihn, und ich bin sicher, dass darin seine Kraft weit mehr als in ihm selbst
zu suchen war. Er konnte erst wirken, wenn die Dinge aus sich selbst heraus
ins Wanken kamen - dann aber lagen seine Wälder günstig für
den Zugriff auf das Land". Eine Zusammenfassung des Romans findet
sich in Wikipedia.
Sollen wir angesichts von Bevölkerungsschrumpfung, Werteverfall,
grassierender Staatsgläubigkeit, der Überschuldung, der Überdehnung
der Sozialsysteme und der Herausforderungen z.B. durch die Globalisierung
und den Islam nur schicksalsergeben die Achseln zucken? Noch sind wir
keine Muslime, die sagen "Kismet" (Schicksal) oder "Inschallah"
(so Allah will). Lasst uns auf unseren christlichen Hintergrund besinnen
und zur Abwechslung mal wieder die Zukunft gestalten. Es gibt viel zu
tun, packen wir's an!
Waren die arabischen Staaten schon die ganzen Jahre ein Pulverfass, so
sind sie es nach den Revolutionen und Revolten seit Jahresbeginn 2011
umso mehr. Das mit Luftunterstützung der Nato im Oktober 2011 befreite
Libyen ist auf dem besten Weg, sich zu einem Gottesstaat mit der Scharia
als Rechtssystem zu entwickeln (Welt
vom 30.10.2011). Seit dem Sturz Husni Mubaraks im Februar 2011 haben
rund 100.000 Christen Ägypten verlassen. In dem Land, dessen Bevölkerung
mittlerweile überwiegend moslemischen Glaubens ist, werden sie jetzt
noch unbarmherziger verfolgt als zuvor (Zeit vom 03.11.2011: Für
Kopten gibt es keinen Arabischen Frühling). In Wikipedia
heißt es: "Das Christentum war im Gebiet des heutigen Ägyptens
vor der Islamisierung im 7. Jahrhundert die dominierende Religion. Der
Evangelist Markus soll innerhalb der Bevölkerung Ägyptens schon
um das Jahr 50 missioniert haben.
Nach der islamischen Eroberung
sank die Zahl der koptischen Christen jedoch rapide. Die Christen erhielten
den Status von Dhimmis, durch den ihnen steuerliche Benachteilungen auferlegt
wurden und sie von zahlreichen Berufen ausgeschlossen wurden".
In einem Radiointerview sagte der Islamkenner Hans-Peter Raddatz dazu:
"Der Islam hat keine Geschichte, die demokratische Strukturen hätte
erzeugen können". Auf dem Reißbrett könne man die
Demokratie im Orient nicht entwickeln. Auch eine freie Forschung und Lehre
"konnte es und wird es bis auf weiteres im Islam nicht geben, weil
Wissenschaft diametral dem islamischen Gesetz der Vereinnahmung des einzelnen
Menschen durch die Vorschriften des Koran und der Tradition entgegenstehen"
(Deutschlandfunk
28.02.2011).
Es war und ist naiv, Millionen Menschen aus islamischen Staaten nach
Europa einwandern zu lassen (Einwanderung
in die Sozialsysteme). Momentan leben ca. 16 Millionen Muslime in
der Europäischen Union - die Tendenz ist aus zwei Gründen stark
steigend:
- Einerseits ist die Geburtenrate bei den Muslimen etwa doppelt so hoch
wie bei Einheimischen, worauf Thilo Sarrazin aufmerksam macht: "In
Frankreich haben die französischen Frauen durchschnittlich 1,7,
die Migranten 2,8, aber die Migranten aus Tunesien, der Türkei
und Marokko durchschnittlich 3,3 bis 3,4 Kinder und damit mehr als in
ihren Heimatländern. Leider werden in der deutschen Geburtenstatistik
Religionszugehörigkeit und Herkunft der Mütter nicht statistisch
erfasst" (Deutschland schafft sich ab; Seite 318). Sarrazin schätzt
den Anteil moslemischer Kinder bei den Kindern unter fünf Jahren
in Deutschland auf 14 bis 23 Prozent (Seite 318).
- Andererseits gibt es trotz des Anwerbestopps von Gastarbeitern (1973)
einen stetigen Zuzug von muslimischen Migranten im Rahmen des Familiennachzugs.
Hierzu nennt Sarrazin ebenfalls Zahlen: "Rund 60 Prozent der Ehen
türkischer Staatsbürger in Deutschland werden mit einem Partner
aus der Türkei geschlossen. Diese Importpartner weisen durchweg
eine sehr niedrige Bildung auf. In Berlin sind zehn Prozent von ihnen
Analphabeten, 28 Prozent haben eine Schule nur bis zum fünften
Schuljahr besucht" (Seite 316).
Es gibt also zwei gegenläufige Entwicklungen: Der Geburtenrückgang
bei den "Eingeborenen", also bei den Deutschen sowie den anderen
Europäern, und die durch den sozialstaatlichen Paternalismus geförderte
starke Vermehrung der Migranten. Die Zuwanderer kommen heute zum großen
Teil aus der Türkei und den arabischen Staaten und wollen sich häufig
nicht wirklich integrieren - bedingt durch die Intoleranz des Islams.
Beide Entwicklungen sind für sich genommen bereits ein Problem. Sie
stehen aber auch im Kontrast zueinander und führen zu einer fortschreitenden
Überfremdung mit typischen Sozialleistungsempfängern - nicht
nur in in Deutschland. Uns droht die Vereinnahmung, die Kaperung ganz
Europas durch die Unterschicht einer völlig fremden Kultur! Über
60 Jahre nach Kriegsende hindert uns das III. Reich noch immer daran,
das Richtige zu tun. Warum? Weil zu viele denken, man müsse das Gegenteil
dessen tun, was für sie der Nationalsozialismus verkörperte.
Thilo Sarrazin fasst die Problematik folgendermaßen zusammen: "Bleibt
die Nettoreproduktionsrate der deutschen autochthonen Bevölkerung
dort, wo sie sein 40 Jahren liegt, dann wird im Verlauf der nächsten
drei Generationen die Zahl der Deutschen auf 20 Millionen sinken. Im Übrigen
ist es absolut realistisch, dass die muslimische Bevölkerung durch
die Kombination von hoher Geburtenrate und fortgesetzter Einwanderung
bis 2100 auf 35 Millionen wachsen wird" (Seite 317). Man kann hierbei
fast von einer neuen Form des Kolonialismus sprechen. Entwickeln sich
die Länder der Europäischen Union zu einer Kolonie der Türkei
und der Mitgliedsstaaten der Arabischen Liga?
Wir sollten dieses Thema angehen, bevor es zu einem Kulturkampf, einem
Clash
of Civilizations kommt. Die oft als Familienzusammenführung verharmloste
ungeregelte
Einwanderung muss gestoppt werden, sonst könnten die Rechtsradikalen
bald in ganz Europa die Mehrheit stellen! Der Staat soll aufhören,
Kinderreichtum in bildungsfernen Schichten
herbeizuführen, egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund.
In den 1970er Jahren sollten die Türken zusammen mit Gastarbeitern
aus Italien, Spanien und Jugoslawien den angeblichen Arbeitskräftemangel
ausgleichen. Später hieß es, wir könnten mit ihnen die
Überalterung mildern und die Sozialsysteme zukunftssicherer machen.
Inzwischen hat der Islamkritiker Udo Ulfkotte recherchiert, dass mittlerweile
schon 40 Prozent der Hartz-IV-Empfänger Migranten sind, die meisten
davon gehören zu den aktuell vier Millionen Muslimen in Deutschland
(Kein
Schwarz. Kein Rot. Kein Gold :
Armut für alle im lustigen Migrantenstadl, Seite 30).
Am Ostersonntag und -montag 2011 habe ich nach vielen Jahren (wenn nicht
Jahrzehnten) jeweils einen halben Tag in meiner Heimatstadt Pforzheim
verbracht. Es war schön, man kann jetzt auf der aufgestauten Enz
Tretboot fahren oder den Boat-People von mehreren Straßencafés
aus zusehen. Aber: Wer noch halbwegs klar sehen kann oder die Brille aufsetzt,
der wird die Stadt im Vergleich zu den 80er Jahren schmutzig und runtergekommen
finden. Die Unterschicht hat sich in der Schmuck- und Uhrenstadt breit
gemacht, man sieht viele Migranten, immer wieder kleine Gruppen von obercoolen
Türken oder Arabern. Sarrazin lässt grüßen. Dank
eines Fördervereins kann das Pforzheimer Wartberg-Freibad am 1. Mai
die Saison eröffnen. Das ist nicht selbstverständlich, denn
die
Goldstadt ist pleite.
Ulfkotte hat in seinem oben genannten Buch auf Seite 23 über die
Stadt an der Pforte zum Schwarzwald berichtet: "Bei den unter Dreijährigen
waren in ganz Pforzheim Ende 2008 schon 71,7 Prozent des Nachwuchses Migrantenkinder.
Das einst beschauliche deutsche Pforzheim ist längst eine Ausländerstadt
geworden". In den meisten Großstädten Deutschlands sieht
es nicht viel besser aus (Seite 36). Wenn es so weiter geht, dann werden
in ganz Europa in einigen Jahrzehnten die Moslems die Mehrheit stellen
und die abendländische Kultur nach ihren Vorstellungen verändert
haben. Das ist die Botschaft des von Ulfkotte Anfang 2010 herausgekommenen
DVD-Film: "SOS
Abendland :
Die schleichende Islamisierung Europas".
In der Nachbartstadt Karlsruhe, wo wir seit 1997 wohnen, ist die Welt
aber auch nur scheinbar in Ordnung. Wir haben das FEST, wir haben das
Schloss und wir haben Gruppen von Jugendlichen mit über den Kopf
gezogener Kapuze, die vor allem am Wochenende mit der Wodkaflasche in
der Gegend rumlaufen. Nicht zu vergessen: Massen von
Rentnern und Pensionären, die Petunien für die Gartenterrasse
einkaufen oder tagsüber die Restaurants bevölkern und dort vor
sich hin stieren. Auch hier sieht man die Zeichen des Zerfalls, wie fast
überall in Europa.

Der Koran bedroht die Religionsfreiheit
Naiv war und ist die ungeregelte Einwanderung von Muslimen besonders
deswegen, weil der Koran Andersgläubigen gegenüber nicht nur
distanziert, sondern regelrecht feindlich gesinnt ist. Davon kann sich
jeder überzeugen, der das heilige Buch des Islam als Audiobook hört
(Koran
als MP3-DVD
mit digitaler Textfassung in der gleichen Übersetzung). Der Koran
ist in weiten Teilen eine Auseinandersetzung mit dem Unglauben und er
ist voll von schlimmsten Drohungen gegen Ungläubige, vor allem gegen
Juden und Christen, aber auch gegen vom Glauben abgefallene. Die Kampfansagen
gegen Ungläubige sind so unmissverständlich und konkret, dass
sie, anders als bei der Bibel, auch Menschen erschrecken müssen,
die mit spirituellen Fragen nichts zu tun haben.
Besonders viele Drohungen stehen in der vierten Sure, aber der ganze
Koran ist von ihnen besprenkelt. Wer den Koran
als Hörbuch
hört, stolpert nach einer Stunde in der zweiten (der längsten)
Sure als erstes über die Verse 191 bis 193: "Und erschlagt sie,
wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie, von wannen sie euch
vertrieben, denn Verführung ist schlimmer als Totschlag. Bekämpft
sie jedoch nicht bei der heiligen Moschee, es sei denn, sie bekämpften
euch in ihr. Greifen sie euch jedoch an, dann schlagt sie tot. Also ist
der Lohn der Ungläubigen. So sie jedoch ablassen, siehe, so ist Allah
verzeihend und barmherzig. Und bekämpfet sie, bis die Verführung
aufgehört hat, und der Glauben an Allah da ist." In Sure 3,
Vers 118 wird vor Freundschaften mit Ungläubigen gewarnt: "O
ihr, die ihr glaubt, schließet keine Freundschaft außer mit
euch. Sie werden nicht zaudern, euch zu verderben, und wünschen euern
Untergang. Schon ward offenkund Hass aus ihrem Mund, aber was ihre Brust
verbirgt, ist schlimmer".
Die Grausamkeit vieler Koranverse verwundert schon etwas weniger, wenn
man in Rechnung stellt, dass Mohammed nach seiner Flucht von Mekka nach
Medina (622 nach Christus) seine Karriere als Religionsstifter mit Raubzügen
gegen Karawanen seiner Heimatstadt begonnen hat. In einem islamfreundlichen
Hörbuch von Gerhard Staguhn Gott
und die Götter. Der Islam
werden die Anfänge des heiligen Kriegs mit dem Kampf ums Überleben
begründet: "Die vor allem auch wirtschaftlich schwierige Situation
zwang Mohammed dazu, den heiligen Krieg als ein Gesetz des Islams einzusetzen.
Damit sollten die Überfälle und Plünderungen gerechtfertigt
werden. Nur so war Medina überhaupt am Leben zu erhalten.
Der Krieg Mohammeds gegen Mekka war ein Überlebenskampf. Es ging
darum, die Bevölkerung von Medina mit Lebensmitteln zu versorgen.
Es war kein Angriffskrieg. Erst später wurde aus diesem heiligen
Überlebenskampf ein heiliger Krieg, mit dem fremde Völker erobert
und dem islamischen Reich eingegliedert wurden. Doch eigentlich untersagt
der Koran jeden Angriffskrieg - einer von vielen Widersprüchen im
Islam" (CD 2, Track 1). Der indische Historiker Jaya Gopal macht
jedoch klar, dass es nicht nur um Lebensmittel ging, sondern um Beutezüge
zur Bereicherung. Die Karawane zum Beispiel, die Mohammed mit 314 Mann
bei der Schlacht von Badr im Jahre 624 überfiel bevor er ein zu Hilfe
eilendes Heer besiegte, umfasste nach Gopals Angaben 2500 Kamele und einen
Gesamtwert von 50000 Goldstücken (Gabriels
Einflüsterungen
- eine historisch-kritische Bestandsaufnahme des Islam; Seite 180).
Dass dem Koran die Gewalt in die Wiege gelegt wurde, betont auch Thilo
Sarrazin: "Der Prophet Mohammed begann unmittelbar nach seinen Offenbarungen
mit der gewaltsamen Ausbreitung des Islam, der Tötung und Vertreibung
Andersgläubiger. Das Christentum dagegen überstand 350 Jahre
Verfolgung und Unterdrückung, ehe es von Kaiser Konstantin als Religion
anerkannt wurde. 1000 Jahre lang war die Geschichte des Islam von der
Eroberung christlicher Staaten begleitet, nur kurzzeitig unterbrochen
durch die militärisch letztlich erfolglose Gegenbewegung der Kreuzzüge"
(Deutschland
schafft sich ab :
Wie wir unser Land aufs Spiel setzen; Seite 280). Ähnlich sieht es
auch der Historiker Wilfried Westphal in seinem Buch: "Unter
der grünen Fahne des Propheten
- Das Weltreich der Araber 633 - 1258".
Der Islam ist eine Religion des Friedens, heißt es beschwichtigend
in Politik und (vor allem) in den öffentlich-rechtlichen Radio- und
Fernsehsendern. Wer den Koran kennen gelernt hat, der weiß, dass
der Friede nur denjenigen zuteilwird, die sich dieser Religion bedingungslos
unterwerfen. Dementsprechend heißt Islam
auch nicht Frieden, wie manchmal behauptet wird, sondern Unterwerfung.
Am Fuß des Wikipedia-Artikels
über den Islam werden wir über das Missverständnis aufgeklärt:
"Islam und Salam (Friede) beruhen auf derselben bedeutungstragenden
Wurzel s-l-m. Daraus wird volksetymologisch mitunter ein Bezug der Begriffe
abgeleitet mit der kausativen Bedeutung 'Frieden schaffen' oder 'Frieden
stiften' für den Begriff Islam. Eine solche Bedeutung ist weder im
Koran selbst noch in der heute uneingeschränkt gültigen klassischen
Koranexegese nachweisbar".
Wenn mal einer von den Islamophobie-Warnern sagen würde, er hat
den Koran gelesen (oder als
Audiobook
gehört) und hat keine erschreckenden Passagen gefunden, die nicht
so ähnlich auch in der Bibel stehen, dann wäre das ein interessantes
Argument. Aber Fehlanzeige! Die Verteidiger des Korans scheinen ihn nicht
gelesen zu haben. Hetzen sie gegen die angeblichen Hetzer (z.B. Schriftsteller
Ilija
Trojanow in der FAZ vom 10.03.2011), weil in ihrem idealistischen
Weltbild nicht sein kann, was nicht sein darf? Viele Islamwissenschaftler
halten sich vermutlich bedeckt oder hüllen sich in Schweigen. So
kann ich nur Günter Wallraff zustimmen, der am
19.09.2010 anlässlich einer Buchvorstellung sagte: "Toleranz
darf nicht so weit gehen, die Intoleranz des anderen hinzunehmen. Das
ist oft nichts anderes als Ignoranz oder Feigheit." Der Schriftsteller
ist mit dem britischen Kollegen Salman Rushdie befreundet, der nach dem
Erscheinen seines Buchs "Die satanischen Verse" 1988 im Iran
zum Tode verurteilt wurde und seitdem als Vogelfreier, als einer von Vielen
auf der Abschussliste der Islamisten um sein Leben fürchten muss.
CDU-Politiker Ruprecht Polenz forderte am 1. März 2011 die christlichen
Kirchen auf, sich für ein besseres Image des Islam in Deutschland
einzusetzen (Westfälische
Nachrichten). Die Kritiker des Korans zeichneten ein Zerrbild, sie
würden das Recht auf Religionsfreiheit für den Islam nicht gelten
lassen. Polenz irrt. Es ist genau umgekehrt. Der Koran schottet sich gegen
seine Kritiker ab und bedroht Abtrünnige mit den gleichen Strafen
wie Juden, Christen und andere "Ungläubige" (Sure 33, Verse
60 bis 62). Sarrazin betont, dass die Religionsfreiheit nicht durch die
Kritiker des Korans, sondern durch den Koran bedroht ist: "Der Koran
habe 'einen absoluten Wahrheitsanspruch', schreibt der deutsche Orientalist
Tilman Nagel, darum halten die meisten Muslime den Wechsel der Religion,
die Apostasie, für eine schwere Sünde, für die nach Ansicht
vieler Islamgelehrter in Saudi-Arabien und Afghanistan die Todesstrafe
angemessen wäre. Dabei ist gerade der Wechsel der Religion oder der
Übergang zum Atheismus der eigentliche Testfall für Religionsfreiheit.
Wo dieser nicht ohne Gefahr und ohne Sanktionen möglich ist, kann
von Religionsfreiheit nicht gesprochen werden" (Deutschland
schafft sich ab
Seite 277). Nicht die Islamkritiker sondern der Koran bedroht Religionsfreiheit
und Pluralismus, ja die ganze in 2000 Jahren gewachsene abendländische
Kultur der christlichen Ethik, des Humanismus und der Aufklärung.
Freilich nicht nur er.
Weltweit werden in islamischen Ländern Christen terrorisiert, ohne
dass in Europa groß Notiz davon genommen wird. Der Westen kuscht
vor dem Islam! Beispiel Pakistan: Am 19. Juni 2009 wurde die pakistanische
Katholikin Asia
Noreen Bibi verhaftet, am 08.11.2010 hat man sie wegen angeblicher
Gotteslästerung zum Tode verurteilt. Nach einem Streit mit muslimischen
Kolleginnen wurde die fünffache Mutter von diesen beschuldigt, Jesus
anstatt Mohammed als den wahren Propheten Gottes bezeichnet zu haben.
Dies bestreitet die Christin: "Ich habe niemals den Propheten beleidigt!
Ich bin unschuldig! Ich muss leiden, ohne den kleinsten kriminellen Verstoß
begangen zu haben".
In dem vom Weltbild-Verlag erschienenen Buch Rettet
mich wendet sich die Landarbeiterin hilfesuchend an die westliche
Welt: "Anscheinend kann man sich außerhalb meines Landes nur
schwer vorstellen, dass hier Diebe, Mörder und Vergewaltiger besser
behandelt werden als diejenigen, denen vorgeworfen wird, den Koran oder
den Propheten Mohammed beleidigt zu haben. Mir war das schon immer klar.
Wenn ein Christ auch nur den leisesten Zweifel am Islam äußert,
geht es direkt auf das Schafott. Aber immer erst nach einem langen Aufenthalt
im Gefängnis. Ich sehe nur noch die Gitter, den feuchten Boden und
die vom Schmutz geschwärzten Wände. Ein Geruch von Fett, Schweiß
und Urin durchdringt alles. Eine unerträgliche Mischung, selbst für
ein Mädchen vom Land. Ich dachte, es würde besser mit der Zeit,
aber das ist nicht der Fall. Es ist der Geruch des Todes oder der Verzweiflung".
Weiter heißt es in dem Buch mit dem Untertitel Zum
Tode verurteilt wegen eines Bechers Wasser: "Glaubt man den Journalisten,
so sind zehn Millionen Pakistaner bereit, mich eigenhändig umzubringen.
Ein Mullah aus Peschawar hat demjenigen, der mich beseitigt, ein Vermögen
versprochen - 500 000 Rupien. So viel kostet hier ein schönes Haus
mit mindestens drei Zimmern und allem Komfort. Ich verstehe diese Besessenheit
nicht. Ich habe den Islam immer respektiert, meine Eltern und Großeltern
haben mich in Achtung vor dieser Religion erzogen. Ich habe mich sogar
darüber gefreut, dass meine Kinder in der kleinen öffentlichen
Schule des Dorfes lernen, das heilige Buch der Muslime zu lesen. Ich bin
das Opfer einer grausamen Ungerechtigkeit".
Angesichts des Fanatismus vieler Moslems hat Asia Bibi kaum Hoffnung,
lebend aus ihrer bedrückenden Situation herauszukommen, selbst wenn
sie freikommen sollte: "Heute bin ich wie alle pakistanischen Gotteslästerer.
Egal, ob sie schuldig sind oder nicht, ihr Leben wurde völlig aus
den Angeln gehoben. Im besten Fall sind sie an den Jahren im Gefängnis
zugrunde gegangen. Doch in den meisten Fällen werden die Urheber
dieser höchsten Beleidigung, unabhängig davon, ob sie Christen,
Hindus oder Muslime sind, von einem Mithäftling oder sogar von einem
Wärter in ihrer Zelle umgebracht. Und falls sie freigesprochen werden,
was sehr selten vorkommt, werden sie systematisch getötet, sobald
sie das Gefängnis verlassen".
Eines der leidenschaftlichsten Plädoyers zur Verteidigung der Freiheit
gegen den Vormarsch des Islam stammt bezeichnenderweise von einem gebürtigen
Afghanen. Der Psychoanalytiker Josef Ludin bescheinigte Mohammeds Religion
(am 02.05.2011
in einem Welt-Beitrag), im Mittelalter stehengeblieben zu sein. Es
handele sich um eine "politische Theologie" und um eine "Ideologie
der Macht", welcher Freiheit und insbesondere Religionsfreiheit fremd
seien: "Der Islam ist nicht europäisch, weil er das Kollektiv
über das Individuum stellt, weil er das Individuum nicht gegen das
Kollektiv zu verteidigen bereit ist, weil er die Rechte der Minderheiten
missachtet und weil er, allen Lippenbekenntnissen zum Trotz, an der Höherwertigkeit
des Mannes festhält. Die kulturell verinnerlichte Minderwertigkeit
der Frau ist seit Jahrhunderten Realität im Islam. Man muss sich
viel Sand in die Augen streuen lassen, um dies zu rechtfertigen oder zu
verleugnen. Der Islam kann niemals europäisch sein, weil der Nichtmuslim
ein nur unvollkommener Mensch ist. Der Islam kann nicht zu Europa gehören,
weil Kritik an ihm verboten ist, weil die Abkehr des Muslim von seiner
Religion mit dem Tode bestraft wird, weil Häresie schwerer geahndet
wird als alle Verbrechen des zivilen Rechts. Der Islam gehört nicht
zu Europa, weil er sexuelle Minderheiten grausam verfolgt und zu keiner
praktischen Toleranz fähig ist". Wir Europäer seien nicht
bereit, die Idee von der Freiheit preiszugeben, schreibt Ludin. Die Werte
der europäischen Zivilisation "wurden über Jahrhunderte
in schweren Kämpfen zwischen Staat und Religion, zwischen Individuum
und Gesellschaft, zwischen Philosophie, Wissenschaft, Kunst und Glauben
erstritten. Der Kern der europäischen Aufklärung ist die Freiheit
des Individuums. Diese Freiheit ist das höchste der Güter, sie
geht einher mit der Freiheit, Überliefertes infrage zu stellen, ein
anderes Leben als das vom Kollektiv vorgeschriebene zu wählen. Diese
Freiheit wurde oft mit dem Leben bezahlt. Menschen haben sich auf dem
Scheiterhaufen verbrennen lassen, Folter, Verfolgung, Ermordung hingenommen."
Der islamkritische Journalist Michael
Mannheimer relativiert die immer wieder behauptete Toleranz des Islam
gegenüber Andersgläubigen: "Die Juden- und Christenverfolgung
durch den Islam hat eine lange Tradition und geht bis auf die Tage Mohammeds
zurück. In der Geschichte des Islam gab es zwar immer wieder Zeiten
einer relativ friedlichen Koexistenz zwischen Muslimen und 'Ungläubigen'.
Doch diese waren vom öffentlichen Leben weitestgehend ausgeschlossen
und wurden mit der 'Dhimmi'-Steuer, der Sondersteuer für 'Ungläubige'
belegt. Dhimmis, zu denen Juden und Christen zählen, haben kein Recht,
Waffen zu tragen, auch dürfen sie (bis zum heutigen Tage) die heiligen
Städte Medina und Mekka nicht betreten. ... Ein
besonders groteskes Beispiel fiel Napoleon auf: Bei seinem Ägypten-Feldzug
bemerkte er Männer, die verkehrt herum auf ihren Pferden saßen.
Auf seine Nachfrage, was dies für eine merkwürdige Sitte sei,
erfuhr er, dass dies die in Ägypten vorgeschriebene Reiterhaltung
für Ungläubige (Dhimmis) sei".
Damit wir uns nicht missverstehen: Das Christentum ist keine tolerante
Religion nach dem Motto: "Jeder soll nach seiner Façon selig
werden", wie sich der Alte Fritz (König Friedrich II. von Preußen,
1712 bis 1786) einmal äußerte. Christus sagt in Johannes Kapitel
14, Vers 6: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand
kommt zum Vater denn durch mich". Als gläubiger Christ bin ich
sogar der Überzeugung, dass der christliche Glaube gar keine Religion
ist (im Sinne von etwas Menschengemachten), sondern die Wahrheit. Wer
wirklich an Gott glaubt, der hält sich nicht an selbst gebastelten
Götzen fest, der geht umgekehrt davon aus, dass Gott ihn geschaffen
hat! Nach dieser Definition ist er nicht religiös, sondern gläubig.
So wie ein Christ namens Ole Hallesby eines seiner Bücher wie folgt
betitelte: Warum
ich nicht religiös bin.
Wer wirklich glaubt, dass Christus für die Sünden der Menschen
starb und dass er auferstanden ist, will diese Message auch anderen zukommen
lassen. Wer das Evangelium nicht weitererzählt, bei dem überwiegen
offensichtlich die Zweifel. Oder ist er etwa nur pro forma Christ, weil
er aus soziologischen Gründen an der Tradition festhalten will? Die
Gemeinschaft der Christen ist auch kein Club der Auserwählten wie
das Judentum oder der Hinduismus, sie will alle Menschen teilhaben lassen
und ist daher missionarisch aktiv. Missionierende Christen sind zwar davon
überzeugt, dass sie auf das richtige Pferd setzen, und versuchen,
auch andere davon zu überzeugen. Aber: Sie zwingen niemanden etwas
auf. In der Geschichte hat es zwar gewaltsame Christianisierungen gegeben,
doch solche Abirrungen konnten und können durch die Bibel nicht legitimiert
werden. Missionierende Christen haben übrigens nicht nur das Recht
auf Religionsfreiheit, sondern auch auf Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit
und Pressefreiheit, genau wie missionierende Muslime auch.
Die Bibel, vor allem das Alte Testament, ist beileibe nicht frei von
Schrecken, von Beschreibungen der Hölle und des Jüngsten Gerichts.
Ich kann mich jedoch nicht erinnern darin etwas ähnlich Erschreckendes
gelesen zu haben wie zum Beispiel Sure 4, Vers 89: "Sie wünschen,
dass ihr ungläubig werdet, wie sie ungläubig sind, und dass
ihr ihnen gleich seid. Nehmet aber keinen von ihnen zum Freund, ehe sie
nicht auswanderten in Allahs Weg. Und so sie den Rücken kehren, so
ergreifet sie und schlagt sie tot, wo immer ihr sie findet; und nehmet
keinen von ihnen zum Freund oder Helfer". Während es in der
Bibel heißt, "Du sollst nicht töten" (z.B. 2. Mose
20, Vers 13) bestimmt der Koran: "Ein Gläubiger darf keinen
Gläubigen töten, es sei denn aus Versehen" (Sure 4, Vers
92).
Der christliche Glaube und die Bibel wurden schon oft für schlimmste
Schandtaten instrumentalisiert. Islamistische Terroristen haben den Koran
aber nicht instrumentalisiert, sondern ernst genommen. Die Täter
und Hintermänner terroristische Angriffe können sich auf das
heilige Buch des Islam berufen. Genau wie die arabischen oder türkischen
Imperialisten, die seit Mohammed das Gebiet von Indien bis Spanien erobert
hatten und im 16. und 17. Jahrhundert Europa erneut angriffen, Gott sei
Dank aber nur bis Wien kamen. Auch die Migranten in Europa wissen den
Koran auf ihrer Seite. Die Muslime werden zur Auswanderung aufgerufen,
um den Einflussbereich des Islam zu vergrößern (z.B. Sure 4,
Verse 94 bis 105). Da man als Auswanderer ständig auf der Hut vor
den Ungläubigen, den Feinden, sein muss, versäumt der Koran
auch nicht auf die Vorteile hinzuweisen: "Wer auswandert in Allahs
Weg, wird auf der Erde manche Zuflucht und Hilfsmittel finden" (Sure
4, Vers 100) und "bei Allah ist reiche Beute" (Vers 94).
Selbst demotivierte und respektlose Schüler können sich auf
den Koran berufen. Laut Sure 3, Vers 110 sind die Muslime "die beste
Gemeinschaft, die unter den Menschen entstanden ist", während
die Mehrzahl der Juden und Christen Frevler und Feiglinge (Vers 111) sind.
Nach Meinung von Islamkenner Udo
Ulfkotte leiten viele Muslime aus solchen und ähnlichen Versen
die Gewissheit ab, von einem Ungläubigen weder etwas zu lernen zu
können, noch sich etwas sagen lassen zu müssen. Im Koran kommen
die Ungläubigen bei wenigen Ausnahmen dermaßen schlecht weg,
dass man mit Fug und Recht von Hetze sprechen kann. In der achten Sure
lesen wir im Vers 55: "Siehe, schlimmer als das Vieh sind bei Allah
die Ungläubigen, die nicht glauben". Als Rassismus kann man
dies streng genommen aber nur dann bezeichnen, wenn sich nicht jeder durch
eine Bekehrung zum Islam vom Tier zum Menschen hochdienen könnte
(siehe auch Internet-Dokumentation über das
Bild des Ungläubigen im Islam). Der atheistische Historiker Jaya
Gopal bescheinigt wie viele andere (allen voran der niederländische
Parlamentarier Geert Wilders) dem Koran faschistische Tendenzen: "Ich
will anhand der Glaubensinhalte und der Geschichte und somit ihrer praktischen
Wirksamkeit zeigen, dass der Islam nicht nur eine Religion ist wie die
jüdische, christliche, hinduistische oder buddhistische, sondern
auch eine politische Ideologie wie der Faschismus, mit trotz aller Verschiedenheit
des historischen Hintergrundes psychologisch und substanziell ganz verblüffend
ähnlichen autoritären Tendenzen" (Gabriels
Einflüsterungen ,
Seite XXVii).

Der Untergang des Abendlandes
Die europäischen Gesellschaften gleichen einem Baum, der äußerlich
gut dasteht, innen aber bereits morsch und hohl ist und beim nächsten
Sturm zu zerbersten droht. Nach der gescheiterten Revolution von 1848
wurde vor allem die Kultur Deutschlands vielfach geschwächt: Durch
den bösartigen weil frustrierten Nationalismus, der maßgeblich
zum Ersten Weltkrieg führte, durch Kommunismus, Sozialismus und Nationalsozialismus.
Bedroht wird der Lebensbaum der ganzen westlichen Welt durch die Borkenkäfer
des Feminismus, der autoritätslosen Erziehung, der Übersexualisierung,
durch den Vormarsch der Staatsgläubigkeit
und die Schmarotzerpflanzen des Anspruchsdenkens. Unterspült werden
seine Wurzeln durch den sinkenden Bildungsstand der Schul- und Hochschulabgänger
(Sarrazin:
Deutschland schafft sich ab ,
Kapitel 3), durch die Anmaßung der Political Correctness und den
Rückzug des christlichen Glaubens.
Bis in kirchliche und sogar evangelikale Kreise hinein ist unser Gesellschaftsbaum
von den Myzelfäden des linken Kulturrelativismus und Moralismus durchdrungen,
die praktischerweise einen vortrefflichen Religionsersatz abgeben. Vor
allem die Medien sind befallen. Auch Christen glauben zunehmend an den
Staat, sie verlassen sich mehr auf die sozialen Sicherungssysteme und
die Besitzstände z.B. des Arbeitsrechts als auf Gott. Weit verbreitet
ist auch der Glaube
an die Frau als dem besseren Menschen. Selbst in freikirchlichen Gemeinden
sieht man es den Frauen nach, wenn sie bezüglich ihrer Sorgen (z.B.
über die Finanzen und die Zukunft) das Heil weniger von Christus
erwarten als von ihrem Mann, der gefälligst entsprechend
viel Geld verdienen soll. Droht er seine Stelle zu verlieren, dann
kriegen es beide mit der Angst zu tun! Eine krasse Fehlentwicklung. Wo
bleibt das Gottvertrauen? Wie in Matthäus
6,25 heißt es doch mehrmals im Neuen Testament: "Sorgt
nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren
Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung
und der Leib mehr als die Kleidung?"
Dieser Bibelvers besagt nicht, dass man überhaupt keine Vorsorge
treffen soll. Jesus appelliert aber, es sportlich zu nehmen, wenn es einem
finanziell einmal schlechter gehen sollte. Die Mehrzahl der Bewohner der
westlichen Welt wird vermutlich schon bald dazu Gelegenheit haben. Indessen
stellen sogar Christen die Ehe zur Disposition, wenn der Ehemann nicht
bereit oder in der Lage ist, den Bedürfnissen seiner Frau nach finanzieller
Sicherheit und einem zumindest durchschnittlichen Einkommen gerecht zu
werden. Selbst Freikirchen verstoßen damit gegen eines der Zehn
Gebote: "Du sollst nicht die Ehe brechen" (2.
Mose 20,14). Das halten sie für ein geringeres Übel als
die Gefahr, die Frauen zu verärgern, weil ihnen größere
Lasten aufgebürdet würden. Wie gesagt, wir leben in einer frauenzentrierten
Gesellschaft.
Es ist, als ob die Christen verlernt hätten, die Bibel zu lesen
und zu verstehen. Als ob im Neuen Testament stünde: "Alle eure
Sorge werft auf euren Mann; denn er sorgt für euch". In Wirklichkeit
heißt es aber in 1. Petrus 5, Verse 6 bis 8: "So demütigt
euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu
seiner Zeit. Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.
Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht
umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge".
Das passt, und zwar umso mehr, als heute eine weitere Alternative zum
Gottvertrauen noch höher gehandelt wird. Längst haben vorgeblich
'starke Frauen' diesen Vers mit Unterstützung der Feministen beiderlei
Geschlechts zum frauenbewegten Mantra
der Staatsgläubigkeit weiterentwickelt: "Alle eure Sorgen
werft auf den Staat, er sorgt für euch, wenn euer Ex nicht zahlungskräftig
ist".
Wir Christen sind auch nur Menschen und haben deshalb Ängste. Wir
sollen aber die Angst bekämpfen, den geistlichen Kampf aufnehmen,
die Waffenrüstung Gottes anlegen (Epheser
6,10 bis 17), und zwar nicht nur die Männer, sondern auch die
Frauen. Realität ist aber, dass man die Männer unter Erfolgsdruck
setzt, als Versorger den materialistischen Ansprüchen der Frauen,
Kinder und der ganzen Anspruchs- und Konsumgesellschaft gerecht zu werden.
Die Frauen sollen erst gar nicht in Verlegenheit kommen, ihre Komfortzone
zu verlassen, um im Gebet gegen übertriebene Existenzängste
oder auch gegen Menschenfurcht und Ehrenkäsigkeit anzukämpfen.
Ich sage nicht, dass sie mehr oder überhaupt hinzuverdienen sollen,
bin sogar für eine Abschaffung
der staatlichen Förderung des Doppelverdienertums. Ich plädiere
für eine größere Bescheidenheit,
für kleinere Wohnungen und Häuser, kleinere Autos und einen
schlanken Staat, um die Männer (bzw. die Steuerzahler) zu entlasten.
Wir brauchen eine neue
Reformation, die in den Kirchen und Gemeinden mit spießbürgerlichem
Materialismus, Sozialismus und Feminismus aufräumt. Die Christen
so ziemlich aller Konfessionen und Denominationen sind vom Zeitgeist infiziert.
Im Stil müssen die Christengemeinden lockerer und moderner werden,
inhaltlich müssen sie sich an der Bibel orientieren und vom linken
Gutmenschentum abgrenzen, wenn sie nicht bald gänzlich überflüssig
werden wollen.
Allerorten erleben wir eine Verflachung und Verballhornung des christlichen
Glaubens, die logischer Weise einhergeht mit der Entchristlichung vor
allem des europäischen Kontinents. In erster Linie haben die Männer
Probleme, sich auf das Evangelium von Sühnetod und Auferstehung Christi
einzulassen. Sie spüren, dass sie in der gegenwärtigen Frauengesellschaft
nicht gemeint sind, wenn es in der Sonntagspredigt heißt, dass man
sich den Platz im Himmel nicht verdienen kann. Dass man lediglich glauben
muss, das heißt die Hände ausstrecken muss, um das Geschenk
der Vergebung dankend in Empfang zu nehmen. Dabei würden es viele
Männer trotz der an sie gerichteten Rollenerwartungen durchaus in
Anspruch nehmen, wenn von der Gnade und Geborgenheit in Gottes Hand die
Rede ist, wenn Christus zum Beispiel in Matthäus
11, Verse 28 -30 sagt: "Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig
und beladen seid, ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und
lernt von mir. Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.
So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen, denn mein Joch ist sanft,
und meine Last ist leicht".
Den meisten Frauen ist es insgeheim ganz Recht, dass das starke Geschlecht
die Message von der leichten Last nicht wirklich auf sich beziehen kann.
Im Zustand der Erlösung und der Entspanntheit im Hier und Jetzt'
könnten die Männer kaum dazu angespornt werden, sich der Erfolgsgesellschaft
ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit und ihr eigentliches Selbst
bedingungslos zu unterwerfen. Und nicht von ungefähr hat die moderne
Frau Vorbehalte gegenüber der Botschaft, wonach Christus die Strafe
auf sich genommen hat, die wir Menschen eigentlich verdient hätten.
In einer Kultur, in der sich jede Frau, wenn es ihr gerade in den Kram
passt, ungestraft als Opfer patriarchalischer Unterdrückung hinstellen
kann, ist das Wort Sünde gerade für das schöne Geschlecht
zum Fremdwort geworden. Heute, da insbesondere junge gutaussehende Frauen
fast schon zu Göttinnen hochstilisiert werden, projiziert die öffentliche
Meinung die Sünde im Wesentlichen auf die Männer. Selbst angesichts
der Tatsache, dass die Sexualität des Mannes ausgebeutet und instrumentalisiert
wird, ist er der Buhmann, denn er macht angeblich Prostituierte und Models
zum Objekt seiner angeblich bösen und lächerlichen Leidenschaften.
Dass in Wahrheit der Mann im Arbeitsleben umso mehr zu Höchstleistungen
angestachelt wird, je mehr er auf Pornografie und Werbung mittels Sex
abfährt, ist unter der Käseglocke der frauenbewegten Gesellschaft
bisher nur wenigen aufgefallen.
Die versteckte Botschaft von Sexualisierung und Porno-Industrie lautet:
Du kannst eine dieser Halbgöttinnen im Negligé haben, wenn
du nur genügend Geld verdienst! In Goethes Faust ist das zutiefst
unchristliche Bekenntnis dieser Ersatzreligion ausgesprochen geworden.
Es handelt sich um das geflügelte Wort: "Wer
immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen".
Dass die Erlösung durch eine holde Jungfrau oder eine der anderen
Mädels nur von relativ kurzer Dauer ist, schwant den meisten erst,
wenn es zu spät ist. Aus optimistisch auf die eigene Kraft vertrauenden
Burschen werden Frauenversteher, Familienernährer und am Ende immer
öfter unterhaltspflichtige "Erzeuger". Indes können
sich die Mädels über ihre allzu rasch schwindende Jugendlichkeit
und Anziehungskraft mit den Segnungen des Wohlfahrtsstaats und mit diversen
Unterhaltsansprüchen
hinwegtrösten, die auf ihr oft übersteigertes und kultiviertes
Sicherheitsbedürfnis zugeschneidert sind.
Der Glaube an Gefühle und Emotionen beschleunigt den kulturellen
Niedergang zusätzlich. Dabei sind Gefühle erstens unstetig wie
ein Dackel, der mal vorausläuft und mal hinterher trottet. Und zweitens
können sie auch negativ sein! Gläubige Christen sagen z.B. in
Bezug auf die Ehe: "Liebe ist nicht nur ein Gefühl, sondern
auch eine Entscheidung". Derweil verschimmeln die Früchte, die
nicht bequem zu erreichen sind, an den noch lebenden Zweigen im Gestrüpp
unseres Baums bzw. plumpsen ins Gras, wo sie verfaulen oder zertreten
werden. Wen kümmert es, dass sein Geäst dringend einmal beschnitten
werden sollte? Das Obst ist zwar nicht mehr so süß und saftig
wie früher, aber dafür kostenlos! Den hinzukommenden muslimischen
Kultur- und Werteimperialismus in Schranken zu weisen hätten wir
vielleicht noch die Kraft, wenn sich Europa nicht gleichzeitig weiteren
Herausforderungen stellen müsste.
So schicken sich Mächte wie China und Indien an, den Westen zu überflügeln
- wirtschaftlich, technologisch und demographisch (Gunnar
Heinsohn: Söhne und Weltmacht ).
Sollten wir uns nicht bald auf das Wesentliche besinnen, werden sie in
diesem Jahrhundert gemeinsam mit den USA die Welt unter sich aufteilen
(siehe Peter Sloterdijk in 3sat über sein Buch: Du
mußt dein Leben ändern). Der Spiegel widmete Anfang 2011 dem rasanten
Aufstieg
Chinas erneut ein Titelthema und schrieb, das Reich der Mitte werde
nach verschiedenen Prognosen die USA als bisherige Nummer eins 2019 bis
2027 wirtschaftlich einholen. Laut Goldman Sachs wird China die USA 2030
in Sachen Bruttoinlandsprodukt weit übertreffen und Deutschland wird
vom vierten auf den siebten Platz fallen. PricewaterhouseCoopers (PwC)
zufolge wird China 2050 mit Abstand die größte Wirtschaftsmacht
der Welt sein, gefolgt von den USA und Indien (Welt
online 13.01.2011).
Die österreichische Tageszeitung "Der Standard" beschäftigte
sich am
27. April 2011 mit dem technologischen Niedergang Europas am Beispiel
des finnischen Telekommunikationsriesen Nokia: "Im Februar erklärte
Nokia, von seinem Thronanspruch als führender Handyhersteller zurückzutreten
und künftig Microsoft-Handys zusammenzubauen - so wie viele Konkurrenten
auch. Gestern dann die Ankündigung, 7000 Mitarbeiter abzubauen.
Die Ära, in der Nokia den guten Handyton angab, ist vorbei. So wie
Microsofts einflussreichste Tage vorbei sind
Aber wo in den USA
andere Player übernehmen, wie Apple und Google bei Handys, verliert
Europa mit dem Downgrading von Nokia seinen letzten globalen digitalen
Konzern von Bedeutung. Softwarekonzern SAP wird immer deutlicher von Oracle
distanziert, Siemens gab PCs, Handys und Netzwerke längst auf, die
Liste ist lang. Europa ist oft erfindungsstark - das Web ist eine europäische
Entwicklung, wie auch Skype -, aber umsetzungsschwach. Eine Start-up-Kultur
und das nötige Risikokapital dazu sind dringend erforderlich, um
nicht auf den Technologien des 19. und 20. Jahrhunderts sitzenzubleiben".
Die aufstiegshungrigen Schwellenländer, zu denen auch die Türkei
zählt, und die arabischen Staaten mit ihrem ebenfalls starken Bevölkerungswachstum
treffen auf ein alterndes Europa, das seit 1960 einen Geburtenrückgang
von 35 Prozent zu verzeichnen hat (siehe Video über den Bevölkerungsrückgang
und die drohende Islamisierung Europas: Will
Muslims take over Europe?). In der Bundesrepublik schreitet die Vergreisung
am schnellsten voran, schreibt Sarrazin: "Ein langanhaltender Absturz
bis unter das Bestandserhaltungsniveau, wie Deutschland ihn zu verzeichnen
hat, ist unter den Industrieländern einmalig. ... Seit Anfang der
sechziger Jahre ist die Geburtenzahl in Deutschland um rund 50 Prozent
zurückgegangen. Mittlerweile haben 40 Prozent der in Deutschland
geborenen Kinder einen Migrationshintergrund. Die Zahl der Geburten der
autochthonen Bevölkerung beträgt jährlich noch rund 400.000.
Sie hat sich also in 45 Jahren - in nur anderthalb Generationen - um rund
70 Prozent verringert. Rein physisch gesehen
ist die Bevölkerung, die Anfang der sechziger Jahre in Deutschland
lebte, am Aussterben; sie hat den Weg zu ihrem Ende - gemessen an den
Geburtenzahlen - bereits zu zwei Dritteln zurückgelegt" (Deutschland
schafft sich ab ;
Seite 341).

Gartenzwergidylle
Dass der drohende Untergang
des Abendlandes
bei uns nicht für alle zwingend und offensichtlich ist, liegt nicht
nur an den Erfolgen der Exportindustrien Deutschlands (die einer übertriebenen
Konzentration auf unsere Stärken geschuldet sind). Die Kulisse,
die hinter unserem Baum des Lebens aufgebaut wurde, ein wunderhübsches
Bühnenbild, verstellt den Blick auf die Müllhalden des Werteverfalls:
Die Vorderansicht unserer Gesellschaft zeigt meist noch gepflegte Vorgärten,
gesäumt von immer mehr Kleinwagen, freilich auch von mehr denn je
raumgreifenden und Sprit schluckenden fahrbaren Statussymbolen. Die Freundlichkeit
der Mittelschichtsangehörigen entpuppt sich oft dann als Fassade,
wenn jemand die Geduld des Einzelnen über das Normalmaß beansprucht,
indem er zum Beispiel eine dem Mainstream entgegengesetzte Ansicht äußert.
Zuweilen reicht es, ein von der Spießbürgernorm minimal abweichendes
Verhalten an den Tag zu legen, und das gespielte Interesse schlägt
in konsequente Missachtung, wenn nicht in Aggressivität um, auch
wenn keiner geschädigt wurde.
Nach und nach scheint das in Auflösung begriffene Wertesystem unserer
Gesellschaft durch Normen und Sekundärtugenden wie Pünktlichkeit,
oberflächliche Höflichkeit und die Markenklamotten-Dresscodes
der verschiedenen Subkulturen ersetzt zu werden (Gottfried Keller: Kleider
machen Leute). Die Political Correctness und der Drang vor anderen gut
dastehen zu wollen, gehören ebenfalls zu den Scheinwerten der alten
und neuen Saubermänner. Um zu erkennen, ob jemand die wahren moralinfreien
Tugenden und Werte wie z.B. Nächstenliebe einschließlich Fernstenliebe
(in Freiheit), Toleranz (ohne Selbstverleugnung), Gerechtigkeit, Zivilcourage,
Eigenverantwortung (in der Gemeinschaft), Fleiß, Umsicht, Kreativität,
Lernbereitschaft, Bescheidenheit, Dankbarkeit, Gelassenheit, Heiterkeit,
Wahrheitsliebe, Demut und Treue (z.B. in der Ehe) beherzigt, muss man
ihn unter Umständen über viele Jahre begleiten und kennen lernen.
Dazu haben mitunter nicht einmal Ehepartner die Zeit. Sollte sich aber
einer nicht an die Regeln der Spießgesellen und Pedanten halten,
kann man es ihm sofort vorhalten und sein Mütchen an ihm kühlen.
Frauen sind besonders schnell mit einem Urteil zur Hand. Wenn jedoch Halbstarke
jemanden bedrohen oder man Zeuge einer Sachbeschädigung ist, schauen
auch die kleinkariertesten Blockwarte immer öfter weg.
José Ortega y Gasset, der spanische Philosoph und Soziologe des
20. Jahrhunderts, ermuntert uns, tiefer zu schürfen und uns nicht
von der Gartenzwergidylle täuschen zu lassen: "Alles, was der
Mensch macht, kann mehr oder weniger echt und infolgedessen mehr oder
weniger wirklich sein. ... Schon Platon spielt auf diesen Unterschied
zwischen Echtheit und Unechtheit in der menschlichen Art an, besonders
in Bezug auf die Philosophie und auf den Staat, die öffentlichen
Ämter. ... Und wirklich kann man das, was ich Unechtheit nenne, nicht
besser erklären, als wenn man es als unfreiwillige Lüge definiert.
Der Mensch läuft immer, ohne es zu wollen, Gefahr, nur ein Pseudoselbst
zu sein" (Vom
Menschen als utopischem Wesen ,
Track 53). Die Maskeraden vieler Menschen sind deshalb nicht so leicht
als solche zu erkennen, weil man in Ermangelung wirklicher Tugenden nur
allzu gern an das eigenhändig gezimmerte Idealbild von sich selbst
glaubt und daran festhält. In der Manier eines Sozialpsychologen
analysierte auch Nietzsche das gesellschaftliche Schmidteinander, bei
dem wir nicht nur uns selbst, sondern auch den Nachbarn etwas vormachen:
"Ihr ladet euch einen Zeugen ein, wenn ihr von euch gut reden wollt;
und wenn ihr ihn verführt habt, gut von euch zu denken, denkt ihr
selber gut von euch" (Also
sprach Zarathustra; von der Nächstenliebe). Sorgsam vermeidet
man, dass dieses Bild einen Kratzer bekommt. Wer sich seines geschönten
Images nicht so ganz sicher ist, muss nur voller Selbstgerechtigkeit auf
andere herabblicken, damit er sich umso besser vorkommt.
Der Scheuklappenblick der "progressiven" Biedermeier, die Verlogenheit,
das Messen mit zweierlei Maß sind in den Vergesellschaftungen Europas
allgegenwärtig, vom Bodensatz bis zu den Eliten. In bärbeißiger
Verteidigung ihres Kirchturmhorizonts veranstalten Demagogen und Journalisten
regelmäßig Kesseltreiben gegen einzelne Quer- und Freidenker,
zum Beispiel gegen die Feminismus-Kritikerin
Eva Herman oder gegen Thilo Sarrazin. In der wahnwitzigen Hoffnung,
dass ich mich ebenfalls eines Tages hier einreihen kann, habe ich Anfang
2012 eine Muster-Rezension (Typ Verriss) geschrieben, die als Vorlage
benutzen werden mag. Damit kann ich den Schreiberlingen in den Feuilletons
das Handwerk im Umgang mit mir und ähnlichen Fällen vielleicht
etwas erleichtern. Hat übrigens Spaß gemacht, da konnte ich
mich abreagieren, denn wenigstens einmal in meinem Leben durfte ich alle
Register des investigativen Journalismus ziehen:
"Trotz einiger interessanter Thesen, die man dem Autor des Buches
[Buchtitel] zugestehen sollte, muss festgestellt werden, dass die Argumentation
doch sehr bemüht wirkt. Nein mehr, er ist gleichsam in seinem vorsintflutlichen
Menschenbild gefangen. Auch hat er sich, ohne es zu merken, in allerlei
Widersprüche verstrickt. Nicht umsonst hat der Soziologe (oder
Zoologe?) Prof. Dr. Leichtzuhaben von der FU Berlin jüngst festgestellt,
dass der Autor "im Denken leicht oszilliert".
Festzuhalten ist, dass auch die stringenteste Beweisführung nicht
darüber hinwegtäuschen kann, dass es sich hier um Gedankengut
(um nicht zu sagen Treibgut) einer längst überwunden geglaubten
Zeit handelt. Schon der Titel ist eine Anmaßung. Als selbsternannter
Gesellschaftskritiker mag er zwar Argumente heranziehen, denen wir spontan
nichts entgegen setzen können. Doch was hilft's, wenn jedem klar
denkenden Menschen ins Auge springt, dass es sich hier um ein Pamphlet
Marke 'Steinzeit' handelt, welches nun wirklich ein krudes Weltbild
vermittelt und obendrein bei weiterer Verbreitung den Spaltpilz in jeden
Haushalt dieser Republik bringen würde? Um es deutlich zu sagen:
Ein Schmierfink mit Hang zu Verschwörungstheorien, ein Ideologe
übelster Sorte und ein Spalter. Vielleicht hätte ich ihn gar
nicht erst ignorieren sollen?!? Denn dumpfbackene Pseudo-Intellektuelle
von seinem Schlag ficht keine noch so wissenschaftlich fundierte und
geduldig vorgetragene Ideologiekritik an. Leider.
Der ganze Tenor der geistigen Ergüsse bestätigt, da waren
wir uns in der Redaktion einig, dass uns der Autor hier lediglich seine
paranoide Sicht der Dinge auf Auge drücken will. Da könnte
ja jeder kommen! Obendrein hat er sich in diversen Interviews rhetorisch
vergaloppiert und sich mit seinem Gestammel ohne Not die gesamte öffentliche
Meinung zum Feind gemacht. Der Ton macht die Musik und wer sich im Tonfall
vergreift, den greifen wir uns! So haben wir das schon immer gehalten.
Und um den Vogel abzuschießen: Statt in sich zu gehen und abzuschwören
hat er die Chuzpe, sich jetzt auch noch als Opfer einer Kampagne hinzustellen!
Doch Hand aufs Herz: Seit wann helfen Moralin und Selbstgerechtigkeit
gegen ideologische Verblendung? Die Causa [Name des Autors]: ein trauriger,
ein hoffnungsloser Fall.
Doch bei dieser Erkenntnis dürfen wir es nicht belassen. Hier ist
der Gesetzgeber gefordert! Als wehrhafte Demokraten müssen wir
mit allen Mitteln dafür sorgen, dass derlei menschenverachtender
Ausfluss kranker Bourgeoisie keine Plattform findet - auch nicht im
Internet. Kein Facebook für selbstständig denkende Menschen!
Wehret den Anfängen! Wer verworrene Thesen vergleichbarer Provenienz
verbreitet, der muss als geistiger Brandstifter entlarvt werden, der
steht in der Linie von Adolf Hitler, Alfred Dregger und Idi Amin! Kolleginnen
und Kollegen der Redaktionen aller Medien: Lasst uns Hand in Hand, Arm
in Arm mutig zusammenstehen gegen diesen und andere Feinde der FDGO
(freiheitlich-demokratischen Grundordnung). Lasst uns ihnen und ihren
Hintermännern trotzig entgegenhalten: So nicht! Der große
Bruder duldet keine Gedankenverbrechen und wir investigative Journalisten
sind seine Propheten!"
Am Heiligen Abend 2010 hat sich der geschasste Bundesbanker Sarrazin
in der FAZ folgendermaßen zu der Medienkampagne gegen ihn geäußert:
"Zornig war ich nur kurze Zeit. Dazu war das Verhalten jener Kritiker
in Politik und Medien, die verurteilen ohne gelesen zu haben, zu lächerlich.
Stattdessen machte sich Verachtung in mir breit. Diese Verachtung sitzt
mittlerweile tief. In Politik und Medien gibt es nach meiner Überzeugung
heute keineswegs mehr, sondern eher weniger Zivilcourage und wirklich
unabhängiges Denken als in der Weimarer Republik oder in den ersten
Jahrzehnen der Bundesrepublik. Wehe uns, wenn
sich die Verhältnisse, in denen wir uns so behaglich und selbstgerecht
aufgehoben fühlen, einmal zu unseren Ungunsten ändern sollten.
Wir werden uns dann wundern über den überbordenden Opportunismus
und die kriecherische Feigheit rings um uns."
Spießig sind nicht die oft geschmähten Latte-Macchiato-Mütter,
die sich im Café treffen. Das ist nur ein Kampfbegriff verbitterter
kinderloser Feministinnen. Wer Kinder hat und für sie da ist, tut
mehr als nur einen Job und sollte sich auch mal was gönnen! Zum Spießertum
gehört aber die Gehetztheit vieler Familienfrauen, die oft mehr Wichtigtuerei
ist als die Folge der Belastung, der Familien zweifellos häufig ausgesetzt
sind. So manche Mutter hätte es gar nicht nötig, sich vom Stress
der Zeitgenossen anstecken zu lassen, tut es aber trotzdem, schon allein
weil ein voller Terminkalender heutzutage als Statussymbol gilt. Die Kinder
sollen maximal gefördert und versorgt werden, heißt es zur
Begründung. Doch wer es übertreibt, nimmt dem Nachwuchs die
Ruhe zum Spielen, vergällt den Kindern die Kindheit und schmeißt
sie unvermittelt ins kalte Wasser der Leistungsgesellschaft. Bereits im
Kindergarten pochen die Erzieherinnen auf die pünktliche Einhaltung
der Bringzeiten, offensichtlich in der Vorstellung, sie müssten die
Eltern gleich mit erziehen.
Die morgendliche Sperrstunde in den Kindergärten sollte abgeschafft
oder zumindest gemildert werden. Von Seiten der Erzieherinnen wird die
Sicherheit als Argument ins Feld geführt. Auch störe es, wenn
ein Kind zu spät zu seiner Gruppe stößt. Die Frage ist
jedoch, ob die Sicherheit nicht auch gewährleistet ist, wenn der
automatische Türöffner eine halbe Stunde länger funktioniert.
Ist der ungestörte Ablauf so wichtig, dass man Kindergartenkinder
jeden Morgen unter Druck setzt, obwohl die Mutter oder der Vater vielleicht
noch Zeit hätte? Eltern sollen die Zeit mit ihren Kindern genießen
können. Man sollte sie nicht unnötig unter Druck setzen, die
Kids zum Beispiel spätestens um neun Uhr in die Kita zu bringen.
Wenigstens sollten Eltern ihre Kinder auch danach noch abliefern können,
indem sie klingeln, ohne sich Vorwürfe anhören zu müssen.
Ich sehe keinen triftigen Grund, warum man die Kleinen nicht auch etwas
später in den Kindergarten bringen kann. Sie werden vormittags dort
vier bis fünf Stunden lang betreut. Es findet kein Unterricht im
engeren Sinne statt, den zu versäumen empfindliche Lücken hinterlassen
würde. Auch kann die charakterliche Eignung von Eltern nicht daran
getestet werden, ob sie den Nachwuchs pünktlich in den Kindergarten
bringen. Entscheidend ist, den Kindern Aufmerksamkeit zu schenken, Geduld
mit ihnen zu haben, Zeit mit ihnen zu verbringen, ab und an mit ihnen
zu spielen, zu singen, spazieren zu gehen, ihnen etwas vorzulesen. Der
Stress, eines oder mehrere Kinder unter der Woche jeden Morgen zu einer
bestimmten Uhrzeit in der Kindertagestätte abzuliefern, steht diesem
Anspruch entgegen. Die Hektik überträgt sich auf die Kinder
und legt sich auf ihr Gemüt. In einer Gesellschaft mit einer zu geringen
Geburtenrate sollte man sich über Eltern und Kinder freuen, anstatt
sie überflüssigen Zwängen zu unterwerfen. Familien sollten
nicht belastet sondern entlastet werden. Der KiGa ist für die Familien
da und nicht umgekehrt. Die Erzieherinnen sind für die Kinder, Väter
und Mütter da und nicht umgekehrt.
Der Kindergarten ist nicht der Ort, um Eltern und Kindern Pünktlichkeit
und Timing anzutrainieren. Hierzu gibt es Arztbesuche, Kurse und Workshops,
den wöchentlichen Termin beim Sportverein. Dort ist Pünktlichkeit
unabdingbar, sonst kann man es gleich sein lassen. Genügend Gelegenheiten
zu lernen, als Schulkind rechtzeitig zum Unterricht anzukommen! Wenn Schüler
zu spät kommen, sind Sanktionen schon eher angesagt, doch sind die
Lehrerinnen auch konsequent? Die Jugendrichterin Kirsten Heisig berichtete,
dass vor allem bei muslimischen Familien oft niemand nachhakt, wenn die
Kinder nur sporadisch oder überhaupt nicht zur Schule gehen (Das
Ende der Geduld ).
Im Mai 2011 hatte ich mit ähnlichen Worten einen schriftlichen Antrag
beim Elternbeirat des evangelischen Kindergartens gestellt, in dem wir
bereits seit 2003 das dritte Kind untergebracht hatten. Die von den Erzieherinnen
selbstherrlich um eine halbe Stunde auf neun Uhr vorverlegte Bringzeit
solle wieder zurückverlegt oder am besten ganz abgeschafft werden.
Darüber, so mein Antrag, solle beim nächsten Elternabend diskutiert
werden. Der Vorsitzende des Elternbeirats weigerte sich, meinen Antrag
per E-Mail an die Eltern zu senden, die auf diesem Wege seit einiger Zeit
regelmäßig angeschrieben wurden. Außerdem verwarf der
Elternbeirat nicht nur meinen Antrag, er wollte mir auch nicht die Gelegenheit
geben, das Thema beim Elternabend anzusprechen.
Für die Elternvertreter wäre es offensichtlich einer Majestätsbeleidigung
gleichgekommen, die Entscheidung der Erzieherinnen infrage zu stellen.
Hier feiert das alte Obrigkeitsdenken fröhliche Urständ! Doch
ganz so einfach ist es nicht. Denn wenn nicht
nur ein einzelner Vater, sondern eine der gut vernetzten Mütter einen
solchermaßen ausformulierten und ausführlich begründeten
Antrag gestellt hätte, wäre er nicht so kaltschnäuzig abgeschmettert
worden. Schon gar nicht, wenn er sich gegen "männliche Dominanz"
anstatt gegen Kindergärtnerinnen gerichtet hätte.

Lebensbejahung: Mit Christus gegen den sozialstaatlichen Moralismus
Wirtschaftsliberale sehen sich angesichts der fortschreitenden Säkularisierung
mit dem Problem der Grundlegung der Gesellschaft konfrontiert: Die Marktwirtschaft,
für die sie einstehen, braucht neben dem Staat ein Wertesystem als
Unterbau. An den Sozialismus kann man glauben, an den Kapitalismus nicht.
Zwar wird der Marktmechanismus zu Unrecht nur als Mittel zum Zweck des
Lebensunterhalts wahrgenommen, bestenfalls als das effizienteste weil
urwüchsigste Anreizsystem zur Entwicklung der Menschheit. Aber haben
wir kein Wertesystem, das noch etwas tiefer gründet?
Da sind natürlich die Werte der Aufklärung: Freiheit, Menschenrechte,
Demokratie, Chancengleichheit, Rechtsstaatlichkeit oder Toleranz. In einer
noch halbwegs freien Gesellschaft kommen diese Tugenden jedoch eher abstrakt
und theoretisch daher. Welcher Wertekanon kann uns dann also legitimierend
beistehen im Kampf gegen das Gutmenschentum, im Wettstreit gegen den Moralismus
der Roten und der Grünen? Der Hedonismus fällt flach, denn die
Betonung von Lust und Freude und die Vermeidung von Schmerz und Leid ist
ja bereits zentraler Bestandteil der linken Utopien. Stell Dir vor, die
freie Marktwirtschaft wäre bereits Realität. Wer an sie glaubt,
hätte dann keine Visionen, keine Ziele mehr. Der Konservative dagegen
schon, und der Christ umso mehr. Deswegen bietet sich aus meiner Sicht
das Festhalten
am christlichen Glauben als ideelles Fundament unserer Gesellschaft
an.
Der Arbeitstitel dieses Kapitels lautete: Dionysos und Christus vereint
gegen den sozialdemokratischen Moralismus. Zur Erklärung: Friedrich
Nietzsche (1844-1900) war ein Fan des griechischen Gottes Dionysos (von
den Römern Bacchus genannt), der Gott des Weines, der Freude, der
Schöpferkraft, der Fruchtbarkeit und der Ekstase. Zitat aus seinem
Hauptwerk Also
sprach Zarathustra: "Wer aber zu mir gehört, der muß
von starken Knochen sein, auch von leichten Füßen, - lustig
zu Kriegen und Festen, kein Düsterling, kein Traum-Hans, bereit zum
Schwersten wie zu seinem Feste, gesund und heil. Das Beste gehört
den Meinen und mir; und gibt man's uns nicht, so nehmen wir's: die beste
Nahrung, den reinsten Himmel, die stärksten Gedanken, die schönsten
Fraun!" Das ist stark, das ist sozialdarwinistisch, optimistisch,
für mich als Christ vielleicht etwas zu kriegerisch und daher mit
Vorsicht zu genießen - wie Vieles von dem deutschen Philosophen
des 19. Jahrhunderts. Dennoch hat mich Nietzsche inspiriert und beeinflusst.
Ich gebe zu, dass ich ab und zu auch an mich denke. Eine gute Voraussetzung
übrigens, an die anderen zu denken, ohne ins Helfersyndrom zu verfallen.
In der Bibel heißt es in einem Brief des Apostels Paulus: "Ihr
seid zur Freiheit berufen.
Denn das ganze Gesetz ist in einem Wort
erfüllt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" (Galaterbrief
Kapitel
5, Verse 13 bis 14).
Nietzsche wäre ein prima Bundesgenosse gegen die Heilsversprechen
des Kollektivismus und Sozialismus gewesen. Aber der Dichter, der Gott
für tot erklärte, ist nun selber tot. Und sein Vorbild Dionysos
ebenfalls. Mausetot. Bleibt aus meiner Sicht der Auferstandene! Die Bibel
und der Glaube an Christus können uns helfen, den Antikapitalismus
in unseren Köpfen und Herzen zu überwinden. Das gilt umso mehr,
als Nietzsches Lebensbejahung und die dionysische Schaffensfreude integraler
Teil des christlichen Glaubens sind! Das Christentum ist keineswegs ein
Vorläufer des Sozialismus! Paulus schreibt in 2.Thessalonicher 3,10
- 12: "Schon als wir bei euch waren, geboten wir euch: Wer nicht
arbeiten will, der soll auch nicht essen. Denn wir hören, dass einige
unter euch unordentlich leben und nichts arbeiten, sondern unnütze
Dinge treiben. Solchen aber gebieten wir und ermahnen sie in dem Herrn
Jesus Christus, dass sie still ihrer Arbeit nachgehen und ihr eigenes
Brot essen". Die ersten Christen haben zwar hauptamtliche Sozialarbeiter
(Diakone) gewählt. Diese sollten aber Hilfe zur Selbsthilfe leisten
und niemanden verführen, es sich in der sozialen Hängematte
gemütlich zu machen. Die urchristliche Gemeinde hatte zwar teilweise
Züge eines Kollektivs oder einer Kommune ohne Privateigentum. Dies
konnte und kann jedoch nur in überschaubaren Gemeinschaften funktionieren,
in denen jeder über die materiellen Ressourcen des anderen Bescheid
weiß. Die gegenseitige Hilfe geschah außerdem auf freiwilliger
Basis. Moralismus kann ebenfalls nicht die Sache der Christen sein, denn
Jesus selbst hat sich bekanntlich immer wieder vehement gegen die Heuchelei
der Pharisäer gewandt, die sich sklavisch an den Buchstaben des Gesetzes
hielten. Paulus schreibt: "Zur Freiheit hat uns Christus befreit!
So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft
auflegen!" (Galater
5,1).
Lass uns also mit Christus gegen die linken und grünen Pharisäer
und Philister argumentieren! Allerdings müssen die meisten Christen
noch davon überzeugt werden, wie ich zugeben muss. Leider glauben
auch Christen in zunehmendem Maße an den Staat, sie verlassen sich
mehr auf die Sozialsysteme sowie die Besitzstände und Privilegien
der Arbeitsplatzbesitzer als auf Gott. Auch sie werden jedoch schon bald
aus ihrer Komfortzone vertrieben werden wie Adam und Eva aus dem Paradies:
durch den absehbaren Zusammenbruch der sozialen Sicherungssysteme und
der überschuldeten Staaten Europas und Amerikas. Die Christenheit
ist damit an einem Scheideweg angelangt. Entweder sie besinnt sich auf
die das Schwere mit einschließende Lebensbejahung im Sinne Nietzsches,
Rilkes und der Heiligen Schrift - und zwar rechtzeitig bevor es ganz offensichtlich
nur noch Heilsgüter zu verteilen gibt. Oder sie lässt sich weiter
von der Heuchelei der politisch Korrekten unterspülen. Im zweiten
Falle wird sie sich in Wohlgefallen auflösen, sie wird im Meer des
Gutmenschentums, der Rousseauschen Illusion vom
guten Menschen, untergehen.
Wer jetzt wegen Nietzsche aufgeschreckt ist: Keine Sorge, "der alte
Pulverkopf", als den Ernst
Jünger ihn mehrmals benannte, war weder Nationalist noch Rassist
oder Antisemit, wie seine Sehnsucht nach dem "Übermenschen"
zuweilen missverstanden wird. Jawohl, mit den emanzipierten Frauen, die
es im 19. Jahrhundert ebenfalls schon gab, stand der Philosoph auf Kriegsfuß.
Auch deswegen wird er heute als indiskutabel hingestellt. Seinem Zarathustra
vertraute ein altes Weiblein eine "kleine Wahrheit" an: "Du
gehst zu Frauen? Vergiss die Peitsche nicht!" (Von
alten und jungen Weiblein). Ich vermute, dass er sich damit gegen
die Peitschenhiebe der Frauen zur Wehr setzen sollte. Neben dem Antifeminismus,
den Nietzsche mit Arthur
Schopenhauer gemeinsam hatte, war er ein erklärter Gegner des
Idealismus, des Moralismus und des Christentums. Im Übrigen wetterte
er leidenschaftlich gegen den Staat. In "Also sprach Zarathustra"
(1883) gibt es ein Kapitel über den Staat (Insel-Taschenbuch 5. Auflage
1979: Vom neuen Götzen; S. 51) und eines über die Prediger der
Gleichheit und der sozialen Gerechtigkeit (Von den Taranteln; S. 102).
Frédéric Bastiat
auf deutsch: nur poetischer und durchgeistigter. Eine zuweilen düstere
Prophetie über den Wohlfahrtsstaat und diejenigen, die auf ihn bauen.
Eine vernichtende Abrechnung mit dem, was man neudeutsch "Social
Engineering" nennt.
Hätte Nietzsche hundert Jahre später gelebt, hätte er
sich wahrscheinlich vollends auf den Sozialismus und die Staatsgläubigkeit
anstatt auf den christlichen Glauben eingeschossen. Schon allein deswegen,
weil er es als unter seiner Würde empfunden hätte, auf den taumelnden
Gegner Kirche einzudreschen, der sich zumindest in Europa auf dem Rückzug
befindet. Aber auch deswegen, weil Linke und Grüne und Sozialdemokraten
in Sachen Moralin und Glaubenssätze mittlerweile die Nachfolge der
Kirche angetreten haben! Als unser Zeitgenosse hätte Nietzsche vor
allem auch nicht die Augen vor den unsagbaren Massenmorden und Menschenschändungen
verschlossen, die Kommunismus und Sozialismus beinahe weltweit verursacht
haben. Vor allem in China unter Mao sowie in der Sowjetunion unter Lenin
und Stalin. Nicht zu vergessen der National-Sozialismus Hitlers, Mussolinis
und Francos und anderer Potentaten, die die Völker mit Hilfe eines
staatlichen Terrorregimes tyrannisierten bis hin zur Ermordung von sechs
Millionen Juden und anderen Minderheiten. Nietzsche hat sich im Zarathustra
in seiner Abscheu gegen das Gutmenschentum auch hier als Prophet erwiesen:
"Die Guten nämlich - die können nicht schaffen: die sind
immer der Anfang vom Ende: Sie kreuzigen den, der neue Werte auf neue
Tafeln schreibt, sie opfern sich die Zukunft - sie kreuzigen alle Menschen-Zukunft!
Die Guten - die waren immer der Anfang vom Ende." (Also sprach Zarathustra;
Von
alten und neuen Tafeln Ziffer 26).
Und nun zu der Frage: "Wenn es einen Gott gibt, warum hat er das
zugelassen?" Antwort: Gott leidet nicht am Helfersyndrom wie der
Sozialstaat. Er hat uns Menschen einen freien Willen geschenkt, der mit
Selbstverantwortung einhergeht. Sollte Gott immer dann einschreiten, wenn
der Mensch seine Menschlichkeit verliert, dann wären wir nicht frei,
wir wären Marionetten. An den unfassbaren Grausamkeiten, die dieser
Planet schon gesehen hat, kann man ersehen, dass es sich seit dem Sündenfall
um eine gefallene Welt handelt. Eine gefallene Welt voller gefallener
Menschen. Wir sind alle Sünder, die er Erlösung durch Christi
Blut bedürfen. Schwieriger zu beantworten ist allerdings die Frage,
warum Gott Naturkatastrophen zulässt, bei denen Hunderttausende sterben.
Dafür ist hier allerdings nicht der Platz.
Als unser Zeitgenosse hätte Nietzsche darüber hinaus Max Webers
bahnbrechende Analyse von der protestantischen
Ethik und dem Geist des Kapitalismus (1920) zur Kenntnis nehmen können.
Mit dieser Schrift belegte der bekannte Soziologe, dass die Saat der Marktwirtschaft
in vom Protestantismus, Calvinismus und Puritanismus geprägten Ländern
auf besonders fruchtbaren Boden fiel. Nietzsche könnte heute viel
klarer sehen, zu welcher Schaffenskraft der Kapitalismus in den protestantisch
dominierten Ländern wie z.B. den USA, Großbritannien oder den
Niederlanden fähig war. Auch zu welcher Lebensbejahung - spätestens
seit mit der Säkularisierung die puritanische Strenge gemildert wurde.
Nietzsche, der die Musik Richard Wagners liebte, hätte sich nicht
träumen lassen, dass sich ausgerechnet in den calvinistisch geprägten
USA unter dem Einfluss des Blues, der Gospelmusik und des Jazz eine moderne
Rock- und Popmusik entwickelte, die sich zuweilen in wahrlich dionysische
Höhen aufschwingt. Beispiele: Ray Charles, ZZ-Top, Prince oder Michael
Jackson. Freilich kann auch das Dionysische, wenn man es übertreibt,
in Dekadenz umschlagen. Man kann eben auf zwei Seiten vom Pferd herunterfallen.
Der Dichterphilosoph Nietzsche zeichnete ein einseitiges, vom Biedermeier
geprägtes Bild des christlichen Glaubens. Er unterschätzte die
Vielfalt und die Wandlungsfähigkeit der Gemeinden. Insbesondere die
unterschiedlichen Richtungen der Pfingstbewegung und andere freikirchliche
Denominationen lösten sich in Form und Inhalt von der Sittenstrenge
früherer Jahrhunderte, ohne das Evangelium vom Kreuzestod und Auferstehung
Jesu Christi zu verleugnen. Die Choralgesänge mit Orgelbegleitung
wichen modernen Gemeinde- und Anbetungsliedern, die von Bands mit Schlagzeug,
E-Gitarre, Keyboard und Sängern begleitet werden und die wie Rockballaden
klingen.
Anders als Nietzsche behauptete wird besonders im Alten Testament deutlich,
dass der liebe Gott will, dass seine Schäfchen das Leben genießen.
Zum Beispiel im Hohenlied oder in Prediger 9, Verse 7 bis 10: "So
geh hin und iss dein Brot mit Freuden, trink deinen Wein mit gutem Mut,
denn dies dein Tun hat Gott schon längst gefallen. Lass deine Kleider
immer weiß sein und lass deinem Haupte Salbe nicht mangeln. Genieße
das Leben mit deiner Frau, die du lieb hast, solange du das eitle Leben
hast, das dir Gott unter der Sonne gegeben hat. Denn das ist dein Teil
am Leben und bei deiner Mühe, mit der du dich mühst unter der
Sonne. Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft,
das tu". Jesus verwandelte bei der Hochzeit zu Kana Wasser in Wein
(Johannes 2, 1 bis 11) und ist von den Pharisäern als "Fresser
und Weinsäufer" beschimpft worden (Matthäus 11,19). Man
muss nicht die Ehe brechen, um das Leben auszukosten. Auch muss man sich
nicht die Hörner abstoßen, bevor man in den Hafen der Ehe einfährt.
Schon gar nicht, wo Eros und Sexualität zu einem "zeitgemäßen
Turnen" verkommen sind, wie Theodor Adorno einmal kritisierte. Die
Leibfeindlichkeit, die der Dionysos-Jünger Nietzsche bekämpfte,
ist auch in christlichen Kreisen auf dem Rückzug. Auch hier hat man
erkannt: "Es gibt ein Leben vor dem Tode" (Wolf Biermann), auch
hier achtet man auf seinen Körper und seine Gesundheit, denn "der
Leib ist ein Tempel des Heiligen Geistes" (1.
Korinther 6,19).
Als Christ muss man übrigens auch kein Leisetreter sein. Die Jünger
Jesu haben nicht die Aufgabe, Harmonie um jeden Preis herzustellen. Auch
ist Christus nicht der Softie, als der er heute von vielen gesehen wird,
er arbeitet mit Zuckerbrot und Peitsche. In Matthäus
10, Verse 24 - 39 sagt Jesus: "Ihr sollt nicht meinen, dass ich
gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen,
Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen
zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die
Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden
seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als
mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt
als mich, der ist meiner nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz auf sich
nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert. Wer sein Leben findet,
der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der
wird's finden."
Lachen und tanzen sind bei Nietzsche die Insignien der Kreativität.
Den Menschen, denen durch die Wegrationalisierung des Glaubens der Boden
unter den Füßen entzogen wurde, ist aber immer weniger nach
tanzen. Häufiger als früher taumeln sie nur noch durchs Leben.
Wer nicht über sich selber lachen kann, weil er sich nicht mit allen
seinen Defiziten (egal ob wirklichen oder vermeintlichen) von Christus
für okay befunden und geliebt weiß, dessen Gelächter steckt
niemanden an. Allenfalls die schlechte Gesellschaft der "Gierigen"
und "Lüsternen", mit denen Nietzsche übrigens nichts
zu schaffen haben wollte. Er spricht vom Gesindel, das auch geistreich
sein kann, vom "Macht- und Schreib- und Lust-Gesindel" (Also
sprach Zarathustra; S. 100).
Langer Rede kurzer Sinn: Nietzsches Forderung nach Lebensbejahung ist
mit der christlichen Ethik besser vereinbar als mit Kommunismus, Sozialismus
oder dem Gutmenschentum der Moderne. Der linke Liedermacher Konstantin
Wecker verkörpert zwar (z.B. mit dem Nietzsche-Zitat "Alle
Lust will Ewigkeit") die lustbetonten und die antiklerikalen Aspekte
der Philosophie des Zarathustra-Poeten. Doch Nietzsche wetterte nicht
nur gegen das von ihm als moralinsauer empfundene Christentum, sondern
generell gegen das Gutmenschentum. Diejenigen, die bei jedem Problem sofort
nach dem Staat rufen, die haben das Erbe der Kleinbürgerlichkeit
des Viktorianischen Zeitalters fortgeführt. Die neuen sozialen Bewegungen
im Gefolge der 68-Revolution sind mit dem Spießbürgertum weitgehend
verschmolzen. Sie haben sich mit der Leisetreterei, die z.B. mit der Bewilligung
der begehrten staatlichen Zuschüsse und Beamtenbezüge verbunden
sind, arrangiert. Nietzsche hasste die Verlogenheit und geistige Enge
weiter Teile des Bildungsbürgertums mit seinem "erbärmlichen
Behagen". Dass heute immer weitere Kreise dieses Behagen auch noch
vom Staat finanziert bekommen, und sich die arbeitende Bevölkerung
umso mehr dem krankmachenden "Ehrgeiz-Gezappel" (Also sprach
Zarathustra; S. 247) hingeben muss: für solche Dekadenz hätte
selbst der erbarmungslose Analytiker der bürgerlichen Befindlichkeiten
erst einmal keine Worte gefunden. Ein wachsender Teil der vom christlichen
Glauben Befreiten fällt ins Bodenlose. Hätte Nietzsche geahnt,
dass die auf diese Weise immer dicker werdende Schicht der sozial Schwachen
in die Abhängigkeit vom Staat gelockt würde, wie ein Fixer vom
Heroin abhängig ist, wäre Nietzsche ein Reformator anstatt ein
Zertrümmerer christlicher Werte geworden.
Zu den von Nietzsche bekämpften Verächtern des Leibes gehören
heute trotz der sexuellen Revolution die Feministen beiderlei Geschlechts,
die es schafften, das soziokulturelle Gleichgewicht von Sexualität,
Ehe, Familie und Beruf gründlich aus der Balance zu bringen. Die
Ideologie des Feminismus hat mehr und mehr Männer und Frauen in ein
Singledasein, in die Kinderlosigkeit gedrängt, fast als wären
sie Mönche und Nonnen geworden. Kein Wunder, dass immer weniger Kinder
geboren werden und die angestammte Bevölkerung dramatisch schrumpft!
Gut möglich, dass es heute mehr alte Jungfern, ewige Junggesellen
und Hagestolze gibt als zur Zeit des Biedermeier! Betroffen sind vor allem
die Verlierer des durch den Feminismus hochgeputschten Geschlechterkriegs:
Die weniger gutaussehenden oder zu groß geratenen Frauen, die Karrierefrauen
und die schlecht verdienenden Männer.
Ich kenne einige Männer im heiratsfähigen Alter, für die
sich kaum eine Frau interessiert, weil sie zu wenig Geld verdienen. Die
meisten bleiben wohl alleine, genau wie die vielen alleinstehenden Frauen,
die vergeblich auf einen passenden Versorger warten. Zu dieser Schieflage
hat maßgeblich die Women's Liberation beigetragen, weil im Zuge
der Emanzipation immer mehr gut situierte Familienfrauen den Männern
auf dem Arbeitsmarkt Konkurrenz machen. Wenn der Ehemann Geringverdiener
ist, kann man dagegen nichts einwenden. Immer öfter nehmen jedoch
die Doppelverdiener der Mittel- und Oberschicht den weniger privilegierten
Männern die Arbeitsplätze weg und berauben sie damit ihrer Lebens-Chancen!
Ganz zu schweigen von den Lebens-Chancen der Frauen, die vergeblich auf
einen Ernährer warten. Pikanterweise wird diese subtile Form der
Ausbeutung auch noch staatlich gefördert: durch den Steuervorteil
des Ehegattensplittings, durch Frauenquoten, Frauenförderung und
durch den milliardenschweren Ausbau der Kinderkrippen. Die beschönigend
als "frühkindliche Bildung" bezeichnete Fremdbetreuung
geschieht angeblich im Interesse der Kinder. In Wahrheit wirken sich Kinderverwahranstalten
für unter Dreijährige nicht nur emotional sondern auch in puncto
Intelligenzentwicklung
katastrophal aus!
Auf den ersten Blick könnte man aber meinen, dass Nietzsche als
der Philosoph der Körperlichkeit heutzutage auf der Seite des Sozialismus
stehen würde, denn in den westlichen Ländern hat sich durch
die Übermacht der Linken, Feministen und Freudianer die freie Liebe
weitgehend durchgesetzt. Durchgesetzt hat sich allerdings nur die leichte
und genussreiche Seite der von Nietzsche geforderten "höchsten
Bejahung", der Lust am Leben in allen seinen Facetten. Ganz ohne
Zweifel gehören für Nietzsche (genau wie für die Christen)
auch die Herausforderung dazu, die Eigeninitiative, die Überwindung
des inneren Schweinehunds und die Selbstverantwortung. Der Dionysos-Kult
Nietzsches propagiert ferner die schöpferische Zerstörung und
die Bekämpfung der Existenzangst, indem man sich etwas aufbaut, indem
man im Rahmen der gesellschaftlichen Konventionen und Regeln Hindernisse
aus dem Weg räumt. Nietzsche beschreibt in Ecce
Homo seine Vorstellung von Lebensbejahung als "eine aus der Fülle,
der Überfülle geborene Formel der höchsten Bejahung, ein
Jasagen ohne Vorbehalt, zum Leiden selbst, zur Schuld selbst, zu allem
Fragwürdigen und Fremden des Daseins selbst. Dieses letzte, freudigste,
überschwenglich-übermütigste Ja zum Leben ist nicht nur
die höchste Einsicht, es ist auch die tiefste, die von Wahrheit und
Wissenschaft am strengsten bestätigte und aufrechterhaltene. Es ist
nichts, was ist, abzurechnen, es ist nichts entbehrlich
".
Auch ein Christ packt das Leben bei den Hörnern und lebt und arbeitet
aus Gottes Kraft und zu seiner Ehre. So weit wollen die Linken (von den
Kommunisten über die Grünen bis zu den linken Flügeln der
bürgerlichen Parteien) mit der Lebensbejahung aber gerade nicht gehen.
Sie haben den Staat vor allem in Europa zu einem sozialen Wasserbett ausgebaut,
in dem es sich immer mehr oberschlaue "Unterprivilegierte" gemütlich
machen. Der Preis dafür ist die Entmündigung und Bevormundung
des Einzelnen, eine immer größere Einschränkung der persönlichen
Freiheit. Diesen Preis hätte Nietzsche nie und nimmer bezahlen wollen.
Lieber wäre er Christ geworden!
Wie gesagt: Was Nietzsche postulierte, es ist zum Teil bereits Realität:
Die christliche Ethik hat sich weitgehend zurückgezogen, die Körperverachtung
ist in einen Körperkult umgeschlagen. Die Menschen leben die Sexualität
immer hemmungsloser aus. Der Dichter und Denker würde sich dennoch
im Grabe umdrehen, wenn er sehen würde, welche Trutzburgen-Mentalität
aus der sexuellen Revolution hervorgegangen ist: Männer und Frauen
begegnen sich nicht mehr wie noch bis in die 1970er Jahre offen und neugierig.
Heute gibt man sich meist gleichgültig, oft sogar misstrauisch und
abweisend. Durch das weitgehende Verschwinden von Normen auf Grund des
Werteverfalls gestaltet sich das gegenseitige Kennenlernen wesentlich
komplizierter. Die Frauen fürchten, von dem falschen Kerl angebaggert
oder auch nur angeschaut zu werden. Die Männer dagegen haben keine
Lust, zum wiederholten Male eine Abfuhr zu bekommen. Der sexuellen Revolution
folgte die sexuelle Anarchie. Der Kampf der Geschlechter wurde intimer
und damit auch härter und verletzender. Wer aber Narben auf der Seele
hat, verliert seine Unbefangenheit in der Begegnung mit dem anderen Geschlecht.
Ein vormals spielerisches Fechten zwischen Mann und Frau ist zu einem
gegenseitigen Belauern erstarrt, weil jeder Angst hat, das Holzschwert
des Gegners auf die Finger zu kriegen. Oft hat man Bedenken, der andere
könnte den eigenen überhöhten Erwartungen nicht genügen.
Bei zufälligen Begegnungen sind Singles außerdem deswegen weniger
spontan und offen als früher, weil sie ja noch das eine oder andere
heiße Eisen im Feuer einer Online-Partnerbörse vermuten.
Dabei sind Sex und Erotik bei weitem nicht so frei wie es scheint. Wenn
sie wirklich frei wären, gäbe es praktisch keine Prostitution
mehr, wovon aber keine Rede sein kann. Schuld daran, Nietzsche würde
es schon ahnen, ist der "ewige Krieg zwischen den Geschlechtern",
der dem Weib "bei weitem den ersten Rang" gibt (Ecce Homo: Warum
ich so gute Bücher schreibe; Abschnitt 5). Die Frau bestimmt,
ob man miteinander schläft oder nicht. Nähe, Zärtlichkeit
und Sexualität gewährt sie aber nur wenn und soweit sie sich
einigermaßen sicher ist, dass es der Richtige sein könnte.
Er muss soziale Kompetenz besitzen, größer sein als sie selbst
und vor allem ausreichend verdienen. Daher können die Männer
mit niedrigem Einkommen oft nur in den Mond gucken. Das war früher
auch nicht anders. Wenn er nur könnte, würde Nietzsche uns klarmachen,
dass wir in Sachen Verlogenheit dem vorletzten Jahrhundert nur allzu ähnlich
sind! Erneut würde er aus seinem Buch Ecce
Homo zitieren: "Die Zirze der Menschheit, die Moral, hat alle
Psychologica in Grund und Boden gefälscht - vermoralisiert - bis
zu jenem schauderhaften Unsinn, daß die Liebe etwas Unegoistisches'
sein soll. Man muß fest auf sich sitzen, man muß tapfer auf
seinen beiden Beinen stehen, sonst kann man gar nicht lieben. Das wissen
zuletzt die Weiblein nur zu gut: Sie machen sich den Teufel was aus selbstlosen,
aus bloß objektiven Männern".
Ist die freie Sexualität für die Frauen also nur der Köder,
um sich einen möglichst dicken Fisch zu angeln? Nicht viel mehr.
Sie gibt ihm den kleinen Finger, zieht bei ihm ein und lernt ihn dadurch
besser kennen. Das ist nachvollziehbar, denn in unseren hochgradig arbeitsteiligen
Gesellschaften ist es für die Frauen schwer, die Persönlichkeit,
den Verdienst und die langfristigen Perspektiven eines Kandidaten im Vergleich
zu seinen Mitbewerbern einzuschätzen. Vor allem in Zeiten prekärer
Arbeitsverhältnisse. Schließlich hat auch ein immer größerer
Prozentsatz der jungen Männer Potenzstörungen,
eine Folge des Umstands, dass sich Männer weit mehr als Frauen ihren
Status, ihren Platz in der Gesellschaft durch Leistung erarbeiten müssen.
Eine Folge auch des Erwartungsdrucks, der seit dem Siegeszug der Frauenbewegung
noch schwerer als zuvor auf den Männern lastet.
Im Grunde dient die sexuelle Freizügigkeit vor allem dem Zweck,
der weiblichen Intuition bei der Partnerwahl mehr Zeit und Anschauungsmaterial
zu geben. Kaum zu bestreiten ist, dass, wie die Männer mit ihrem
Einkommen, die Frauen mit ihrem erotischen Kapital wuchern. Sie wollen
das Optimale für sich herausschlagen und suchen vor allem einen Mann,
der ihnen zumindest soziale Sicherheit gewährt, besser aber noch
Wohlstand und Reichtum. Den bekannten ARD-Wettermoderator Jörg Kachelmann
zum Beispiel umschwärmten gleich mehrere Verehrerinnen - wie Motten
das Licht (siehe Sabine Rückerts Artikel in der ZEIT vom 8.4.2011:
Kachelmanns
Frauen). Eine von ihnen rächte sich für ein nicht gehaltenes
Heiratsversprechen und klagte ihn im März 2010 an, ihr ein Messer
an die Kehle gelegt und sie vergewaltigt zu haben. 132 Tage verbrachte
Kachelmann in Untersuchungshaft. Im Prozess stellte sich heraus, dass
die Klägerin gelogen und Beweismittel gefälscht hatte. Am 31.
Mai 2010 wurde er wegen Mangels an Beweisen freigesprochen (ZEIT
vom 31.5.2011).
Nietzsche plädierte zwar für eine Ehe auf Probe, damit man
die Katze nicht im Sack kaufen muss (Zarathustra S. 213). Die freie Liebe
als Möglichkeit für die Damen, die Herren besser nach ihrer
Leistungsfähigkeit und Verlässlichkeit abzuchecken, das hat
der Philosoph sicher nicht mit der Bejahung von Körperlichkeit und
Sexualität im Sinn gehabt. Und schon gar nicht den Beischlaf als
Druckmittel der Frauen gegen die Männer. Der Mann hat den stärkeren
Sexualtrieb und meist eine weit geringere Vernetzung in Freundeskreisen
und in der Verwandtschaft. Die Frau ist daher in der Lage, ihm Bestätigung,
Nähe, Zärtlichkeit und erfüllte Sexualität zu gewähren,
aber auch zu entziehen. Damit ist sie im Besitz eines ebenso subtilen
wie effizienten Machtinstruments!
Schon von ihrer Erziehung her (durch Mütter, Kindergärtnerinnen
und Lehrerinnen) fällt den meisten Vertretern des sogenannten starken
Geschlechts nichts Besseres ein, als sich dreinzufügen. Der Erwartungsdruck
geht schließlich nicht nur von der Frau aus, sondern von der ganzen
Gesellschaft. Die Liebe einer Frau und die Sinnlichkeit sollen aber nicht
zentrale Teile eines Anreizsystems für Männer sein, den beruflichen
Erfolg zu suchen oder es der Ehefrau recht zu machen - bei Nietzsche nicht
und aus biblischer Sicht ebenfalls nicht. Übrigens wird die Position
der Männer in dem Maße noch zusätzlich geschwächt,
in dem es der Staat den Frauen leicht macht, ihre bessere Hälfte
bei Nichtgefallen zu entlassen: mit umfänglichen Hilfen für
Alleinerziehende und mit den Ansprüchen
auf Unterhaltszahlungen.
Um Sex und Geld, dreht sich die Welt. Für Nietzsche sollte die Sexualität
der Herzstärkung und der Fortpflanzung dienen. In die Kinder dieser
Welt und in ihre Erziehung setzte er seine Hoffnung vom Übermenschen.
Er träumte von einer Gesellschaft, die überschwängliche
Lebensfreude und Schaffenskraft entwickelt und nicht der "erbärmlichen
Behaglichkeit" des Spießbürgertums verhaftet bleibt. Vor
allem kommt seiner Ansicht nach die Unschuld vor die Hunde, wenn die Frau
die Sexualität des Mannes für ihre Ziele instrumentalisiert:
"In den Städten ist schlecht zu leben: da gibt es zu viele der
Brünstigen. Ist es nicht besser, in die Hände eines Mörders
zu geraten, als in die Träume eines brünstigen Weibes? Und seht
mir doch diese Männer an: ihr Auge sagt es - sie wissen nichts Besseres
auf Erden, als bei einem Weibe zu liegen. Schlamm ist auf dem Grunde ihrer
Seele; und wehe, wenn ihr Schlamm gar noch Geist hat! Daß ihr doch
wenigstens als Tiere vollkommen wäret! Aber zum Tiere gehört
die Unschuld. Rate ich euch, eure Sinne zu töten? Ich rate euch zur
Unschuld der Sinne" (Zarathustra: Von der Keuschheit; S.57).
Die Mythen, die sich spätestens seit der Aufklärung um die
Frau als das unschuldige Wesen, als der bessere Mensch ranken, werden
nicht nur im Lichte der Bibel, sondern auch in Nietzsches Philosophie
als Zweckpropaganda im Machtkampf der Geschlechter entlarvt. Die "Unschuld
in der Begierde" fehlt nicht in erster Linie den Männern. Sie
fehlt vor allem denjenigen Frauen, die erklärtermaßen keine
Kinder bekommen möchten, und dennoch hoch hinaus pokern, um sich
einen möglichst dicken Fisch zu angeln: "Oh, ihr empfindsamen
Heuchler, ihr Lüsternen! Euch fehlt die Unschuld in der Begierde:
und nun verleumdet ihr drum das Begehren! Wahrlich, nicht als Schaffende,
Zeugende, Werdelustige liebt ihr die Erde! Wo ist Unschuld? Wo der Wille
zur Zeugung ist. Und wer über sich hinaus schaffen will, der hat
mir den reinsten Willen. Wo ist Schönheit? Wo ich mit allem Willen
wollen muß; wo ich lieben und untergehn will, daß ein Bild
nicht nur Bild bleibe. Lieben und Untergehn: das reimt sich seit Ewigkeiten.
Wille zur Liebe: das ist, willig auch sein zum Tode. Also rede ich zu
euch Feiglingen! Aber nun will euer entmanntes Schielen Beschaulichkeit'
heißen! Und was mit feigen Augen sich tasten läßt, soll
schön' getauft werden! Oh ihr Beschmutzer edler Namen! Aber
das soll euer Fluch sein, ihr Unbefleckten, ihr Rein-Erkennenden, daß
ihr nie gebären werdet: und wenn ihr auch breit und trächtig
am Horizonte liegt!" (Zarathustra: Von der unbefleckten Erkenntnis;
S. 125 f.).
Vermutlich hatte Nietzsche mit den so verfluchten Heuchlern auch die
Feministinnen und ihre Pudel im Sinn, die heute tatsächlich häufig
nicht gebären. Letztendlich betreibt die Frauenbewegung das Geschäft
der "Verächter des Leibes", wie sich Nietzsche auszudrücken
pflegte. Die Feministinnen propagieren Karriere statt Kinder, sie verführen
Frauen zum Alleinerziehertum, zum Lesbianismus, generell zur Unfruchtbarkeit
und damit zum Untergang unserer Gesellschaft. Der Dichterphilosoph nennt
sie Prediger
des Todes: "'Wollust ist Sünde' so sagen die einen, welche
den Tod predigen - 'Laßt uns beiseite gehn und keine Kinder zeugen!'.
'Gebären ist mühsam' sagen die andern - 'wozu noch gebären?
Man gebiert nur Unglückliche!' Und auch sie sind Prediger des Todes."
So genießen gewollt kinderlose Frauen, die sich von ihrem Mann
aushalten lassen, in unserer Gesellschaft das gleiche hohe Prestige wie
ihr Gatte und können obendrein sogar noch den weiblichen Opferstatus
in Anspruch nehmen. Aus biblischer Sicht müssen sie aber als Schmarotzer
bezeichnet werden, worin vermutlich auch Nietzsche zustimmen würde.
Fruchtlos ist ihr Leben vor allem dann, wenn sie sich für nichts
und niemanden einsetzen, sondern überwiegend nur konsumieren. Manchmal
sind sie aus Spaß an der Freude stundenweise beschäftigt. Hierin
gleichen sie reichen Männern, die von Beruf "Sohn" sind,
die nicht viel mehr zu tun haben, als das Erbe ihres Vaters durchzubringen.
Anders verhält es sich mit Männern und Frauen, die keine Kinder
haben wollen, weil sie sich beide ganz auf ihre Karriere konzentrieren
möchten. Sie arbeiten hart und tragen erheblich zum Volkseinkommen
bei.
In der christlichen Familie, bei der Mann und Frau als gleichwertig erachtet
sind, übernimmt in der Regel der Mann die Rolle des Familienernährers,
damit die Frau Zeit und Kraft für die Kinder und für die Hausarbeit
hat. Beide Eltern geben ein Opfer: für das Wohl ihrer Kinder, für
den Fortbestand der Gesellschaft und nicht zuletzt als Vorsorge für's
Alter. Im Neuen Testament sagt Christus in Johannes 12, 24 bis 25 über
solche Opferbereitschaft: "Wenn das Weizenkorn
nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber
erstirbt, bringt es viel Frucht. Wer sein Leben lieb hat, der wird's verlieren;
und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird's erhalten zum ewigen
Leben".

Für eine robuste Gesellschaft
Wir leben von der Substanz. Nein schlimmer: von dem Geld, das unsere
Kinder und Kindeskinder später einmal erwirtschaften sollen. Die
Feministinnen bekommen ihre Boni kurzfristig (z.B. in Form von Buch-Tantiemen
und Beamtenbezügen), obwohl sich die Risiken und Folgen erst Jahrzehnte
später einstellen und wegen der Komplexität des Systems Gesellschaft
auch dann nicht leicht zu erkennen sind. Der Statistiker, Zufallstheoretiker
und Philosoph Nassim Nicholas Taleb macht darauf aufmerksam, dass die
Beweislast bei denen liegt, die ein altes komplexes System stören
(Der
Schwarze Schwan; Konsequenzen aus der Krise ,
MP3-CD Track 9 u. 49). Die Feministen aller Couleur müssten beweisen,
dass ihr Eingreifen in das Gefüge der Rollen von Mann und Frau, der
Geburt und Sozialisation von Kindern, in familiäre und wirtschaftliche
Systeme unschädlich ist. Einmal abgesehen, dass dies kaum möglich
ist, sind sie davon weit entfernt. Ihr (von Hegel und Marx beeinflusster)
emanzipatorischer Fortschrittsglaube ist so groß, dass wohl die
wenigsten überhaupt auf die Fragestellung kommen. Das ist umso befremdlicher,
als die "progressiven Kräfte" im Zusammenhang mit Hochtechnologien
und großen Infrastrukturprojekten fortschrittsfeindlich geworden
sind. Frauenforschung ist keine Wissenschaft, sondern brandgefährliche
Scharlatanerie! Und eine Beleidigung
des gesunden Menschenverstandes. Denn wenn bei den "Gender Studies"
etwas für die Frauenforscherinnen Unbequemes herauskommt, wird es
angesichts des Gesinnungsterrors in diesen Fragen unter dem Deckel gehalten
oder zurecht gebogen. Der Große Bruder duldet keine Gedankenverbrechen!
Der spanische Philosoph Ortega y Gasset beschrieb 1942 die Wissenschaft
als eine Form der Poesie, die nur Verrückte mit der Wirklichkeit
gleichsetzen würden. Er warnte vor Geschichtsvergessenheit und naivem
Fortschrittsglauben: "Das schwerste Gebrechen des Menschen ist die
Undankbarkeit. Diese superlativische Behauptung stütze ich darauf,
dass jedes widergeschichtliche Verhalten des Menschen, dessen Wesen gleichbedeutend
mit seiner Geschichte ist, eine Art Selbstmord bedeutet. Der Undankbare
vergisst, dass das meiste von dem, was er besitzt, nicht sein Werk ist,
sondern, dass es ihm von anderen geschenkt wurde, die sich bemühten,
es zu schaffen und zu erhalten. ... Der moderne Mensch macht sich nicht
mehr wirklich klar, dass wir fast alles, was wir besitzen, um unsere Existenz
mit einiger Bequemlichkeit zu führen, der Vergangenheit verdanken,
und dass wir deshalb in unserem Umgang mit ihr mit großer Aufmerksamkeit,
viel Zartgefühl und Scharfsinn vorgehen müssen. ... Die Vergangenheit
vergessen, ihr den Rücken kehren, ruft die Wirkung hervor, die wir
heute vielfach beobachten können: die Rebarbarisierung des Menschen"
(Vom
Menschen als utopischem Wesen ,
Track 14).
Auch Nassim Nicholas Taleb misstraut den Utopien der Linken. Er fordert,
die Robustheit von Wirtschaft und Gesellschaft gegenüber unvorhersehbaren
Katastrophen (die er als negative "schwarze Schwäne" bezeichnet)
zu vergrößern, indem wir folgende Strategien anwenden: Dezentralisierung,
Sicherung des freien Wettbewerbs, Verhinderung von Monopolen und Too-Big-to-Fail-Organisationen,
Rücklagen statt Staatsschulden, keine zu starke globale Arbeitsteilung,
Redundanz und die damit verbundene Risiko-Minimierung und Risikostreuung:
"In den letzten 2500 Jahren, aus denen uns schriftliche Aufzeichnungen
über die Ideen vorliegen, haben nur Narren und Platoniker und, noch
schlimmer, die Leute, die bei Zentralbanken in leitender Funktion arbeiten,
an konstruierte Utopias geglaubt. Die Lösung kann nicht darin bestehen,
die Fehler zu korrigieren und den Zufall durch Geldpolitik, Subventionen
etc. aus dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben zu eliminieren.
Die rettende Idee besteht schlicht darin, dafür zu sorgen, dass die
menschlichen und Berechnungsfehler beschränkt bleiben, und zu verhindern,
dass sie sich im System ausbreiten. Sich also die Natur zum Vorbild nehmen.
Die Reduzierung der Volatilität des normalen Zufalls führt dazu,
dass wir Schwarzen Schwänen stärker ausgesetzt sind. Sie erzeugt
eine künstliche Ruhe" (Nassim Nicholas Taleb: Der
Schwarze Schwan - Konsequenzen aus der Krise ,
MP3-CD Track 16).
Taleb teilt den Geschehensablauf in unseren globalen hochkomplexen Systemen
in zwei Sektoren: In einen mit den gängigen Prognosen relativ gut
vorhersagbaren Sektor, den er Mediokristan nennt, und in einen Sektor
mit wilden Zufällen, den er Extremistan nennt. Der Philosoph des
Zufalls kritisiert zum Beispiel Zukunftsprognosen, die auf der Glockenkurve
nach Gauß (Normalverteilung) und davon abgeleiteten statistischen
Modellen wie Varianz und Standardabweichung beruhen. Er sagt, dass diese
Modelle zu stark vereinfachen und vor allem in Extremistan unbrauchbar
sind, weil die Durchschlagskraft von sogenannten Ausreißern damit
übertüncht wird. So überschätzen die Demographen unsere
angeblich steigende Lebenserwartung, weil ihre Methoden blind für
die Auswirkungen großer Epidemien oder anderer Katastrophen sind,
auf welche die verwöhnten Genossen der europäischen Wohlfahrtsökonomien
übrigens besonders schlecht vorbereitet sind.
Der Zufallsmathematiker Taleb nennt weitere Beispiele für Schwarze
Schwäne, sprich Ereignisse aus Extremistan: "Nicht einmal 0,25
Prozent aller amtlich notierten Unternehmen auf der Welt repräsentieren
rund die Hälfte der Marktkapitalisierung. Etwa die Hälfte der
verkauften Exemplare im Bereich der Belletristik entfällt auf einen
winzigen Prozentsatz der Romane auf unserem Planeten. Weniger als 0,1
Prozent der Medikamente generieren etwas mehr als 50 Prozent des Umsatzes
der Pharmazeutischen Industrie und unter 0,1 Prozent der gefährlichen
Ereignisse werden mindestens die Hälfte der Schäden und Verluste
verursachen" Der
Schwarze Schwan - Konsequenzen aus der Krise ,
MP3-CD Track 37).
Das Erdbeben und der Tsunami am 11. März 2011 sowie die dann folgende
Reaktorkatastrophe in Fukushima hatten trotz allen Schreckens nur regionale
Auswirkungen. Durch einen großen Vulkanausbruch oder durch den Einschlag
eines Kometen könnte der modernen Zivilisation auf der Erde komplett
ein Ende gesetzt werden. Oder durch einen alle elektronischen Bauteile
zerstörenden elektromagnetischen
Impuls (EMP), ausgelöst von einem Sonnensturm
oder einer Atombombe. Ein Extremistan im Kleinen hatte es beim Einsturz
der Tacoma-Narrows-Brücke am 7. November 1940 im US-Bundesstaat
Washington gegeben. Schon bei leichtem Wind geriet die Hängebrücke
während der vier Monate ihrer Betriebszeit in starke Resonanz-Schwingungen
und war daher vielen Menschen nicht geheuer. Am Tag der Katastrophe geriet
sie jedoch in Torsionsschwingungen, so genannte selbsterregte Schwingungen,
mit denen die Ingenieure nicht gerechnet hatten. Auch in der Weltwirtschaft
müssen wir darauf gefasst sein, dass sich die Probleme zum Beispiel
im Zusammenhang mit der Überflutung der Finanzmärkte mit billigem
Geld gegenseitig hochschaukeln können! Zufallstheoretiker Taleb warnt:
"Für extreme Ereignisse haben wir keine gute Intuition"
Der
Schwarze Schwan - Konsequenzen aus der Krise ,
MP3-CD Track 41).

Nachhaltige Sozialpolitik
Die Marktwirtschaft ist das System, das sich von alleine herausbildet,
wenn der Staat sich auf seine ureigensten Aufgaben konzentriert und den
Menschen Freiheit gewährt. Wir sollten die Weisheit dieses natürlich
gewachsenen Wirtschafssystems respektieren. Insbesondere dürfen wir
nicht seine Triebfeder aus der Verankerung reißen oder sie ad absurdum
führen: das Streben der Menschen nach Gewinn, Wohlstand, Eigentum,
Glück, Anerkennung und den Stolz auf die eigene Leistung. Auf der
anderen Seite darf der Staat die Triebfeder nicht überdehnen, indem
er die Leistungswilligen auspresst wie eine Zitrone. Das Recht auf Eigentum
ist ein integraler Bestandteil der Freiheit. So bedeutet z.B. die Enteignung
seines von ihm selbst bewohnten Hauses für den Hauseigentümer
seine weitgehende Entrechtung, spätestens dann, wenn er das Haus
verlassen muss. Der Schutz des Eigentums bewahrt die Bürger vor willkürlicher
Zuteilung bzw. Aberkennung von Gütern durch die Behörden.
So tief sind wir in Sumpf der Volksverdummung eingesunken, dass jemand
als Markt-Radikaler bezeichnet wird, nur weil er sich dafür ausspricht,
den Menschen die wirtschaftliche Freiheit und die Eigenverantwortung zu
belassen. Was zur Entstehung sämtlicher Hochkulturen in der Menschheitsgeschichte
maßgeblich beigetragen hat, nämlich dass der überlegt
Handelnde und der Fleißige Erfolg haben, wird heute mit dem neongelben
Warnetikett "Sozialdarwinismus" versehen. Auf diese Weise will
man den Appell an die Vernunft ohne weitere Debatte als indiskutabel brandmarken.
Mit dieser Einstellung werden wir in Zeiten des weltweiten Wettbewerbs
um Ideen, Kapital und fähige Ingenieure keinen Blumentopf gewinnen.
Warum haben denn die Klugen und Arbeitsamen Erfolg? Weil sie sich am besten
an die lebensfeindliche Natur und andere Umweltbedingungen wie die Bedrohung
durch fremde Eindringlinge angepasst haben. Nichts anderes besagt das
Schlagwort "Survival of the Fittest" (Herbert Spencer, Charles
Darwin): das Überleben der bestangepassten Individuen.
Wer aber vom Staat in Watte gepackt wird, der hat gar keine Gelegenheit,
sich fit zu halten, der steht in großer Gefahr, abzuschlaffen! Mit
dem Transferleistungsregime der "modernen" Wohlfahrtsstaaten
sind wir daher ganz gewaltig auf dem Holzweg. Aber auch deswegen, weil
das in Watte packen zunehmender Bevölkerungsteile immer höhere
Kosten verursacht. Die Kosten für diese Grand
Parade Of Lifeless Packaging (Genesis) werden den Starken aufgebürdet,
die sie zusätzlich zu ihrem eigenen Päckchen tragen sollen.
Mehr und mehr Angehörige der Mittelschicht brechen unter dieser Last
zusammen, um sich am Ende ebenfalls in die Arme von Vater Staat zu flüchten.
Dort lassen sie sich dann in komplett entgegengesetzter Weise von ihm
missbrauchen, die nur bei oberflächlicher Betrachtung etwas von "Dolce
Vita" hat. Was da so süßlich schmeckt ist das bittersüße
Gift der Abhängigkeit. Was da so süßlich riecht, ist der
Ruch von beginnender Verwesung.
Wie lebensnah waren noch die Zeiten als 1904 der Dichter Rainer Maria
Rilke (1875 bis 1926) in einem Brief dazu riet, das Schwere als Adrenalinschübe
verursachende Trainingseinheiten anzunehmen und zu bejahen: "Wir
haben keinen Grund, gegen unsere Welt Mißtrauen zu haben, denn sie
ist nicht gegen uns. Hat sie Schrecken, so sind es unsere Schrecken, hat
sie Abgründe, so gehören diese Abgründe uns, sind Gefahren
da, so müssen wir versuchen, sie zu lieben. Und wenn wir nur unser
Leben nach jenem Grundsatz einrichten, der uns rät, daß wir
uns immer an das Schwere halten müssen, so wird das, welches uns
jetzt noch als das Fremdeste erscheint, unser Vertrautestes und Treuestes
werden (Briefe
an einen jungen Dichter). An anderer Stelle schrieb Rilke: "Wer
nicht der Fürchterlichkeit des Lebens irgendwann mit einem endgültigen
Entschlusse zustimmt, ja ihr zujubelt, der nimmt die unsäglichen
Vollmächte unseres Daseins nie in Besitz. Der geht am Rande hin.
Der wird, wenn einmal die Entscheidung fällt, weder ein Lebendiger
noch ein Toter gewesen sein" (Hörbuch: Prosa und Gedichte; Track
2).
Mit der Überbetonung der "sozialen Gerechtigkeit", der
heiligen Kuh unserer ach so aufgeklärten Gesellschaft, verursachen
wir jeweils an anderer Stelle weit größere Ungerechtigkeiten,
insbesondere gegenüber den jüngeren und kommenden Generationen.
Sozialpolitik im engeren Sinne sollte sich auf Hilfe für Menschen
beschränken, die nicht selbst zurechtkommen und sonst niemanden haben,
der ihnen hilft (z.B. Waisenkinder bzw. Sozialwaisen, Kranke und Gebrechliche).
Sozialpolitik soll sich jedoch hüten, das freie Spiel von Angebot
und Nachfrage zu konterkarieren, gerade auch am Arbeitsmarkt. Insbesondere
muss der Staat aufhören, durch die Zahlung von Sozialhilfe bzw. Arbeitslosengeld
II in Form eines Lohnersatzes Lohnansprüche zu schaffen, die sich
auf dem Arbeitsmarkt wie Lohnuntergrenzen bzw. Mindestlöhne auswirken.
Diese gegen die Kräfte der Marktwirtschaft wirkende Sozialpolitik
hat neben der Unersättlichkeit der Gewerkschaften maßgeblich
zur Massenarbeitslosigkeit geführt und vor allem zu der großen
Zahl von Langzeitarbeitslosen, wie sie unter den entwickelten Ländern
ohne Beispiel ist.
Es stimmt, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderklafft.
Dafür sind aber nicht die bösen Kapitalisten, sondern der verschärfte
internationale Wettbewerb und die Hochlohnstrategie der Gewerkschaften
verantwortlich zu machen. Zum einen sind im Zuge der Globalisierung (die
für die Bevölkerungen der Schwellenländer ein Segen ist)
die Kapitaleinkommen im Verhältnis zu den Arbeitseinkommen deswegen
gestiegen, weil das Kapital nicht ortsgebunden ist und sich weltweit die
am meisten Gewinn versprechenden Investments suchen kann. Zum anderen
hat das Lohnkartell der Gewerkschaften mit seinen Flächentarifverträgen
von den 1970er Jahren an bewirkt, dass sich die Löhne in Deutschland
und anderen europäischen Ländern zu den höchsten der Welt
entwickelten. Schuld hat auch der irrwitzige Ausbau des Sozialstaats,
der die Lohnzusatzkosten dramatisch erhöhte. Das hat vor allem in
der Industrie dazu geführt, dass Arbeiter reihenweise in die Arbeitslosigkeit
wanderten, weil ihre Arbeitsplätze nach Osteuropa bzw. Asien verlagert
oder durch Roboter ersetzt wurden. Laut Statistischem Bundesamt lag die
Zahl der Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe 1970 in Westdeutschland
noch bei 9.5 Millionen. 2004 waren im gleichen Gebiet nur noch 6,7 Millionen
Personen beschäftigt (Hans-Werner Sinn: Die
Basar-Ökonomie ,
Seite 137).
Mag sein, dass dieser Trend in den vergangenen Jahren etwas nachgelassen
hat. Durch die sinkende Arbeitslosenstatistik dürfen wir uns aber
nicht blenden lassen, denn sie wurde in den vergangenen Jahren derart
kreativ frisiert, dass sie praktisch unbrauchbar geworden ist. Hans-Werner
Sinn schrieb 2005: "Die Arbeitslosenquote ist insofern ein nur grobes
Maß, als sie durch Frühverrentungsmodelle, Teilzeitjobs sowie
Umdefinitionen der Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren erheblich modifiziert
wurde" (Die
Basar-Ökonomie ,
Seite 138 f). Die Arbeitsmarktstatistik wird unter anderem durch den Trend
zur Halbtagsbeschäftigung, durch Vorruhestand und Altersteilzeit,
durch staatliche Berufsvorbereitungs- und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen,
durch immer wieder neue Umschulungen und Qualifizierungen von Arbeitslosen,
durch die Zeitarbeit sowie durch Minijobs systematisch gefälscht.
Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit arbeiten knapp fünf
Millionen Menschen ausschließlich als Minijobber (Welt
vom 26.04.2011). Von 2000 bis 2010 haben die Teilzeitstellen in Deutschland
um drei Millionen auf zehn Millionen zugenommen, so eine Untersuchung
des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Der Anteil der
Teilzeitbeschäftigten stieg von 19 auf 26 Prozent (Zeit
vom 19.10.2011). Würden die gleichen Kriterien wie in den 1960er
Jahren angelegt, wäre die Arbeitslosigkeit wenigstens doppelt oder
dreifach so hoch (siehe auch Die
Basar-Ökonomie ,
Seite 77).
Fazit: Arbeitslosenstatistik ist geschönt, weil heute mindestens
die Hälfte der Arbeitslosen einfach nicht mehr als arbeitslos gezählt
wird (siehe Artikel von Eva Hermann: Drei
Millionen Arbeitslose? Wie Deutschland systematisch für blöd
verkauft wird!). Winston Churchill, der Premier Großbritanniens
während des Zweiten Weltkrieg, äußerte einmal: "Traue
keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast". Wer hätte
gedacht, dass uns dieser Witz in der Bundesrepublik Deutschland einmal
im Hals stecken bleiben würde!
Die entlassenen Industriearbeiter in den Hochlohnländern, vor allem
die geringqualifizierten, sind die hauptsächlichen Verlierer der
Globalisierung. Genauer genommen nicht einmal so sehr die entlassenen
als die gar nicht erst eingestellten Arbeiter. Die Analyse steht nicht
im Widerspruch zu der Tatsache, dass Deutschland extrem exportstark ist.
Hans-Werner Sinn betont, dass sich Deutschland im Zuge der internationalen
Arbeitsteilung und Spezialisierung zu einseitig auf die kapitalintensive
High-Tech-Produktion konzentriert und die arbeitsintensive Produktion
zunehmend wegrationalisiert. Er schreibt: "Dass Arbeitsplätze
ins Ausland verlagert werden und die Fertigungstiefe der deutschen Industrie
sich verringert, ist ein Problem für den Arbeitsmarkt, aber es beeinträchtigt
weder die Exporte noch die Wettbewerbsfähigkeit der Firmen. Im Gegenteil:
Gerade auch wegen dieser Verlagerung gelingt es den deutschen Firmen,
die Exporte weiter zu steigern und immer besser ins Geschäft zu kommen.
Der erwähnte Porsche Cayenne, der von Leipzig nach Amerika exportiert
wird, könnte nicht zu 100% in der deutschen Exportstatistik erscheinen,
wenn er nicht zuvor zu wesentlichen Teilen seines Wertes aus der Slowakei
importiert worden wäre" (Die
Basar-Ökonomie ,
Seite 148).
Von der so beschriebenen Deindustrialisierung sind vor allem Männer
betroffen, die nur zum Teil (und dann auch häufig zur als Niedriglöhner)
im Dienstleistungssektor oder in anderen Bereichen unterkommen konnten.
Die Lockrufe des Wohlfahrtsstaats sowie Frauenförderung
und Frauenquoten (z.B. im Öffentlichen Dienst) taten ein Übriges,
dass es immer weniger zahlungskräftige Männer gibt. Das kann
auch nicht im Interesse der Frauen sein, denn die stehen auf Männer
mit einem regelmäßigen Durchschnittseinkommen! ... Und bleiben
meist lieber alleine und kinderlos, wenn sie keinen geeigneten finden.
Insofern haben die Gewerkschafter, die Frauenbewegten und die Sozialpolitiker
auch maßgeblich zur demographischen Krise Deutschlands und Europas
beigetragen.
Eine Sozialhilfe, die nicht mehr Probleme schafft als sie löst,
wird in Form einer Lohnergänzung bzw. eines Kombi-Lohns ausbezahlt,
und zwar im unteren Einkommensbereich umso mehr je mehr man selbst hinzuverdient.
Hartz IV (ab Januar 2005) war ein Schritt in die richtige Richtung. Für
Sozialhilfeempfänger muss in Zukunft ein stärkerer Anreiz gesetzt
werden, möglichst bald auf eigenen Füßen zu stehen. Hierfür
ist es erforderlich, die Sozialhilfe für Arbeitsfähige, die
sich hartnäckig weigern eine Beschäftigung aufzunehmen, auf
das absolute Existenzminimum - zur Not in Form von Sachleistungen - zurückzuschrauben.
Anders wäre das Ganze auch nicht nachhaltig zu finanzieren. Der Wirtschaftsweise
Wolfgang Franz plädiert für eine Kürzung
der Regelsätze für Langzeitarbeitlose um 30 Prozent. Der
Soziologe Gunnar Heinsohn schlägt vor, die Sozialhilfe wie in den
USA auf insgesamt fünf Jahre zu begrenzen (FAZ
16. März 2010).
Niemand soll es sich in der sozialen Hängematte allzu gemütlich
machen können. "Wenn jemand nicht arbeiten will, so soll er
auch nicht essen" heißt es übrigens in der Bibel (2.Thessalonicher
3,10). Laotse appelliert ebenfalls an das Pflichtbewußtsein:
"Der Berufene hält sich an seine Pflicht und verlangt nichts
von anderen. Wer Leben hat, hält sich an seine Pflicht. Wer kein
Leben hat, hält sich an sein Recht" (Lao
Tse: Tao Te King, Kapitel 79). Im allzu fürsorglichen Wohlfahrtsstaat,
nicht in der Marktwirtschaft, ist die Ursache dafür zu suchen, dass
die Schere zwischen arm und reich in den letzten Jahrzehnten immer weiter
auseinander gegangen ist! Es scheint bei oberflächlicher Betrachtung
zwar widersinnig, doch es ist wahr: Die sich häufenden Armutsberichte
sollten uns Anlass geben, "mehr
Kapitalismus zu wagen "
(so der Titel eines Buchs von Friedrich Merz).
Ein weiteres Beispiel für Wettbewerbsverwerfungen durch den Staat
ist die Kurzarbeit. Ende
2009 bezogen 890.000 Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld in Höhe von
bis zu 67 % ihres Nettolohns, 620.000 mehr als ein Jahr zuvor. Hier gilt
ebenfalls: Wer hat, dem wird gegeben. In den Mond gucken werden unsere
Kinder und Enkel, welche die Zeche später erarbeiten und bezahlen
sollen, falls sie in Deutschland überhaupt noch eine Arbeit finden.
Den Nachteil haben aber auch Arbeitslose und Berufseinsteiger (das sogenannte
Prekariat), deren Chancen spätestens beim nächsten Aufschwung
umso schlechter sind. Der Spiegel hat im März 2010 dem Umsichgreifen
prekärer Arbeitsverhältnisse eine Titelgeschichte gewidmet:
Moderne
Zeiten - Ausleihen, befristen, kündigen: Die neue Arbeitswelt.
Durch die Kurzarbeit werden mit Milliarden zusätzlicher Staatsschulden
Strukturen zementiert, marode Firmen künstlich am Leben gehalten
und faule Mitarbeiter durchgefüttert, während viele gut ausgebildete
und motivierte Arbeitsuchende dann selbst in der Hochkonjunktur leer ausgehen,
weil nun die Kurzarbeit zuerst einmal wieder abgebaut werden muss! Das
Kurzarbeitergeld birgt die Gefahr einer Verkrustung der Wirtschaft durch
den Mangel an neuen Impulsen und frischen Ideen, die unsere Wettbewerbsfähigkeit
langfristig weiter schwächen wird.
Seit einiger Zeit bekommen neben den Arbeitsplatzbesitzern sogar
die Hausbesitzer staatliche Stütze in Form von Wohngeld. Gehören
die Immobilieneigentümer nun also auch schon zu den Ärmsten?
Wie fast immer wird auch durch diese staatliche Einmischung ein Fehlanreiz
gesetzt: Der Anreiz zu bauen, auch wenn die Finanzierung nicht gesichert
ist. Durch eine ähnliche Fehllenkung von Kapital ist übrigens
die US-Immobilienblase entstanden, die 2007 platzte und dadurch die weltweite
Finanzkrise von 2008/2009 auslöste.
All diese Überlegungen kann man mit dem Wahlkampfslogan der CDU
von 1976 auf den Punkt bringen: "Freiheit statt Sozialismus".
Leider hatte die CDU, die ja mit Helmut Kohl von 1982 bis 1998 den Kanzler
stellte, die Linksbewegung der ganzen Gesellschaft im Fahrwasser der 68er
Bewegung mitgemacht und sich im Prinzip ebenfalls für den Sozialismus
entschieden. Anders als die gebetsmühlenartigen Klagen der Linkspopulisten
über einen angeblichen Sozialabbau suggerierten, hatte Kanzler Kohl
den Sozialstaat in Fortführung der Politik von Willy Brand (und mit
Einschränkung auch von Helmut Schmidt) immer weiter ausgebaut. Seit
den 1970er Jahren hat die ganze Republik einen Linksruck erfahren. Alle
Parteien, sogar die FDP, reiten voller Illusionen auf dem Tsunami der
Staatsgläubigkeit dem Ufer zu.
Der in Deutschland und in weiten Teilen Europas vor allem in den Medien
immer wieder beschworene Antikapitalismus treibt die Menschen in die Hände
des Staates. Und das genau liegt im Interesse des staatlich finanzierten
Establishments:der politischen Klasse, der Beamtenschaft sowie der Angestellten
im Öffentlichen Dienst. Kommunismus, Sozialismus oder auch nur ein
ausgeprägter Wohlfahrtsstaat gingen schon immer in zweierlei Hinsicht
mit dem Aufbau eines Herrschaftssystems, der Verfestigung von Machtstrukturen
und der Einschränkung individueller Freiheiten einher:
a) Von der staatlichen Fürsorge profitiert fast jeder, der nur die
Hand aufmacht, zumindest aber diejenigen, die am lautesten schreien. Die
Herausbildung des Wohlfahrtsstaats war und ist mit einem fortschreitenden
Ausbau von Behörden, Berufsgenossenschaften, Krankenkassen, Kassenärztlichen
Vereinigungen, Verbänden, Beratungsstellen und staatlichen Unternehmen
verbunden. Dem Gestrüpp von Sozialleistungen, Quersubventionen und
Steuervergünstigungen, denen beinahe alle Bürger in irgendeiner
Form teilhaftig werden, stehen eine leistungsfeindliche (und Auswanderung
begünstigende) Steuerprogression sowie hohe Sozialabgaben und Gebühren
gegenüber. Diese erhöhen die Arbeitskosten für die Unternehmen
und vermindern die Kaufkraft der Konsumenten selbst bei steigenden Bruttolöhnen.
Zu den Kosten des Sozialstaats gehört der Zeitaufwand für das
Ausfüllen von Formularen inklusive der Beschaffung der entsprechenden
Nachweise und für Behördengänge. Der Volksmund sagt es
mit dem Sprichwort: "Von der Wiege bis zur Bahre: Formulare, Formulare."
Der selten hinterfragte Anspruch auf eine "Angleichung der Lebensbedingungen",
auf Gleichheit und "soziale Gerechtigkeit" ist in unserer "Sozialen
Marktwirtschaft" mit Umverteilung von oben nach unten verbunden,
sowie mit Umverteilung nach dem Motto "linke Tasche, rechte Tasche".
Zuweilen fließen die Transferleistungen sogar von unten nach oben!
So im Falle der Solarstrom-Subventionen für Hauseigentümer,
für die in Deutschland alle Verbraucher mit überhöhten
Stromkosten bezahlen müssen.
In ihrer heillosen Übertreibung stellen diese Umverteilungsmaßnahmen
die Gerechtigkeit auf den Kopf und bedeuten obendrein eine gigantische
Fehllenkung von Kapital. Auf diese Weise entstehen erst Ungerechtigkeiten
wo vorher keine waren! Vor allem werden die Entfaltungsmöglichkeiten
und Lebenschancen von jungen, kreativen, fleißigen Menschen eingeschränkt,
weil die Wirtschaft durch den Umverteilungsstaat wie durch einen Klotz
am Bein belastet und ausgebremst wird. Dies erhöht den Leistungsdruck
und führt über die Jahrzehnte zu immer höherer (offener
und versteckter) Arbeitslosigkeit, so dass immer öfter auch leistungswillige
und gut ausgebildete Menschen Hartz IV in Anspruch nehmen, oder etwa auf
Grund eines Burn-Out-Syndroms aus dem Berufsleben ausscheiden. Unser
Sozialstaat hat sich als so dominant und gefräßig erwiesen,
dass er wie ein Teufelskreis wirkt, oder wie ein schwarzes Loch, das alles
um sich herum an sich zieht.
b) Zum anderen bewirkt der Zentralismus des Versorgungsstaats eine Entsolidarisierung
in der Gesellschaft und eine allmähliche Aufweichung und Auflösung
grundlegender gesellschaftlicher Institutionen wie Ehe, Familie und Verwandtschaft.
Die Folge ist ein Auseinanderbröseln der Gesellschaft (auch Atomisierung
genannt), die mit der Vereinzelung der Menschen einhergeht, und auch darin
liegt System: Teile
und herrsche, lautet eine uralte Strategie zur Machtausübung.
Wenn der Staat für alle Wechselfälle im Leben des Einzelnen
verantwortlich zeichnet, neigen die Menschen dazu, ihre Mitmenschlichkeit
an den Staat zu delegieren. Tun sie es nicht, kann es leicht vorkommen,
dass sie schamlos ausgenutzt werden, weil der Betreffende in Wirklichkeit
gar nicht so hilfsbedürftig ist. Zudem führt ein allgegenwärtiger
Staat dazu, dass der Einzelne, wenn er Probleme hat, sich nicht an seine
nächsten Verwandten, an Freunde, an die Nachbarschaft bzw. die Dorfgemeinschaft
wendet, wie es das Prinzip der Dezentralisierung (bzw. der Subsidiarität)
gebieten würde. Bürger mit finanziellen Problemen wenden sich
immer öfter gleich an den Staat, wodurch der Zusammenhalt in der
Gesellschaft geschwächt und der Staatsapparat gestärkt wird.

Gegen die Delegation der Mitmenschlichkeit an den Staat
Anselm Grün erinnert in seinem (Hör)buch Die
eigene Freude wiederfinden
daran, dass sich die Menschen als soziale Wesen entwickelt haben. Er schildert
wie die Wohlstandsbürger mit der modern gewordenen Selbstbezogenheit
nicht zuletzt auch ihrer eigenen Seele Schaden zufügen: "Die
Gefahr unserer Zeit ist, dass wir vor lauter Narzissmus gar nicht mehr
sehen, was den Menschen in unserer Nähe gut täte. Und wir übersehen
damit auch, was wir selbst bräuchten. Denn wenn wir nur um unsere
Bedürfnisse kreisen, werden wir niemals zufrieden sein. Die Bedürfnisse
sind wie ein Fass ohne Boden. Wenn ich aber von mir wegsehe, wenn ich
mich in die Menschen um mich herum hinein meditiere, und wenn mir dann
spontan einfällt, was dem anderen gut täte und ihm eine Freude
bereiten würde, dann bringt mich das von dem dumpfen Gefühl
der Wertlosigkeit und Sinnlosigkeit weg. Ich habe auf einmal das Gefühl,
für andere noch von Bedeutung zu sein. Ich kann anderen eine Freude
machen. Ich kann etwas bewirken. Ich kann die Stimmung um mich herum verbessern,
und damit verwandle ich auch meine eigene Gefühlslage. Indem ich
anderen eine Freude mache, wächst auch in mir wieder die Freude am
Leben" (Track 15).
Wenn sich Eltern nicht mehr für ihre Kinder verantwortlich fühlen
und die Fürsorge und Erziehung an Kinderkrippen, Tagesmütter
und Lehrer delegieren, wenn sich Frau und Mann nicht mehr füreinander
verantwortlich fühlen sondern kurzer Hand die Zerrüttung der
Ehe konstatieren um anschließend in die Arme von Vater Staat zu
flüchten, wenn mehr und mehr Zeitgenossen im Hamsterrad gefangen
sind und keine Zeit mehr für Freunde, Bekannte und Verwandte finden,
dann erst kann man von sozialer Kälte sprechen. Sie entsteht in erster
Linie durch unsere Delegation der Mitmenschlichkeit an die dafür
zuständigen Beamten und Sozialarbeiter. Der Staat als Vollkaskoversicherung
hat das Leben für eine Mehrheit bequem gemacht, aber eben auch kalt,
langweilig und verlogen.
Soziale Kälte ist das Klima der Gleichgültigkeit, das wir in
Europa mit unseren Helfersyndrom-Demokratien fabriziert haben. Gar nicht
erst ignorieren, heißt das Motto. An Orten der Anonymität kann
das Desinteresse aber auch schnell in Aggressivität umschlagen, zum
Beispiel im Straßenverkehr und in den sozialen Netzwerken des Internets.
Freundlich und offen ist man gegenüber Menschen, auf die man trotz
der wohlfahrtsstaatlichen Rundumversorgung angewiesen ist (oder sein könnte):
z.B. gegenüber Nachbarn oder gegenüber Kunden und Mitarbeitern.
Der aufgeblasene Sozialstaat führt nach und nach zur Vereinzelung
und Vereinsamung der Menschen, wovon vor allem Männer betroffen sind
(Helge Schneider: Klaus
und Erwin in der Tropfsteinhöhle). Während die Frauen typischer
Weise in ein Netzwerk von Freundinnen und Bekannten eingebunden sind,
werden Männer mehr und mehr zu Einzelkämpfern (von beruflichen
Kontakten einmal abgesehen). Früher tauschten sich die Herren regelmäßig
in Clubs oder bei Stammtischen aus - ein Privileg, das heute fast nur
noch Rentner und Sozialhilfeempfänger genießen. Das Kaffeekränzchen
der Frauen hat sich jedoch erhalten.
Insbesondere Familienväter haben immer weniger die Zeit, Freundschaften
und Bekanntschaften zu pflegen. Der Erwartungsdruck in Beruf, Familie
und Haushalt ist unter anderem im Zuge der Frauenemanzipation größer
geworden. Männer sind angehalten, mehr Überstunden zu machen,
sich weiterzubilden, mehr Zeit mit Frau und Kindern zu verbringen, sich
mehr bei der Hausarbeit einzubringen und öfter zum Supermarkt, Baumarkt
oder Getränkemarkt zu fahren, mehr für Gesundheit bzw. Fitness
zu tun und mehr auf ihr Äußeres zu achten. Der Arbeitsaufwand
durch die Bürokratie und den Aufbau sowie die Aufrechterhaltung der
technischen Infrastruktur eines modernen Haushalts mit Informationstechnik
und Hausgeräten (am liebsten natürlich zum Schnäppchenpreis)
ist beträchtlich angewachsen. Das reichhaltige Angebot an Filmen,
Fernsehsendungen und Computerspielen tut sein Übriges, dass immer
mehr Menschen innerhalb ihrer vier Wände "gemeinsam einsam"
vor sich hinleben. Weil man sich in seinem Umfeld weniger gegenseitig
braucht, dafür aber ums so mehr als sozialversicherungspflichtiger
Gebühren- und Steuerzahler in Beschlag genommen wird, atomisiert
sich unsere Gesellschaft, sie zerbröselt langsam in ein desinteressiertes
Nebeneinander.
Es kommt mir so vor, als ob gerade in den Ländern wie z.B. USA,
Canada, Schweiz, Dänemark, Australien oder Neuseeland, die angeblich
eine Politik des "kalten Neoliberalismus" verfolgen, das Leben
lockerer ist und die Menschen offener, hilfsbereiter und herzlicher. Ein
Zitat von Otto Graf Lambsdorff fasst das Gesagte zusammen: "Soziale
Gerechtigkeit lässt sich nicht an der Höhe der öffentlichen
Ausgaben messen. Unsozial sind öffentliche Verschwendung, das Setzen
von Fehlanreizen und Leistungsversprechen zulasten unbeteiligter Dritter.
Sozial gerecht ist es vielmehr, das Vertrauen
in die Mündigkeit und Selbstverantwortungsfähigkeit des Menschen
mit der Bereitschaft zu solidarischer Hilfe bei Bedürftigkeit und
unverschuldeter Notlage zu verknüpfen" (18.09.1999).

Den Etatismus zurückdrängen - wider die Staatsgläubigkeit
Dass ein allmächtiger und allumfassender Steuerstaat auch für
die Mehrzahl der Intellektuellen so attraktiv erscheint, liegt an den
Pfründen, den einflussreichen und oft außergewöhnlich
hoch dotierten Ämtern und Posten, die er zu vergeben hat. Zum Beispiel
können Lehrer mit einiger Berechtigung davon träumen, einmal
die höchsten Staatsämter und traumhafte Alterseinkünfte
zugeschustert zu bekommen, denn zusammen mit Verwaltungsbeamten, Gewerkschaftsfunktionären
und Juristen gehören sie zu den größten Berufsgruppen
im Bundestag. Es geht das Sprichwort um: "Der Bundestag ist mal voller,
mal leerer, aber er ist immer voller Lehrer". Kein Wunder, dass Beamte
in politischen Ämtern hoffnungslos überrepräsentiert sind:
Wenn es nicht oder nur vorübergehend klappt mit der politischen Karriere,
können sie jederzeit wieder in die Obhut ihres Dienstherren zurückkehren.
Dabei wäre es ein Gebot der Gewaltenteilung, Beamten und öffentlichen
Angestellten die politische Laufbahn grundsätzlich zu verweigern.
In den USA und in England wird es so gehandhabt.
Von dem umsichgreifenden Etatismus ist ganz besonders die Partei der
Grünen durchdrungen, worauf am
17.01.11 Spiegel-Redakteur Jan Fleischhauer hingewiesen hat: "Die
Grünen sind ganz und gar Partei des öffentlichen Dienstes, er
bildet ihr eigentliches Rückgrat, daher auch die ausufernden Sozialprogramme
in ihrem Forderungskatalog, die ja nicht nur den Bedürftigen zugutekommen,
sondern mindestens ebenso verlässlich den Agenten des Sozialstaats,
die diese Programme exekutieren. Ihre treueste Anhängerschaft hat
die Ökopartei traditionell neben der BAT-Boheme in den Betreuungsberufen,
also dem kaum noch zu überschauenden Heer der Sozialarbeiter und
psychologisch geschulten Fachkräfte, die von den sozialstaatlichen
Reparaturaufträgen leben". Mit den Grünen verhält
es sich wie mit den Wassermelonen: außen grün und innen rot!
Aber auch die Mitglieder der anderen Parteien können, wenn sie stromlinienförmig
genug sind, auf einen Geschäftsführerposten in den Fraktionen,
Parteistiftungen, öffentlich-rechtlichen Sendern oder in Staatsbetrieben
hoffen, Gewerkschafter und Politiker auf einen Sitz im Aufsichtsrat einer
oder mehrerer Aktiengesellschaften. Sozial Engagierte träumen davon,
eine Beratungsstelle zu eröffnen, natürlich mit Hilfe von Steuergeldern.
Und solange die staatliche Kulturförderung nicht auf ein vernünftiges
Maß zurechtgestutzt ist, arbeiten selbst Künstler und andere
Intellektuelle auf eine Festanstellung im staatlichen Kulturbetrieb hin.
Oder sie lassen ihre Beziehungen spielen, um als Hauptamtlicher für
ein weiteres soziokulturelles Stadtteilzentrum eingestellt zu werden.
Typische Profiteure der Bürokratisierung sind die Frauenbeauftragten
in den kommunalen "Gleichstellungsstellen". Symptomatisch ist
zum Beispiel der Schnitzelstreit in Sachsen: Über 25.000 Euro Steuernachzahlung
fordert der Staat von zwei Wirtsleuten, weil deren Schnitzel angeblich
zu groß seien. Mit einer fiktiven Schnitzelnorm will das Finanzamt
Plauen Mehreinnahmen generieren und riskiert damit das Aus für die
Schnitzelstube Hammerbrücken.
Ein Schildbürgerstreich aller erster Güte! (Video
des TV-Senders Kabeleins vom 19.07.2011).
Auf schleichende Weise wird der Staat immer fetter, gefräßiger,
teurer und ineffizienter. Das gilt ungeachtet dessen, dass offiziell die
Zahl der Beamten abnimmt, weil z.B. in den vergangen Jahren viele kommunale
Unternehmen in Kapitalgesellschaften umgewandelt wurden. Es kommt auf
die Gesamtzahl an Beamten, Angestellten im öffentlichen Dienst und
in den Kirchen an, sowie auf die Quasi-Beamtenschaft von staatlich finanzierten
Verbänden und Projekten. Und die steigt. Da ist es nur ein schwacher
Trost, dass der Bürokratismus in Staaten wie Griechenland auf Kosten
Deutschlands und anderer europäischer Nettozahler noch giftigere
Blüten treibt (Welt vom 07.12.11: Griechenlands
Staatsapparat außer Kontrolle). Welt-Redakteur Gerd Held wies
darauf hin, dass die deutschen Kommunen vor allem deswegen hoch verschuldet
sind, weil die Sozialausgaben zwischen 1999 und 2008 um fast 25 Prozent
gestiegen sind: "Der Einfluss der Bauherren und Ingenieursbeamten
ist der Macht der Sozialverbände und Sozialbeamten gewichen
auch bei den Verfilzungen. Was früher der Bauskandal war, ist heute
der Wucher mit Sozialprojekten" (Welt
online 04.11.2010)
Rund um Arbeitsförderung und Hartz IV hat sich in den vergangenen
Jahren eine regelrechte Wohlfahrtsindustrie angesiedelt, die mit hohen
Wachstumsraten aufwarten kann. Die ungeheuere Geldverschwendung, die mit
der deutschen Arbeitsmarktpolitik verbunden ist, die Verwerfungen und
krassen Ungerechtigkeiten, die sie zum Beispiel auch auf dem Wohnungsmarkt
hervorruft, hat der Spiegel
in seiner ersten Ausgabe 2011 auf sieben Seiten aufgelistet: "49
Milliarden Euro haben der Bund und die Kommunen 2010 für Hartz-IV-Empfänger
ausgegeben, etwa drei Milliarden Euro mehr als im Jahr zuvor. Doch nur
ein Teil des Geldes, 24 Milliarden Euro, ist unmittelbar für die
Betroffenen bestimmt. Der Rest fließt in eine Branche, der es umso
besser geht, je mehr Menschen auf staatliche Hilfe angewiesen sind. Rund
um die zuständigen Ämter haben sich Fortbildungseinrichtungen,
private Arbeitsvermittler, Rechtsanwälte und Wohlfahrtskonzerne angesiedelt.
Es gibt Hartz-IV-Supermärkte, Hartz-IV-Kleiderkammern und Hartz-IV-Tafeln".
Wenn unsere 'Ritter der Tafelrunde' von Armut sprechen, ist dies eine
einzige Verhöhnung derjenigen, die wirklich am Existenzminimum leben.
Um einen Begriff von Armut zu bekommen, muss man in die Schwellen- und
Entwicklungsländer reisen! Bei Rundfahrten in Asien, Afrika und Südamerika
gewinnt man aber auch den Eindruck, dass Stimmung und Lebensgefühl
zum Beispiel in Indien trotz oder gerade wegen der hart arbeitenden Menschen
meist besser sind als im verweichlichten und träge gewordenen Europa.
Die Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig nahm die sogenannten "freien
Träger" der Jugendhilfe aufs Korn, die ihrer Meinung nach das
genuin staatliche Handeln nicht ersetzen können: "Hier tauchen
immer wieder neue Angebote auf, die zunächst einmal mit Hochglanzprospekten
und wortgewaltigen Strategiepapieren auf sich aufmerksam machen. Das Geld
für den Prospekt hätte man ja bereits sinnvoller verwenden können.
Eine Überwachung der freien Träger und Projekte ist aber unerlässlich,
denn hier wird unter anderem viel Geld verdient, das aus Steuermitteln
stammt und sich naturgemäß im mehrstelligen Millionenbereich
bewegt. Es ist ein unübersichtlicher Markt entstanden, der auf der
politischen Ebene zu entwirren ist (Das
Ende der Geduld :
Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter; CD 3, Track 4).
Mittlerweile haben laut Kirsten Heisig rund 90 Prozent der Intensivtäter
in Berlin-Neukölln einen Migrationshintergrund (siehe ZDF Heutejournal
24. Juni 2009:
zunehmende Gewalt ausländischer Jugendlicher in Berlin). In Nord-Neukölln,
"dem eigentlichen sozialen Brennpunkt", betrage der Migrantenanteil
an der Bevölkerung der unter 18-jährigen 80 Prozent (CD 3, Track
4). Für den Islam-Experten Udo Ulfkotte
gehören die freien Träger der Jugendhilfe daher zur "Zuwanderungsindustrie".
Er spricht von den "Heuschrecken der Migrations- und Integrationsindustrie"
(Kein
Schwarz. Kein Rot. Kein Gold :
Armut für alle im 'Lustigen Migrantenstadl').

Für mehr Bescheidenheit und ganzheitliches Denken
Zu uns gehören alle, die trotz aller Unterschiedlichkeit in den
Charakteren und Persönlichkeiten die Disziplin aufbringen, über
weniger bedeutende Meinungsdifferenzen hinweg das gemeinsame Ziel unter
allen Umständen im Auge zu behalten: Überwindung der Strukturkrise
unseres politischen Systems, unserer Wirtschaft und Gesellschaft, Entfesselung
der Produktivkräfte im Interesse eines neuen Aufbruchs, eines neuen
Wirtschaftswunders. Wir Deutschen können mehr und haben mehr verdient
als Formulare zur Beantragung von Erziehungsgeld, Wohngeld, Fördergelder
für Solaranlagen oder Arbeitslosengeld II auszufüllen!
Wenn ich von wir spreche, dann meine ich auch das neue Proletariat, das
mit der Massenarbeitslosigkeit entstanden ist. Schon in Konrad Adenauers
Zeiten verfolgte Deutschland mit dem uns aufgezwungenen Generationenvertrag
zur Finanzierung der Renten eine kontraproduktive Sozialpolitik. Unsere
Gesellschaft ist ernsthaft erkrankt: an Multipler Sklerose. Die unverantwortliche
Hochlohnpolitik der Gewerkschaften seit den 1970er Jahren hat mittlerweile
eine Reservearmee von schätzungsweise sechs bis sieben Millionen
hervorgebracht (Frührentner, Ein-Euro- und 400-Euro-Jobber sowie
Menschen in Qualifizierungsmaßnahmen mitgerechnet). Diese Leute
sind vom normalen gesellschaftlichen Leben größtenteils ausgeschlossen.
Die einen sind ausgeschlossen, weil ihnen die Sozialhilfe bzw. die ALG2-Gelder
fast um jeden Euro gestrichen werden, den sie hinzuverdienen, und die
sich daher besser stellen, wenn sie sich in der Obhut von Vater Staat
häuslich einrichten und nebenher schwarz arbeiten.
Die anderen sind ausgeschlossen, weil sie den Aufrufen gefolgt sind,
sich selbstständig zu machen, und die je nach Sparte es schwer haben
auf einen grünen Zweig zu kommen. In einer Volkswirtschaft, in der
mehr als jeder zweite Euro vom Staat verteilt wird und die Binnenkonjunktur
lahmt, gibt es massive Wettbewerbsverzerrungen. Neben dem Staatsapparat
und seinen Vasallen (dazu gehören auch Rechtsanwälte und Steuerberater)
profitieren in erster Linie Unternehmen, die staatliche Gelder abschöpfen,
zum Beispiel mobile Pflegedienste und Physiotherapeuten. Entrümpelungsunternehmen
haben als Folge der durch den Sozialstaat verursachten psychischen Verelendung
und Verwahrlosung vieler Menschen Hochkonjunktur. Bestimmte Handwerksbetriebe,
Fußpflegepraxen, das ach so menschenfreundliche Gesundheitswesen,
die Pharma- und die Tourismusindustrie florieren wegen der schuldenfinanzierten
Kaufkraft der an Zahl zunehmenden Rentner und Pensionäre.
Der angebliche Erfolg dieser Branchen ist bei systemischer Betrachtung
nichts anderes als die Ausbeutung der Arbeitskraft unserer Nachkommen.
Solcherart Wirtschaftswachstum auf Pump ist nichts Bewundernswertes, sondern
ein ebenso schändliches wie lächerliches Geschwür. Wer
nicht zu diesen "Kriegsgewinnlern" gehört oder gehören
will, muss sehen wo er bleibt und wird von seinen Auftraggebern aus den
anderen Sektoren oftmals unter Druck gesetzt und ausgebeutet. Beispiel
Journalismus: Wenn bei den freien Mitarbeitern der Mindestlohn eingeführt
würde, wie die Kommentatoren meist fordern, wären die Lokalteile
der Tageszeitungen vermutlich nicht einmal halb so umfangreich.
Bei genauerem Hinsehen haben wir es nicht mit einer Leistungs- sondern
in einer Erfolgsgesellschaft zu tun. Erfolg hat immer seltener der, der
etwas Sinnvolles für die Allgemeinheit tut, sondern zum Beispiel
der, der zufälliger Weise die richtige Ausbildung hat, die momentan
am Markt gerade gefragt ist. Oder was man so Markt nennt in einem von
Staatsinterventionismus geprägten Vor-sich-hin-Wursteln. In der Erfolgsgesellschaft
hat also nicht unbedingt der Leistungsfähige Erfolg, schon gar nicht,
wer etwas in die Zukunft weisendes schaffen will. Erfolgreich ist derjenige,
der es am besten versteht, sich den gesellschaftlichen Verhältnissen
und Strukturen anzupassen und sie sich zu Nutze zu machen. Der italienische
Philosoph Niccolò
Machiavelli (1469 bis 1527) hielt dafür, sich über die Sittlichkeit
des Volkes keinen Illusionen hinzugeben: "Man beurteilt die Taten
der meisten Menschen, und insbesondere der Fürsten, die keinen Richter
über sich haben, nach dem Erfolg. Ein Fürst braucht nur zu siegen
und seine Herrschaft zu behaupten, so werden die Mittel dazu stets für
ehrenvoll gelten und von jedem gespriesen werden. Denn der Pöbel
lässt sich durch den Augenschein und den Erfolg bestechen. Und die
Welt ist voller Pöbel. Die wenigen Klügeren aber kommen nur
dann zur Geltung, wenn der große Haufe nicht weiß, woran er
sich halten soll" (Der
Fürst
Kapitel 18).
Auch die Berufstätigen selbst sind Leidtragende der überhöhten
Ansprüche in puncto Bezahlung, Arbeitszeitverkürzung, Urlaubstage
und sozialer Sicherheit. Das gilt besonders für die jüngeren
in der freien Wirtschaft, bei denen der Kündigungsschutz noch moderat
ist, denn oft sie sind bei Strafe der Arbeitslosigkeit dazu verdammt,
sich dem aus dem Anspruchsdenken resultierenden Leistungsdruck zu unterwerfen.
Unter der Bedingung eines starren Arbeitsmarktes und festgezurrter Lohnuntergrenzen
sind jedoch vor allem die einfachen Arbeiter die Verlierer der Globalisierung.
Ich sehne den Tag herbei, an dem die Menschen erkennen, dass sie von den
linken Traumtänzern für dumm verkauft werden. Es kann nicht
im Interesse der Arbeitnehmer sein, die Löhne und die Lohnzusatzkosten
so weit hochzuschrauben, dass sie trotz guter Qualifikation die Konkurrenzfähigkeit
mit dem Ausland verlieren und immer zahlreicher in die Arbeitslosigkeit
entlassen werden. Dies widerspricht auch dem Solidarprinzip! Der seit
über eineinhalb Jahrzehnten in China lebende Journalist und Buchautor
Frank Sieren schrieb 2005: "Die Strömungen der Globalisierung
sind so mächtig, dass wir nur mit ihnen schwimmen können"
(Der
China Code
- Wie das boomende Reich der Mitte Deutschland verändert; Radioropa
Audio-Book 2006).
Echte Solidarität würde es erfordern, dass die deutschen Arbeitnehmer
zumindest vorübergehend (einige Monate oder Jahre) auf 10 Prozent
(schlecht oder garnicht Qualifizierte auf 30 Prozent) ihres Lohns verzichten,
so dass der größte Teil der Arbeitswilligen wieder eine Stelle
finden würde. Weil danach der Wirtschaftsmotor wieder rund läuft,
werden die Löhne in einem zweiten Schritt wieder steigen, auch ohne
Gewerkschaften und Streiks! Wenn die Lohnsteigerungen moderat und differenziert
ausfallen, d.h. deutlich unterhalb der Steigerung der Produktivität
der einzelnen Branchen oder Betriebe, dann bleiben die Arbeitsplätze
erhalten und die Schaffung neuer Arbeitsplätze wird nicht behindert.
Das Problem ist doch: Die Löhne unserer Industriearbeiter sind z.B.
rund sechs Mal höher als die in Polen, Tschechien oder in anderen
Ländern Osteuropas. Um konkurrenzfähig zu sein, müssen
sie auch sechs Mal besser qualifiziert sein. Wir können dies als
Ziel vor Augen haben, aber nicht einfach von allen unseren real existierenden
Arbeitskräften erwarten, zumal die osteuropäischen, indischen
und chinesischen Kollegen hungrig nach immer besserer Qualifikation und
dem damit verbundenen sozialen Aufstieg sind.
Der Lohnverzicht würde nicht zu einer Verminderung, sondern zu einer
Erhöhung der Inlandsnachfrage führen, denn mehr Beschäftigung
und weniger Angst vor Arbeitslosigkeit verstärken die Konsumbereitschaft
der Verbraucher, das Angstsparen geht zurück. Sofern das Einkommen
für ein genau zu definierendes Existenzminimum nicht reicht, kann
es der Staat mit Lohnzusatzleistungen in Form einer "aktivierenden
Sozialhilfe" aufstocken (siehe unten Punkt
8).
Der oft gehörte Satz, manche Leute könnten trotz einer 40-Stunden-Woche
von ihrer Hände Arbeit nicht leben, klingt irgendwie wesentlich.
Er ist aber in Deutschland, das die höchsten Arbeitskosten weltweit
verzeichnet, nichts weiter als ein sentimentales Todschlagargument. Was
heißt denn leben? Dies ist mehr als ein schwammiger Begriff. Der
eine ist mit einem kleinen 1-Zimmer-Appartment in einem Hochhaus zufrieden,
für den anderen fängt das Leben erst mit einer sanierten 80-Quatratmeter-Altbauwohnung
Marke "urbanes Wohnen" an. Der eine schwört auf seinen
zehn Jahre alten Drahtesel als umweltfreundliches und gesundes Verkehrsmittel.
Der andere wird schon langsam depressiv, weil er sich zuletzt nur noch
einen Mittelklassewagen leasen konnte und sich die Garage neuerdings abschminken
muss. Der eine ist mit seinem Urlaub auf Balkonien glücklich. Der
andere sitzt gefühlt in der Bredouille, da er sich nach zwei Flugreisen
im Frühjahr und im Sommer einen Skiurlaub nur noch leisten kann,
wenn er mit seiner alten Ausrüstung vorliebnimmt. Wir alle müssen
unser Geld zusammenhalten. Selbst ein Spitzenverdiener muss haushalten.
Wenn er mehr ausgibt als er einnimmt, kann es auch ihm passieren, dass
am Ende des Geldes noch erschreckend viel vom Monat übrig ist.
Anselm Grün, Benediktinerpater der Abtei Münsterschwarzach
bei Würzburg, empfiehlt uns, das Leben mit dankbaren Augen anzuschauen:
"Dankbarkeit ist heute selten geworden. Die Menschen haben unermessliche
Ansprüche. Sie haben den Eindruck, sie würden zu kurz kommen,
daher brauchen sie immer mehr. Sie sind unersättlich geworden und
können daher nichts mehr genießen. Pascal Bruckner, der französische
Philosoph, beschreibt den heutigen Menschen als Riesenbaby mit unermesslichen
Ansprüchen an die Gesellschaft. Er kann nie genug bekommen. Und immer
sind die anderen schuld, wenn es ihm nicht gut geht, denn sie geben ihm
nicht, was er doch unbedingt zum Leben braucht" (12
Engel für das Jahr ).
In früheren Zeiten, die für die Allermeisten von Armut und frühem
Tod gekennzeichnet waren, hatte man einen besseren Blick für die
wirklich wichtigen Dinge. Die Menschen waren dankbarer und glücklicher,
wie zum Beispiel der Sonnengesang
von Franz von Assisi dokumentiert. Über das Glück, nach
dem alle Menschen streben, schrieb Friedrich Nietzsche 1885: "Zum
Glück, wie wenig genügt schon zum Glücke! So sprach
ich einst und dünkte mich klug. Aber es war eine Lästerung:
das lernte ich nun. Kluge Narrn reden besser. Das wenigste gerade, das
Leiseste, Leichteste, einer Eidechse Rascheln, ein Hauch, ein Husch, ein
Augen-Blick wenig macht die Art des besten Glücks" (Also
sprach Zarathustra; 4. Teil).
Bin ich jetzt undankbar und ein Verächter des wahren Glücks,
wenn ich die für die Gesellschaft kostspieligsten Ausbeuter beim
Namen nenne? Sei's drum. Vorab der Hinweis, dass viele Ausbeuter und Ausgebeutete
zugleich sind. Die größten Absahner sind nicht, wie die Mehrheit
vermutet, die Manager, die Politiker oder die Reichen. Obwohl es unter
diesen Gruppierungen im Zeitalter des Werteverfalls mehr und mehr ausgemachte
Egoisten gibt, die nicht verstehen, dass für unsere Gesellschaft
Integrität, Ganzheitlichkeit, Nachhaltigkeit überlebenswichtige
Werte sind. Nein, die größten Ausbeuter sind diejenigen, die
auf hohem Niveau jammern. Die denken, sie seien die Ärmsten, die
am lautesten schreien, um staatliche Leistungen entgegenzunehmen, die
sie weder unbedingt benötigen noch verdient haben. Da sind Rentner,
die kein Problem damit haben, dass sie weit mehr von dem ausbezahlt bekommen,
was sie an Beiträgen geleistet haben. Auf jeden Fall mehr, als mit
dem Prinzip der Nachhaltigkeit vereinbar ist, als sich die Gesellschaft
auf Dauer leisten kann. Die Renten können nur in der aktuellen Höhe
ausbezahlt werden, weil der Bund auf Pump jedes Jahr um die 80 Milliarden
Euro zuschießt (Welt
vom 15.08.2010), was ungefähr ein Drittel des Bundeshaushalts
ausmacht. In drei Jahren ist das so viel Geld wie nach Schätzungen
die weltweit bislang teuerste
Naturkatastrophe kosten wird: das Erdbeben und der Tsunami in Japan
am 11. März 2011. Das ist die schamlose Ausbeutung der Jungen und
der noch Ungeborenen durch die Alten - eine Katastrophe für sich.
Noch dreister langen die Pensionäre zu. Deren Haushaltseinkommen
hat sich laut Spiegel vom 2. April 2007 (Titelgeschichte: Arm
durch Arbeit) im Vergleich zum durchschnittlichen Arbeitnehmerhaushalt
in den vergangenen 20 Jahren um mehr als das Doppelte erhöht.
Der Unternehmensberater und Philosoph Wolfgang Berger hat in seinem Buch
Business
Reframing: Erfolg durch Resonanz
ein ganzes Kapitel unter die Überschrift gestellt: "Integrität
ist das einzige Tor zum Erfolg". Integrität in dem Sinne, so
zu handeln, dass es der Entwicklung der ganzen Gesellschaft langfristig
nützt und nicht nur meinem kurzfristigen Partikularinteresse dient.
Die Begriffe Ganzheitlichkeit, Authentizität, Ehrlichkeit und Transparenz
gehen ebenfalls in diese Richtung. Für Eltern heißt das zum
Beispiel auch, sich um ihre Kinder zu kümmern, ihnen Zeit zu widmen.
Wir hören, dass der US-Technologiekonzern Apple nach Börsenwert
dem Ölkonzern Exxon Mobil gleichkommt (Financial
Times vom 19.08.2011). Nun, da es in der westlichen Welt mit dem Wohlleben
und dem Wohlfahrtsstaat bald vorbei ist, wird es auch mit dem überragenden
Apple-Erfolg demnächst vorbei sein. Bald werden alle arbeiten! Alle
werden am wahren Leben teilnehmen, um Punkte zu sammeln und ein höheres
Level zu erreichen, egal ob alt oder jung, Männlein oder Weiblein.
Man wird dann oft weder Zeit noch Bock haben,
auf Controllern und Smartphones herumzudrücken und Tablet-PC's zu
streicheln.

Ursache der Finanz- und Schuldenkrise: Staatsversagen
Nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008
hatte sich die öffentliche Meinung auf die Bankmanager eingeschossen,
namentlich auf Josef Ackermann von der Deutschen Bank, obwohl sein Haus
mit am wenigsten betroffen war. Selbst CDU-Politiker schienen nicht umhin
zu kommen, die Banker und den Kapitalismus als die hauptsächlichen
Verursacher an der Wirtschaftskrise auszumachen. Zweifellos sind hier
Fehler gemacht worden, und welcher Bankmanager, so fragt man sich, hat
die genannten astronomisch hohen Einkommen verdient? Die Ursache der Krise
liegt jedoch nicht in erster Linie in einem Versagen der Bankvorstände
oder gar des kapitalistischen Systems, sondern in einem Versagen des Staates.
Angefangen hatte es im Sommer 2007 mit der US-Immobilienkrise. Die Immobilienblase,
die damals platzte, war vor allem durch eine Politik des billigen Geldes
entstanden, eine Niedrigzins-Politik, wie sie von den Linken und den Gewerkschaften
schon immer gefordert wurde. Die US Notenbank Federal Reserve (FED) hatte
nach der durch die Angriffen auf New York und Washington am 11. September
2001 dramatisch verschlimmerten Wirtschaftskrise den Leitzins gesenkt
und bis Ende 2004 mit unter zwei Prozent extrem niedrig gehalten. Aus
sozialpolitischen Gründen hatte die US-Regierung schon seit Bill
Clinton unter anderem mit Hilfe der halbstaatlichen Hypothekenbanken "Fannie
Mae" und "Freddie Mac" das Immobilieneigentum gezielt gefördert.
Man wollte aus den USA eine Nation von Eigenheimbesitzern machen, nicht
zuletzt weil sich auch weniger qualifizierte Arbeitnehmer etwas aufbauen
sollten.
Doch die staatlich geförderten Immobilienfinanzierer hatten sich
mit der Vielzahl von Baufinanzierungen übernommen, zumal selbst Menschen
ohne Eigenkapital und ohne geregeltes Einkommen zu Bauherren geworden
waren. Angeblich hatten sie Anleihen im Wert von 2.400
Mrd. Dollar ausgegeben. Soweit überhaupt vorhanden drückten
die Aufsichtsgremien beide Augen zu als die amerikanischen Banken 2006
dazu übergingen, die Hypotheken-Forderungen inklusive der faulen
Kredite in Form von Wertpapieren an Banken in der ganzen Welt zu verkaufen.
Die Blase platzte, als die Leitzinsen von 2005 bis 2006 auf über
fünf Prozent stiegen und die Immobilienpreise erstmals seit Mitte
der 90er Jahre zurückgingen. Die Pleite von Lehman Brothers und die
notwendige Rettung etlicher anderer Banken und der Versicherungsgesellschaft
AIG durch Übernahmen und Quasi-Verstaatlichung war also Folge staatlicher
Eingriffe im Sinne einer gut gemeinten aber schlecht gemachten Wirtschaftspolitik,
die zu einer Fehlallokation von hunderten Milliarden Dollar führte.
Der amerikanische Staat hätte besser daran getan, seine ureigensten
Aufgaben ernst zu nehmen und im Interesse eines nachhaltigen Wirtschaftens
die Bankenaufsicht zu verstärken. Angesichts der rasanten Globalisierung
hätte er wie die deutschen Politiker für eine Überwachung
des weltweiten Finanzströme eintreten müssen und darauf achten
müssen, dass Finanztransaktionen nicht ins Kraut schießen und
durch genügend Eigenkapital abgesichert sind.
Dass Beamte nicht die besseren Banker sind, wurde uns deutlich vor Augen
geführt: Es waren in Deutschland vor allem staatliche und halbstaatliche
Banken, die auf die von den Ratingagenturen überbewerteten Junk-Bonds
aus dem Subprime-Markt reingefallen waren (SachsenLB, WestLB, Bayerische
Landesbank, IKB) und dem Steuerzahler garantierte Verluste von zig Milliarden
Euro eingebracht haben. Die Landesbanken sind wohl nichts weiter als Prestigeobjekte
der jeweiligen Landesfürsten. Vermutlich dienen sie vor allem als
Auffangnetz für gescheiterte Politiker. Insoweit sie mehr Kosten
als Nutzen verursacht haben gehören sie abgeschafft! 2008 hat die
Bundesregierung mit vielen hundert Milliarden das Bankensystem vor der
"Kernschmelze" (Hans-Werner Sinn) gerettet, also vor einem Run
auf die Banken, einem Kollaps des Geldsystems. Das war objektiv richtig,
denn ein Bank Run hätte uns auf einen Schlag in die Naturalwirtschaft
zurückgeworfen, also in Zustände wie in der Weltwirtschaftkrise
(1929 bis 1933). Jetzt aber zieht die große Mehrheit der Staatsgläubigen
aus den Milliarden für die Bankenrettung den Fehlschluss, dass die
ach so armen Bürger in Europa in ein mindestens genauso großes
Füllhorn greifen dürfen. Offensichtlich dürfen sie - bis
zum Bankrott
aller europäischen Länder.
Immer deutlicher wird, dass die anhaltende Schuldenkrise in den USA und
in Europa eine Folge des Staatsgeldsystems der Zentralbanken ist. Diese
versuchen mit immer neuen Geldmengenausweitungen (z.B. durch den Aufkauf
von Staatsanleihen) die Volkswirtschaften anzukurbeln oder sie vor
der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren. Erreicht werden damit nur
kurzfristige Scheinbesserungen, während die Staatsverschuldung in
schwindelerregende Höhen getrieben wird. Durch die Niedrigzinspolitik
und das billige Geld entstehen neue Spekulationsblasen, die mit ihrem
Platzen wieder neue Wirtschaftskrisen verursachen. Die Notenbanken gehören
entmachtet! Wir sollten ihnen das Geld- bzw. Währungsmonopol und
die Möglichkeit der Geldmengensteuerung weitgehend entziehen. Die
Geldmenge und der Zinssatz für die Staatsverschuldung müssen
wieder den Gesetzen des Marktes unterworfen sein, in die unter anderem
eine natürliche Schuldenbremse eingebaut ist.
Zu überlegen wäre, ob man nicht wieder zum Goldstandard
zurückkehren könnte, damit das Papiergeld zumindest zu einem
Teil durch Gold gedeckt ist (siehe ZDF Heute-Journal
vom 15.08.2011 über das Papiergeldsystem). Der FDP-Europapolitiker
Holger Krahmer schrieb am 8. Juni 2011 in Facebook:
"Der eigentliche Feind des freiheitlichen Wirtschafssystems sind
nicht gierige Spekulanten, Banken oder Termingeschäfte, sondern die
seit Jahrzehnten ausufernde Geldschöpfung der Notenbanken. Die Notenbanken
(allen voran die FED) missbrauchen ihr Geldschöpfungsmonopol und
ruinieren dadurch das Papiergeldsystem! Allein letztes Jahr war die weltweite
Geldschöpfung weltweit sechsmal größer als die Güterproduktion".
Dazu passt ein Bericht über Äußerungen des US-Präsidenten
Barack Obama: "Der Dollar ist nur eine Illusion" (mmnews.de
1.4.2011).
In der Tradition der österreichischen Schule (um die Ökonomen
Ludwig von Mises, Friedrich von Hayek und Murray Rothbard) fordern die
Buchautoren Thorsten Polleit und Michael von Prollius als Konsequenz,
dem Staat die Geldmengensteuerung aus der Hand zu schlagen. Denn bei der
Geldpolitik handele es sich um eine "planwirtschaftliche Apparatur".
In ihrem Buch "Geldreform :
Vom schlechten Staatsgeld zum guten Marktgeld" schreiben sie in der
Einleitung: "Das Staatsgeldsystem muss privatisiert, also durch ein
freies Marktgeld ersetzt werden. Das freie Marktgeld ist ein denkbar einfaches
Arrangement: Es entsteht aus dem freien Angebot von und der freien Nachfrage
nach Geld, ohne Dazutun und Manipulation des Staates oder irgendwelcher
Interessengruppen" (siehe: Austritt
Deutschlands aus der Euro-Zone!).
Auch Frank Schäffler, der wirtschaftliberale Rebell unter den FDP-Bundestagsabgeordneten,
forderte am 6. Juni 2011 bei einem Vortrag in Bern (Schweiz) die Abschaffung
des staatlichen Geldmonopols (siehe das erste von 10 Videos
über diese Veranstaltung). Das gegenwärtige System des staatlichen
Geldsozialismus ermögliche es den Banken, ein Vielfaches der Spareinlagen
als Kredite zu vergeben, erklärte der Mitbegründer des Liberalen
Aufbruchs' in der FDP. Das durch diese exzessive Geldschöpfung generierte
Geld erschaffe eine Art virtuelle Prosperität, einen scheinbaren
Reichtum. Die Blase werde aber früher oder später platzen. Gegenüber
einem Journalisten fasste Schäffler die Lage mit folgenden Worten
zusammen: "Die weltweite Überschuldungskrise entstand doch erst
durch die lockere Geldpolitik der Notenbanken. Und wir führen sie
weiter, als wäre sie alternativlos. Aber aus dieser Blase muss Luft
raus, auch wenn es wehtut. Sonst fliegt uns mit einer Inflation auch unsere
demokratische Grundordnung um die Ohren." (Cicero
15. Juli 2011). Fazit: Der Staat soll sich auf seine eigentlichen
Aufgaben konzentrieren. Kurzfristige Problemlösungskosmetik mit Hilfe
der Gelddruckmaschine gehört nicht dazu! Es ist letztlich das Geldmonopol
der Notenbanken, das die Geschäftsbanken bislang dazu verleitet,
als moderne Alchemisten und Gold- bzw. Geldmacher aufzutreten. Wenn die
Währungen und die Geldmenge den Gesetzen des Marktes unterworfen
wären, würden die Konjunkturzyklen flacher verlaufen, wenn nicht
ganz verschwinden.
Unterdessen hat Schäffler darauf verwiesen, dass die sogenannten
systemrelevanten Banken eigentlich keinen Anlass haben, Europas Politiker
zu erpressen. Wir müssen die Banken gar nicht auf Teufel komm raus
"retten", wenn z.B. Griechenland Pleite geht, schreibt er in
einem Beitrag in der FAZ
vom 14.09.11. Denn auch große Geldinstitute könnten von
einem Insolvenzverwalter nach und nach abgewickelt werden, ohne dass der
Zahlungsverkehr zusammenbrechen würde: Der Staat garantiert nach
dem von ihm vorgestellten Plan für Spareinlagen und Unternehmenskredite,
jedoch nicht für die von den Zentralbanken geförderte Geldschöpfung
durch zweifelhafte Interbankengeschäfte. Auf diese Weise würde
lediglich das unter der Käseglocke des Geldsozialismus aus dem Nichts
geschaffene Geld "zurück ins Nichts befördert", schreibt
der FDP-Politiker. Selbst wenn alle Banken
Insolvenz anmelden müssten, könnte der normale Zahlungsverkehr
mit Hilfe staatlicher Garantien aufrecht erhalten werden.

Für eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik ("kalter Neoliberalismus")
Die schlimmeren, weil weit zahlreicheren Ausbeuter sind die Arbeitsplatzbesitzer,
die per Flächentarif mit Rückendeckung des Staates (Kündigungsschutz,
Arbeitslosengeld, Sozialhilfe) seit den 70er Jahren immer höhere
Löhne durchsetzten, und denen es weitgehend egal ist wie viele Menschen
dadurch arbeitslos werden oder keine Anstellung finden. Motto: "Wer
hat, dem wird gegeben". Wer sich dauerhaft auf Hartz IV einlässt,
dem wird auch noch das genommen, was er vermeint zu haben: Die Arbeitskraft
und die Qualifikation schwinden nach und nach, ebenso der Stolz, die Eigenverantwortung,
der Wille und das gute Gefühl, etwas zum Gemeinwohl beizutragen.
Da der Staat mit so viel Nachdruck für alle Menschen sorgt, brauchen
selbst Eltern sich nicht mehr um ihre Kinder zu kümmern, und Kinder
nicht mehr um ihre Eltern. So wird Vielen der einzige Sinn ihres Daseins
genommen, was die Menschen depressiv, aggressiv und auch sonst auf vielerlei
Weise krank macht. Außerdem gilt: Wem es zu einfach gemacht wird,
der verdummt, wird träge, der altert rasend schnell, und kann dies
alles nur um ein Weniges mildern, indem er sich künstliche Probleme
schafft. Schleichend geht die Menschenwürde durch dieses System sozialstaatlicher
Überversorgung vor die Hunde, weil es die Bürger vom Staat abhängig
werden lässt.
Die Tragödie Griechenlands macht uns im Großen vor, wie die
Moral durch eine 'Politik des leichten Geldes' zerstört wird. In
einem Welt-Kommentar
hieß es am 15.06.2011: Die Gewerkschaften "haben unrealistisch
hohe Löhne durchgesetzt und mitgeholfen, ein System aus Privilegien
und Marktabschottung aufzubauen, das viele Berufsgruppen vor dem freien
Markt schützte, den Verbraucher deshalb mehr kostete als anderswo
und die Unternehmen des Landes international wettbewerbsunfähig machte".
In Deutschland sieht es mit Ausnahme der Exportindustrien nicht viel besser
aus. Griechenland ist uns nur einen Schritt voraus! Ich weiß nicht
wie viel hundert Milliarden vor und nach dem Beitritt zum Eurogebiet im
Jahr 2001 in dieses Land gepumpt worden sind. Auf jeden Fall so viel,
dass man von einem keynesianischen Experiment sprechen kann. Die Griechen
wurden Teil einer gigantischen Versuchsanordnung, was passieren würde,
wenn man ihren Staat mit jeder Menge Geld flutet. Nach John
Maynard Keynes hätte die Wirtschaft einen Raketenstart hinlegen
müssen! In Wahrheit wurde das Gleichgewicht des Gesellschaftssystems
empfindlich gestört und die Wirtschaft gelähmt. Die Marktmechanismen
hat man weitgehend außer Kraft gesetzt, allerlei Privilegien wurden
einführt. Das zerstörte den vielbeschworenen sozialen Frieden,
den man bis zuletzt glaubte, sich mit Wahlgeschenken und hohen Tarifabschlüssen
erkaufen zu können. Freilich haben wir Deutschen mit den fünf
neuen Bundesländern ebenfalls ein gescheitertes keynesianisches
Experiment an der Backe.
Ein chinesischer Fondsmanager wies mit Recht darauf hin, die Europäer
seien zu faul und zu träge, um die Krise zu meistern: "Europa
fehlt nicht wirklich das Geld. Es muss sich seiner Situation bewusst werden
und erkennen, dass seine Probleme gelöst werden können. Die
Wurzel des Problems ist das überforderte Sozialsystem, das seit dem
Zweiten Weltkrieg in Europa aufgebaut wurde. Das Arbeitsrecht begünstigt
Faulheit und Trägheit. Die Menschen müssen etwas härter
und länger arbeiten und sie sollten innovativer sein" (Deutsche
Mittelstands Nachrichten 26.10.11).
Die sozial Schwachen werden durch die Sozialhilfe nach dem Gießkannenprinzip
geschwächt und nicht gestärkt! Nietzsche hat diese Wahrheit
im Zarathustra so ausgedrückt: "Denn dass ich den Leidenden
leidend sah, dessen schämte ich mich um seiner Scham willen; und
als ich ihm half, da verging ich mich hart an seinem Stolze" (Friedrich
Nietzsche 1885: Also
sprach Zarathustra, 661 KB). Auch Mahatma Gandhi betont die Selbstverantwortung
und das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe: "Warum die Nackten demütigen,
indem du ihnen Kleider gibst? Gib ihnen Arbeit, damit sie mit eigener
Hände Arbeit das Geld für ihre Kleidung verdienen können!"
Die Verteidiger der Umverteilungspolitik argumentieren oft mit dem Reichtum
unseres Landes. Deutschland ist aber gar nicht mehr so reich. Wir leben
aus der Substanz! Der Staat ist extrem verschuldet
- mit der Gewissheit, dass es ohne tiefe Einschnitte ins Sozialsystem
immer schlimmer wird. Bei dem Börsencrash im August 2011 stürzte
ein, was vorher auf Pump aufgebaut wurde. Es platzte die Blase, die sich
in Europa und in den USA durch die Staatsverschuldung und durch die Politik
des billigen Geldes, den Geldsozialismus der staatlichen
Zentralbanken gebildet hatte. Die Kredite, die der Staat aufnimmt,
weil die Wohlmeinenden fast aller Parteien bei jeder Gelegenheit auf die
Tränendrüse drücken, sollen unsere Nachkommen später
einmal zurückzahlen. Wenn sie überhaupt dazu kommen, das Geld
dafür zu erwirtschaften! Angesichts der Tatsache, dass hierdurch
die Zukunft unserer Kinder verjubelt wird, werden die folgenden Generationen
vermutlich sagen: "Ich bin doch nicht blöd!". Sie werden
mit den Füßen abstimmen und massenhaft auswandern. Wenn es
gut läuft, wird es dann heißen: Der Letzte macht das Licht
aus.
In freiheitlichen Ländern wie Canada, Australien oder Neuseeland,
in denen der Staat Langzeitarbeitslosen keine umfangreichen Finanzhilfen
gewährt, arbeiten die Menschen anstatt herumzulungern. Wer arbeitslos
ist, ist auch bereit woanders hin zu ziehen, um wieder Arbeit zu finden.
Nicht nur weil er keine andere Wahl hat, sondern auch weil er weiß,
dass die Menschheit in der Natur nur durch Arbeit überleben kann.
Es ist weise, wenn ein Staat prinzipiell keinen seiner Bürger (soweit
er arbeitsfähig ist) von der finanziellen Eigenverantwortung freistellt.
In der Arbeit steckt eine heilende Kraft, sie vermittelt den Menschen
Sinn. Wer arbeitet, braucht sich weniger Gedanken zu machen, zu welchem
Zweck er auf der Erde ist. Genau wie Eltern, die für ihre Kinder
da sind. Der Benediktinerpater Anselm Grün beschreibt in seinem (Hör)buch
Die
eigene Freude wiederfinden
wie aktive Menschen mit Freude belohnt werden: "Freude stellt sich
oft dann ein, wenn wir sich gar nicht erwarten. Und zwar dann, wenn wir
völlig aufgehen können in einer Aktivität. Das ist für
Verena Kast die entscheidende Bedingung für die Erfahrung von Freude,
dass wir in einem Tun, einer Aktivität, einem Anblick aufgehen können.
Denn Freude hat mit Kreativität zu tun. Und Freude hat eine enge
Beziehung zur Liebe. Wenn ich einem anderen etwas geben kann, freut das
nicht nur ihn, sondern auch mich selbst. Das gemeinsame Kind, das gemeinsame
Werk, die Idee, die im Gespräch entsteht, sie sind Verursacher großer
Freude. Verena Kast sieht das Phänomen der Freude also ähnlich
wie Aristoteles und Erich Fromm. Freude kann nicht direkt angezielt werden.
Sie ist immer Ausdruck von Aktivität, von Liebe, von Offenheit, vom
Sich-Vergessen-Können in einer Aufgabe oder in der Liebe" (Track
5).
Die Trostlosigkeit, in der die Unterschicht gefangen ist, führt
zum Beispiel der Fernsehfilm "Keine Angst" von Aelrun Goette
vor Augen (er wurde am 17.11.10 auf 3sat ausgestrahlt). Vermutlich kannte
nicht einmal der Frühkapitalismus die seelische Öde, in die
mehr und mehr Menschen gerade wegen der staatlichen Rundumversorgung gefallen
sind. Die übertriebenen Sozialleistungen, Lohnuntergrenzen und diverse
andere Kulturrevolutionen wie z.B. die autoritätslose Erziehung haben
innerhalb von vier Jahrzehnten weite Teile unserer Gesellschaft in ein
verwunschenes Schloss verwandelt. Mit dem Argument, dass man davon nicht
anständig leben könne, wird den Betroffenen der Status des Arbeiters
verweigert, und damit auch die natürliche Beschäftigungstherapie,
Gestalttherapie. Udo Lindenberg nahm 1976 den Song "Udo on the Rocks"
auf, wo er sich wie Walt Disney einfrieren lässt, dann aber wegen
Wassermangels bereits nach 100 Jahren aufgetaut wird. Als Udo in der Zukunft
aufwacht heißt es: "Das erste, was mir nun passierte war, daß
der Kanzler mit mir telefonierte. Er sagt: Die Panik-Partei schuf das
perfekte Deutschland, zufriedene Fuzzies von den Alpen bis zur Waterkant.
Das einzige, was uns verunsichert: es wird überhaupt nicht mehr gekichert.
Das Leben ist sahnig, doch die Leute sind tranig. Nur Lethargie, keine
Action auf der Szenerie". Der Deutschrocker traf damit voll ins Schwarze.
Er hat die Gabe der Prophetie bewiesen. Am 17. Oktober 2011 ermöglichte
auch die der Serie Entweder
Broder (zweite Staffel) einen
Blick in die Abgründe des deutschen Fürsorgestaats.
Die Schwarzarbeiter und Schwarzarbeiterinnen beuten uns aus. Sie verursachen
dem Staat jährlich Einnahmeverluste in Milliardenhöhe, weil
sie der legalen Wirtschaft mit Dumpingpreisen einen ruinösen Wettbewerb
liefern und oft auch noch zu Unrecht staatliche Leistungen kassieren.
Und schließlich gehören die Sozialhilfeempfänger zu den
Ausbeutern insoweit sie arbeitsfähig aber nicht arbeitswillig sind.
Ganz egal mit welchen tiefsinnigen Philosophien sie ihr schlechtes Gewissen
zu übertünchen versuchen: Es geht nicht an, sich auf Kosten
anderer ein schönes Leben zu machen: Weil es nicht nachhaltig finanzierbar
ist und daher auch nicht als Vorbild für alle Menschen dienen kann.
Ein arbeitsscheuer Hartz-IV-Empfänger ist geradezu der Archetyp eines
Ausbeuters, denn er pfeift auf die Regel aller Regeln, nämlich auf
Immanuel Kants kategorischen
Imperativ: Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich
wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde. Der Besitzstandswahrung
und Verteidigung von überkommenen Privilegien aus den Zeiten des
Überflusses muss ein Ende gesetzt werden. Nicht "Eigentum ist
Diebstahl" muss die Parole heißen, sondern: "Das Festhalten
an sozialen Besitzständen ist Diebstahl".
Oft wird eingewandt, Einschnitte im Sozialbereich seien ökonomischer
Unsinn, da sie die Binnenkonjunktur schwächen würden. Dem ist
entgegenzuhalten, dass solche Einschnitte die Chance bieten, Steuern und
Sozialabgaben zu senken, was sich konjunkturbelebend auswirkt. Konjunktur
und Sozialkassen werden auch gestärkt, wenn auf Grund der Beseitigung
von Fehlanreizen Hartz-IV-Empfänger eine sozialversicherungspflichte
Arbeit aufnehmen. Zudem können sich Geringverdiener nur preiswerte
Produkte leisten, die meist aus China, Osteuropa, Indien oder anderen
Schwellenländern kommen. Eine Schwächung der Binnennachfrage
riskieren wir hingegen dann, wenn wir die Reichen allzu sehr schröpfen,
weil sie in der Folge wahrscheinlich weniger deutsche Qualitätsprodukte
kaufen.
Diejenigen, die ständig davor warnen die Konjunktur kaputt zu sparen,
übersehen, dass der Staat nicht der einzige ist, der Geld ausgeben
kann. "Mehr Netto vom Brutto" hatte sich die schwarz-gelbe Koalition
nach dem Wahlsieg im Herbst 2009 vor allem deswegen auf die Fahnen geschrieben,
weil niedrigere Steuern und Sozialkosten Unternehmen wie Konsumenten befähigen,
mehr zu investieren und zu konsumieren. Das kurbelt die Wirtschaft weit
besser an als wenn das Geld vom Staat ausgegeben wird, auch weil es dann
zum Teil im Nirwana des Behördendschungels versickert. Wir brauchen
ein einfaches Steuerrecht und eine Steuersenkung, und zwar nicht weil
die Steuereinnahmen vielleicht gerade sprudeln, sondern damit die Wirtschaft
rund läuft! Dann klappt's auch mit den Steuereinnahmen. Lasst uns
das statische Denken überwinden! Unsere Systeme sind komplex und
haben das Potenzial extremer Dynamik - nach oben oder nach unten.
Eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik (genannt auch Neoklassik),
die den Unternehmen möglichst viel Kapital für Investitionen
lassen will, wirkt im Gegensatz zur Nachfragepolitik (dem Keynesianismus)
doppelt: Zum einen führen Investitionen unter dem Strich meist zu
mehr Arbeitsplätzen, sei es direkt oder indirekt, was die Kaufkraft
der Bevölkerung erhöht. Zum anderen sind Investitionen die Voraussetzung
für die Schaffung von Werten, was das Volkseinkommen erhöht
und damit ebenfalls die Kaufkraft. Dies gilt natürlich in erster
Linie dann, wenn die Investitionen im eigenen Land getätigt werden.
Freilich ist die von Linken und Gewerkschaften oft geforderte Politik
des billigen Geldes (durch künstlich niedrig gehaltene Zinsen)
ebenfalls angebotsorientiert. Sie führt aber regelmäßig
zu einem Übermaß von Fehlinvestitionen bzw. zu Blasenbildung,
wodurch sie den Keim für spätere Konjunktureinbrüche legt.
Es ist daher am besten, den staatlichen Einfluss auf die Schaffung und
die Kontrolle von Rahmenbedingungen zu beschränken, die dem Spiel
der Marktkräfte innerhalb relativ fester Bahnen freien Lauf lassen.
Dies gilt auch für das Papiergeldsystem.
Ich bewundere den gewaltlosen Freiheitskampf der Schwarzen Amerikaner
mit Martin Luther King an der Spitze, der mit der Wahl von Barack Obama
zum Präsidenten der USA vielleicht seinen bisher größten
Sieg feiern konnte. Allerdings hatte King in den Jahren vor seiner Ermordung
am 4. April 1968 sein Eintreten für die Würde aller Menschen
zunehmend mit sozialistischem Gedankengut vermischt. Obwohl er die globale
Wirtschaft fälschlicher Weise als Nullsummenspiel ansah, in dem die
Armen deswegen arm sind, weil sich die Reichen zu viel vom Kuchen abschneiden.
Von einem Nullsummenspiel kann man nur im Sozialismus oder in extremen
Umverteilungsstaaten wie der Bundesrepublik ausgehen, oder wenn weltweit
der Protektionismus, die Politik der Subventionen und Schutzzölle,
die Oberhand bekommen würde. Michael Hörl schrieb dazu in der
Welt
vom 08.01.2012: "Wie (der Philosoph) Karl Marx unterliegen auch
Europas ökonomisch ungebildete Eliten heute dem Kardinalirrtum, dass
der Gewinn des Einen immer den Verlust des Anderen bedeuten müsse,
man also 'umverteilen' müsse, um 'Gerechtigkeit' herzustellen".
Insbesondere die Deutschen entpuppten sich als 'ökonomische Analphabeten'.
Obwohl Martin Luther King einem massiven Ausbau des Sozialstaats das
Wort redete, möchte ich meine Gedanken zur gesellschaftlichen Teilhabe
der Menschen mit einem Zitat von ihm untermauern. Der Unterschied ist
nur, dass der christliche Widerstandskämpfer mit Materialismus und
den "gigantischen Industrien" den Kapitalismus meinte, den er
als eines der menschlichen Grundübel zu erkennen glaubte. Ich dagegen
habe bei Kings folgendem Zitat das Tarifkartell vor Augen, das unter dem
Einfluss übermächtiger Gewerkschaften seit Jahrzehnten auch
und gerade für die unteren Lohngruppen übertrieben hohe Lohnsteigerungen
hervor gebracht hat. Die hohen Arbeitskosten haben dazu geführt,
dass vor allem Berufsanfänger und weniger oder falsch qualifizierte
Menschen die Partizipation am gesellschaftlichen Leben verwehrt wird,
weil sich ihre Beschäftigung in einem Hochlohnland für keinen
Unternehmer mehr rechnet. King schreibt: "Nichts in unserer glitzernden
Technologie vermag den Menschen zu neuen Höhen zu führen weil
materielle Größe zu einem Ziel in sich selbst geworden ist.
Und wo ein moralisches Ziel fehlt, da wird der Mensch in dem Maße
immer unwichtiger in dem seine Leistungen an Bedeutung zunehmen. Gigantische
Industrien und Verwaltungen, verflochten zu einem verwickelten computergesteuerten
Mechanismus, schließen den Menschen aus. Das Gefühl des Beteiligtseins
geht verloren, das Gefühl, dass normale Menschen wichtige Entscheidungen
beeinflussen, verschwindet, und der Mensch wird ausgestoßen und
erniedrigt. Wenn aber der Einzelne kein echter Teilhaber mehr ist, wenn
er seiner Gesellschaft gegenüber keine Verantwortung mehr fühlt,
dann verliert die Demokratie ihren Sinn" (Martin
Luther King: Für ein anderes Amerika ).
King kämpfte für die Freiheit der Schwarzen. Mahatma Gandhi
kämpfte für die Unabhängigkeit Indiens. Und für was
kämpfe ich? Ich kämpfe für mehr Seelenfrieden durch Maß,
Mitte und Anstand und für eine bessere Verteilung der Lasten. Der
Staat sollte sich wie im Deutschland der 1950er und 60er Jahre auf seine
ureigensten Aufgaben konzentrieren: Innere und äußere Sicherheit,
Rechtssicherheit, eine maßvolle Kontrolle der Finanzmärkte,
Verhinderung von Monopolen, Sozialpolitik für Bürger, die sich
nicht selbst helfen können, und die keine Familie haben, die sich
um sie kümmert. Ludwig Erhard, Wirtschaftsminister und Bundeskanzler
der 50er und 60er Jahre, wusste noch, "daß jedes geforderte
Mehr immer eine größere Leistung voraussetzt" und sah
Lohnkämpfe und soziale Besitzstände als Bemühungen, "sich
auf Kosten anderer Vorteile verschaffen zu wollen". In seinem Buch
Wohlstand
für alle
schrieb er 1964 auf Seite 11: "Auch hier ist vor allem die Bejahung
des Wettbewerbs geeignet, dem Egoismus einen Riegel vorzuschieben. So
wie es in einer gesunden Wettbewerbswirtschaft dem einzelnen nicht erlaubt
ist, Sondervorteile für sich zu beanspruchen, so ist diese Art der
Bereicherung auch ganzen Gruppen zu versagen". Erhard war davon überzeugt,
dass ein freier Markt nicht nur zu einem höheren Volkseinkommen führt,
sondern auch zu mehr Gerechtigkeit und zu einer gesünderen Verteilung
des Volkseinkommens!
Ludwig Erhard gilt als Vater der Sozialen Marktwirtschaft. Innerhalb
des (noch) von aller Welt bewunderten Wirtschaftssystems bliesen allerdings
seine Nachfolger das Soziale (auf Pump!) solchermaßen auf, dass
es die Wirtschaft schier erdrückt, solange sie nicht hochproduktiv
ist oder von der staatlichen Umverteilung profitiert. Leider ist damit
das, was der Alte mit der Zigarre verhindern wollte, am Ende doch eingetreten.
Seinen Appell, Maß zu halten, haben sie nicht ernst genommen, sondern
als Kleingeistigkeit abgetan - egal ob SPD, CDU/CSU oder Grüne. Selbst
die FDP hat bei der Blasenbildung mitgemacht. Und so wurden vor allem
die älteren "Mitbürgerinnen und Mitbürger" überaus
großzügig aus dem Füllhorn des scheinbar unbegrenzt zahlungskräftigen
Fürsorgestaats bedacht. Der Staat ist aber kein Füllhorn! Auch
kein Goldesel,
der Dukaten scheißt - er kocht auch nur mit Wasser! Mit der Schuldenkrise
in Europa und den USA beginnt sich das Blatt zu wenden. Auch den wohlstandsverwöhnten
Antikapitalisten müsste nun langsam dämmern, dass der Sozialstaat
und eine allzu naive internationale Solidarität die Hauptursachen
der Verschuldung sind. Den Linken gehen vielleicht nicht die Argumente
aus, denn der Vorrat an sophistischen Scheinargumenten und Killerphrasen
ist wirklich unerschöpflich. Nein, den Gutmenschen geht schlicht
und einfach das Geld aus (Welt vom 23.08.2011: Grüne
wissen selbst nicht, wo sie sparen sollen).
Statt "Tischchen deck dich" steht jetzt für einige Jahrzehnte
"Knüppel aus dem Sack" auf der Agenda! Jan-Eric Peters
hat in der Welt vom 13.08.2011 nüchtern festgestellt, dass wir die
"kommenden Generationen" sind, die die Suppe auslöffeln
müssen: In
dieser Krise geht es um den Wohlfahrtsstaat. Daher müssen wir
jetzt den umgekehrten Weg gehen und durch einen beherzten Sozialabbau
gegen die staatliche Überregulierung ankämpfen. Gegen die Bevormundung,
wie sie zum Beispiel in der Pflicht zur Künstlersozialabgabe
ohne Leistungsanspruch oder im Zwang zur Krankenversicherung
für Selbstständige (seit 2009) zum Ausdruck kommen. Wenn
der Staat überall seine Finger drin hat, macht er die Dinge noch
komplizierter als sie ohnehin schon sind. Er hat dann alle Hände
voll zu tun, Probleme zu lösen, die es ohne ihn gar nicht gäbe!
Die Gesetze des Marktes sind zwar hart, aber gerecht und für alle
nachvollziehbar. Da wir sie durch den Sozialstaat nicht nur abgefedert,
sondern weitgehend außer Kraft gesetzt haben, trat die Bürokratie
an ihre Stelle. Und je intransparenter und verworrener sich das Ganze
sowie jeder noch so banale Verwaltungsvorgang gestaltet, desto mehr ist
die Freiheit bedroht: durch Willkürakte von Politikern und Beamten.
Außerdem wird uns durch das unproduktive Ausfüllen von Formularen,
das Studium von Hinweisblättern und durch Recherchen nach Vergünstigungen,
Anspruchsberechtigungen, Härtefallregelungen, Subventionen und Schlupflöchern
wertvolle Lebenszeit gestohlen. "Je verdorbener der Staat",
sagte treffend der römische Geschichtsschreiber und Politiker Tacitus,
"desto mehr Gesetze hat er".
Die chaotische Komplexität des Staatsbetriebs macht es seinen Kritikern
schwer, denn wer etwas kritisieren will, muss es zunächst begreifen.
Der Staat ist aber schwer zu begreifen, selbst der Gesetzgeber blickt
nicht mehr durch. Unheilvoll verschlimmert hat sich die Verwirrung, seit
sich Deutschland von den sogenannten Partnerländern des Euro-Raumes
als Zahlmeister
und Stabilitätsgarant vereinnahmen lässt. Denn nun müssen
wir uns auch noch mit den Gepflogenheiten anderer Länder auseinandersetzen,
auf die wir schon allein durch die Sprachbarrieren so gut wie keinen Einfluss
haben. Solange das Volk meint vom Sozialstaat und vom Euro zu profitieren,
sieht es gelangweilt zu und lässt den lieben Gott einen guten Mann
sein. Man schimpft, wenn man von bürokratischen Auswüchsen betroffen
ist, geht dann aber wieder zur Tagesordnung über.
Mit seinem Aktionismus hält der staatliche Apparat uns permanent
auf Trab. Er verwirrt uns Bürger mit Gesetzten und Gesetzesinitiativen,
so dass wir nicht mehr agieren, nur noch reagieren können. Das gilt,
wie mir scheint, vor allem für Europa. Steckt da nicht auch System
dahinter? Eine Taktik der Herrschenden, die auch schon Niccolo Machiavelli
erwähnte? 1513 schrieb der Florentiner Philosoph im 21. Kapitel seines
Büchleins Der
Fürst :
Ferdinand von Aragonien "führte Krieg in Italien, er hat jüngst
Frankreich angegriffen, und er hat immer Großes getan und geplant,
wodurch er seine Untertanen dauernd in Erwartung und Bewunderung und auf
den Ausgang gespannt erhielt. Auch schlossen sich diese seine Unternehmungen
derart aneinander an, dass zwischen einer und der nächsten nie für
seine Gegner Zeit blieb, ihm in Ruhe entgegenzuarbeiten".
Oder leidet der Staat an einer Art Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADHS),
weil wir ihn nicht frühzeitig in die Schranken gewiesen haben? Wie
dem auch sei, wir sollten als Mittel gegen die staatliche Hyperaktivität
wo es nur geht auf die Selbstorganisation der Marktmechanismen (die
Weisheit der Vielen) setzen, das würde uns allen, der Politik,
der Wirtschaft und den Bürgern mehr Gelassenheit ermöglichen
(siehe auch das Management(hör)buch von Anja Förster und Peter
Kreuz: Nur
Tote bleiben liegen
CD 2, Track 1).
Ich kämpfe vor allem für die Männer, die oft keine Frau
finden, weil sie auf Grund staatlich angeordneter Wettbewerbsverzerrung
und Frauenförderung
keine Familie ernähren können. Ich kämpfe für die
Menschenwürde der Familienväter, die von ihren Frauen oder
Exfrauen, vom Staat, von Verwandten und von der ganzen Gesellschaft
oftmals massiv unter Druck gesetzt werden, sich anzupassen, um auf keinen
Fall den Arbeitsplatz zu verlieren. Ich kämpfe für die Leistungsträger,
die wegen der unzähligen Umverteilungsmaßnahmen unserer "Sozialen
Marktwirtschaft" mit einer leistungsfeindlichen Steuerprogression,
mit Abgaben und einkommensabhängigen Gebühren für den Kindergarten
belastet sind. Sie haben nicht nur das Gefühl in einem Hamsterrad
zu laufen, denn tatsächlich bereichern sich andere an dem, was sie
erwirtschaften (siehe Focus Titelthema vom 21. Juni 2010: Und
immer zahlt die Mittelschicht!).
Was mich selbst anbetrifft, so muss ich als selbstständiger Geringverdiener
zwar keine Einkommensteuer aber beträchtliche Kosten für meine
private Kranken- und Rentenversicherung tragen. Kleinunternehmer gehören
vor allem dann nicht zu den Gewinnern, wenn ihre Kunden ausgebeutet werden.
Bei der Kundschaft schöpft zum einen der Staat den Rahm ab - in Form
von Mehrwertsteuer, Einkommens- bzw. Körperschaftssteuer sowie in
Form der Lohnzusatzkosten. Zum anderen schöpfen die Pressuregroups
der Arbeitnehmer seit den 70ern überhöhte Tariflöhne ab,
wodurch in fast allen Bereichen der Gesellschaft der Leistungsdruck permanent
am steigen ist, auch in den Schulen und Universitäten.
Kleine Werbe- und Marketingagenturen zum Beispiel haben das Problem der
schwachen Binnennachfrage. An die Exportfirmen kommen sie meist nicht
ran. An die Mehrzahl der kleinen und mittleren Firmen aber auch nicht.
Denn die einen profitieren von den Marktverzerrungen, die der Umverteilungsstaat
verursacht, und kriegen ihre Kundschaft mehr oder weniger automatisch
zugeteilt. Die anderen könnten mit verbesserter Werbung zwar durchaus
mehr Umsatz und Gewinn erzielen. Aber auf Grund des erhöhten Arbeitsaufkommens
müssten sie Leute einstellen, was den bürokratischen Aufwand
und die Kosten überproportional erhöht. Man denke nur an die
Berufsgenossenschaft. Auch würde das Finanzamt wegen der weltweit
beispiellos hohen Steuerprogression einen großen Teil des zusätzlichen
Gewinns konfiszieren.
In der Folge rühren kleine Unternehmen meist nur verhalten die Werbetrommel:
gerade so, dass sie zwar am Markt bestehen, aber nicht wachsen. Diesen
Kuchen müssen sich die Marketing-Agenturen nebenbei gesagt auch noch
mit dem Platzhirsch Google und seinen Adwords-Textanzeigen teilen. Aber
das kennen wir ja: In der sozialstaatlichen Pseudo-Marktwirtschaft wird
unternehmerischer Erfolg mit hohen Arbeitskosten, Steuern und Bürokratiekosten
bestraft. Das ist die entscheidende Ursache dafür, dass Arbeitsplätze
tendenziell immer rarer und prekärer werden. "Eine
Regierung muß sparsam sein, weil das Geld, das sie erhält,
aus dem Blut und Schweiß ihres Volkes stammt" sagte schon Friedrich
der Große (1712 bis 1786) und fügte hinzu: "Es ist
gerecht, daß jeder einzelne dazu beiträgt, die Ausgaben des
Staates tragen zu helfen. Aber es ist nicht gerecht, daß er die
Hälfte seines jährlichen Einkommens mit dem Staate teilen muß".

Pensionäre
Olaf Baale hat aufgezeigt wie in unserem angeblich so modernen Staatswesen
die Beamtenlobby ihre Mehrheit in den Parlamenten dazu nutzt, den hoch
verschuldeten Staat (und damit unsere Kinder und Enkel) schamlos auszuplündern
(Die
Verwaltungsarmee ).
Beamte haben zwar ein niedrigeres Bruttoeinkommen als Angestellte, müssen
aber keine Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung bezahlen.
Für sie fallen nur geringe Sozialversicherungskosten für die
Pflegeversicherung und die Krankenversicherung an, obwohl sie auch im
Vergleich zu anderen Privatpatienten bestens versorgt und umsorgt werden.
Unter dem Strich haben die Staatsdiener auch auf Grund der Steuerprogression
durchweg ein höheres Nettoeinkommen als vergleichbare Angestellte.
Ihre Altersbezüge sind jedoch wesentlich höher, auch weil sich
die Pensionen an den zuletzt gezahlten (also maximalen) Gehältern
orientieren, während die Renten am Einkommen des gesamten Berufslebens
bemessen werden (Welt vom 23.01.10: Beamtenversorgung
frisst Staatshaushalt auf; Welt vom 19.01.10: Pensionäre
sind die heimlichen Wohlhabenden).
Auch der Ökonom Bernd Raffelhüschen hält den Beamtenapparat
für überdimensioniert: Mit der Verbeamtung verschiebt
die Politik Lasten in die Zukunft. Denn ein Beamter sei zwar für
den Staat in seinen aktiven Zeiten günstiger, da nur geringe Sozialabgaben
fällig würden. Dafür schlage er später aber im Ruhestand
aufgrund des hohen Versorgungsniveaus sehr viel stärker als seine
anderen Angestellten zu Buche, so Raffelhüschen. Doch dann
stehen die heutigen Politiker nicht mehr in der Verantwortung. (Welt
vom 08.01.2011: Auf
die Steuerzahler rollt eine Pensionslawine zu).
Wie gesagt: Eine Minderheit profitiert von dieser auf den Kopf gestellten
Marktwirtschaft: Neben Managern, die trotz dramatischer Verluste hohe
Bonuszahlungen einstreichen, auf der einen Seite und arbeitsscheuen Hartz-IV-Empfängern
auf der anderen Seite, gehört die heutige Rentnergeneration dazu,
namentlich die Pensionäre. Freilich profitieren auch die nur vordergründig,
denn was nützen zum Beispiel den Pensionären die hohen Bezüge,
wenn dafür deren Kinder und die ganze Gesellschaft so belastet werden,
dass kaum einer mehr für die alten Leute Zeit hat? Nicht nur Beamte
und viele Angestellte und Arbeiter im öffentlichen Dienst gehören
zu den vordergründigen System-Gewinnlern, sondern auch bestimmte
für den Bedarf passend ausgebildete Spezialisten in der freien Wirtschaft.
Leute, die fest im Sattel sitzen und auch dann nicht entlassen werden,
wenn sie auf Kosten der weniger Talentierten hohe Lohnforderungen stellen,
obwohl sie eine lockere Kugel schieben. Nicht zuletzt gehören auch
die Frauen der genannten Profiteure zu den Ausbeutern. Sofern sie Beamtinnen
sind und in einer Doppelverdienerehe leben, profitieren sie sogar doppelt
von diesem System.
Die Verlierer, um es noch einmal zusammenzufassen, sind typischer Weise
jung, männlich, unverheiratet, oft Kinder von Migranten, leistungsbereit
aber minderqualifiziert oder nicht speziell genug ausgebildet. Das ist
übrigens genau die Bevölkerungsgruppe, aus der in den moslemischen
Gesellschaften die Selbstmordattentäter rekrutiert werden. Bei uns
passen neben anderen Gewalttätern die Amokläufer von Erfurt,
Winnenden und anderen Städten auf dieses Profil. Und es ist kein
Zufall, dass Deutschland gemessen an der Größe der Bevölkerung
zu den Staaten mit den meisten Amokläufen zählt. Wenn
wir nicht bald mehr Kapitalismus wagen, so prophezeie ich, werden schlimme
und vor allem blutige Zeiten auf uns zukommen (siehe Spiegel 2/2008 Titelthema:
Junge
Männer, die gefährlichste Spezies der Welt).

Tear Down The Wall!
Dass "die Herren der Schöpfung" permanent mit Kritik überzogen
werden, dass in den Medien ein negatives Image des Mannes gepflegt wird,
sind sie gewohnt. Sie nehmen es mit Humor, ja beteiligen sich z.B. als
Kabarettisten selbst daran, weil es immer wieder höchst unterhaltsam
ist, die herrschenden Klischees mit einem Augenzwinkern zu reproduzieren.
Doch der Spaß kennt auch Grenzen. So müssen Männer nach
einer gescheiterten Beziehung an ihre Ex oft dermaßen hohe Summen
an Kindes-
und Betreuungsunterhalt bezahlen, dass es ihnen an die Nieren geht.
Hier gibt es Mindestsätze, die auf jeden Fall abgeführt werden
müssen, sonst droht sogar Gefängnis!
Damit Männer nicht länger zusätzlich unnötigem Druck
ausgesetzt sind, bin ich gegen die Förderung der Berufstätigkeit
von jungen Müttern, weil dadurch die beruflichen Chancen der anderen
vermindert werden. Aus diesem Grund sage ich auch nein zum weiteren Ausbau
von staatlichen Kinderkrippen und nein zum Elterngeld, das auf berufstätige
Mütter abzielt und im Übrigen kinderreiche
Familien aus der Mittelschicht benachteiligt.
Nein zu Mindestlöhnen, hohen Ausbildungsvergütungen und festgezurrten
Tariflöhnen. Das ist Teufelszeug, mit dem der gesunde Wettbewerb
außer Kraft gesetzt wird! Das Lohnkartell der Gewerkschaften, die
über den Klee gelobte Tarifautonomie, hat mit diesem Hexeneinmaleins
den Arbeitsmarkt weitgehend undurchlässig gemacht. Dadurch entstand
eine Kaste der Unberührbaren, die man zum Beispiel Langzeitarbeitslose
oder Frührentner nennt. Solcherlei Staatsinterventionismus ist nichts
als fauler Zauber, der die Wirtschaftstätigkeit lähmt und das
Volkseinkommen vermindert. Nein zu weltweit rekordverdächtig vielen
Urlaubs- und Feiertagen, hohen Lohnzusatzkosten und nein zum Kündigungsschutz
- alles Privilegien der sogenannten "abhängig Beschäftigten",
die vor allem Einstellungshindernisse darstellen. Ich sage nein zu überhöhten
Steuern und Sozialabgaben für Unverheiratete und nein zu Steuervorteilen
für Doppelverdiener-Ehen (wie das Ehegattensplitting) und anderen
staatlichen Dirigismus, weil dadurch die Berufseinstiegsbarrieren für
viele junge Männer unüberwindlich geworden sind. Das Ehegattensplitting
sollte durch höhere Kinderfreibeträge ersetzt werden.
Weg mit den Einstellungshemmnissen, denn die vom Staat erzwungene soziale
Sicherheit und die überhöhten Tariflöhne für die einen
sind gleichbedeutend mit der Ausgrenzung aus der Berufswelt für die
anderen! Das gilt vor allem für gering Qualifizierte. Die Mauern,
die Menschen den Berufseinstieg, Wiedereinstieg oder Umstieg erschweren,
müssen fallen. Tear
Down The Wall !
Wir Europäer bekommen dann wieder mehr Kinder, wenn wir auf staatliche
Steuerung und Bevormundung wie Frauenquote
und Frauenförderung verzichten. Kein Wunder, dass die Geburtenzahlen
in Europa mit die niedrigsten sind, denn wir erschweren immer mehr Männern,
den potenziellen Familiengründern, die Teilhabe am Berufsleben sowie
die weitere berufliche Entwicklung und verweigern sie ihnen vielfach ganz
(mehr hierzu unter www.derdressiertemann.de).
Zusehends mehr junge Männer werden kriminell und gewalttätig.
Kein Wunder bei den Barrieren für den Berufseinstieg, der Jugendarbeitslosigkeit,
den Zwängen und dem Erfolgsdruck,
der von allen Seiten auf sie einwirkt. Aus kleinen Jungs werden Straßenkämpfer,
Randalierer oder Fußball-Hooligans, Bandenmitglieder, Drogenhändler
und -abhängige, Rocker, Neonazis und Amokläufer. Sie gesellen
sich zu den Antifanten, die mit SA-Methoden dafür sorgen, dass nicht
nur die NPD, sonder auch neue Parteien des bürgerlichen Lagers wie
DIE FREIHEIT
oder Männerrechtler
Probleme haben, Veranstaltungsorte zu finden. Oder sie zünden Autos
an, wie zuletzt in Berlin und Hamburg und auch immer wieder gern in Straßburg
und Athen (Welt
vom 17.08.2011). Eine repräsentative Umfrage der Universitäten
Gießen und Leipzig ergab, dass der größte Teil der NPD-Wähler
arbeitslose oder geringverdienende Männer sind (Welt
vom 06.12.2011). Wer also mehr Rechtsextreme will, der braucht nur
damit fortzufahren, Männer im Berufsleben systematisch zu benachteiligen
und im Privatleben finanziell
auszubeuten.
Vergessen kann man Statistiken, denen zufolge die Jugendkriminalität
(abgesehen von der Körperverletzung) in den vergangenen Jahrzehnten
abgenommen hat. Vorfälle, bei denen noch vor 30 oder 40 Jahren Polizei
und Justiz eingeschaltet wurden, verursachen heutzutage nur ein müdes
Gähnen. Außerdem werden Übergriffe immer öfter aus
Angst vor Racheakten nicht zur Anzeige gebracht und daher von keiner Kriminalstatistik
erfasst. Die steigende Gewaltbereitschaft sowie der grassierende Alkohol-
und Drogenkonsum sollte uns eine Warnung sein! Der Kessel kocht und zischt
bedrohlich. Wenn wir nicht bald Dampf ablassen, wird er explodieren.
In England war es vom 5. bis zum 9. August 2011 schon fast so weit! (Welt
vom 08.08.11). Mit den Brandschatzungen, der sinnlosen Randale und
den Plünderungen ernten wir Europäer die Früchte der Vernachlässigung
unserer Kinder im Zuge der Berufs- und Konsumorientierung sowie die
Früchte der autoritätslosen
Erziehung. Hinzu kommt, dass Polizei und Justiz auf Grund der Kuschelpädagogik
des Jugendstrafrechts massiv an Autorität eingebüßt
haben. Die randalierenden Jugendlichen kommen im Übrigen aus der
Unterschicht, die durch die Verlockungen des Sozialstaats erst in ihrer
Breite herangezüchtet wurde!
Verschlimmert wurde die Gemengelage durch die ungeregelte
Zuwanderung vor allem aus islamischen Ländern, wo Gewalt und
Respektlosigkeit gegenüber der Würde des Menschen bereits im
Koran angelegt ist. Kurz: Wir treten das Erbe der
68er-Bewegung an. Christian Rogler bezeichnete am 8.8.11 in Facebook 1968
als Triumph des Europäischen gegenüber dem american way of life:
"Es hat das Land so hässlich gemacht, dass kaum noch einer was
dagegen hat, dass es sich abschafft." (siehe auch die Kolumne von
Deniz Yücel in der taz vom 04.08.11: Super,
Deutschland schafft sich ab!)
Die steigende Zahl von DINKY-Beziehungen (double income, no kids) wirkt
sich doppelt fatal auf das Geburtenverhalten aus: Die einen bekommen keine
Kinder, weil sie Doppelverdiener sind. Die anderen bekommen keine Kinder,
weil die Doppelverdiener ihnen die sicheren und gut bezahlten Arbeitsplätze
wegnehmen. Vor allem muss der Staat aufhören, es auch noch zu fördern,
dass Familienfrauen berufstätig sind, die materiell nicht darauf
angewiesen wären, und obendrein ihre Kinder vernachlässigen.
Eine Frauenquote für Führungspositionen in der Wirtschaft würde
zu einer Bevorzugung weiblicher Mitarbeiter von den Azubis bis zur Chefetage
führen. Es würden also noch mehr Männer auf dem Arbeitsmarkt
scheitern und wären daher für heiratswillige Frauen unattraktiv.
Die herrschende Polarität der Geschlechtsrollen würde in der
Folge bewirken, dass noch mehr Frauen lieber alleine und kinderlos blieben
(oder den Status der vom Staat versorgten Alleinerziehenden anstreben
würden), als sich mit einem Mann zufrieden zu geben, der dauerhaft
weniger verdient als sie selbst.
Wie auch Thilo Sarrazin betont, sind die niedrigen Geburtenzahlen in
Deutschland vor allem darauf zurückzuführen, dass die Zahl der
Frauen steigt, die nie ein Kind in die Welt setzten: "Häufig
wird vermutet, die Geburtenarmut sei auf einen Trend zur Ein-Kind-Familie
zurückzuführen. Das ist unrichtig. Bei den Frauen in Deutschland,
die überhaupt Kinder haben, ist die Verteilung auf die Familiengrößen
ziemlich stabil. Es dominiert die Zwei-Kind-Familie, und im Durchschnitt
haben Frauen mit Kindern etwa 2,2 Kinder. Entscheidend ist der wachsende
Anteil der lebenslang kinderlosen Frauen: Beim Geburtsjahrgang 1940 hatten
10,6 Prozent der Frauen lebenslang keine Kinder, beim Geburtsjahrgang
1965 waren es bereits über 30 Prozent, und dieser Anteil scheint
sich in den jüngeren Geburtsjahrgängen weiter zu erhöhen"
(Deutschland
schafft sich ab ;
S. 345).
Auch eine verbesserte Vereinbarung von Familie und Beruf durch den Ausbau
staatlicher Kinderkrippen, durch Ganztageskindergärten und Ganztagesschulen
ist kontraproduktiv, weil dadurch die Berufschancen von Männern (den
potentiellen Familiengründern!) weiter verschlechtert werden. Die
wenigsten der bislang kinderlosen Frauen werden durch den Ausbau der staatlichen
Kinderbetreuung ein Baby bekommen, denn sie warten ja auf einen Partner,
der nicht nur die erwarteten Soft Skills mitbringt und mindestens die
gleiche Körpergröße hat, sondern auch zahlungskräftiger
als sie selbst ist. Die zunehmend anzutreffenden Familienmodelle, bei
denen die Mutter verdient und der Vater die Kinder und den Haushalt versorgt,
sind immer öfter aus der Not geboren und enden vermutlich überproportional
häufig in Trennung und Scheidung der Ehepartner. Wenn mehr Frauen
in die Chefetagen einziehen, werden diese Frauen höchstwahrscheinlich
weniger Kinder gebären. Denn Karrierefrauen haben aufgrund der tiefsitzenden
Rollenerwartungen das Problem, einen Mann zu finden, der noch mehr verdient
als sie selbst, der die Karriereleiter noch höher hinaufgestiegen
ist.
Nun werden Forderungen nach staatlichen Zwangsmaßnahmen wie der
Frauenquote gerne mit pseudo-betriebswirtschaftlichen oder -marktwirtschaftlichen
Argumenten garniert. So heißt es neuerdings oft, die Frauenförderung
könne helfen, den Fachkräftemangel zu beheben. Dazu ist zum
einen zu sagen, dass es den Fachkräftemangel so wahrscheinlich gar
nicht gibt. Auf Grund der hohen Tariflöhne suchen Unternehmen "genau
den Fachmann, der ohne viel Einarbeitung sofort den Job erfüllen
kann", heißt es in einem Welt-Artikel
vom 7. Dezember 2010. Wer dem Profil nicht entspricht, erhalte keine
Chance. Zum anderen ist unbestritten, dass Frauen oft zu den unersetzbaren
High Potentials gehören, die z.B. auch als Ingenieurinnen dringend
gebraucht werden. Doch gerade diese Frauen benötigen keine Frauenquote.
Solche Spezialistinnen verdienen außerdem gut genug, dass sie weder
auf die Steuervorteile des Ehegattensplittings noch auf den staatlich
subventionierten Krippenplatz oder Ganztageskindergarten angewiesen sind.
Im reinen Kapitalismus ist das Wirtschaften kein Nullsummenspiel. Dort
können sich alle Marktteilnehmer gleichzeitig besser stellen. In
Modell der freien Marktwirtschaft gibt es keine Verlierer, weil der zu
verteilende Kuchen größer wird. In unserer "sozialen"
Marktwirtschaft gleicht der Arbeitsmarkt jedoch einem stahlharten Gehäuse,
in dem es im Wesentlichen eben doch immer nur den einen Kuchen zu verteilen
gibt. Es liegt im vitalen Interesse unserer Gesellschaft, dass die potenziellen
Familiengründer dabei nicht zu kurz kommen!
Männer stehen deswegen weit stärker unter Druck, weil die Gesellschaft
nach wie vor von Ihnen erwartet, eine Familie zu ernähren. Dass daran
40 Jahre Women's Liberation nichts geändert haben, belegt eine Studie
des Deutschen Jugendinstituts von 2008: Danach möchten 93 Prozent
der befragten kinderlosen jungen Männer später Vater werden.
Der richtige Zeitpunkt ist für die Mehrzahl aber erst dann gegeben,
wenn sie eine Familie versorgen können bzw. sich beruflich etabliert
haben. 95 Prozent der männlichen Jugendlichen betrachten es als ihre
Aufgabe als Vater, sich um einen "sicheren Arbeitsplatz und ein sicheres
Einkommen zu kümmern" um den "Lebensunterhalt für
die Familie zu verdienen".
Es birgt sozialen Sprengstoff, dass unsere Gesellschaft die Männer
einerseits auf die Rolle des Familienernährers einschwört, es
ihnen aber andererseits immer weiter erschwert der von ihnen erwarteten
Rolle auch gerecht zu werden (siehe Focus 28/2009 Titelthema: Im
Zweifel gegen den Mann). Schon allein durch die fortschreitende Deindustrialisierung
Europas, der Entwicklung hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft, stehen
Männer stärker unter Druck als Frauen. Ein großes Problem
ist die extrem gestiegene Arbeitslosigkeit
junger Menschen, vor allem in Südeuropa.
Die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland wird offiziell mit 9,1 Prozent
beziffert, dürfte in Wirklichkeit aber fast doppelt so hoch sein.
Zu den 430.000 erwerbslosen jungen Frauen und Männern im Alter von
15 bis 24 Jahren kommen nämlich mehr als 320.000 Jugendliche, die
nicht in der Statistik auftauchen, weil sie sich in berufsvorbereitenden
Maßnahmen befinden. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung steigen
die Chancen auf einen regulären Arbeitsplatz durch diese staatlichen
Maßnahmen kaum, vielmehr würden Langzeitarbeitslose produziert.
Denn alarmierend sei, dass sich die Jugendarbeitslosigkeit nicht auswachse,
wenn die Jugendlichen älter werden, sondern schlimmer werde! Hierzu
ist in der Welt
vom 11.08.11 zu lesen: "Denn mit zunehmendem Alter nehme die
Arbeitsmarkt- und Bildungsteilhabe von jungen Menschen ab. So liegt der
Anteil derer, die weder die Schule noch eine Lehre absolvieren und auch
nicht arbeiten bei den 15- bis 19-Jährigen lediglich bei vier Prozent.
Bei jungen Erwachsenen zwischen 20 und 24 Jahren steigt der Anteil bereits
auf 14 Prozent, bei den 25 bis 29-Jährigen sind es sogar 17 Prozent.
Trotz des guten Abschneidens im Europavergleich sind junge Leute auch
in Deutschland häufiger arbeitslos als ältere. Zudem seien sie
auch häufiger 'atypisch' beschäftigt als der Rest der Bevölkerung".
Dabei profitieren die jungen Frauen von der weiblichen Netzwerkbildung
und kommen öfter als die Jungs durch Beziehungen zu einem Job, bei
dem man ohne sich krumm zu machen Geld verdienen kann. Der
öffentliche Dienst ist fest in der Hand des schwachen Geschlechts!
Aber zum Beispiel auch in der IT-Branche, wo man mitunter viele Überstunden
machen muss, sind gutaussehende Frauen hochwillkommen, selbst wenn ihre
Qualifikation zu wünschen übrig lässt. Mit ihrer Hilfe
können die Chefs eine Maloche in eine Partnerbörse verwandeln,
was die Arbeitsmoral des männlichen Personals grundlegend verbessern
hilft. All diese Vorteile haben Männer nicht. Sie sind durch Frauenquoten
und Frauenförderprogramme benachteiligt. Sie werden gefordert und
stehen vermehrt in der Gefahr, sich selbst zu überfordern. Der Berliner
Sänger Adel Tawil von Ich
+ Ich bringt in einem Song das blöde Gefühl eines Lovers
zum Ausdruck, der mit einer attraktiven Überfliegerin befreundet
ist. In Einer
von Zweien heißt es im Refrain: "Der andere kann gar nichts
dafür. Für ihn öffnet sich jede Tür. Der andere hängt
an niemand so wie ich an dir, der andere kann nichts dafür".
Die Männer als potenzielle Familiengründer unter Artenschutz
zu stellen, bedeutet nicht, ihnen die Macht über die Frauen zuzugestehen.
Junge Frauen werden nach wie vor hofiert. Meist sind sie es, die entscheiden,
welcher Kandidat mit seiner Bewerbung erfolgreich ist. Vor allem die attraktiven
Frauen haben die Macht, den Daumen zu heben oder zu senken. Von dieser
Regel ausgenommen sind nur die sehr gut verdienenden Männer. Für
die Macht, die sie über die Männer haben, brauchen die Frauen
nur ausreichend Startkapital, um sich schön zu machen und sich passend
einzukleiden. Weit wichtiger als das eigene Einkommen ist für sie
ihre erotische Ausstrahlung und ihr Charme, sowie für die Entscheidungsfindung
das nötige Maß an Intuition und Instinktsicherheit, gemischt
mit einem ordentlichen Schuss weiblicher Klugheit. Nur für die Männer
ist der eigene Verdienst entscheidend. Wer aber Geld braucht, um seinen
Willen durchzusetzen, dokumentiert dadurch seine prinzipielle Machtlosigkeit:
Denn wer wirklich mächtig ist, der kann sich auch ohne Geld durchsetzen!
Hitler, Stalin oder Mao zum Beispiel brauchten keine Moneten, sie gebrauchten
unter anderem Gewalt. Die Frauen gehören zu den Glücklichen,
die so viel Macht und Einfluss in der Gesellschaft genießen, dass
sie meist weder auf selbst verdientes Geld noch auf Gewaltanwendung angewiesen
sind. Wenn sie kaltblütig genug sind, können Frauen unbotmäßige
Männer gefügig machen, indem sie damit drohen, ihn wegen Vergewaltigung
anzuzeigen. Staatsanwaltschaft und Richter stehen allzu oft kritiklos
auf der Seite des angeblichen Opfers, wie unter
anderem der Kachelmann-Prozess gezeigt hat.
Wir werden die Überalterung unserer Gesellschaft also nur überwinden,
wenn wir jungen Männern den Einstieg ins Berufsleben leicht machen,
damit sie eine Familie gründen können. Dazu müssen wir
nicht in die Staatskasse greifen, sondern dafür sorgen, dass sich
der Staat aus dem Arbeitsmarkt weitgehend zurückzieht und keine Fehlanreize
mehr setzt wie zum Beispiel durch üppige Sozialhilfe für Erwerbsfähige.
Angebot und Nachfrage sollen den Preis für die Arbeit regeln, nicht
der Staat oder die Arbeitsplatzbesitzer. Darüber hinaus müssen
die Steuern und Sozialabgaben auch für mittlere und hohe Einkommen
maßvoll gestaltet sein, um Karriereanreize zu setzen und die Übernahme
von mehr Verantwortung im Beruf zu honorieren anstatt zu bestrafen. Die
freie Marktwirtschaft würde im Übrigen auch den Wiedereinstieg
von Müttern ins Berufsleben erleichtern (am besten aber erst dann,
wenn die Kinder die Hausaufgaben selbstverantwortlich machen). Streichen
wir aus den Tarifverträgen die Klauseln, wonach das Gehalt umso höher
ist, je mehr Berufs- oder Lebensjahre man auf dem Buckel hat, dann werden
auch die Beschäftigungschancen von älteren Menschen wieder steigen.
Das Senioritätsprinzip (Volksmund: Verkalkungszulage)
muss dem Leistungsprinzip weichen. Der seit 2005 geltende Tarifvertrag
für den öffentlichen Dienst (TVöD) brachte hier Verbesserungen.
Hinzukommen muss die vollständige Abschaffung der Frühverrentung.

Ein Lob auf das angelsächsische "Hire and fire"
Trotz Agenda 2010 hat die weitgehende Undurchlässigkeit des Arbeitsmarktes
durch Mindestlöhne, tarifliche Lohnuntergrenzen und Kündigungsschutz
dazu geführt, dass zunehmend mehr Arbeitsplätze von motivations-
und ideenarmen Leuten besetzt sind. Motto: "Die dümmsten Bauern
ernten die dicksten Kartoffel". Gleichzeitig sollen sich zunehmend
mehr fähige und (ursprünglich) bis unter die Haarspitzen motivierte
Leute Qualifizierungsmaßnahmen unterziehen, nur weil sie nicht speziell
für den momentanen Bedarf ausgebildet wurden oder halt nicht mehr
die jüngsten sind (siehe Spiegel-Artikel über die boomende
Arbeitsbeschaffungsindustrie rund um Hartz 4).
Die Behandlung der Arbeitslosen durch den ach so fürsorglichen Sozialstaat
ist gerade aus wirtschaftsliberaler Sicht oft demütigend. Das gilt
umso mehr, als bei näherem Hinsehen der Verursacher der Misere ist,
wer sich hier als Retter in der Not aufspielt! Ronald Reagan sagte im
ersten Jahr seiner Amtszeit einmal: "Der Staat ist nicht die Lösung
für unser Problem, der Staat ist das Problem". Der ehemalige
Präsident der Vereinigten Staaten (von 1981 bis 1989) nannte außerdem
die seiner Meinung nach furchterregendsten Wörter der englischen
Sprache. Sie lauten auf Deutsch: "Hi, ich bin von der Regierung und
komme, um Ihnen zu helfen!".
Selbst an einen 400-Euro-Job kommt ein Erwerbsloser nicht so leicht heran,
weil man mit Arbeitnehmern, Müttern und Rentnern konkurriert, die
sich ein mittleres Einkommen aufbessern wollen. Man kann es nachvollziehen,
angesichts steigender Lebenshaltungskosten vor allem durch unverschämt
hohe Steuern, Sozialabgaben und Gebühren. Jetzt will das Bundesarbeitsgericht
auch noch der Zeitarbeit den Garaus machen (Welt
vom 14.12.2010: Gericht stürzt Zeitarbeit in ihre größte
Krise). Dabei ist die Leiharbeit nur der Schimmel, der auf unseren unflexiblen
Arbeitsgesetzen wächst, wie es einer meiner Facebook-Freunde ausdrückte.
Anstatt mit staatlichem Dirigismus und Protektionismus aus dem Arbeitsleben
eine Insel der Glückseeligen zu machen, müssen wir jedem Arbeitswilligen
die Chance geben, in der freien Wirtschaft (oder beim Staat) mit einem
bescheidenen Lohn anzufangen und sich langsam hochzuarbeiten! Das geht
jedoch nur, wenn wir den Unternehmern das Recht einräumen, Mitarbeitern
mit mangelhaften Leistungen den Lohn zu kürzen oder sie kurzfristig
und ohne Abfindung zu entlassen. Dann erst würde unsere Gesellschaft
anfangen, die Potenziale aller Menschen zu nutzen! Auch würden wieder
mehr Anreize für bessere Arbeit gesetzt. Und langfristig würden
alle Menschen die Arbeit tun, die ihnen angemessen ist, die sie weder
unter- noch überfordert, die ihnen auch Zeit und Kraft zur Besinnung
und für ihre Mitmenschen übrig lässt. Das nenne ich eine
realistische Vision, für die es wert ist zu kämpfen!
In den verknöcherten Arbeitsmärkten Deutschlands und der meisten
anderen europäischen Länder lassen wir das Humankapital vieler
Menschen brach liegen, um die Arbeitsplatzbesitzer in Sicherheit zu wiegen.
Mindestlohn, Kündigungsschutz und Tariflöhne vermitteln eine
Sicherheit, von der zu Unrecht behauptet wird, dass sie die Arbeitsmotivation
erhöht: Wieso auch, wenn sie doch einklagbare Rechtgüter darstellen!
Zudem handelt es sich oft nicht nur auf lange, sondern auch auf kurze
Sicht um eine falsche Sicherheit: Da die Chefs der legalen Kündigung
weitgehend beraubt sind, verlegen sie sich vermehrt auf schmutzige Tricks
wie Mobbing oder die Heranziehung von Bagatelldelikten als Begründung
für einen Rausschmiss. Solange die Politik der Lohnuntergrenzen anhält,
solange viele Unternehmer auf Druck der Gewerkschaften überhöhte
Löhne an demotivierte Menschen bezahlen müssen, wird es mehr
und mehr Langzeitarbeitslose geben: Nur wenige Unternehmen könnten
es sich theoretisch leisten, sie einzustellen - aus Kostengründen!
Die Zahl der Hartz-IV-Empfänger hat sich im Aufschwung 2010 kaum
vermindert (Spiegel
03.01.2011). So paradox es manchem erscheinen mag: Es sind unter anderem
die Tarifverträge, die den sozialen Abstieg vieler Menschen bewirken,
weil sie Arbeitslosen, Wiedereinsteigern und Berufsanfängern Zugangsbarrieren
zur Erwerbsarbeit entgegenstellen. Hinzu kommen die überhöhten
Lohnansprüche, die der Staat (vor allem für Erwerbsfähige
mit Kindern) durch Hartz IV gesetzt hat. Hohe Löhne und Gewinne sind
in der freien Marktwirtschaft die Gratifikation für außerordentliche
Leistungen. Das Problem ist: Unsere real existierende Soziale Marktwirtschaft
steht dem Sozialismus bereits näher als dem Kapitalismus.
Unter den Dichtern sprach sich insbesondere Friedrich Nietzsche für
den freien Wettbewerb in der Welt der Arbeit und des Kapitals aus. Für
ihn war ein erfülltes Leben nicht nur Lust und Genuss, sondern auch
Überlebenskampf und Wille, etwas zu schaffen. Und außerdem:
"das
Werden des Guten durch das Böse, als das Werden der Zwecke aus dem
Zufalle". Globalisierungsgegner, Anhänger von Flächen-Tarifverträgen,
von staatlichen Subventionen und anderem Protektionismus hätte Nietzsche
als Weicheier bezeichnet: "Wer befehlen kann, wer gehorchen muß
das wird da versucht! Ach, mit welch langem Suchen und Raten und
Mißraten und Lernen und Neu-Versuchen! Die Menschen-Gesellschaft:
die ist ein Versuch, so lehre ich's ein langes Suchen: sie sucht
aber den Befehlenden! Ein Versuch, o meine Brüder! Und kein Vertrag!
Zerbrecht, zerbrecht mir solch Wort der Weich-Herzen und Halb- und Halben!"
(Also
sprach Zarathustra; von alten und neuen Tafeln - Ziffer 25).
Die Angst vor dem langfristigen Absacken in die Arbeitslosigkeit ist
es, welche immer mehr Arbeitsplatzinhaber unfrei und unflexibel macht,
sie im Status Quo ausharren lässt. Angestellte kleben an ihrem Sessel,
selbst wenn das Betriebsklima unerträglich ist und sie Zweifel an
der Sinnhaftigkeit ihrer Tätigkeit überkommen. Hier helfen weder
Arbeitslosengeld noch Sozialhilfe, hier hilft nur das angelsächsische
Prinzip der spontanen Einstellung und Kündigung des Personals je
nach Bedarf! Es würde die Bedenken zerstreuen, nach einem Wechsel
die Probezeit nicht zu bestehen. Ja, das berühmt berüchtigte
"Hire and fire" würde unseren Geist befreien von der Angst
vor Arbeitslosigkeit, denn es verspricht, dass man als Arbeitsloser spätestens
im nächsten Aufschwung wieder jede Chance hat, sich neu zu bewähren.
Wir brauchen eine größere Lohnspreizung, einen flexiblen Arbeitsmarkt.
Wer sich mit einem niedrigen Anfangsgehalt zufrieden gibt, kann sich auch
in aller Ruhe in eine neue Aufgabe einarbeiten, um es später den
angestammten Mitarbeitern zu zeigen. Dann wird ihm der Chef auch Gehaltserhöhungen
zugestehen. Und übrigens: Leistungsfähige Fachkräfte haben
unter "Hire and fire" wenig zu befürchten. Free your mind!
Die Gewerkschaften mögen einmal Fürsprecher der sozialen Belange
von Arbeitern und Angestellten gewesen sein, obwohl der Frühkapitalismus
auch ohne ihren Einfluss überwunden worden wäre: allein durch
das Wechselspiel von Angebot und Nachfrage. Heute jedenfalls tun die Gewerkschaftsfunktionäre
nur so, als ob sie sich auch um Arbeitslose und Rentner kümmern würden
und nicht nur um diejenigen Arbeitsplatzinhaber, die vermeintlich fest
im Sattel sitzen. In Deutschland, Frankreich, Italien und anderen europäischen
Ländern sind die Gewerkschaften heute vor allem Berufsverbände,
die Preisabsprachen in Form von Lohnforderungen vereinbaren und sie mit
Streikandrohungen und Streiks auch weitgehend durchsetzen können.
In der Bundesrepublik sind Preisabsprachen bzw. Kartelle auf Seiten der
Anbieter von Produkten und Dienstleistungen mit Recht verboten, das Bundeskartellamt
und die Monopolkommission wachen darüber. Es würde einiges dafür
sprechen Kartellbildung auch für die Anbieter der Ware Arbeitskraft
zu verbieten, um die überproportionale Macht der Gewerkschaften,
die in vielen Branchen einer Monopolstellung gleichkommt, auf ein vernünftiges
Maß zu reduzieren. Das Streikrecht von Arbeitern und Angestellten
könnte man auf die betriebliche oder kommunale Ebene beschränken
und flächendeckende Arbeitskämpfe untersagen. Ein erster Schritt
wäre die Zulassung betrieblicher Bündnisse für Arbeit.
In Europa führte vor allem in den 70er, 80er und 90er Jahren das
Tarifkartell aus Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften dazu, dass
die Löhne der Arbeitsplatzbesitzer weit schneller stiegen als die
gesamtgesellschaftliche Produktivität (einschließlich der von
Arbeitslosen, ALG2-Empfängern und Sozialplan-Frührentnern).
Die Kosten haben nicht nur die Millionen von Erwerbslosen zu tragen sondern
die ganze Gesellschaft, die nun für deren Lebensunterhalt aufkommen
muss. Wir alle müssen die Zeche mit hohen Steuern, Sozialabgaben,
Gebühren und Preisen für Dienstleistungen bezahlen. Von wegen
"Schluck aus der Pulle" - ich nenne das Bereicherung auf Kosten
der anderen. Am schlimmsten sind die Gewerkschaften der Klinikärzte,
der Fluglotsen, der Piloten und der Zugführer.
Von Mindestlöhnen sollten wir die Finger lassen. Mit der Einführung
eines generellen Mindestlohns z.B. von 7,50 Euro würde die Wirtschaft
noch mehr Kollegen (vor allem solche ohne Berufsausbildung) in die Langzeitarbeitslosigkeit
verabschieden als bisher schon, weil sie dann nicht mehr gewinnbringend
beschäftigt werden können. Ist der Mindestlohn dagegen so niedrig
wie etwa in den USA (5,15 $), dann hat er kaum irgendwelche Auswirkungen,
weder negative noch positive. Im Übrigen gilt: Wer für wenig
Geld arbeitet, hat in aller Regel auch einen Grund dafür, etwa dass
ein besserer (oder näher gelegener) Job für ihn nicht so leicht
zu finden ist (z.B. auch für Strafentlassene).
Bislang wurden zum Beispiel im Baugewerbe, in bestimmten Handwerksberufen,
in der Altenpflege und in der Gebäudereinigungsbranche Mindestlöhne
eingeführt. Damit sind die Job-Alternativen für viele noch rarer
gesät als zuvor. So entmündigt der Staat den Einzelnen und verbaut
ihm noch stärker als bislang die Möglichkeit, den Job zu behalten,
zu wechseln oder überhaupt erst einmal (wieder neu) am Arbeitsleben
teilzunehmen. Staatlich vorgegebene Lohnuntergrenzen bevormunden die Bürger,
denn es ist ja keiner gezwungen, zu einem niedrigeren Lohn zu arbeiten.
Wenn man nichts anderes findet, dann gibt der Markt einfach nicht mehr
her, wie in weiten Teilen Ostdeutschlands. Vor allem dort zerstört
der Mindestlohn Arbeitsplätze und die Entlassenen sind dann nicht
nur Aufstocker, die einen Kombilohn bekommen. Sie werden zu 100 Prozent
vom Staat abhängig, und das ist gegen die Menschenwürde! Immer
mehr von ihnen nutzen den Zeitgewinn, um schwarz zu arbeiten.
Eine nachhaltige und sozial gerechte Sozialpolitik kann nicht dadurch
betrieben werden, dass man die Löhne künstlich anhebt, also
über das Maß, das sich am Arbeitsmarkt auch von alleine ergeben
würde. Wir Europäer versuchten es dennoch und drängten
dadurch Millionen von Menschen in die Arbeitslosigkeit und an den Rand
der Gesellschaft. Löhne haben in der Marktwirtschaft genau wie Preise
eine wichtige Lenkungs- und Signalfunktion. Die Massenarbeitslosigkeit
verdanken wir nicht dem Kapitalismus sondern dem Umstand, dass wir die
Lohnhöhe dem freien Spiel von Angebot und Nachfrage entzogen haben.

Arabische Clans und die Asylpolitik
Die Sentimentalität, die Politik und Rechtsprechung in Deutschland
seit den 68-Jahren weitgehend prägt, ist bei genauerem Hinsehen kontraproduktiv,
ja oft menschenverachtend. So hat man in den vergangenen Jahrzehnten Wirtschaftsflüchtlinge
aus Afrika und den arabischen Staaten nicht konsequent genug wieder in
ihr Land zurückgeschickt. Viele bekamen irgendwann doch die Gelegenheit
auf dem Arbeitsmarkt oder auf dem Markt für Schwarzarbeit Fuß
zu fassen. Auf diese Weise ist der Wanderungsdruck erst entstanden, der
jährlich zehntausende Afrikaner und Araber veranlasst, Familie und
Arbeitsplatz zu verlassen, um mit der Unterstützung von Schlepperbanden
eine lange und lebensgefährliche Reise nach Europa anzutreten. Diejenigen,
die es bis zur Küste geschafft haben, werden gegen Bares in alte
Kähne gepfercht, um über das Mittelmeer oder den Atlantik europäisches
Festland zu erreichen. Jahr für Jahr kommen Tausende dabei ums Leben.
Andere werden Monate oder Jahre später wieder zurückgeschickt,
sind hoch verschuldet und stehen vor dem Nichts.
Auf der zu Ägypten gehörenden Sinai-Halbinsel haben in den
vergangenen Jahren Beduinenstämme Tausende Flüchtlinge, die
nach Israel wollten, eingefangen und ihnen mit Hilfe korrupter Mediziner
aus Kairo an Ort und Stelle die Organe entnommen (Welt
vom 18.11.2011). Danach pflegt man die Männer und Frauen aus
dem Sudan und aus Eritrea ihrem Schicksal zu überlassen: "Wenn
die Ärzte in ihren schweren Geländewagen abfahren, bleiben die
aufgeschnittenen und nur dürftig wieder zusammengenähten Leiber
als menschlicher Abfall im Wüstensand zurück". Die Organe
werden unter anderem nach Europa verkauft, wo es zum Beispiel immer mehr
Diabetiker gibt, die fünf Jahre und länger auf eine neue Niere
warten. Die Wirtschaftsflüchtlinge zahlen an Schleuserorganisationen
rund 2000 Euro pro Person, um in den Sinai zu gelangen. Im Jahr 2010 schafften
es 14.000 von dort über die Grenze nach Israel.
Das Gutmenschentum des Westens beweist hier einmal mehr, dass es aus
hoffnungslosen Dünnbrettbohrern besteht, die auf versteckte und vertrackte
Art und Weise zur Armut in der Dritten Welt beitragen:
a) Durch die Agrarexportsubventionen, welche
die Preise auf vielen lokalen Märkten in Afrika, Südamerika
und Asien kaputt machen und damit den Ärmsten der Armen die Lebensgrundlagen
entzieht.
b) Durch die Pseudo-Hilfsbereitschaft gegenüber Armutsflüchtlingen,
die einen Einwanderungssog aufbaut.
c) Durch die Produktion von immer mehr Wohlstandskranken, für welche
die Versicherungsgemeinschaft Organtransplantationen in steigender Zahl
finanziert. Die Beschaffung der benötigten Organe überlässt
man stillschweigend zu einem guten Teil der Organisierten Kriminalität,
die hierfür afrikanische Flüchtlinge gegen ihren Willen ausschlachtet!
Für unsere Kranken, die sich auf Grund falscher Anreize zum großen
Teil selbst heruntergewirtschaftet haben, heuern wir mit anderen Worten
Organhändler an, die Flüchtlinge als Ersatzteillager missbrauchen.
Flüchtlinge wohlgemerkt, die es ohne a) und b), also ohne unsere
ach so menschliche Rechtsanspruchs-Gesellschaft gar nicht geben würde!
Ich weigere mich, über den Horror ins Sinnieren zu kommen, ohne
zuvor festgehalten zu haben, dass es auch hier vor allem Lösungen
gibt:
1) Wir brauchen ein Organspende-Gesetz auf Grundlage der Widerspruchsregelung:
Jeder kann Organspender werden, der sich nicht ausdrücklich dagegen
ausgesprochen hat.
2) Zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen und zur Eindämmung
des immer mehr um sich greifenden illegalen Organhandels müssen sich
Patienten zu 20 bis 30 Prozent an den Kosten von Operationen und anderen
medizinischen Behandlungen beteiligen. Von dem gegenwärtigen
(als Solidargemeinschaft getarnten) Ausplünderungssystem habe ich
die Nase voll. Am 19.09.2011 habe ich daher mit einer Aktion
des zivilen Ungehorsams begonnen.
3) Die Asylverfahren werden beschleunigt und Wirtschaftsflüchtlinge
werden ausnahmslos wieder in ihre Heimatländer abgeschoben. Es darf
keine Ausnahmen mehr geben! Auch Frauen und Kindern nützt es nichts,
wenn sie hier im goldenen Käfig vor sich hin dösen anstatt sich
in der Heimat etwas aufzubauen. Wir müssen damit aufhören, mit
unserer sentimentalen Pseudo-Hilfsbereitschaft einen Einwanderungssog
nach Europa, Israel oder sonst wohin aufrecht zu erhalten!
Thilo Sarrazin hat daran erinnert, dass Auswanderung nach Europa für
die exponentiell wachsende Bevölkerung in Afrika und dem Nahen und
Mittleren Osten nur eine minimale Linderung der Überbevölkerung
bedeuten kann: Wie hoch diese Migrationsraten auch immer sein mögen,
sie können niemals hoch genug sein, um eine wirkliche Entlastung
in den Herkunftsländern zu bewirken: 2010 stehen den 7,7 Millionen
Geburten in ganz Europa und den 650 000 Geburten in Deutschland über
40 Millionen Geburten in Afrika und dem westlichen Asien gegenüber
(Deutschland
schafft sich ab
S. 333). Für diesen noch dazu fragwürdigen Tropfen auf den heißen
Stein dürfen wir Europa nicht aufs Spiel setzen.
Theoretisch könnten die Industrienationen ihre Grenzen für
alle Einwanderer aufmachen. Das ginge jedoch nur, wenn alle Lohnuntergrenzen
und Mindestlöhne abgeschafft würden und die Einwanderer durch
ihrer Hände Arbeit für ihr Auskommen sorgen würden. Die
Löhne für einfachere Arbeit würden dann bei uns so lange
sinken, bis kein weiterer Türke, Araber oder Afrikaner in Europa
mehr einwandern will, weil es sich nicht lohnt. Da zig Millionen Einwanderer
immer mehr "Eingeborene" mit ihren bescheidenen Lohnansprüchen
aus dem Arbeitsmarkt verdrängen würden, müssten wir aus
Kostengründen außerdem Hartz IV und praktisch alle anderen
Transferleistungen ersatzlos streichen. Wirtschaft und Gesellschaft Europas
würden sich in weiten Teilen den Verhältnissen in Afrika und
dem Nahen Osten angleichen. Wollen wir das?
Die bekannte Jugendrichterin Kirsten Heisig aus Berlin-Neukölln
kritisierte in ihrem Buch Das
Ende der Geduld: Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter ,
dass ganze Großfamilien aus arabischen Staaten in Deutschland einwandern
konnten, die vom Kindergeld und anderen staatlichen Transfers leben und
vielfach ihr Einkommen durch Drogenhandel, Raub und Diebstahl aufbessern
(siehe auch Spiegel-Online vom 26.10.2010: Staat
kuscht vor kriminellen Clans). Diese Großfamilien rekrutieren
laut Heisig fortwährend auch fremde Jugendliche und Kinder z.B. aus
dem Libanon, um sie als Drogendealer einzusetzen (CD2, Track 7 und 8).
Sie wirft den Behörden vor, zurückzuschrecken vor der kriminellen
Energie und dem Zusammenhalt der Clans: "Ich selbst habe mich im
Interesse der Kinder ausführlich mit einzelnen Familien beschäftigt
und aus Anlass von Strafverfahren die Probleme beim Familiengericht vorgetragen,
wo sie seit mindestens 20 Jahren hingehört hätten. Niemand hat
jedoch bisher diesen Weg beschritten, und es liegt auch auf der Hand weshalb:
sozialromantische Verblendung gepaart mit blanker Angst. Ich bin inzwischen
zu der Auffassung gelangt, dass die Furcht vor den kriminellen Großfamilien
alle anderen Aspekte bei weitem überwiegt, denn hinter vorgehaltener
Hand heißt es: 'Man kann kein Kind zwangsweise aus einem arabischen
Clan nehmen. Die Familien erschießen jeden, der das versuchen sollte'."
(siehe Spiegel-Artikel
vom 19.07.2010 und RTL-TV-Bericht über die kriminelle
Vereinigung "M" in Bremen). Kirsten Heisig verstarb Ende
Juni 2010, es soll Selbstmord gewesen sein.
Der Staat muss sein Gewaltmonopol auch gegenüber arabischen Einwandererfamilien
durchsetzen, unter allen Umständen! Kirsten Heisig plädierte
für die Ausweisung von Migranten, die denken, sie könnten sich
über Recht und Gesetz in unserem Land hinwegsetzen: "Wenn der
deutsche Staat diese Familien weiterhin im Land belässt und sie jahrzehntelang
ohne jede Gegenleistung unterstützt, obwohl sie die Gesellschaft
hemmungslos schädigen, blamiert er sich aufs Äußerste
und lädt zur Nachahmung ein. Ich gebe auch zu bedenken, dass
wir gegenwärtig das Heranwachsen von Kindern unter kriminogenen Entwicklungsbedingungen
gestatten, obwohl es unsere Pflicht wäre, diese Kinder vor ihren
Eltern und älteren Geschwistern zu schützen" (Das
Ende der Geduld :
Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter). Durchsetzen muss der Staat
das Gewaltmonopol außerdem gegenüber Rechts- und Linksextremisten,
Rockerbanden und sonstigen mafiösen Strukturen. Am 3. November 2011
gab es in Walsrode einen Brandanschlag und eine Morddrohung gegen einen
Rechtsanwalt, der die "Hells Angels" öffentlich kritisiert
hatte. Doch die Bevölkerung der niedersächsischen Gemeinde und
insbesondere die Walsroder Zeitung kuschen vor der Rockerbande, weil einer
der Gang-Mitglieder dort investiert und Arbeitsplätze geschaffen
hat (NDR-Bericht
vom 09.11.11 auf Youtube).

Parallelgesellschaften von Inländern
Oswald Metzger hat in einem Zeitungsartikel darauf aufmerksam gemacht,
dass es auch Parallelgesellschaften von Inländern gibt und meint
damit die sogenannten bildungsfernen Schichten (Fuldaer
Zeitung vom 10.09.2010). Zum Anwachsen der Unterschicht maßgeblich
beigetragen hat die Ausgestaltung des Arbeitslosengeldes 2 als Lohnersatzleistung
(statt als Lohnergänzungsleistung bzw. als Kombilohn). Hartz 4 wird
auf Grund des Kinderzuschlags sinnigerweise dann in maximaler Höhe
ausbezahlt, wenn ein Paar zwei oder mehr Kinder hat und ganz aufhört,
am Produktionsprozess teilzunehmen. Für die weiblichen und männlichen
Unterschichtsangehörigen ist dies (neben dem Anspruch auf Sozialwohnung,
Wohngeld, Kindergeld und die beitragsfreie Mitversicherung in der GKV)
das Signal, Kinder in die Welt zu setzen, um den Status der Hilfsbedürftigkeit
zu erlangen!
Thilo Sarrazin (SPD), der ehemalige Finanzsenator Berlins, warnte schon
im Mai 2009 davor, die sozialen Probleme mit mehr Geld lösen zu wollen.
Die Politik müsse vielmehr darauf hinwirken, das Verhalten der Menschen
zu ändern: "Die große Frage ist: Wie kann ich es schaffen,
dass nur diejenigen Kinder bekommen, die damit fertig werden", sagte
er der Illustrieren
Stern. Gegenwärtig würden manche Frauen zwei, drei oder
mehr Kinder in die Welt setzen, obwohl sie nicht das Umfeld oder die persönlichen
Eigenschaften hätten, um die Erziehung zu bewältigen. Deswegen
müsse das Sozialsystem so geändert werden, "dass man nicht
durch Kinder seinen Lebensstandard verbessern kann". Egal ob es Einheimische
oder Leute mit Migrationshintergrund betrifft, ich plädiere nicht
zuletzt aus sozialen Gründen dafür, die Sozialhilfe auch für
Familien drastisch zu kürzen, sie teilweise auf Sachleistungen umzustellen
und (oder) wie in den USA auf fünf Jahre insgesamt zu begrenzen (siehe
Gunnar Heinsohn in der FAZ
vom 16. März 2010). Für neu Eingewanderte fordere ich ohnehin
die von Hans-Werner Sinn vorgeschlagene (um fünf bis zehn Jahre)
verzögerte Integration in das Sozialsystem
Deutschlands.
Der Versorgungsstaat erzeugt eine Sogwirkung, die vor allem Niedrigqualifizierte
dazu bringt, ihren Arbeitsplatz aufzugeben und lieber Kinder zu kriegen
als sich um einen neue Stelle zu bewerben. Der Kinderwunsch entspringt
in diesem Milieu oft fast ausschließlich wirtschaftlichen Erwägungen,
weil man mit Hartz IV plus Kinderzuschlag plus dem Nebenverdienst aus
der Schwarzarbeit oder einem Minijob ein höheres Einkommen als durch
eine Berufstätigkeit erzielen kann. Wenn der Staat eines Tages endgültig
Pleite ist und um tiefe Einschnitte bei der Sozialhilfe nicht herumkommt,
werden auch diese Leute vor dem Nichts stehen. Bei alledem ist nicht verwunderlich,
dass die Zahl der Kindesmisshandlungen steigt, und dass sie in der Unterschicht
besonders hoch ist. Genauso wenig kann überraschen, dass immer mehr
Kinder armutsgefährdet sind! Der Staat kann den Nachwuchs nur in
krassen Notfällen so gut versorgen wie die traditionelle Vater-Mutter-Kind-Familie
unter der Bedingung wirtschaftlicher Freiheit.
Spiegel-TV stellt die 19jährige alleinerziehende Mutter eines einjährigen
Sohnes vor. Außer der Berechtigung zum Billigsteinkauf bei der "Tafel"
und weiteren Vergünstigungen bekommt die Offenbacherin von Vater
Staat 1377 Euro monatlich (495 Euro Hartz IV, 184 Euro Kindergeld, 512
Euro für die Miete, 186 Euro für die Tagesmutter). Hinzu kommen
31 Euro Unterhalt vom Ex, der anscheinend gerade nicht flüssig ist,
dafür aber später umso mehr zur Kasse gebeten wird (Spiegel-TV:
Arbeit
lohnt sich nicht). "Alleinerziehend ist mittlerweile gar nicht
mehr sooo schlimm", sagt die junge Frau (siehe auch FAZ vom 24.01.2010:
Alleinerziehende
- Die Hätschelkinder der Nation).
Außer den Hartz-4-Leistungen stellt natürlich auch das Elterngeld
einen Anreiz dar, Kinder zu haben, nötigenfalls gerne ohne Mann,
denn auch
Alleinerziehende haben Anspruch darauf. Für Alleinerziehende
gibt es obendrein Geld in Form des Kindesunterhalts sowie des Betreuungsunterhalts,
was jeweils der Vater zu bezahlen hat. Beim letzterem handelt es sich
um eine Art Erziehungsgehalt. Sprich: die Herdprämie für alleinerziehende
Mütter! Während die Politik Milliarden ausgibt, damit Familienfrauen
ihr Kind bereits nach einem Jahr in die Kinderkrippe geben können,
stimmt der Staat ausgerechnet bei den Alleinerziehenden ein Lob auf die
Hausfrauenromantik an! Es
sollte genau umgekehrt sein. Zu guter Letzt ist für viele geringverdienende
Väter die erhebliche Last der Unterhaltspflicht ein Grund mehr, dauerhaft
auf Hartz-IV zu machen. Denn wo nichts ist, kann weder die Ex noch der
Staat im Zuge der Regresspflicht etwas holen.
Mit dem allem muss jetzt Schluss sein. Proletarier aller Länder,
vereinigt Euch, rufe ich mit Karl Marx und Friedrich Engels (Manifest
der Kommunistischen Partei 1848) den Leidensgenossen zu! Und das nicht
unbedingt unter umgekehrten Vorzeichen sondern im Bewusstsein der sozialpolitischen
Bedeutung marktwirtschaftlicher Reformen vor allem in Deutschland. Hans-Werner
Sinn, dem zuzuhören viele nur deshalb nicht für nötig halten,
weil sie ihn und seine Thesen mit dem Label neoliberal als indiskutabel
hinstellen, hat es auf den Punkt gebracht: "Marx, Bebel und Lassalle
würden sich im Grabe umdrehen, müssten sie erleben, wie die
gewerkschaftliche Kartellpolitik ein neues Proletariat schafft, das bereits
seine Kinder daran gewöhnt, dass es für sie keinen Platz in
der Gesellschaft gibt" (Ist
Deutschland noch zu retten? 3. Auflage 2005, S. 152).
Bar jeglicher Vernunft fordern sie höhere Lohneinkommen als die
volkswirtschaftliche (im Unterschied zur betriebswirtschaftlichen) Produktivitätssteigerung
hergibt. Sie fordern höhere Sozialtransfers als sich der Staat leisten
kann, obwohl die überhöhten Löhne, Lohnzusatzkosten und
die extrem hohe Steuerprogression die Arbeitslosigkeit erst hervorgebracht
haben. In einer relativ geschlossenen Volkswirtschaft alter Prägung
hätte man sich den Luxus vielleicht noch leisten können. Nicht
aber unter der Bedingung einer schnell voranschreitenden Globalisierung,
weltweiter Arbeitsteilung und Lohnkonkurrenz sowie dem raschen Wissenstransfer
über das Internet. Unser Wissensvorsprung schmilzt wie das Eis in
der Sonne, man denke nur an die Joint Ventures mit chinesischen Firmen
oder die Übernahme vom Konkurs bedrohter westlicher Unternehmen durch
finanzstarke Konzerne aus den Schwellenländern. Wenn
wir unflexibel sind, wenn wir gegen die Kräfte der Marktwirtschaft
und der Globalisierung ankämpfen, anstatt sie uns zu Nutze zu machen,
droht unsere Gesellschaft zu zerspringen wie Glas.

Wir fordern daher:
1) Öffnung der Tarifverträge nach unten und Zulassung betrieblicher
Bündnisse für Arbeit. Flächentarifverträge sollen
nur noch den Charakter von unverbindlichen Zielvorgaben haben. Der Arbeitsmarkt
soll wieder zu einem wirklichen Markt werden, wo Angebot und Nachfrage
den Preis, sprich den Lohn bestimmen. Kurz: Notwendig ist eine stärkere
Lohnspreizung. Da das Angebot an durchschnittlich qualifizierten Arbeitskräften
hoch ist, wird sich der Lohn bei einem Niveau einpendeln, das zehn bis
15 Prozent unter dem heutigen liegt - bei Niedrigqualifizierten jedoch
eher um 30 Prozent tiefer. Sozial ist, was Arbeit schafft! Minijobs (400-Euro-Jobs)
sollten Arbeitslosen und Menschen mit geringem Einkommen (z.B. Rentnern
mit einer niedrigen Rente) vorbehalten sein. Laut Arbeitsamt arbeiten
in Deutschland fast fünf Millionen Menschen ausschließlich
als Minijobber! (Welt
vom 26.04.2011).
Solange der Arbeitsmarkt nicht weitgehend liberalisiert ist, brauchen
wir die Leiharbeit! Die Flexibilität durch Zeitarbeit ist ein wichtiger
Faktor für unsere momentan große Wirtschaftskraft. Wer sie
beschädigt, leistet einer weiteren Verknöcherung Deutschlands
Vorschub! Das Nachsehen haben Berufseinsteiger, Wiedereinsteiger(innen)
und ältere Arbeitslose, beeinträchtigt wird aber auch die Innovationskraft
hiesiger Unternehmen. Vor allem die Langzeitarbeitslosigkeit können
wir mit hohen Löhnen nicht in den Griff bekommen. Wenn die Zeitarbeitsunternehmen
aus dem Spiel geworfen werden, wird es nur wenig mehr regulär Beschäftigte
geben, dafür aber umso mehr Arbeitslose. Wir müssen aber im
Gegenteil die Barrieren für den Berufseinstieg
oder für berufliche Veränderungen abbauen! Dessen ungeachtet
hat sich das Bundesarbeitsgericht am 14. Dezember 2010 wieder einmal auf
die Seite der Gewerkschaften bzw. der Arbeitsplatzinhaber geschlagen.
Es hat die niedriger dotierten Tarifverträge der Tarifgemeinschaft
christlicher Gewerkschaften für Zeitarbeit aus formalen Gründen
für nichtig erklärt (Welt online: Gericht
stürzt Zeitarbeit in ihre größte Krise).
2) Abschaffung des Kündigungsschutzes als das Einstellungshemmnis
Nr. 1 - in einem ersten Schritt zunächst nur für neu eingestellte
Arbeitnehmer und Beamte. Auch fordere ich die Abschaffung jeglicher Abfindungen
und Sozialpläne bei Verlust des Arbeitsplatzes. Wer seinen Arbeitsplatz
verliert, soll froh sein, dass er einen hatte und bislang in Lohn und
Brot gestanden war. Ein Arbeitsvertrag ist kein Ehevertrag! Der beste
Schutz vor Kündigung ist immer noch die Vollbeschäftigung, und
darauf sollten wir hinarbeiten! Ich sehne die immer wieder an die Wand
gemalten amerikanischen Verhältnisse regelrecht herbei! Das von den
Linken verteufelte Prinzip des Hire und Fire klingt für mich mittlerweile
eher wie eine Verheißung, denn nach dem Fire kommt wieder das Hire.
In den USA gibt es weit weniger Langzeit-Arbeitslose.
Fällt der Kündigungsschutz, dann sind die Gewerkschaften auch
gezwungen, sich mit weiteren Lohnforderungen zurückzuhalten. Denn
ohne Kündigungsschutz würde ihrer Klientel, die Arbeitsplatzbesitzern,
jedes Mal eine Kündigungswelle drohen, wenn sie den Bogen überspannen
und ihre Lohnforderungen über den gesamtwirtschaftlichen Produktionsfortschritt
hinausgehen.
3) Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall wird eingeschränkt.
4) Gründung einer Gewerkschaft der Arbeitslosen und Prekariats-Beschäftigten,
die für Lohnflexibilität nach unten eintritt, die gegen Besitzstände
der Arbeitsplatzbesitzer kämpft und gegen Mindestlöhne. Erwerbslose
und von Arbeitslosigkeit bedrohte Arbeitnehmer sollen bei den Tarifverhandlungen
ein Wörtchen mitzureden haben. Dies kann dazu beitragen, die unheilige
Allianz zwischen Unternehmern und Arbeitsplatzbesitzern aufzubrechen.
5) Gründung einer liberalkonservativen Partei (siehe www.liberalkonservative.de).
Sie ist wirtschaftsliberal und wertkonservativ. Anders als die anderen
Parteien setzt sie auf die bürgerliche Familie, betont den Vorrang
der Ehe von Mann und Frau vor anderen Lebensformen und wendet sich gegen
eine Forcierung der Berufstätigkeit von jungen Müttern. In Abgrenzung
zur FDP plädiert sie beim Thema innere Sicherheit trotz aller Liberalität
für eine stärkere Präsenz des Staates zum Schutz vor Kriminalität,
Terrorismus und anderen Bedrohungen der öffentlichen Ordnung und
Gesundheit.
6) In den bestehenden Tarifverträgen wird die Arbeitszeit auf das
Durchschnittsniveau der Industrieländer erhöht. Dies kann durch
eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit, der Monatsarbeitszeit, der Jahres-
oder Lebensarbeitszeit bewerkstelligt werden. Der Ostermontag, der 1.
Mai, der Pfingstmontag, Fronleichnam, Christi Himmelfahrt und Allerheiligen
werden als gesetzliche Feiertage abgeschafft. An diesen Tagen soll gearbeitet
werden, was einen Gottesdienstbesuch nach Feierabend keineswegs ausschließt.
7) Abschaffung der betrieblichen Mitbestimmung. Über Investitionen
sollen auch in den Aktiengesellschaften allein die Investoren entscheiden!
Wer bezahlt, der soll das Sagen haben, und das sind nun mal die Anteilseigner.
Die Mitbestimmung im Aufsichtsrat (Mitbestimmungsgesetz von 1976) ist
weltweit ohne Beispiel und muss als Standortnachteil angesehen werden.
Wenn wir auch in Deutschland, wie sonst fast überall in der Welt,
dem Shareholder-Value-Prinzip zum Durchbruch verhelfen, dann tun wir etwas
gegen den Investitionsstreik, der sich im Kapitalexport und der zunehmenden
Verlagerung der Produktion ins Ausland manifestiert. Wollen wir die Arbeitslosigkeit
wirklich nachhaltig abbauen, dann müssen wir Investoren aus dem In-
und Ausland Gewinne ermöglichen, welche die in Osteuropa, Indien
und China oder anderswo zu erzielenden Renditen möglichst noch übertreffen.
Artikel 14,2 des Grundgesetzes ("Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch
soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.") steht dem nicht
im Wege. Wir sagen: Eigentum verpflichtet Profite zu machen, um Arbeitsplätze
schaffen zu können. Nichts, aber auch gar nichts würde dem Wohle
der Allgemeinheit besser dienen!
Belegschaftsmitglieder und Gewerkschafter sollen im Aufsichtsrat, wo
grundlegende unternehmerische Entscheidungen getroffen werden, nur noch
als Beobachter ohne Stimmrecht teilnehmen. Der Einfluss der Belegschaft
auf die strategische Ausrichtung des Unternehmens kann dadurch gestärkt
werden, dass ein Teil des Lohnes als Investivlohn zum Bespiel in Form
von Aktien des eigenen Unternehmens ausbezahlt wird. In der Hauptversammlung
können die Arbeitnehmer dann als Anteilseigner ihren Einfluss geltend
machen - und zum Beispiel auch über die Managergehälter und
die Abfindungen für ausscheidende Manager entscheiden. Darüber
hinaus gibt es ja noch die Betriebsräte.
Ein weiterer Vorteil der Sparlohnkomponente: Die so genannten abhängig
Beschäftigten könnten sich auf diese Weise einen Kapitalstock
ansparen und wären eben nicht mehr ausschließlich auf die gezahlten
Löhne (oder auf staatliche Unterstützung) angewiesen. Die Gewerkschaften
hatten sich in den 1970er Jahren gegen den Investivlohn und für die
(fast) paritätische Mitbestimmung entschieden. Das versprach ihnen
zum einen lukrative Posten in den Aufsichtsräten. Zum anderen erleichterte
es, Arbeiter und Angestellte bei Arbeitskämpfen mit der üblichen
Klassenkampf-Rhetorik gegen Arbeitgeber, Unternehmer, Investoren und Manager
aufzuhetzen, als wären wir kein Hochlohnland sondern befänden
uns noch im Stadium des Frühkapitalismus. Dabei haben Arbeitskämpfe
mit Klassenkampf herzlich wenig zu tun. Für die erstreikten Lohnerhöhungen
bezahlen nicht etwa die Unternehmer sondern in zahlreichen Fällen
die aus der Sicht der betroffenen Betriebe weniger produktiven Kollegen,
und zwar mit dem Verlust des Arbeitsplatzes. Für die egoistische
und doch nur am kurzfristigen Erfolg orientierte Hochlohnpolitik der Gewerkschaften
bezahlen außerdem die Arbeitslosen und die Steuerzahler (vor allem
jüngerer und zukünftiger Generationen). Bei Monopolen wie z.B.
den deutschen Elektrizitätsunternehmen und Gasversorgern müssen
die Kunden für die erhöhten Lohnkosten aufkommen.
8) Einführung der vom Ifo-Institut und Hans-Werner Sinn entwickelten
"aktivierenden Sozialhilfe", bei der Geringverdiener staatliche
Lohnzusatzleistungen bekommen, um Ihren Lebensunterhalt trotz niedriger
Löhne zu bestreiten. Für Arbeitsunwillige werden die Hartz-IV-Leistungen
um ein Drittel gekürzt. Die staatlichen Zuschüsse sollen so
gestaltet sein, dass es bei jeder Einkommenshöhe einen Anreiz gibt,
mehr zu verdienen, um auf die Staatsknete so bald wie möglich nicht
mehr angewiesen zu sein.
Die Mitnahme-Effekte,
die gegen ein solches auch von der CDU gefordertes Kombilohn-Modell ins
Feld geführt werden, kosten den Staat (vorübergehend) zwar eine
Menge Geld, sind aber Programm. Viele Betriebe in der Industrie und im
Handwerk werden sich mit einer großen Zahl Arbeitswilliger konfrontiert
sehen, die bereit sind, auch zu niedrigen Löhnen zu arbeiten, und
werden dies auszunutzen. Vor allem bei einfachen Tätigkeiten werden
die Löhne fallen, wenn und insoweit keine Tarifverträge dem
im Wege stehen. Die Lohnsenkung wird zur Schaffung von neuen Arbeitsplätzen
führen, die durch eine Art negative Einkommenssteuer (wie seit den
70er Jahren in den USA) aufgestockt würden, so dass es zum Leben
reicht. Auch bei bestehenden Arbeitsverhältnissen würden die
Löhne vor allem niedrig qualifizierter Arbeitnehmer unter Druck geraten.
Entlassungen und Neueinstellungen zum niedrigeren Kombilohn würden
nicht ausbleiben. Indess würden die Löhne nicht ins Bodenlose
fallen, sondern allenfalls bis zum markträumenden Niveau. Mit sinkender
Arbeitslosigkeit würden sie wieder ansteigen, da bei einem höheren
Beschäftigungsgrad ein massives Wirtschaftswachstum erwartet werden
kann, in dessen Folge sich die Unternehmen die Arbeitskräfte mit
erhöhten Lohnzugeständnissen gegenseitig abwerben.
9) Liberalisierung und Entrümpelung des Mietrechts zugunsten der
Vermieter. Gegenüber säumigen Mietern kann die Zwangsräumung
der Wohnung nicht nur angedroht sondern bald darauf auch praktisch durchgesetzt
werden. Für eine Fristverlängerung soll nicht länger eine
Teilzahlung ausreichend sein. Die Liste der Härtefallregelungen wird
auf das Notwendige reduziert. Kampf den Mietnomaden! Wenn
die Rechte der Vermieter gegenüber Mietern, die Wohnungen verkommen
lassen oder zerstören, gestärkt werden, bieten sie auch wieder
mehr Wohnraum zur Vermietung an. Und ein größeres Wohnraumangebot
ist immer noch der beste Mieterschutz!

Abschaffung der GEZ-Gebühren
10) Privatisierung der öffentlich-rechtlichen Sender und Abschaffung
der GEZ-Gebühren. Bis 14. Juni 2010 lautete die Forderung lediglich:
"Die Intendanten der öffentlich-rechtlichen Sender werden direkt
vom Volk gewählt". Doch Eva
Hermans Buch über die Hintergründe und Folgen ihres Rauswurfs beim NDR
und aus der Talkshow
von Johannes B. Kerner am 9. Oktober 2007 im ZDF, die phasenweise
einem Schauprozess glich, erhärten den Verdacht, dass der öffentlich-rechtliche
Rundfunk keine Bereicherung bei der Sicherung einer ausgewogenen Berichterstattung
bzw. eines pluralistischen und verantwortungsvollen Programmangebots ist.
Im Gegenteil: Der Einfluss von Parteien und Verbänden, die Intransparenz,
die informellen Netzwerke und Seilschaften sowie die Rigidität
bei der Gebühreneintreibung zeichnen das Bild eines bürokratischen
Molochs, der noch weniger wie privatwirtschaftlich organisierte Medien
vor Desinformation zurückschreckt. Dass die Hitliste
der Talkgäste ganz offensichtlich von den Linken dominiert ist,
rückt ARD und ZDF vollends in Richtung Staatsfernsehen und Propaganda!
(siehe auch Welt-TV
über das Versagen der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender
bei der Berichterstattung über den Rücktritt des ägyptischen
Präsidenten Husni Mubarak am 11.02.2011).
Das Abendprogramm des ersten und zweiten Kanals scheint sich zu einem
Spartenfernsehen für depressive Problemfilm-Fetischisten entwickelt
zu haben. Selbst der sprichwörtliche Blinde mit dem Krückstock
spürt die unzähligen Machwerke heraus, die ohne die staatliche
Filmförderung wohl kaum entstanden wären. Der Konsument kann
eine Zeitung, die ihm nicht passt, abbestellen. Werbetreibende Unternehmer
können einen Privatsender, der ihnen nicht gefällt, links liegen
lassen. Zur Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehsender
werden wir Bürger jedoch mit allen juristischen Finessen und Winkelzügen
sowie durch die Androhung von hohen Strafzahlungen oder Gefängnis
vom Staat gezwungen. Presse, Hörfunk und Fernsehen sind aber keine
Aufgaben des Staates!
Friedrich Nietzsche fand für die moderne Wegelagerei starke Worte.
In "Also sprach Zarathustra" (1883) gibt es ein Kapitel über
den neuen
Götzen, eine schonungslose Abrechnung mit dem Wohlfahrtsstaat.
Zitat: "Vernichter sind es, die stellen Fallen auf für viele
und heißen sie Staat: sie hängen ein Schwert und hundert Begierden
über sie hin. Wo es noch Volk gibt, da versteht es den Staat nicht
und haßt ihn als bösen Blick und Sünde an Sitten und Rechten".
Auch bei mir zieht sich die Forderung nach weniger Staat als roter Faden
durch die Argumentation, von der inneren und äußeren Sicherheit
einmal abgesehen. So plädiere ich gegen die tarifvertragliche Entlohnung
von Redakteuren. Sie stellt eine Zugangsbarriere zum Journalismus dar
und bedeutet mithin eine empfindliche Einschränkung der Presse- und
Meinungsfreiheit. Wahre Pressefreiheit ist
nur mit einem Arbeitsmarkt vereinbar, der nach dem Prinzip des Hire
and fire' funktioniert. Hier zeigt sich besonders deutlich, dass bürgerliche
Freiheiten am besten in einer freien Marktwirtschaft gedeihen.

Überwindung des Neofeudalismus
11) Der Bundespräsident, die Ministerpräsidenten der Länder,
die Bundesverfassungrichter und die Präsidenten der Rechnungshöfe
werden direkt vom Volk gewählt, um Parteibuchwirtschaft und Ämterpatronage
entgegenzuwirken und die Macht der Parteien einzuschränken. Die Zahl
der Ämter, welche die Parteien zu vergeben haben, wird auf das absolut
notwendige Maß begrenzt, denn es ist Zeit diese Überbleibsel
aus dem Feudalismus (Lehensvergabe und Vasallentreue) zu überwinden.
Wie erbärmlich ineffizient der öffentliche Dienst vielfach wirtschaftet,
selbst in den obersten Etagen, darauf machte Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin
bei einer FDP-Veranstaltung aufmerksam: "Am Montag gibt man Anweisungen
und bereitet sich ein bisschen vor, am Dienstagvormittag diskutiert man
intelligent in der Vorstandssitzung mit und am Dienstagnachmittag fragt
man sich, was man den Rest der Woche tun soll" (Als
Bundesbanker war die Arbeit dienstags getan, Welt vom 11.02.2011).
Was Sarrazin hier aus dem Nähkästchen plauderte, bestätigt
die Kritik von Hans Herbert von Arnim am Neofeudalismus der politischen
Klasse (Das
System .
Die Machenschaften der Macht). Mit der Möglichkeit der Vergabe von
unzähligen Posten und Pöstchen (bei staatlicher Finanzierung
derselben) haben sich die etablierten Parteien einen unverhältnismäßig
großen Einfluss auf die politische Willensbildung gesichert. Aus
diesem Grund fordern wir bei Bundes- und Landtagswahlen die Einführung
von flexiblen Listen, so dass der Wähler bei der Abgabe der Zweitstimme
durch Häufeln oder durch Hinzufügen eigener Kandidatenvorschläge
einen größeren Einfluss auf die Zusammensetzung der Parlamente
hat. Die Zahl der sicheren Listenplätze für Parteisoldaten oder
Quotenfrauen
wird so auf ein Minimum reduziert. Bis dato ist es so, dass jemand, der
etwas bewegen will, sich auf eine jahrelange, wenn nicht jahrzehntelange
Ochsentour machen muss, um sich innerhalb der Parteienhierarchie hochzudienen.
Und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass er am Ende bei der Postenvergabe
von einer gutaussehenden und 20 Jahre jüngeren Parteifreundin ausgestochen
wird.
Die Parteienfinanzierung aus dem Staatshaushalt (die seit den siebziger
Jahren um das zehnfache angewachsen ist) wird halbiert und an die Wahlbeteiligung
gekoppelt. Spenden und Mitgliedsbeiträge sollen nicht mehr steuerlich
abzugsfähig sein. Parteispenden werden nicht länger um 38 Prozent
aus dem Steuersäckel aufgestockt. Spenden an Parteien über 10000
Euro werden verboten. Die staatliche Finanzierung von Fraktionen, Parteistiftungen
und Abgeordnetenmitarbeitern wird abgeschafft. Die Diäten der Landtagsabgeordneten
werden halbiert, die (illegalen!) Fraktionszulagen gestrichen (siehe
Artikel in der Rheinischen Post vom 21.09.2010). Die Erhebung von
sogenannten Parteisteuern (Mandatsträgerbeiträge bzw. Mandatsabgaben
von Mandatsträgern an deren Parteien) wird verboten. Die Parteien
sollen sich den Staat nicht länger zur Beute machen!
Im Sinne der Gewaltenteilung dürfen wie in den USA und in England
Beamte und Angestellte des öffentlichen Dienstes prinzipiell nicht
für die Parlamente in Bund, Ländern und Kommunen kandidieren.
Die Einführung eines solchen Gesetzes ist laut Grundgesetz Artikel
137 kein Problem. Ausnahmen sind möglich, doch mit der Forderung
verbunden, dass der Staatsdiener nicht nur beurlaubt, sondern aus dem
Staatsdienst entlassen wird, und kein Recht hat wieder aufgenommen zu
werden. Darüber hinaus soll er auch nur eine anteilig gekürzte
Pension beanspruchen können.
12) Abschaffung der 5-Prozent-Hürde bei der Europawahl, den Bundestagswahlen,
den Landtagswahlen und den Kommunalwahlen.
13) Auf Bundesebene und in den Ländern werden Volksbegehren und
Volksentscheide mit erreichbaren Quoren und weitgehenden Befugnissen bis
hin zur Verfassungsänderung eingeführt.
14) Im Rahmen einer weiteren Reform des Föderalismus werden die
Zuständigkeiten von Bund und Ländern klar geregelt und so weit
wie möglich voneinander getrennt. Demokratie lebt davon, dass die
Wähler politische Erfolge und Misserfolge den jeweiligen Regierungen
in Bund und Ländern zurechnen können! Der Länderfinanzausgleich
wird abgeschafft. Hans-Olaf Henkel bezeichnet ihn als System
organisierter Verantwortungslosigkeit.
15) Staatsbedienstete werden nur noch in besonders sensiblen Bereichen
(z.B. Polizei, Zoll, Geheimdienste, Bundeswehr, Justiz, Pass- und Meldewesen)
verbeamtet. In den anderen Bereichen wie in Schulen, Universitäten,
Behörden und Unternehmen von Bund, Ländern und Gemeinden soll
das Beamtentum auslaufen. Beamte werden nicht mehr automatisch befördert,
sondern nach Leistung bezahlt. Die Beihilfe für die Krankheitskosten
von Beamten wird gestrichen. Die Staatsdiener werden ganz normal privat
krankenversichert und zahlen die Beiträge aus eigener Tasche. Darüber
hinaus wird aus den Bruttobezügen ein ausreichender Prozentsatz zur
Bildung von Rückstellungen für die Altersvorsorge abgezogen.
Im Gegenzug erhalten Beamte eine bessere Besoldung, so dass unter dem
Strich ihr Nettoeinkommen dem von vergleichbaren Angestellten gleichkommt.
Bislang haben Beamte nach Abzug von Steuern und Sozialversicherungskosten
ein höheres Nettoeinkommen als Angestellte! (Olaf Baale: Die
Verwaltungsarmee
- Wie Beamte den Staat ruinieren).

Rückbau der Renten- und Krankenversicherung
16) Im Interesse unserer Kinder und Enkel sowie der zukünftigen
Finanzierung der Altersversorgung werden die Renten schrittweise soweit
gekürzt, dass sie mit dem Prinzip der Nachhaltigkeit vereinbar sind.
Die Beamten-Pensionen werden bei einer Übergangsphase von drei Jahren
soweit gesenkt, dass sie mit den Renten in der freien Wirtschaft (einschließlich
durchschnittlicher Betriebsrente) vergleichbar sind. Die Zusatzrenten
der Angestellten im offentlichen Dienst werden ebenfalls gekürzt,
so dass sie die durchschnittliche Betriebsrente nicht übersteigen.
Die Renten der westdeutschen Rentner sinken auf das Niveau, das langfristig
durch die Beiträge ohne staatliche Zuschüsse auch finanzierbar
ist. Die Renten der ostdeutschen Rentner werden vom Staat übernommen
und so gedeckelt, dass Rentner, die zum Beispiel als verheiratetes Paar
zusammenleben, zusammen höchstens die durchschnittliche Rente westlicher
Rentner-Ehepaare bekommen. Zum Ausgleich bekommen Pensionäre und
Rentner das Recht, unbegrenzt hinzuzuverdienen. Die niedrigsten Renten
sollen, wenn keine anderen Einkommensquellen vorhanden sind, durch die
ergänzende Sozialhilfe nur so weit aufgestockt werden, dass z.B.
eine Heimunterbringung auf einfachstem Niveau gewährleistet ist.
Stopp der Frühverrentung von Arbeitern, Angestellten und Beamten.
Die Lebensarbeitszeit wird für Männer und Frauen ohne Übergangsfrist
auf 67 Jahre erhöht. Wer früher in Rente gehen will oder Altersteilzeit
in Anspruch nehmen will, muss versicherungsmathematisch korrekt berechnete,
also unter Umständen empfindliche Abschläge in Kauf nehmen.
Wer länger im Berufsleben bleiben will, kann dies ohne Probleme tun,
so dass das Renteneintrittsalter
faktisch abgeschafft wird, wie auch Wolfgang Clement fordert, der
ehemalige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen (SPD). Die Bezugsdauer
des Arbeitslosengeldes wird auf neun Monate reduziert - auch für
ältere Arbeitnehmer, die zur Zeit bis zu zwei Jahre aus der Kasse
der Bundesanstalt für Arbeit bezahlt werden (Welt
vom 10.08.2011).
Noch vor 120 Jahren waren die Alten arm dran, wenn sie keine Kinder hatten.
Dann kam die Rentenversicherung, die heute ausgerechnet den Kinderlosen
die höchsten Rentenansprüche beschert, weil man (und frau) sich
ganz auf die Karriere konzentrieren kann. Das muss aufhören. Es darf
nicht sein, dass derjenige am meisten profitiert, der am wenigsten beigetragen
hat! Die gesetzliche Rentenversicherung wird im Umlageverfahren finanziert
und ist somit nicht nur auf Beitragszahlungen, sondern auch auf Nachwuchs
angewiesen. Aus den Kindern werden die späteren Beitragszahler rekrutiert,
die dann die Rentenzahlungen an die Generation der Eltern ermöglichen
sollen.
Als zusätzliche Säule der Alterssicherung fordern wir daher
die Einführung der von Hans-Werner Sinn in seinem Buch "Ist
Deutschland noch zu Retten?" vorgeschlagenen Kinderrente. Diese
zusätzliche Rente wird von allen Erwerbstätigen, also auch von
Beamten und Selbstständigen finanziert. Leistungen bekommen jedoch
nur Beitragszahler, die Kinder großgezogen oder Unterhalt gezahlt
haben (S. 440 ff.). Die maximale Kinderrente bekommen Rentner, wenn sie
das Sorgerecht für drei Kinder hatten. Kinderlose und Paare, die
weniger als drei Kinder haben, können zur Aufstockung ihrer eigenen
Rentenbezüge eine private Rente abschließen.
Die vom Bundestag am 19. Juni 2009 auf Initiative von Arbeitsminister
Olaf Scholz (SPD) beschlossene Rentengarantie ist ein Skandal, ein Affront
gegenüber den nachfolgenden Generationen! Sie verhindert, dass die
gesetzlichen Renten reduziert werden, wenn die Löhne der Beschäftigten
sinken. Damit wurde das seit der 1957 von Bundeskanzler Konrad Adenauer
(CDU) initiierten Rentenreform geltende Prinzip der lohnbezogenen Rente
im Handstreich außer Kraft gesetzt. Und das nur, weil man befürchet,
die Durchschnittslöhne könnten in Zeiten der Krise erstmals
nach Jahrzehnten wieder sinken. Und natürlich weil sich die SPD und
CDU wenige Monate vor der Bundestagswahl durch dieses Wahlgeschenk mehr
Stimmen bei den rund 20 Millionen Rentnern erhoffen, obwohl diese erst
am 1. Juli 2009 die höchste Rentenerhöhung seit vielen Jahren
bekamen. Sogar SPD-Finanzminister Peer
Steinbrück hat die Rentengarantie kritisiert. Die Generationengerechtigkeit
wird mit Füßen getreten und der Beginn der Schuldentilgung
wird weiter in die Ferne gerückt, denn schon heute werden jedes Jahr
fast 80 Milliarden Euro Steuermittel zur Finanzierung der Renten ausgegeben,
rund 25 Prozent des Bundeshaushalts!
Anderes Beispiel: Seit dem Jahre 2002 haben die Deutsche Telekom, die
Post und die Postbank beinahe 25000 Beamte im Durchschnittsalter von 45
bis 48 Jahren wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand geschickt.
Das ehemalige SPD-Mitglied und Ex-Wirtschaftsminister
Wolfgang Clement warnt daher: "Stellt
bloß keine Beamten mehr ein!"
17) Die 1995 in Deutschland vom damaligen Sozialminister Norbert Blüm
eingeführte Pflegeversicherung wird zur freiwilligen Zusatzversicherung.
Das würde nicht nur die Familien und Verwandtschaftssysteme
aufwerten und stärken sondern auch die Lohnnebenkosten und damit
die Arbeitskosten senken sowie die Staatsquote verringern. Auf diese Weise
würden neue Arbeitsplätze entstehen. Die pflegenden Angehörigen
bzw. die Träger-Konzerne
der Alten- und Pflegeheime (meist die sogenannten Wohlfahrtsverbände)
haben ja noch die oftmals stattlichen Renten bzw. Pensionen der alten
Leutchen zur Verfügung. Sie sollten lernen, wieder damit auszukommen
- vor 1995 ging's doch auch! In der Welt vom 20.01.2012 plädiert
Dorothea Siems gegen das Gießkannenprinzip und für mehr Sparsamkeit
bei den Leistungen der Pflegeversicherung: "Der Skandal ist, dass
Gesundheitsminister Bahr als Liberaler den typischen Fehler der Sozialpolitiker
wiederholt: Wohltaten zu verteilen und die Rechnung an die künftigen
Generationen weiterzureichen".
Die Gelder aus der Pflegeversicherung sind übrigens für viele
Frauen ein zusätzlicher Anreiz, den Ehemann (sollte er nicht optimal
sein) wegzuschicken. Während der Exmann arbeiten geht, um seiner
Unterhaltspflicht nachkommen zu können, nimmt sie sich zur Aufstockung
ihres Unterhalts-Einkommens Oma oder Opa ins Haus. Sie hat dann deren
Rente bzw. Pension zur Verfügung und kassiert Gelder aus der Pflegeversicherung.
Wenn sie sich die Hände nicht schmutzig machen will, kann sie ab
und zu einen Pflegedienst kommen lassen. Man
sieht: die Pflegeversicherung
trägt zur Destabilisierung der traditionellen Familie bei und
gehört auch aus diesem Grund abgeschafft.

Eine nachhaltige Krankenversicherung ohne Fehlanreize
18) Einführung der von CDU/CSU noch im Wahlkampf 2005 geforderten
einheitlichen Gesundheitsprämie für alle gesetzlich Krankenversicherten.
Die Arbeitgeberbeiträge werden bei 6,5% des Bruttoeinkommens eingefroren.
Der von den Linken als Kopf-Pauschale bezeichnete Versicherungsbeitrag
ist steuerlich absetzbar. Geringverdiener, die keine Steuern bezahlen,
bekommen einen Zuschuss. Dadurch wird die Krankenversicherung zu einem
großen Teil aus dem Staatshaushalt finanziert, was die Last auf
mehr und breitere Schultern verteilt als im bisherigen System, wo ausschließlich
Arbeitnehmer bzw. die Arbeitsplätze zur Finanzierung herangezogen
werden. Der gehaltsunabhängige Krankenkassenbeitrag würde übrigens
auch die Nachhaltigkeitslücke für den Staatshaushalt in der
Krankenversicherung um rund ein Drittel auf 72 Prozent des Bruttoinlandsprodukts
senken, besagt eine Untersuchung des Forschungszentrums Generationenverträge
in Freiburg (Handelsblatt
vom 19.05.2010).
Die Alternative zur Gesundheitsprämie wäre eine Privatisierung
der gesetzlichen Krankenversicherung unter Wegfall der Arbeitgeberbeiträge,
wie von der FDP vorgeschlagen. Soziale Härten, die sich dadurch ergeben,
werden durch das Steuersystem ausgeglichen. Wird der Faktor Arbeit entlastet,
dann schaffen Unternehmer und Staat wieder mehr Arbeitsplätze, und
das ist die beste Sozialpolitik!
Bei allen Behandlungen oder Operationen zahlen die Versicherten einen
Eigenanteil von z.B. 20 bis 30 Prozent. Damit sollen die steigenden Gesundheitskosten
abgedeckt und Anreize für ein gesundes Leben im Interesse der Kostendämpfung
gesetzt werden. Auch wird mit dieser Maßnahme vorgebeut, dass kostenintensive
Behandlungen in Zeiten leerer Kassen vielleicht bald nur noch jüngeren
Patienten zuteil werden. Antibiotika sollen zu 100 Prozent vom einzelnen
Patienten bezahlt werden, um die Entstehung und Verbreitung multiresistener
Keime zu erschweren.
Wenn Patienten ein Viertel der Behandlungskosten selbst tragen müssten,
gäbe es auch schlagartig weniger psychisch Kranke, wie aus einem
überaus aufschlussreichen Artikel in der Welt
vom 07.11.2011 hervorgeht: "Das kranke Milliardengeschäft
mit der wunden Seele", lautet der Titel. Mehr Geld wird in Deutschland
nur für die Behandlung von Herzkrankheiten ausgegeben. Rund 30 Milliarden
Euro im Jahr lässt sich die Versichertengemeinschaft die Betreuung
und Medikamentierung von psychisch labilen Patienten kosten. "Drei
Viertel davon sind schwer krank - trotzdem fließen drei von vier
Euro in die Behandlung von Menschen mit leichteren Störungen",
schreiben A. Dowideit und M. Neller in der Reportage aus dem bundesrepublikanischen
Irrenhaus. Kein Wunder, denn die Seelenmassage auf der Couch gibt es in
Deutschland für lau: "Eine Therapie kostet den Patienten nichts,
jeder kann sie bekommen. Das gibt es in keinem anderen Land".
Die meisten Seelenklempner bevorzugen die leichten Fälle, weil sie
mit ernsthaften Psychosen oder Depressionen keinen Cent zusätzlich
verdienen. Wer wirklich krank ist, muss daher oft lange suchen, um einen
Nervenarzt zu finden, der sich auf ihn einlassen mag. Ganz besonders viele
TherapeutenInnen und Hilfsangebote für Leute mit Psycho-Wehwehchen
findet man in reichen Wohngegenden, vermutlich wegen der unterforderten
Frauen, die dadurch nur auf dumme Gedanken kommen. Überhaupt ist
Schland in den vergangenen Jahrzehnten ein El Dorado für Psychiater,
Psychologen und Therapeuten aller Art geworden. "Es gibt bundesweit
rund 24.000 speziell ausgebildete Therapeuten und niedergelassene Ärzte
und so viele Kur- und Rehakliniken wie in der gesamten übrigen Welt.
Die bieten heute viermal so viele Therapieplätze an wie noch Anfang
der 90er-Jahre".
Die gesetzliche Krankenversicherung sollte keine Behandlungskosten mehr
übernehmen, die eindeutig auf unverantwortliches Verhalten der Patienten
zurückzuführen sind. Hierzu zählen zum Beispiel Raucherbein,
Lungenkrebs, aufgrund mangelnder Zahnpflege notwendiger Zahnersatz und
Unfälle bei gefährlichen Sportarten. Solche Risiken können
durch eine private Zusatzversicherung abgedeckt werden. Bei der Grenzziehung
hilft ein Blick in die Statistik der kostenintensivsten Krankheiten. Über
Leute, die unter Freiheit verstehen, von Alkohol, Zigaretten und andauernden
kulinarischen Genüssen abhängig zu sein, kann ich nur lachen.
Sollen sie doch mit ihrem Körper machen, was sie wollen! Wenn sie
die gesundheitlichen und sozialen Kosten dann aber auf die Versichertengemeinschaft
abwälzen, dann nenne ich das Kollektivismus und lehne es strikt ab.
Die Solidarität darf nicht so weit reichen, Menschen zu selbstzerstörerischem
Handeln zu ermutigen, weil sie die Konsequenzen nicht selbst tragen müssen!
(siehe das Problem mit dem Moral
Hazard). Krasses Beispiel für einen Fehlanreiz: In Griechenland
gibt es eine Welle von HIV-Infektionen. Vor
allem Drogenabhängige stecken sich immer öfter absichtlich mit
dem tödlichen Virus an, weil Aids-Patienten höhere Sozialhilfesätze
bekommen! (Focus
vom 26.11.2011).

Wider die Pflichtversicherung für Selbstständige!
Seit 2009 unternimmt es die politische Klasse, ihre Macht weiter auszubauen,
indem sie unter anderem ihre schärfsten Kritiker, nämlich unabhängige
Blogger und freie Journalisten, stärker denn je unter wirtschaftlichen
Druck setzt. Es geht um die Einführung der Krankenversicherungspflicht
für Selbstständige und um die Berufsfreiheit, die für selbstständige
Niedrigverdiener seither nicht mehr zu finanzieren ist. Es handelt sich
um nichts weniger als einen Angriff auf die bürgerlichen Freiheitsrechte
- ohne böse Absicht, aber ganz nach dem Motto: "Gut gemeint,
doch schlecht gemacht, weil oberflächlich ausgedacht", wie es
in einem Lied von Theo Lehmann und Jörg Swoboda heißt. Bedroht
ist neben der Pressefreiheit das Grundrecht auf freie Berufswahl. Artikel
12 des Grundgesetzes bestimmt: "Alle Deutschen haben das Recht, Beruf,
Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen". Der
Bundestag hat mit der Änderung des § 193 VVG (Versicherungsvertragsgesetz)
das Recht auf freie Berufswahl für die Geringverdiener unter den
Kleinunternehmern praktisch aufgehoben. Erst seit 2009 gilt die Pflicht
zur Krankenversicherung auch für Selbstständige. Zukünftig
wollen die Sozialpolitiker in Deutschland sogar eine Rentenversicherungspflicht
für Kleinunternehmer einführen (Welt vom 05.01.2012: Koalition
will Selbstständige zur Vorsorge zwingen).
Nach der Logik der Sozialpolitiker muss ich als Selbständiger mit
Krankenversicherung, Pflegeversicherung, bald auch Rentenversicherung
sowie mit den GEZ-Gebühren rund 500 bis 800 Euro pro Monat bezahlen,
um überhaupt erst einmal eine Existenzberechtigung in Deutschland
zu haben! Man muss also zumindest 500 Euro monatlich erwirtschaften, um
überhaupt sein zu dürfen! Verdiene ich 350 Euro mehr, dann kann
ich mir eine kleine Wohnung oder ein Zimmer nebst Heizung und Strom leisten,
denn irgendeine Bleibe muss der Mensch ja haben. Und wenn ich darüber
hinaus noch weitere 150 Euro erwirtschafte, dann muss ich nicht verhungern,
denn mit dem Geld kann ich im Supermarkt das Nötigste einkaufen.
Aber auch nur dann, wenn ich streng auf die Preise achte und Thilo Sarrazins
Rezepte für Hartz-IV-Empfänger heranziehe. Damit kommt man nach
Adam Riese auf mindestens 1000 Euro, die man erarbeiten muss, um als Selbstständiger
gerademal so überleben zu können. Die Hälfte davon geht
für Sozialbeiträge drauf, die in englischsprachigen Ländern
"Social Taxes" genannt werden. Die Besteuerung des Existenzminimums
beträgt also stolze 50 Prozent - aber nicht nur nominell bzw. theoretisch
wie bei den Spitzenverdienern! Geld für Klamotten oder irgendwelchen
Luxus wie zum Beispiel essen gehen? Nun ja, vielleicht steckt einem Mama
oder Oma den einen oder anderen Geldschein zu, denn sie hat so ungefähr
das dreifache Einkommen.
Das war die Theorie. In der Praxis ist nicht einmal gesichert, dass man
die 500 Euro für das "So-Sein" zusammenbringt. Bundestagsabgeordnete
kommen meist aus dem Beamtentum, und daher wissen sie vielleicht nicht,
dass ein Kleinunternehmer seine Einnahmen nicht einfach durch Mehrarbeit
linear oder sogar exponentiell steigern kann, wie das bei Angestellten
der Fall ist. Soll ein Kleinunternehmer, dessen Geschäfte gerade
nicht so gut laufen, also nebenbei noch einen Minijob annehmen, nur um
wenigstens den größten Teil seiner Pflichtversicherungsbeiträge
damit erarbeiten zu können?
Wenn Selbstständige, die doch am geringsten vom Staat abhängig
sind, zur puren Daseinsberechtigung erst einmal 500 Euro für zweifelhafte
Ansprüche aus diversen Sozialversicherungen abdrücken müssen,
dann wird der Mensch zum Kostenfaktor herabgewürdigt! Und das geschieht
nicht in der freien Marktwirtschaft, das ist die fatale Konsequenz des
übertriebenen Wohlfahrtsstaats! Gibt es etwas, das Sinngebung und
Moral mehr zersetzen könnte? Fehlt nur noch, dass für jedes
Neugeborene eine Sterbeversicherung abgeschlossen werden muss!
Mit der Pflicht zur Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung wird der
Einzelne auf eine Sozialversicherungsnummer reduziert. Durch die Blume
wird uns damit prophezeit, dass sich im Falle der Hilfsbedürftigkeit
niemand um uns kümmern wird. Mit Ausnahme natürlich der professionellen
Helfer und Helferinnen, die nebst der schmarotzenden Bürokratie selbstredend
gut bezahlt werden wollen. Und zwar so gut, dass man davon "anständig
leben kann". Fataler Weise handelt es sich um eine selbsterfüllende
Prophezeiung. Denn wenn jeder gehalten ist, sich im Falle eines Falles
an den Staat oder an staatlich verordnete Versicherungen zu wenden, brauchen
sich die Menschen gegenseitig kaum noch. Die Isolation der Individuen
von der eigenen Familie und Verwandtschaft, von Nachbarn, Bekannten, Freunden
und Lebenspartnern wird zusätzlich umso größer, je mehr
man sich abrackern muss, um Steuern, Gebühren und Sozialversicherungsbeiträge
zu erwirtschaften. Es bleibt für viele schlicht und ergreifend nicht
mehr die Zeit, die Oma oder die Tante im Pflegeheim zu besuchen. Höchstens,
wenn ein großer Geldschein dabei herausspringt.
Die Versicherungspflicht wäre noch halbwegs tragbar, wenn die Anspruchsberechtigten
auf Grund einer Eigenbeteiligung an den Behandlungskosten in Höhe
von 20 bis 30 Prozent gezwungen wären, die Gelder mit Maß,
Verstand und Sparsamkeit in Anspruch zu nehmen. Davon kann jedoch nicht
die Rede sein. Denn das deutsche Gesundheitswesen ist nur dem Namen nach
eine Solidargemeinschaft. In Wahrheit handelt es sich um einen gigantischen
Umverteilungsapparat mit ähnlich bizarren Auswirkungen wie das Gestrüpp,
das sich deutsche Steuergesetzgebung schimpft. Mit dem Wort "Solidarprinzip"
wird bislang erfolgreich verschleiert, dass sich die Gesundheitsbranche
seit den 70er Jahren zu einem Ausbeutungssystem entwickelt hat. Die Ausbeuter
sind mitten unter uns. Neben Einzelnen aus der Gruppe der üblichen
Verdächtigen sind es die alten und jungen Alten, die vorgeblich Kranken
und die eigenhändig Heruntergewirtschafteten. Die Profiteure sehen
sich am liebsten als Opfer des Kapitalismus, um sich und andere von ihrer
seelischen Einöde und ihrer manchmal beeindruckenden Leibesfülle
abzulenken. Nicht selten kann man sie tatsächlich als Opfer bezeichnen
- Opfer der fürsorglichen Belagerung durch den Sozialstaat.
Die Verlierer des Systems sind die Leistungsträger unserer Gesellschaft.
Typischer Weise sind es die männlichen Ureinwohner Europas, denen
die Eltern, Kindergärtnerinnen und Lehrer(innen) von frühester
Jugend an Leistungsbereitschaft, Tragsamkeit und Duldsamkeit eingetrichtert
haben. Die Dummen sind diejenigen, die angeblich auf der Sonnenseite des
Lebens wandeln, die sogenannten "starken Schultern". Es sind
die Berufstätigen, denen man es auf Grund ihres Geschlechts nicht
durchgehen lässt, wenn sie sich auf einen ruhigen Halbtagsjob zurückziehen.
Zu den Dummen würde die Politik aber allzu gern auch unsere Nachkommen
zählen, denn nicht zuletzt mit milliardenschweren Zuschüssen
an die Kranken- und Rentenversicherung verjubeln wir die Zukunft unserer
Kinder. Wenn wir uns da mal nicht täuschen! Wahrscheinlich werden
sie mit den Füßen abstimmen und massenhaft auswandern, anstatt
unsere Schulden zurückzubezahlen.
Mit der Versicherungspflicht nehmen die privaten und gesetzlichen Krankenversicherer
endgültig das Geld von den Armen und geben es den Reichen! Sie kassieren
Kleinunternehmer ab, die oft ein geringeres Einkommen als Sozialhilfeempfänger
haben, und geben die Mittel zum Beispiel für die Behandlung von Rentnern
und Pensionären aus, die ohnehin meist zu den Gewinnern unserer Gesellschaft
gehören. Darüber hinaus müssen Privatversicherte das marode
Gesundheitssystem mitsamt den gesetzlichen Krankenkassen quersubventionieren.
Geringverdiener müssen immer höhere Beiträge abführen,
damit Beamte und Ruheständler für Computertomographien, Kuraufenthalte
oder neue Hüftgelenke keine Zuzahlungen zu leisten brauchen. Das
ist Umverteilung von unten nach oben, ein klassisches Ausbeutungsverhältnis!
Der gemeinsame Topf ermöglicht den Senioren und den Kranken unter
anderem auch kostenlose Organtransplantationen. Dabei schlägt zum
Beispiel eine Nierentransplantation für die Krankenkassen im Durchschnitt
mit 50.000 bis 65.000 Euro zu Buche (Studie von 2007: Gesundheitsökonomische
Aspekte von Nierentransplantationen). Angeblich soll dies langfristig
dennoch billiger als die Dialyse sein. Vielleicht stimmt diese Rechnung
sogar. Aber sicher nicht dann, wenn bei einem Patienten die zweite Niere
auch noch ausgetauscht wird! Und schon gar nicht, wenn man die afrikanischen
Opfer des durch die Vollkasko-Mentalität forcierten illegalen Organhandels
berücksichtigt (Welt
vom 18.11.2011: Das blutige Geschäft mit Organen in der Sinai-Wüste).
Wenn es der Gesetzgeber mit Selbstverantwortung und Verursacherprinzip
wirklich ernst meinen würde, dann müsste er auch die beitragsfreie
Mitversicherung von Ehegatten und Kindern abschaffen. Aber davon abgesehen,
es würde auch aus wirtschaftsliberaler Sicht dem Sozialstaat gut
anstehen, wenn Leute, die der Allgemeinheit nicht auf der Tasche sitzen,
die brav ihre Vorsteuer abführen und als Konsumenten ja auch Mehrwertsteuer
bezahlen, im hohen Alter eine schmale staatliche Rente bekämen. Das
gilt zumindest solange wir andere durchfüttern, die im Leben so gut
wie nie berufstätig waren und auch keine Kinder großzogen,
sondern als Langzeitarbeitslose jahrzehntelang von Staatsknete lebten.
Hinzu kommt: Während Hartz-IV-Empfänger Anspruch auf eine kostenlose
Krankenversicherung haben, bewirkte die große Koalition unter Angela
Merkel mit der Krankenversicherungs-Pflicht, dass Inhaber kleiner Firmen
reihenweise in die Arme des Sozialstaats getrieben werden! Und auch wenn
sie auf dem Arbeitsmarkt fündig werden, so ist doch der Arbeitsplatz,
den sie für sich selbst geschaffen hatten, vernichtet worden. Wo
ist also der Vorteil der Versicherungspflicht für Selbständige?
Wie so oft, wenn der Staatsapparat seine Untertanen zu ihrem Glück
zwingt, dürften die wirtschaftlichen, sozialen und psychologischen
Kosten weit höher als der Nutzen sein.
Auch für den Wirtschaftsstandort kommt die Versicherungspflicht
einem Schildbürgerstreich gleich. Denn überhöhte Sicherheitsansprüche
und Sozialabgaben sind eignet, auch hoffnungsvollen Gründern bereits
in der Startphase den Garaus zu machen. Das kann aus mehreren Gründen
nicht gut gehen. Erstens sind Kleinselbstständige genau wie Leiharbeiter
ein wichtiges Korrektiv des ansonsten verkrusteten Arbeitsmarkts in Deutschland
und Europa. An sie werden Dienstleistungen vergeben, die man problemlos
outsourcen kann, und das sehr oft zu Löhnen bzw. Preisen, bei denen
Festangestellte keinen Finger krumm machen würden. Da die Konkurrenz
unter den Kleinunternehmern in bestimmten Branchen mörderisch ist,
wird es nur wenigen von ihnen gelingen, höhere Kosten auf ihre Kunden
abzuwälzen.
Und zweitens kommen bahnbrechende Innovationen meist nicht aus der Masse
der Angestellten in einem Betrieb, und schon gar nicht aus der Beamtenschaft.
Frische Ideen und neue Produkte kommen überwiegend aus der Reihe
der unerschrockenen Pioniere, die nicht selten zu der Million Kleinunternehmer
mit weniger als 1100 Euro Nettoeinkommen gehören (Welt vom 23.01.2012:
Selbstständige
verdienen oft mehr als Arbeitnehmer). Doch die Chance, dass aus einem
mutigen Entrepreneur ein erfolgreicher Firmenlenker wird, ist bekanntlich
nicht allzu groß. Die einen schaffen es, weil Glück, günstige
Umstände, natürliche Begabung und ein unbedingter Durchhaltewille
bei ihnen zusammenkommen. Bei den anderen bleibt der Erfolg vielleicht
nur deswegen aus, weil nur einer dieser Faktoren unterrepräsentiert
ist.
In Europa ist der Boden für zukunftsweisende Firmen in den vergangenen
Jahrzehnten ohnehin immer härter geworden. Es ist kein Zufall, dass
IT-Größen wie Microsoft, Amazon, Ebay, Google, Apple und Facebook
nicht in der alten, sondern in der neuen Welt marktbeherrschend geworden
sind. Und was ist mit den Innovationen der vergangenen beiden Jahrhunderte,
von deren Substanz wir Deutschen immer noch ganz gut leben? Wer weiß,
ob die Namen Siemens, Daimler, Benz, Porsche usw. überhaupt jemanden
etwas sagen würden, wenn schon damals eine Krankenversicherungspflicht
für Selbstständige eingeführt worden wäre. Vielleicht
wären sie, wie viele kluge Köpfe, in die USA ausgewandert.
Im Übrigen stehen die Sozialsysteme und all die Rentenansprüche
und Pensionszusagen ohnehin auf tönernen Füßen. Schon
allein deswegen, weil die Staaten des Euro-Raumes darauf spekulieren,
ihre Verschuldungsprobleme bequem über eine verstärkte Inflation
loszuwerden. Das würde nicht zuletzt die Rentner treffen. Spätestens,
wenn die Staaten und ihre sozialen Sicherungssysteme endgültig pleite
sind, wird jeder alt aussehen, der nicht Kinder in die Welt gesetzt hat
und für sie da war. Dann wird wie früher wieder die eigene Familie
als Anlaufstelle für Greise dienen, die auch beim besten Willen nicht
mehr arbeiten können. Damit würde die Familie ihre ureigenste
Kompetenz wieder zurückerhalten, denn sie war und ist der Schlüssel
für eine nachhaltige, weil nach dem Subsidiaritätsprinzip funktionierende
Sozialpolitik.
Langer Rede kurzer Sinn: Die Versicherungspflicht (vor allem die für
Selbstständige) ist aus mehreren Gründen dumm und ungerecht.
Dagegen begehren deswegen nur wenige auf, weil sich die Maßnahme
gegen die bösen Unternehmer richtet. Die "Vertreter der Ausbeuterklasse"
selbst getrauen sich bislang selten, den Mund aufzumachen, weil sie mit
einiger Berechtigung befürchten, dass es ihrem Geschäft schaden
würde. Mag sein, dass ich mir auch damit schade. Sei's drum. Ich
nehme den Versicherungszwang zum Anlass für eine Aktion
des zivilen Ungehorsams. Seit August 2011 habe
ich die Zahlungen an meine Krankenversicherung in Höhe von 336,25
Euro (mittlerweile 395,80 Euro) eingestellt.

Familie und Bildung
19) Das Elterngeld (früher Erziehungsgeld) wird abgeschafft. Getreu
dem neuen familienpolitischen Leitbild fördert es besserverdienende
Frauen, die nach einer kurzen Babypause die Berufstätigkeit alsbald
wieder aufnehmen. Das Nachsehen haben vor allem kinderreiche Familien
aus der Mittelschicht. Dabei hat sich das Elterngeld als Fehlschlag erwiesen!
Der Staat gibt dafür seit 2007 jährlich 4,5 Milliarden Euro
aus, doch noch nie gab es in Deutschland weniger Geburten als 2009: Die
Geburtenrate fiel auf 1,36 Kinder pro Frau (Welt
online 22.11.2010).
20) Ich bin für einen pragmatischen Schutz des ungeborenen Lebens:
Der §
218 des Strafgesetzbuchs soll so gestaltet sein, dass im Endeffekt
möglichst wenig Kinder abgetrieben bzw. getötet werden. Es ist
zu bezweifeln, dass dies mit der jetzigen Fristenregelung erreicht wird.
Eine soziale Indikation als Begründung für einen legalen Schwangerschaftsabbruch
lehne ich auf jeden Fall ab. Eine schwangere Frau kann nicht einfach sagen:
"Mein Bauch gehört mir". Das ist feministische Volksverdummung
übelster Art! Kein Mensch hat das Recht, über Leben oder Tod
eines anderen Menschen zu entscheiden. Über 100.000 Abtreibungen
in Deutschland pro Jahr (Statistisches
Bundesamt) sollten uns zum Nachdenken bringen.
21) Bildungspolitik: Privatisierung der Hochschulen und Abschaffung der
Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS). Die
Universitäten sollen sich wie in vielen anderen Ländern der
westlichen Welt ihre Studenten selbst aussuchen und zur Finanzierung einer
verbesserten Forschung und Lehre Studiengebühren erheben dürfen.
Auf lange Frist erfolgt eine Privatisierung der Schulen. Wer das Schulgeld
nicht bezahlen kann, der bekommt einen staatlichen Zuschuss. Die Lehrer
werden nach den Leistungen der Schüler und nach der Zufriedenheit
der Eltern bezahlt. Die Hauptschule soll erhalten bleiben und weitgehend
in eine beruflich orientierte Ganztagesschule umgewandelt werden. Der
Staat legt lediglich die Lernziele fest und überwacht die für
Deutschland einheitliche Prüfungsordnung. Die Ferien für Schüler
und Lehrer werden auf insgesamt sechs Wochen pro Jahr begrenzt. Die Schul-
bzw. Unterrichtspflicht wird überwacht und bei Nichtbeachtung mit
Sanktionen belegt (z.B. Entzug des Kindergeldes).
In allen Schulen wird das Fach "Wirtschaftskunde" eingeführt,
wo vor allem die Mechanismen der freien Marktwirtschaft zum Thema gemacht
werden (z.B. Angebot und Nachfrage regeln die Höhe von Preisen und
Löhnen). Dabei handelt es sich nicht um Indoktrination, weil der
Kapitalismus keine Ideologie ist, sondern ein soziales Phänomen.
Er ist das Wirtschaftssystem, das in einer offenen Gesellschaft und einem
freiheitlichen Staat von alleine entsteht. Der österreichische Wirtschaftsjournalist
Michael Hörl bezeichnet die Europäer als ökonomische Analphabeten:
"Deutschlands Bildungssystem entlässt die Mehrheit seiner Bürger
ohne ein Gefühl für Wirtschaft hinaus in eine Welt voller Wirtschaft.
Entweder kommt Ökonomisches in Hauptschulen, Gymnasien oder in den
Gesellschaftswissenschaften gar nicht vor oder es wird wirtschaftsfeindlich
unterrichtet. Wie (der Philosoph) Karl Marx unterliegen
auch Europas ökonomisch ungebildete Eliten heute dem Kardinalirrtum,
dass der Gewinn des Einen immer den Verlust des Anderen bedeuten müsse,
man also 'umverteilen' müsse, um 'Gerechtigkeit' herzustellen"
(Welt
vom 08.01.2012).

Steuerreform: Bierdeckel-Steuererklärung
22) Wir fordern eine Steuerreform, die ihren Namen wirklich verdient.
Ziel ist eine radikale Steuervereinfachung mit einem einheitlichen Steuersatz
für alle Einkommen nach Vorbild der "Bierdeckel-Steuererklärung"
von Friedrich Merz und Paul Kirchhof. Davon ausgenommen ist ein steuerfreies
Basis-Einkommen bzw. ein Grundfreibetrag. Steuerschlupflöcher werden
gestopft, keiner soll sich durch Abschreibungsmodelle mehr künstlich
ärmer rechnen können als er ist. Leistung soll sich wieder lohnen!
Investoren und Konsumenten bekommen den Blick wieder frei für Ihre
eigentlichen Prioritäten und Wünsche - unverfälscht von
Überlegungen zur Steuergestaltung und Steuervermeidung.
Für den ehemaligen Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof ist das
deutsche Steuerrecht schon deswegen ungerecht, weil niemand es mehr verstehe:
"Was nicht als gerecht verstanden werden kann, kann auch nicht gerecht
sein", sagte der Steuerrechtsexperte in einem FAZ-Interview
vom 22.08.11. Ein Unding ist der Wust an Steuergesetzen nach Kirchhofs
Überzeugung auch deswegen, weil die Fülle von Ausnahmeregelungen
und Steuerprivilegien große Unternehmen und Spitzenverdiener begünstige:
"Wer viel verdient, kann seine Steuerschuld mindern. Er kann gute
Berater bezahlen, stille Reserven bilden, Firmen verschachteln, Auslandsgesellschaften
einrichten und so Gewinne und Verluste verschieben. Wer über viel
Vermögen verfügt, kann die Steuer vermeiden. Aber nicht der,
der mit seinem gesamten Jahreseinkommen sich und seine Familie ernähren
muss".
Staatliche Investitionslenkung sollte auf wenige Tatbestände wie
z.B. eine relativ hohe Besteuerung des Energieverbrauchs und des CO²-Ausstoßes
beschränkt bleiben. Ansonsten gehört das Steuern durch Steuern
auf den Komposthaufen der Geschichte, denn es geht meist mit Marktverwerfungen,
einer ganz und gar nicht optimalen Allokation der Produktionsfaktoren
Kapital und Arbeit einher und führt zu Verschwendung und Misswirtschaft.
Von dem römischen Historiker und Senator Tacitus stammt der Satz:
"Je verdorbener der Staat, desto mehr Gesetze hat er".
Die starke Steuerprogression sowie die Sozialversicherungsbeiträge
haben in Deutschland schon bei einem durchschnittlichen Einkommen z.B.
eines Industriearbeiters zu einer Grenzabgabenlast von 64 Prozent geführt.
Von jedem Euro, den ein Facharbeiter zusätzlich verdient, muss er
64 Cent an den Fiskus und die Sozialversicherung abliefern. Das ist im
internationalen Vergleich trauriger Rekord. Traurig deswegen, da Leistung
und Erfolg sowohl bei Arbeitnehmern als auch bei Unternehmern bestraft
werden, anstatt sie zu honorieren. Das hat die Dynamik unserer Wirtschaft
in den vergangenen Jahrzehnten ausgebremst und maßgeblich zur Massenarbeitslosigkeit
beigetragen.
Abschaffung aller Subventionen, sowohl für Unternehmen als auch
für Privatleute. Insbesondere die Pendlerpauschale, die Steuerbefreiung
von Nachtarbeitszuschlägen und Wochenendzuschlägen, die Wohnbauförderung
gehören ersatzlos gestrichen. Das Ehegattensplitting wird durch höhere
Kinderfreibeträge ersetzt. Kapital bzw. Kapitalerträge werden
weiter nur relativ gering besteuert, um den Standort Deutschland für
Investoren attraktiv zu halten (die Einführung der Abgeltungsteuer
zum 1. Januar 2009 war richtig). Die 2006 von der Großen Koalition
beschlossene Reichensteuer wird wieder abgeschafft. Eine zu starke Besteuerung
von Vermögen spült allenfalls kurzfristig mehr Geld in die Staatskassen.
Mittel- und langfristig hat sie ebenso fatale Auswirkungen wie die Überfischung
unserer Meere. Wir können uns nicht leisten die dicken Fische über
Gebühr zu schröpfen, sie der Gesellschaft zu entfremden oder
gar zu vertreiben. Schließlich erwirtschaften sie den weitaus größten
Teil unseres Steueraufkommens und werden dies um so mehr nach der geforderten
radikalen Steuervereinfachung mit einem maßvollen Steuersatz tun.
Übrigens forderte schon Laotse, der berühmte Gelehrte aus dem
China des 6. Jahrhunderts vor Christi Geburt, dass sich der Staat auf
seine Kernkompetenzen beschränken muss, wenn die Wirtschaft aufblühen
soll: "Wenn wir nichts machen, so wandelt sich von selbst das Volk.
Wenn wir die Stille lieben, so wird das Volk von selber recht. Wenn wir
nichts unternehmen, so wird das Volk von selber reich." (Laotse:
TaoTeKing, Spruch 57).
Die Definition für gemeinnützige Unternehmen und Vereine wird
enger gefasst. Als caritative Organisation werden künftig nur noch
Unternehmen eingestuft, die sich z.B. der Entwicklungshilfe oder dem Artenschutz
widmen und nicht in Konkurrenz zu normalen Unternehmen stehen. Steuervorteile
werden nur noch diesen gemeinnützigen Organisationen im engeren Sinne
gewährt, Spenden an sie können von der Steuer abgesetzt werden.
Auch große Organisationen wie das Rote Kreuz, die Caritas oder die
Diakonie sollten wir nicht länger steuerlich bevorzugen, denn ihre
Arbeit kann genauso gut oder besser privatwirtschaftlich organisiert werden.
Hintergrund: Die Gründung von gemeinnützigen Unternehmen wie
zum Beispiel Suppenküchen dient vorrangig dem Ziel, sich öffentlich
subventionierte Arbeitsplätze zu schaffen. Das fördert die Selbstbedienungsmentalität
- insbesondere bei den professionellen Helfern, die oft nur vordergründig
uneigennützig sind.
Thilo Sarrazin schreibt zu den karitativen Essensausgaben: "Das
Geld wäre besser investiert in Kochkurse, Hauswirtschaftskurse und
Verhaltenstraining für die Unterschicht. Weshalb soll eine Hartz-IV-Familie
noch die Anstrengung auf sich nehmen, den Essenseinkauf zu planen, selbst
zu kochen und gemeinsam zu essen, wenn es alles umsonst und bereits fertig
gekocht in der Suppenküche nebenan gibt? Hier wird Fehlverhalten
bestätigt und perpetuiert, anstatt seine Ursachen zu bekämpfen"
(Deutschland
schafft sich ab: Wie wir unser Land aufs Spiel setzen ;
Seite 120). In Berlin fuhr der Chef der Treberhilfe, einer Hilfsorganisation
innerhalb der Diakonie, als Dienstwagen
einen Maserati und soll ein Jahresgehalt von rund 300.000 Euro bezogen
haben! Bei der Gemeinnützigkeit handelt
es sich oft um Augenwischerei. Im Prinzip sind fast alle Unternehmen gemeinnützig,
denn sie befriedigen Bedürfnisse und schaffen in der Folge auch Arbeitsplätze,
ohne staatliche Subventionen.

Subventionen streichen
23) Abschaffung bzw. schnellstmöglicher Rückbau der Subventionen
für die Landwirtschaft, für den Export landwirtschaftlicher
Produkte, für Dienst- und Firmenwagen, für den Kohlebergbau,
für Solaranlagen, für die Windenergie, für die Atomenergie
und alle anderen Industriezweige. Die europäische und deutschlandinterne
Regionalförderung wird gestrichen. Von staatlichen Fördergeldern
sollten wir die Finger lassen, sie stören gewachsene Systeme, das
fein austachierte Gefüge von Angebot und Nachfrage, und führen
zu Fehlinvestitionen und Blasenbildung. Außerdem vermindert jede
Subventionierung die Transparenz des Wirtschaftens und erhöht damit
die Gefahr von Vetternwirtschaft und Korruption.
Der Blogger Kalle Kappner erinnert daran, dass auch im Falle des havarierten
japanischen Atomkraftwerks Fukushima nach dem Erdbeben und den 14 Meter
hohen Tsunami-Wellen vom 11. März 2011 nicht der Kapitalismus, sondern
der Staat verantwortlich zu machen ist: "Atomkraftwerke in der staatskapitalistischen
Gesellschaft haben ihren Ursprung ganz klar im Staatssektor. Sie sind
keine Geschöpfe des privaten Sektors. Ob 'Anschubinvestitionen',
Risikoübernahme, Infrastrukturbau, Forschung oder diverse Regulierungen
und Marktzutrittsbarrieren der Staat hat und hatte seine Finger
zu jeder Zeit im Spiel" (Blog
Freitum 17. März 2011). Auch für Stefan Blankertz steht
hinter der Atomenergie der mit Staatsknete überreich bedachte militärisch-industrielle
Komplex: "Das Unglück von Fukushima ist typisch für etatistische
gigantomanische Technologie, ähnlich wie die Opfer stalinistischer
und maoistischer Industrialisierung". Laut einer Untersuchung des
Technischen Verbandes der Kraftwerksbetreiber (VGB PowerTech) ist die
Katastrophe von Fukushima beinahe ausschließlich auf Behördenversagen
zurückzuführen. Im Erdbebengebiet Japan muss statistisch gesehen
alle 36 Jahre mit einem Tsunami mit Wellenhöhen von mehr als 10 Metern
gerechnet werden. Der Küstenschutz für Japans AKWs wurde jedoch
für maximal 10 Meter hohe Wellen ausgerichtet (Welt
vom 15.05.11).
Man kann darauf wetten: Wenn es irgendwo Probleme gibt, dann hatte der
Staat ohne Not Eingriffe in Marktmechanismen vorgenommen. Wir sollten
ihm auf die Finger klopfen! Ich bin kein Anarchist, der Staat ist unersetzlich,
aber er muss sich auf seine eigentlichen Aufgaben beschränken. Ohne
die Subventionen für die Kernenergie, ohne die vom Staat geduldeten
Gebietsmonopole der vier großen Energieversorger RWE, E.ON, EnBW
und Vattenfall hätten sich viel mehr kleinere, dezentrale und damit
auch effiziente, ökologische und beherrschbare Energietechnologien,
Versorger und Netze entwickelt. Der Wettbewerb ist das instinktsicherste
Entdeckungsverfahren für umweltfreundliche Technik und Verhaltensweisen.
Der Markt kann auch in Zusammenarbeit mit einem schlanken Staat Produzenten
und Konsumenten dazu bringen, die Umwelt einzukalkulieren, um sie kurz-,
mittel- und langfristig zu schützen: zum Beispiel über die Schadenshaftung
in Verbindung mit Versicherungsunternehmen und mittels Umweltökonomie
bzw. Handel mit Verschmutzungsrechten.
Die Subventionierung von Windkraft- und Fotovoltaik-Anlagen treibt besonders
giftige Blüten. Nachdem den Solarstrom-Betreibern aktuell (Januar
2011) jährlich über 10 Milliarden Euro aufgrund des Erneuerbare-Energien-Gesetzes
(EEG-Umlage) zufließen, brach der Absatz solarthermischer Anlagen
für die Warmwasser-Bereitung und Raumwärme 2010 um 27 Prozent
ein. Das hat verheerende Folgen für die Umwelt- und Klimapolitik,
denn die Einspar- und Effizienzpotenziale sind im Heizungsbereich um ein
Vielfaches größer als im Strombereich! Berechnungen haben ergeben,
dass die Effizienz pro Euro und Kilowattstunde der Solarthermie um mehr
als das Zehnfache über dem Niveau Solarstrom liegt (Welt
online vom 29.01.2011). Mit den Subventionen für Windräder
und Solarstromanlagen wird selbst der Wahnsinn der Steinkohlesubventionen
in den Schatten gestellt, worauf Klaus
Peter Krause im März 2010 aufmerksam machte: "Das EEG belastet
die Stromkunden inzwischen mit mehr als 10 Milliarden Euro im Jahr (Wind-
und Solarkraft zusammen). Die Summe muss, wie es das Gesetz garantiert,
zwanzig Jahre lang gezahlt werden. Das sind mindestens 250 Milliarden
Euro, etwa das Doppelte der gesamten Steinkohlensubventionen seit 1960".
Mit der ersatzlosen Streichung aller Subventionen sparen wir nicht nur
viele Milliarden, die woanders sinnvoller ausgegeben werden können.
Wir beenden damit auch Wettbewerbsverzerrungen und Ungerechtigkeiten,
die praktisch immer mit dem Außerkraftsetzen der Marktmechanismen
verbunden sind. So führt die Subventionierung der landwirtschaftlichen
Produktion und der Ausfuhr von Agrarprodukten zu Verwerfungen auf den
Weltmärkten und zum Verfall der Preise für landwirtschaftliche
Erzeugnisse. Dies hat viele Entwicklungsländer und deren Landbevölkerung
in für sie lebenswichtigen Märkten (auch den eigenen, also nicht
nur beim Export) bislang daran gehindert mit dem Anbau und dem Verkauf
z.B. von Zucker, Mais, Obst, Gemüse oder auch Baumwolle und mit der
Produktion von Milch und Fleisch Geld zu verdienen. Laut Jean Ziegler,
UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, beliefen sich
die staatlichen Subventionen der EU und der USA für die Produktion
und den Export von Agrarprodukten 2005 auf 349 Milliarden Euro! (Video:
ZDF
Auslandsjournal vom 4. Juni 2008: Ghana - Billigfleisch für Afrika)
Wenn und soweit die Bauern in der Dritten Welt mit der Massenware der
industriellen Landwirtschaft des Westens auch ohne deren künstliche
Verbilligung durch staatliche Subventionen preislich nicht mithalten können
(was unwahrscheinlich ist), müssen Schutzzölle in Entwicklungsländern
erlaubt sein. Es ist zynisch vom Protektionismus zu sprechen, wenn es
um das Überleben der Ärmsten geht (siehe ZEIT-Interview
mit Jean Feyder vom 20.6.2011).
Höhere Nahrungsmittelpreise sind nur kurzfristig ein Problem für
die Hungernden in der dritten Welt. Mittel- und langfristig führen
sie dazu, dass die ortsansässigen Kleinbauern wieder von ihrer Arbeit
leben können, und weniger häufig ums nackte Überleben kämpfen
müssen. In der Folge werden dort auch wieder mehr Lebensmittel produziert,
was die Versorgung verbessert und verhindert, dass die Preise explodieren.
Ich halte daher auch den Einsatz von Biokraftstoffen nicht für ein
Problem, sonder für eine Chance für die Entwicklungsländer.
Die Bedeutung von Spekulationen wird insbesondere in Deutschland mit seiner
rückständigen Wirtschaftskompetenz überschätzt, worauf
der Publizist Michael Hörl in der Welt
vom 08.01.2012 aufmerksam machte: "Spekulanten sind immer Schuld.
So ließen 'internationale Rohstoff-Spekulanten' 2008 das Land in
kollektive Wut versinken. Doch vier unabhängige Studien von OECD,
EU, IWF und selbst die deutsche Welthungerhilfe schätzten den Spekulationsanteil
auf 15%. Vierzig Prozent hingegen kamen aus boomenden Ländern wie
China oder Indien, die sich mittels 'hochdosiertem Kapitalismus' von ihrer
marxistischen Vergangenheit erholten".
Ein Schuldenerlass ist dagegen wahrscheinlich der falsche Weg. Dadurch
könnten Diktatoren gestärkt und der Strukturwandel sowie die
Korruptionsbekämpfung behindert werden. Auch muten Schuldenerlasse
wie gönnerhafte Gesten von Kolonialmächten an, und sie beschädigen
die Kreditwürdigkeit der Entwicklungsländer. Auch wenn Globalisierung
und freie Marktwirtschaft fast überall Anpassungsprobleme mit sich
bringen, sind sie doch Ausdruck einer kulturellen Weiterentwicklung. Früher
mobilisierten Nationen Heere um Kolonien zu erobern, heute mobilisieren
sie die Wirtschaft um Marktanteile zu erobern. Wenn das kein Fortschritt
ist! Die Globalisierung nützt den Menschen in vielen Ländern
der Dritten Welt, denn sie läuft auf eine weltweite Arbeitsteilung
heraus, von der alle profitieren. Auch Deutschland und die anderen früh
industrialisierten Staaten können von dieser Entwicklung mehr Nutzen
als Schaden erwarten, aber nur dann, wenn der Arbeitsmarkt flexibler wird,
die Löhne vor allem bei den niedrig Qualifizierten sinken und die
Arbeitszeiten wieder angehoben werden. Ansonsten wird sich der Abbau von
Arbeitsplätzen bei uns fortsetzen.
Wenn unterschiedlich entwickelte Volkswirtschaften frei von staatlicher
Gängelung miteinander Handel treiben, dann führt das ökonomische
Gesetz des Faktorpreisausgleichs im Laufe vieler Jahrzehnte zu einer Annäherung
der Löhne. "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit", diese
Forderung der Gewerkschaft bleibt nicht auf die bislang privilegierten
alten Industriegesellschaften begrenzt, sie wird global. Wenn unsere Gesellschaft,
der Sozialstaat und die Gewerkschaften weiterhin gegen die damit verbundenen
Lohneinbußen zu Felde ziehen, dann ziehen die Investoren das Kapital
in noch stärkerem Maße von Deutschland und anderen Staaten
Westeuropas ab, um es zum Beispiel in den Ländern Osteuropas zu investieren.
Dann droht eine weitere Zunahme der Arbeitslosigkeit, die auch durch noch
so schöne Erfolge bei der Exportindustrie nicht wettgemacht werden
kann.
Die Globalisierung folgt den von Gott geschaffenen Gesetzten der Marktwirtschaft.
Diese können wir mit Hilfe des Sozialstaats abfedern, um hier und
da enstehende Härten zu mildern. Der Gedanke, wir könnten die
Globalisierung verhindern oder nach unseren Verstellungen gestalten, kann
jedoch nur als Ausdruck der alten Arroganz des erfolgverwöhnten Westens
gewertet werden. Die Zeiten des Kolonialismus sind vorbei und die aufstrebenden
Staaten in Osteuropa und Asien werden nicht bereit sein, sich die gleichen
überhöhten Löhne, Sozialleistungen und Lohnzusatzkosten
aufbürden zu lassen.
Die Welt entwickelt sich zum Global Village, zum globalen Dorf, und wenn
wir weise sind, dann nehmen wir die Herausforderungen an und nutzen die
damit verbundenen Chancen. Wir müssen lernen, uns die Gesetze des
Kapitalismus zunutze zu machen, anstatt gegen das Unvermeidliche aufzubegehren
und unsere Kräfte in einem sinnlosen Kampf zu verschleißen.
Die Klugheit gebietet uns, dass wir uns der Globalisierung stellen, denn
entziehen können wir uns ihr nicht. Und
selbst wenn wir könnten, hätten wir nicht das Recht uns mit
einer protektionistischen Wirtschaftspolitik der Aufhohljagd der ansonsten
von bitterer Armut und Hunger bedrohten Menschen in den Schwellenländern
und Ländern der Dritten Welt entgegenzustemmen! Es lebe die internationale
Solidarität!

Vollständige Trennung von Staat und Kirche
24) Überprüfung und schnellstmögliche Einstellung der
Zahlungen an die Katholische und Evangelische Kirche, soweit diese nicht
Gegenleistungen erbringen, die im vitalen Interesse der Gesellschaft stehen
(wie es zum Beispiel bei Kindergärten und Altenheimen der Fall ist).
Insbesondere gehören die Verträge über Entschädigungszahlungen
aus der Reformationszeit um 1500 nach Christus und der Enteignung von
Kirchengütern Anfang des 19. Jahrhunderts (Reichsdeputations-Hauptschluss
von 1803) auf den Prüfstand, die den beiden Amtskirchen laut Friedhelm
Schwarz (2006 )
bis auf den heutigen Tag einen staatlichen Geldsegen in Höhe von
rund 500 Millionen Euro jährlich bescheren. Sollten die Verträge
nicht gekündigt werden können, erhalten die Kirchen die Ländereien,
Grundstücke und denkmalgeschützen Gebäude wieder zurück.
25) Notwendig ist eine vollständige Entflechtung von Staat und Kirche.
Die Kirchensteuer wird abgeschafft. Man könnte sie als moderne Form
des Ablasshandels bezeichnen. Den beiden großen Kirchen gehen damit
(je nachdem welche Organisationen bzw. Einrichtungen man in die Berechnung
einbezieht) zwischen 10 und 44 Prozent ihrer Einnahmen verloren. Die Kirche
ist somit mehr denn je gezwungen, Fundraising zu betreiben, Mitgliedsbeiträge
einzuziehen oder Mitglieder und Freunde um Spenden zu bitten, was die
Kundennähe der "verfassten Kirche" nur befördern kann.
Es liegt übrigens nahe, bei den Rentnern anzufangen, die eigenartiger
Weise keine Kirchensteuer zahlen, obwohl sie vermutlich die Mehrheit der
Gottesdienstbesucher und aktiven Mitglieder stellen.
Die Kosten für das Kirchenpersonal wie z.B. Bischöfe, Priester,
Pfarrer, Professoren und Dozenten für evangelische bzw. katholische
Theologie sollten nur noch im Ausnahmefall vom Staat getragen werden.
Zu diesen Ausnahmen gehören die katholischen und evangelischen Religionslehrer
sowie Seelsorger z.B. bei der Bundeswehr. Die Kosten für den Bau
und den Unterhalt von Kirchen, Gemeindehäusern und anderen kirchlichen
Gebäuden werden nur noch dann vom Staat übernommen, wenn sie
unter Denkmalschutz stehen und als Kulturgüter von erheblicher Bedeutung
sind. Kirchliche Einrichtungen, deren Personalkosten, Bau- und Gebäudeunterhaltungskosten
der Staat zu 100 Prozent übernimmt, werden aus dem Konzern Kirche
herausgelöst und unter staatliche Verantwortung gestellt. Alles andere
wäre Etikettenschwindel (siehe FAZ vom 15.11.2010: Wie
die Kirche sich von den Heiden finanzieren lässt).
Überprüft werden muss auch die generelle Steuerbefreiung der
Kirchen. Sie zahlen z.B. weder Körperschaftssteuer, Grundsteuer noch
Zinsabschlags bzw. Kapitalertragssteuer. Die Steuerprivilegien der katholischen
und evangelischen Kirche in Deutschland werden auf jährlich 14 bis
20 Milliarden Euro geschätzt (z.B. Carsten
Frerk, Dieter
Potzel). Siehe auch Carten Frerk: Violettbuch
Kirchenfinanzen: Wie der Staat die Kirchen finanziert
(Oktober 2010).
Die Kürzungen und Sparmaßnahmen treffen keinen Armen. Gemessen
am Umsatz und an der Zahl der Mitarbeiter sind die beiden großen
Kirchen zusammen gerechnet größer als jeder andere deutsche
Konzern. Auch ist die Kirche der größte nichtstaatliche Grundbesitzer
und einer der größten Immobilienbesitzer in Deutschland. Das
Gesamtvermögen der Evangelischen und Katholischen Kirche wird auf
rund 500 Milliarden Euro geschätzt (Friedhelm Schwarz 2006: Wirtschaftsimperium
Kirche: Der mächtigste Konzern Deutschlands ).
26) Die Sommerzeit wird abgeschafft.
27) Auf europäischer Ebene fordern wir ebenfalls die Abschaffung
sämtlicher Subventionen vor allem für die Landwirtschaft, die
Aufhebung von Schutzzöllen, den Stopp staatlich subvensionierter
Agrar-Exporte zu Dumpingpreisen in Länder der dritten Welt, und anderer
protektionistischer Bestrebungen. Länder, die durch ihren Fleiß
oder auf Grund niedriger Löhne bzw. in Folge ihrer geografischen
Lage bestimmte Dinge billiger produzieren können, sollen Ihre Produkte
weitgehend ungehindert bei uns verkaufen können. Das gleiche gilt
für den Dienstleitungssektor, wo ebenfalls sämtliche Beschränkungen
hinsichtlich der Löhne und der Preise aufgehoben werden sollen. Qualitätskontrollen
sowie die Kontrolle von sozialen Mindeststandards sollen erhalten und
weiter ausgebaut werden, soweit es sich nicht um verkappten Protektionismus
handelt.

Einwanderung
28) Für Einwanderer soll die von Hans-Werner Sinn in seinem Buch
"Ist
Deutschland noch zu retten?" vorgeschlagene selektiv verzögerte
Integration in das Sozialsystem Deutschlands eingeführt werden (S.
508ff). Dabei werden auch für sozialversicherungspflichtig Erwerbstätige
die steuerfinanzierten sozialen Leistungen wie z.B. das Wohngeld, das
Arbeitslosengeld II, die Sozialhilfe, das Kindergeld und die Zuteilung
von Sozialwohnungen für eine Übergangszeit von fünf bis
zehn Jahren stark eingeschränkt, damit der Staat nicht faktisch Zuwanderungsprämien
bezahlt. Für Einwanderer, die nicht erwerbstätig sind, gilt
das Heimatlandprinzip. Wer hilfsbedürftig ist, kann sich nicht an
das Gastland sondern nur an sein Herkunftsland wenden. Großbritannien
und Irland haben seine solche selektiv verzögerte Integration von
Einwanderern in den Sozialstaat bereits eingeführt.
Eine Sozial-Union für Europa wie bei der deutschen Wiedervereinigung
lehnen wir ab. Laut Hans-Werner Sinn ergibt sich eine solche Sozialunion
jedoch schon aus der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs
sowie aus der in der Tat freizügigen Freizügigkeitsrichtlinie
vom 10.03.04 (die bis 1. Mai 2006 in nationales Recht umgesetzt werden
musste).
Hans-Werner Sinn hält vor allem das extreme Gefälle hinsichtlich
der materiellen Ansprüche der Deutschen und der Osteuropäer
für problematisch, das nach der europaweiten Aufhebung der Einwanderungsbeschränkungen
für Arbeitnehmer ab Mai 2011 seine Sogwirkung erst richtig entfalten
wird: "Nach der Osterweiterung der Union wird sich die Zuwanderung
in die bundesdeutsche Arbeitslosigkeit weiter verstärken, denn der
Unterschied zwischen den osteuropäischen Löhnen und den deutschen
Lohnersatzeinkommen ist viel zu groß, als dass unter den heutigen
institutionellen Voraussetzungen der Bundesrepublik Deutschland ein glimpflicher
Verlauf des Anpassungsprozesses möglich erscheint. Die westdeutsche
Sozialhilfe für eine vierköpfige Familie liegt etwa beim vierfachen
des Nettolohnes eines verheirateten Industriearbeiters mit zwei Kindern
in Polen und Tschechien und sie liegt beim sechsfachen des Nettolohns
in Ungarn und der Slowakei" (Ist
Deutschland noch zu retten S. 484). Selbstständige bzw. Unternehmer
aus den osteuropäischen Beitrittsländern konnten übrigens
von Anfang an frei einwandern.
Bis 2007 hatte sich die Bundesrepublik ihre verfehlte Einwanderungspolitik
unter dem Strich bereits 1000 Milliarden Euro kosten lassen! Darauf hat
am 25. Juni 2010 Gunnar
Heinsohn in einem FAZ-Beitrag hingewiesen: "Eine Billion Euro
Sonderschulden aber hatte Deutschland bereits 2007 für Migranten,
die mehr aus den Hilfesystemen entnehmen, als sie aufgrund schlechter
Schulleistungen und anderer Handicaps in sie einzahlen können. Auf
jeden der 25 Millionen vollerwerbstätigen Nettosteuerzahler fallen
allein für diese historisch einmalige Aufgabe 40.000 Euro Schulden".
Im Fernsehen hat der Soziologe diese Zahl ebenfalls genannt und sich dabei
auf den Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen berufen
(Das
Philosophische Quartett vom 17.10.2010). Vor allem die weitgehend
integrationsunwilligen muslimischen Türken und Araber, welche die
große Mehrheit der Einwanderer ausmachen, helfen uns also mitnichten,
die sozialen Sicherungssysteme zu stabilisieren. Im Gegenteil: Die ungebremste
Einwanderung im Wege des Familiennachzugs und der Importbräute bzw.
Importpartner hat maßgeblich zur Staatsverschuldung beigetragen
(Gastarbeiter wurden bereits seit 1973 nicht mehr angeworben). Eine Billion
€ Migrationskosten, das ist mehr als die Hälfte der offiziell
ausgewiesenen Staatsverschuldung von Bund, Ländern und Gemeinden.
29) Aus Europa darf keine
Transferunion werden! Wir müssen verhindern, dass andere Länder
die Kosten für ihre sozialen Wohltaten auf uns abwälzen! Bankrotte
Staaten sollten aus dem Euro-Raum austreten und ihre alten Währungen
wieder einführen. Dann können sie über eine Abwertung der
Wechselkurse den Export ankurbeln und ihren Haushalt nach und nach wieder
in den Griff bekommen (siehe FAZ-Kommentar
vom 31. Oktober 2010).
Im Europäischen Parlament soll das Stimmengewicht der einzelnen
Mitgliedsstaaten zukünftig ihrer Bevölkerungszahl entsprechen.

Staatsdefizit
30) Wir fordern die schnellstmögliche Rückführung des
Staatsdefizits auf Null durch harte Ausgabendisziplin. Aufgrund der in
der Wirtschaftskrise noch gesteigerten Regelungs- und Ausgabenwut von
Bund, Ländern und Gemeinden werden die Staatsschulden von ca. 1500
Milliarden Euro Anno 2008 auf über 2000
Milliarden Euro im Jahr 2010 hochgeschnellt! Es kann nicht sein, dass
wir weiterhin auf Kosten unserer Kinder und Kindeskinder aus dem Vollen
leben. Dabei soll nicht an echten Investitionen, sondern an den konsumtiven
Ausgaben gespart werden, was nur durch einen massiven Umbau und Rückbau
des Sozialstaats und einen radikalen Subventionsabbau zu schaffen ist.
Die Ausgaben für Soziales machen mittlerweile die Hälfte des
Bundeshaushalts aus, während es von 1962 bis Mitte der 70er Jahre
noch ein Viertel war! Seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts
ist darüber hinaus die Zinslast kontinuierlich gestiegen: auf ein
Viertel des Bundeshaushalts. Diese Zahlen sind durch Diagramme
auf der Homepage des Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete Rolf Schwanitz
bildlich dargestellt (siehe auch Staatsverschuldung
in Prozent des Bruttoinlandsprodukts auswählbarer Länder Europas).
Unterdessen macht Reginald Grünenberg in seinem 2008 erschienenen
Buch plausibel, dass es bereits zu spät ist (Das
Ende der Bundesrepublik :
Demokratische Revolution oder Diktatur in Deutschland). Auf Grund der
auf Deutschland zurollenden Welle von Beamten im Ruhestand und der daraus
resultierenden Pensionsverpflichtungen
ist die tatsächliche (implizite) Staatsverschuldung mit rund 5 Billionen
Euro zwei bis dreimal so hoch wie sie derzeit offiziell beziffert wird.
Grünenberg: "Alleine für die Pensionen der Beamten sind
bis 2040 zusätzliche 2,3 Billionen Euro aus den laufenden
Steuereinnahmen zu zahlen, die nirgends berücksichtigt und für
die nur minimale, völlig bedeutungslose Rückstellungen gebildet
sind" (Seite 40). Laut Grünenberg ist der völlige Bankrott
Deutschlands vorprogrammiert. Selbst wenn unsere Wirtschaft jährlich
um fünf Prozent wachsen würde, könne Deutschland die Schuldenlast
bald nicht mehr stemmen (Seite 37). Er spricht von einem Wachtum auf Pump:
"Die Bundesrepublik hat seit über zwanzig Jahren kein reales
Wachstum mehr gesehen; alle offiziell ausgewiesenen Wachstumsraten, meistens
zwischen 2 % und 4 %, waren pure Simulationen, denn dieses angebliche
Wachstum war komplett schuldenfinanziert" (Seite 26). Grünenberg
will mit einer demokratischen Revolution einer neuen Diktatur auf deutschem
Boden zuvorkommen.
Grünenbergs Analyse wurde durch eine Studie der Stiftung Marktwirtschaft
vom März 2010 bestätigt und sogar übertroffen. Finanzwissenschaftler
Bernd Raffelhüschen, Vorstandsmitglied der Stiftung, geht für
die kommenden Jahre von einer Staatsverschuldung bzw. einer Nachhaltigkeitslücke
von 6,2 Billionen Euro aus. Will heißen: Zu der offen ausgewiesenen
Staatsverschuldung von 1,9 Billionen Euro kommt aufgrund staatlicher Zusagen
bezüglich der Gesundheitskosten, der Beamtenpensionen, Ansprüchen
aus der Pflegeversicherung und der Rentenversicherung eine versteckte
Staatsverschuldung von 4,3 Billionen Euro!
Die Nachhaltigkeitslücke scheint schnell größer zu werden,
denn drei Monate später geht Raffelhüschen von 7,85 Billionen
Euro Staatsschulden inklusive der versteckten Schulden aus! Hierbei sind
die Kosten für die Finanzkrise, hunderte Milliarden Euro Bürgschaften
und Kredite für die Banken oder zur Stützung des Euro, noch
gar nicht enthalten, weil sie ja wieder zurückbezahlt werden sollen.
(Zum Vergleich: Das Geldvermögen in Deutschland stieg 2010 wegen
des guten Börsenjahrs auf einen Höchststand von 4,88 Billionen
Euro: Welt
vom 06.01.2011). Die am 18. Mai 2010 vorgelegte Bilanz von Raffelhüschens
Forschungszentrum für Generationenverträge errechnet also, dass
dem Staat mehr als das Dreifache des Bruttoinlandsprodukts fehlen, um
Zukunftslasten zu schultern, die sich aus Renten- und Pensionsansprüchen
und dramatisch steigenden Ausgaben für Gesundheit und die Pflegeversicherung
ergeben. Die Leistungsversprechen werden in absehbarer Zeit schlicht unbezahlbar
sein, weil auf Grund der steigenden Lebenserwartung und der Überalterung
unserer Gesellschaft die Schere zwischen Beitragszahlern und Leistungsempfängern
immer weiter auseinanderklafft (Handelsblatt vom 19.05.2010: Dem
Staat fehlen Billionen). In den meisten Staaten des Euro-Raums sieht
es nicht besser aus.
Der Finanzwissenschaftler Stefan Homburg befürchtet, aus es nur
noch zwei Auswege gibt: eine Währungsreform (Währungsschnitt)
oder eine massive Geldentwertung (Hamburger
Abendblatt 2. Oktober 2010). Durch die extreme Niedrigzinspolitik
der Notenbanken würden etliche Probleme derzeit überdeckt, weil
sich Banken und auch Staaten sehr günstig refinanzieren können,
so Homburg. Vielleicht kommt auch eine Kombination von beidem: Zuerst
eine Hyperinflation wie in Deutschland Anfang der 20er Jahre und dann
eine Währungsreform. Beides käme einer Enteignung der Sparer
gleich, also derjenigen, die ihr Vermögen nicht in Sachwerten oder
in einer stabilen Währung angelegt haben. Schuldner dagegen wären
fein raus. Bei einer Währungsreform
würden Rentner, Pensionäre, Subventions- und Leistungsempfänger,
Raucher, Couch-Potatoes und die Sozialbeamten,
derentwegen wir uns bis zum Gehtnichtmehr verschuldet haben, verschont.
Sie könnten sogar auf eine Neuauflage des Umverteilungsstaates hoffen.

Ostdeutschland auf dem Abstellgleis
Durch die mehr schlecht als recht geglückte deutsche Wiedervereinigung
wurde Deutschland und Europa zusätzlich geschwächt. Im Zuge
des Zusammenschlusses haben wir die staatliche Wohlfahrt dem Osten übergestülpt,
obwohl sie mit der geringen Produktivität der ostdeutschen Wirtschaft
nun überhaupt nicht kompatibel war. Mehr als 1 000 000 000 000 Euro
(eine Billion) hat uns der Spaß bisher gekostet, vor allem auf Grund
der Transferleistungen und der Rentenzahlungen an ostdeutsche (Früh)rentner
(in d
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